Reise im Advent

beate-forsbach-1803Am 1. Dezember startete ich mit Senta auf unsere Adventsreise, zunächst ging die Fahrt nach Bamberg. Dort musste ich zum Zahnarzt, den ich auch zukünftig alle drei Monate aufsuchen werde. Und weil Senta im September, bei unserer ersten gemeinsamen Reise nach Armentarola, so krank gewesen ist, hatte ich diese neue Reise geplant. Endlich wollte ich mit Senta in Armentarola spazieren gehen, ein Foto-Shooting am Chiemsee machen und eine alte Freundin in München besuchen. Diese Stationen waren bereits im September geplant, aber ich war damals mit der genesenden Senta so schnell wie möglich nach Hause gefahren.

Kann man dem Glück auf die Sprünge helfen? Ja, ich glaube, man kann. Nur weil es beim ersten Mal nicht so richtig geklappt hat, braucht man noch nicht aufzugeben. Man muss es einfach noch einmal versuchen. Und so kamen wir wohlbehalten in Bamberg an und machten einen ausgedehnten Abendspaziergang an der Regnitz – von der Villa Concordia bis zum alten Rathaus.

img_0532img_0535 img_0539 Am nächsten Morgen sah es zuerst ganz schön aus, doch dann begann es, in Strömen zu regnen. Ich suchte ein passendes Restaurant für die kleine Weihnachtsfeier, die ich mit meiner Geschäftsfreundin Verena Ullmann am Abend geplant hatte. Es war gar nicht so einfach, viele Restaurants waren ausgebucht, aber ich konnte einen Tisch im Restaurant Messerschmitt an der Langen Straße bestellen, wo ich so oft mit Hans Christian gewesen war.

img_0554Am Nachmittag wanderten wir beide – endlich – durch den Hain. Das hatte ich mir schon so lange gewünscht, mit Senta durch dieses schöne Waldgebiet zu gehen. Die große Hundewiese, wo wir früher immer die Hündchen beobachtet hatten, beeindruckte sie nicht so sehr, aber am Denkmal des sprechenden Hundes Berganza posierte Senta dann doch für ein Foto. An dieser Stelle soll der Dichter E.T.A. Hoffmann einst diesem Hund begegnet sein, auf dem Rückweg vom Café Lieb im ehemals Fürstbischöflichen Jagdschloss – es ist jedoch nicht bekannt, ob der sprechende Hund vielleicht auf den Genuss des guten Frankenweins zurückzuführen ist oder tatsächlich dort gewesen ist.

img_0567Wie bei unserem allerersten Besuch des Cafés war es auch diesmal geschlossen, Senta trank ein wenig aus der Regnitz und dann liefen wir wieder zurück nach Bamberg, wo wir dann – auf den Spuren der Vergangenheit – im Café Graupner einkehrten. Wir saßen an dem Tisch, an dem ich mit Hans Christian das erste Mal gesessen hatte, als er sagte: „Sind die Schachspieler schon da?“ und ich erfuhr, dass er nicht nur wegen der Konzerte, sondern vor allem wegen des Schachspiels nach Bamberg gefahren war.img_0582Am Abend dann gingen wir ins Restaurant Messerschmitt, wo der Chef zunächst sehr skeptisch war, weil Senta ein soooo großer Hund war. Aber ich hatte sie ja mit beim Tisch bestellen, und so durften wir Platz nehmen. Senta aber lag ganz brav den ganzen Abend neben dem Tisch, wo ich mit Verena Ullmann eine schöne kleine geschäftliche Weihnachtsfeier hatte.

img_0592Am nächsten Morgen dann fuhren wir weiter nach Armentarola – in Bamberg war die Welt noch weiß überzuckert, im Inntal näherten wir uns bei schönstem Sonnenschein den mächtigen Bergen.

img_0602img_0612Wie immer telefonierte ich während der Autofahrt mit verschiedenene Freundinnen. Auf der Brennerautobahn dann verabschiedete ich mich für einige Tage in die Berge. Denn diese Reise sollte ja auch eine Reise zu mir selbst werden. Dabei hatte ich nicht damit gerechnet, dass sich eine sogenannte „Freundin“ nach dieser Reise ganz verabschiedet hat. Aber dazu später.

img_0629Froh gestimmt trafen wir in Armentarola ein. Senta suchte als erstes den Brunnen, der aber diesmal leer war, wegen der großen Kälte. Auf unserem ersten Spaziergang entdeckte sie den rauschenden Bach, in den sie fortan jeden Tag ging, um das frische Bergwasser zu trinken.  img_0624img_0877Am Abend dann gab es für mich den ersten Aperitif in der Hausbar.

