Reise im Advent

beate-forsbach-1803Am 1. Dezember startete ich mit Senta auf unsere Adventsreise, zunächst ging die Fahrt nach Bamberg. Dort musste ich zum Zahnarzt, den ich auch zukünftig alle drei Monate aufsuchen werde. Und weil Senta im September, bei unserer ersten gemeinsamen Reise nach Armentarola, so krank gewesen ist, hatte ich diese neue Reise geplant. Endlich wollte ich mit Senta in Armentarola spazieren gehen, ein Foto-Shooting am Chiemsee machen und eine alte Freundin in München besuchen. Diese Stationen waren bereits im September geplant, aber ich war damals mit der genesenden Senta so schnell wie möglich nach Hause gefahren.

Kann man dem Glück auf die Sprünge helfen? Ja, ich glaube, man kann. Nur weil es beim ersten Mal nicht so richtig geklappt hat, braucht man noch nicht aufzugeben. Man muss es einfach noch einmal versuchen. Und so kamen wir wohlbehalten in Bamberg an und machten einen ausgedehnten Abendspaziergang an der Regnitz – von der Villa Concordia bis zum alten Rathaus.

img_0532img_0535 img_0539 Am nächsten Morgen sah es zuerst ganz schön aus, doch dann begann es, in Strömen zu regnen. Ich suchte ein passendes Restaurant für die kleine Weihnachtsfeier, die ich mit meiner Geschäftsfreundin Verena Ullmann am Abend geplant hatte. Es war gar nicht so einfach, viele Restaurants waren ausgebucht, aber ich konnte einen Tisch im Restaurant Messerschmitt an der Langen Straße bestellen, wo ich so oft mit Hans Christian gewesen war.

img_0554Am Nachmittag wanderten wir beide – endlich – durch den Hain. Das hatte ich mir schon so lange gewünscht, mit Senta durch dieses schöne Waldgebiet zu gehen. Die große Hundewiese, wo wir früher immer die Hündchen beobachtet hatten, beeindruckte sie nicht so sehr, aber am Denkmal des sprechenden Hundes Berganza posierte Senta dann doch für ein Foto. An dieser Stelle soll der Dichter E.T.A. Hoffmann einst diesem Hund begegnet sein, auf dem Rückweg vom Café Lieb im ehemals Fürstbischöflichen Jagdschloss – es ist jedoch nicht bekannt, ob der sprechende Hund vielleicht auf den Genuss des guten Frankenweins zurückzuführen ist oder tatsächlich dort gewesen ist.

img_0567Wie bei unserem allerersten Besuch des Cafés war es auch diesmal geschlossen, Senta trank ein wenig aus der Regnitz und dann liefen wir wieder zurück nach Bamberg, wo wir dann – auf den Spuren der Vergangenheit – im Café Graupner einkehrten. Wir saßen an dem Tisch, an dem ich mit Hans Christian das erste Mal gesessen hatte, als er sagte: „Sind die Schachspieler schon da?“ und ich erfuhr, dass er nicht nur wegen der Konzerte, sondern vor allem wegen des Schachspiels nach Bamberg gefahren war.img_0582Am Abend dann gingen wir ins Restaurant Messerschmitt, wo der Chef zunächst sehr skeptisch war, weil Senta ein soooo großer Hund war. Aber ich hatte sie ja mit beim Tisch bestellen, und so durften wir Platz nehmen. Senta aber lag ganz brav den ganzen Abend neben dem Tisch, wo ich mit Verena Ullmann eine schöne kleine geschäftliche Weihnachtsfeier hatte.

img_0592Am nächsten Morgen dann fuhren wir weiter nach Armentarola – in Bamberg war die Welt noch weiß überzuckert, im Inntal näherten wir uns bei schönstem Sonnenschein den mächtigen Bergen.

img_0602img_0612Wie immer telefonierte ich während der Autofahrt mit verschiedenene Freundinnen. Auf der Brennerautobahn dann verabschiedete ich mich für einige Tage in die Berge. Denn diese Reise sollte ja auch eine Reise zu mir selbst werden. Dabei hatte ich nicht damit gerechnet, dass sich eine sogenannte „Freundin“ nach dieser Reise ganz verabschiedet hat. Aber dazu später.

img_0629Froh gestimmt trafen wir in Armentarola ein. Senta suchte als erstes den Brunnen, der aber diesmal leer war, wegen der großen Kälte. Auf unserem ersten Spaziergang entdeckte sie den rauschenden Bach, in den sie fortan jeden Tag ging, um das frische Bergwasser zu trinken.  img_0624img_0877Am Abend dann gab es für mich den ersten Aperitif in der Hausbar.