img_0757Am nächsten Morgen strahlte die Sonne vom tiefblauen Himmel und unsere glücklichen Urlaubstage begannen – im immer gleichen Rhythmus. Senta tobte und tollte schon vor dem Frühstück den Hügel vor dem Hotel hoch, sie spielte sogar mit dem Ball – ein ganz neues Hund-Frauchen-Gefühl war das.

img_0929img_0785 img_0781Mein Hund fühlte sich ganz offenbar sehr glücklich hier in den Bergen.

img_0938Ich aber fragte mich auf unseren langen Spaziergängen, was all dies zu bedeuten hatte. Ich spürte ein Gefühl tiefer Dankbarkeit, weil Hans Christian mich an diesen Ort geführt hatte. Wir beide hatten Armentarola geliebt, und ich fühle mich hier sehr wohl. Auch meiner Mutter bin ich dankbar, denn sie hatte mich einst zum Skifahren gebracht, und wir waren Weihnachten immer in Seefeld/Tirol gewesen. Und Hans Christian hatte eines Tages zu mir gesagt: „Wenn ich mit Dir nach Seefeld fahre, dann musst Du mal mit mir nach Armentarola.“ Ich fühlte mich ihm sehr nahe, hier in den Bergen. Mit Senta machte ich all die Wanderungen, die wir in unseren ersten Urlauben hier noch gemeinsam gemacht hatten.

Ich dachte über mein Leben nach, über meine Bestimmung. Ich möchte gesund und glücklich 100 werden und ich möchte anderen den Mut und Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe – vor allem durch Hans Christian und meine Mutter.

Armentarola ist für mich ein magischer Ort, neben meiner Trauminsel Fehmarn, und ich möchte hier immer wieder herkommen. Wieder begegnete ich Menschen, die diese Lebensphilosophie leben – so wie Hans Christian und ich es einst beschlossen hatten. Das Hotel Armentarola wurde zu Weihnachten 1938 eröffnet und hat seitdem viele Freunde gefunden. Wer einmal hier war, kehrt immer wieder. Eine fröhliche Atmosphäre voller Lebenslust, Heiterkeit und Optimismus, dazu Sonnenschein, blauer Himmel und eine atemberaubende Bergkulisse – das ist der „Geist von Armentarola“, wie ich ihn in meinem gleichnamigen Buch beschrieben habe. Viele Gäste sprachen mich auf dieses Buch an, auf deutsch, italienisch und englisch, und alle fühlten sich wohl an diesem magischen Ort und in dem schönen Hotel.

Cover_Armentarola_Neuauflage.inddSenta wurde zum Liebling vieler Gäste – jeder wollte sie streicheln, jeder lächelte uns an, in der Hausbar oder draußen beim Spazierengehen.

img_0908Von Armentarola aus fuhren wir zum Chiemsee, wo ich ein Foto-Shooting gebucht hatte. Wir übernachteten in einem schönen Hotel in Pelham am See, von wo wir am nächsten Morgen zur Fotografin fuhren.

img_1193Das Foto-Shooting fand bei herrlichem Wetter am Chiemsee statt. Senta war die ganze Zeit dabei, sie sorgte für Heiterkeit, gab mir Halt und Liebe, wenn es mal anstrengend wurde, und sie hatte auch die Fotografin in ihr Herz geschlossen. Wunderschöne Fotos sind entstanden. Mein großer Dank geht an Theresia Berger, die es mit Geduld und Einfühlungsvermögen schaffte, dass unvergleichliche Fotos von mir und auch von Senta und mir entstanden.

beate-forsbach-2259img_2435beate-forsbach-2068Dies ist für mich eine schönere Adventszeit gewesen als Glühwein und Bratwurst auf einem überfüllten Weihnachtsmarkt. Es gab Licht, Zuversicht und Hoffnung auf 2017, neue Eindrücke einer schönen Landschaft, neue Verbindungen zu Menschen und meinem Hund. Vom Chiemsee fuhr ich dann nach München, wo ich eine alte Freundin nach mehr als zehn Jahren traf. Mit ihr gingen wir im Englischen Garten spazieren und erlebten schöne gemeinsame Stunden.