img_0757Am nächsten Morgen strahlte die Sonne vom tiefblauen Himmel und unsere glücklichen Urlaubstage begannen – im immer gleichen Rhythmus. Senta tobte und tollte schon vor dem Frühstück den Hügel vor dem Hotel hoch, sie spielte sogar mit dem Ball – ein ganz neues Hund-Frauchen-Gefühl war das.

img_0929img_0785 img_0781Mein Hund fühlte sich ganz offenbar sehr glücklich hier in den Bergen.

img_0938Ich aber fragte mich auf unseren langen Spaziergängen, was all dies zu bedeuten hatte. Ich spürte ein Gefühl tiefer Dankbarkeit, weil Hans Christian mich an diesen Ort geführt hatte. Wir beide hatten Armentarola geliebt, und ich fühle mich hier sehr wohl. Auch meiner Mutter bin ich dankbar, denn sie hatte mich einst zum Skifahren gebracht, und wir waren Weihnachten immer in Seefeld/Tirol gewesen. Und Hans Christian hatte eines Tages zu mir gesagt: „Wenn ich mit Dir nach Seefeld fahre, dann musst Du mal mit mir nach Armentarola.“ Ich fühlte mich ihm sehr nahe, hier in den Bergen. Mit Senta machte ich all die Wanderungen, die wir in unseren ersten Urlauben hier noch gemeinsam gemacht hatten.

Ich dachte über mein Leben nach, über meine Bestimmung. Ich möchte gesund und glücklich 100 werden und ich möchte anderen den Mut und Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe – vor allem durch Hans Christian und meine Mutter.

Armentarola ist für mich ein magischer Ort, neben meiner Trauminsel Fehmarn, und ich möchte hier immer wieder herkommen. Wieder begegnete ich Menschen, die diese Lebensphilosophie leben – so wie Hans Christian und ich es einst beschlossen hatten. Das Hotel Armentarola wurde zu Weihnachten 1938 eröffnet und hat seitdem viele Freunde gefunden. Wer einmal hier war, kehrt immer wieder. Eine fröhliche Atmosphäre voller Lebenslust, Heiterkeit und Optimismus, dazu Sonnenschein, blauer Himmel und eine atemberaubende Bergkulisse – das ist der „Geist von Armentarola“, wie ich ihn in meinem gleichnamigen Buch beschrieben habe. Viele Gäste sprachen mich auf dieses Buch an, auf deutsch, italienisch und englisch, und alle fühlten sich wohl an diesem magischen Ort und in dem schönen Hotel.

Cover_Armentarola_Neuauflage.inddSenta wurde zum Liebling vieler Gäste – jeder wollte sie streicheln, jeder lächelte uns an, in der Hausbar oder draußen beim Spazierengehen.

img_0908Von Armentarola aus fuhren wir zum Chiemsee, wo ich ein Foto-Shooting gebucht hatte. Wir übernachteten in einem schönen Hotel in Pelham am See, von wo wir am nächsten Morgen zur Fotografin fuhren.

img_1193Das Foto-Shooting fand bei herrlichem Wetter am Chiemsee statt. Senta war die ganze Zeit dabei, sie sorgte für Heiterkeit, gab mir Halt und Liebe, wenn es mal anstrengend wurde, und sie hatte auch die Fotografin in ihr Herz geschlossen. Wunderschöne Fotos sind entstanden. Mein großer Dank geht an Theresia Berger, die es mit Geduld und Einfühlungsvermögen schaffte, dass unvergleichliche Fotos von mir und auch von Senta und mir entstanden.

beate-forsbach-2259img_2435beate-forsbach-2068Dies ist für mich eine schönere Adventszeit gewesen als Glühwein und Bratwurst auf einem überfüllten Weihnachtsmarkt. Es gab Licht, Zuversicht und Hoffnung auf 2017, neue Eindrücke einer schönen Landschaft, neue Verbindungen zu Menschen und meinem Hund. Vom Chiemsee fuhr ich dann nach München, wo ich eine alte Freundin nach mehr als zehn Jahren traf. Mit ihr gingen wir im Englischen Garten spazieren und erlebten schöne gemeinsame Stunden.

Diese Reise im Advent war mehr als ein Urlaub: neben der Erholung und Entspannung habe ich viele interessante Menschen kennengelernt und neue Kontakte geknüpft, die Verbindungen zu alten und neuen Freunden und Bekannten gefestigt, die Beziehung zu meiner Senta zu einer glücklichen Mensch-Hund-Beziehung werden lassen. Ich habe über den Sinn meines Lebens nachgedacht und wichtige Entscheidungen getroffen. Dazu gehört auch, sich von Menschen und Dingen zu verabschieden, die nicht mehr zu mir und meinem Leben passen. Zum ersten Mal, seit mein Mann verstorben ist, habe ich das Gefühl, mein Leben ganz allein bestimmen zu können. Ich bin glücklich und ich weiß, was ich will. Und Armentarola habe ich auch schon wieder gebucht für das nächste Jahr. Ich bin dankbar für alles, was mir andere Menschen gegeben haben. Und ich liebe mich, meinen Hund und mein neues Leben.

beate-forsbach-2043Soeben beginnt der 19. Dezember, es ist der Geburtstag meines lieben Hans Christian. Senta und ich werden diesen Tag in Dankbarkeit und Erinnerung an einen wundervollen Menschen begehen, der unser Leben maßgeblich bestimmt hat.

Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit!

 

10 Gedanken zu „Reise im Advent

  1. Ein sehr besinnlicher und stimmungsvoller Blogeintrag zum allmählichen Ausklang der Adventszeit, und des Jahres. Man hat das Gefühl, jede Station Deiner Reise mitzuerleben, auch durch die schönen Bilder. Du wirkst zufrieden und zuversichtlich, und das ist die beste Grundlage für interessante Projekte und anregende Begegnungen. Ich wünsch‘ Dir, dass alles in Erfüllung geht, was Du Dir wünschst. Liebe Grüsse, auch an Senta, von Birgit und den Katern.

  2. Liebe Beate
    Ich stimme den Kommentaren voll zu. Es ist ein besonderer >Blog. Besinnung, Erinnerung, gute Gefühle das alles hast du in deinen Blog beschrieben. Auch für mich war dieser Blog ein Treffen mit der Erinnerung und ich dachte an mein Leben nach. Deine Erfahrung, dein Streben haben mich schon immer sehr beeindruckt. Deine Liebe zu deiner Mutter und Hans Christian gaben dir die Kraft dein Leben so zu gestalten, das du heute zufrieden in die Zukunft schaust.
    Vielen Dank für diese schöne reise. Ich kann bloß bedauern, das ich nicht mehr gehen kann um solche Reise noch zu machen, aber dieser Ort ist wirklich magisch..
    Liebe Beate deine neue Fotos sind wunderbar, du siehst so blendend aus.

    Viele Grüße von uns und wir denken sehr oft an dich.
    Schöne und frohe Weihnachtstage wünschen wir dir auch von ganzen Herzen.

    Tilli und Bruno

    • Meine liebe Tilli,
      ich danke Dir sehr für diesen ausführlichen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe.
      Gerade rief mich Deine liebe Tochter an und teilte mir mit, dass Du wenige Stunden danach auf Deine letzte Reise gegangen bist.
      Vielleicht triffst Du meine Mutter und meinen Hans Christian dort, wo Du jetzt bald ankommen wirst.
      Nun werde ich jeden Abend drei Sterne am Himmel betrachten und ihnen zulachen – Ihr habt mein Leben schöner gemacht!
      Heute nachmittag werde ich am Strand für Euch spazierengehen und Euch zuwinken.
      Alles Liebe
      Deine Beate

  3. Liebe Beate,
    dieser Ort ist mir durch Dein Buch so nah, wie ich schon damals in meiner Rezension schrieb.
    Ich wünsche Dir weiter Dein offenes Herz für Freude und die Kraft, alles an Deine Mitmenschen weiter zu geben.
    Ein frohes und besinnliches Fest wünsche ich von Herzen
    Flo

  4. Liebe Frau Dr. Forsbach,
    Erst heute bin ich dazu gekommen, Ihren zu Herzen gehenden Blog über Ihre Adventsreise zu lesen. Es freut mich für Sie, dass alles so gut geklappt hat.
    Schön ist es doch, wenn man unterwegs liebe Freunde (Bamberg, München etc.) treffen kann. Ihre tollen Fotos habe ich mir gern angesehen.
    Und dann wieder Ihre Beschreibung des magischen Ortes Armentarola mit dem besonders inspirierenden Hotel. Würde gern das Buch „Der Geist von Armentarola
    lesen (Haben Sie noch ein Exemplar für mich?).
    Ihre Gedanken zum Leben, Erinnerungen an Ihre liebe Mutter und Ihren geliebten Mann konnte ich sehr gut nachvollziehen.
    Ihr Blog hat mir viel Freude gemacht.
    Da heute schon der 29.12. ist, wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen ein gutes, gesundes und glückliches Jahr 2017 Ihre G. Dinklage.

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