Diese Reise im Advent war mehr als ein Urlaub: neben der Erholung und Entspannung habe ich viele interessante Menschen kennengelernt und neue Kontakte geknüpft, die Verbindungen zu alten und neuen Freunden und Bekannten gefestigt, die Beziehung zu meiner Senta zu einer glücklichen Mensch-Hund-Beziehung werden lassen. Ich habe über den Sinn meines Lebens nachgedacht und wichtige Entscheidungen getroffen. Dazu gehört auch, sich von Menschen und Dingen zu verabschieden, die nicht mehr zu mir und meinem Leben passen. Zum ersten Mal, seit mein Mann verstorben ist, habe ich das Gefühl, mein Leben ganz allein bestimmen zu können. Ich bin glücklich und ich weiß, was ich will. Und Armentarola habe ich auch schon wieder gebucht für das nächste Jahr. Ich bin dankbar für alles, was mir andere Menschen gegeben haben. Und ich liebe mich, meinen Hund und mein neues Leben.

beate-forsbach-2043Soeben beginnt der 19. Dezember, es ist der Geburtstag meines lieben Hans Christian. Senta und ich werden diesen Tag in Dankbarkeit und Erinnerung an einen wundervollen Menschen begehen, der unser Leben maßgeblich bestimmt hat.

Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit!

 

Was ist eigentlich Weihnachten für mich?

Heute postete ein Facebookfreund seine Meinung zu Weihnachten: das Thema sprach mich sofort an und ließ mich seitdem nicht wieder los.

Gerade nun wurde ich durch eine FB-Freundin erinnert an meinen Newsletter „Leben ist mehr“, dessen Texte ich in meinem inzwischen vergriffenen Buch „Leben allein genügt nicht“ veröffentlicht habe. Dort schrieb ich im Dezember 2009 diesen Weihnachts-Newsletter:

Liebe Leserin, lieber Leser von „Leben ist mehr“,

am Tag vor Heiligabend wachte ich auf und fühlte einen tiefen Frieden in mir. Ich fragte mich: Ist das jetzt schon Weihnachten? Und: Was ist denn eigentlich Weihnachten für mich?

Wir sind erst am Sonntag von einem Urlaub im Hotel Armentarola in den Dolomiten heimgekehrt. Eine Woche lang haben wir die Ruhe in den Bergen genossen, den blauen Himmel und den Sonnenschein, aber auch eine außergewöhnliche Kälte. Wie schön ist es, da ein warmes und gemütliches Zuhause zu haben! Dazu gutes Essen und leckeren Wein.

Außer den Weihnachtsplätzchen und einem dezenten Adventsschmuck erinnerte in Armentarola sonst wenig an Weihnachten, auch waren keine Weihnachtslieder zu hören. Wir genossen die lebensfreudige Atmosphäre des Hotels, all die netten Menschen, und die wunderschöne Geburtstagsfeier für meinen Mann.

Ganz ungeplant kam Frohsinn auf, als eine Runde von lieben Menschen mit uns auf den Geburtstag wartete, als jemand heimlich die Kapelle gebeten hatte, um Mitternacht ein Ständchen zu bringen. Wir lachten, sangen, schunkelten und waren glücklich. Vor allem mein Mann, dem es endlich mal wieder so richtig gut ging, strahlte.

Und dann die guten Wünsche: Viel Gesundheit natürlich, aber auch, dass wir uns im nächsten Jahr dort wiedersehen, dass er dann wieder ohne Rollstuhl käme, selber laufen könnte, wieder mal Schach spielen wollte. Hier gab es eine große Portion Mut und Zuversicht, die kostenlos verschenkt wurde – dazu Optimismus, der feste Glaube, dass alles gut würde. Auch Liebe wurde verschenkt – ein Kuss, ein Lächeln, ein Händedruck, eine herzliche Umarmung, eine hilfreiche Hand beim Aufstehen.

Auf der Heimfahrt nach Bamberg gerieten wir in starkes Schneegestöber, fuhren über 160 km auf einer spiegelglatten Autobahn. Ich dachte an den Rat einer Freundin, nicht schneller zu fahren, als unser Schutzengel fliegen konnte. Wir hatten beide keine Angst, spürten Ruhe und Frieden in uns – und wir kamen gut und sicher nach Hause.

Weihnachten – was ist das? Frieden, eine warme Wohnung, genug zu essen und zu trinken, menschliche Zuwendung, Liebe und Freundschaft, aber auch Frohsinn, Wohlbefinden und die Hoffnung, dass alles besser wird. Dazu das Vertrauen in eine höhere Macht, die uns beschützt und uns zu leben hilft.

Das Kind in der Krippe, der Stern über Bethlehem – sie symbolisieren die Hoffnung der Menschheit auf den Frieden in der Welt und unter den Menschen. Sie geben uns Mut und Zuversicht, trotz mancher Probleme und Einschränkungen gut leben zu können, nicht allein zu sein, wenn das Leben einmal dunkel für uns ist.

Im Dezember, der dunkelsten Zeit des Jahres, findet man überall viele Lichter, die einen Menschen zum Leuchten bringen können, ihm neuen Mut geben zum Weiterleben: Die Kerzen am Adventskranz, ein Lächeln, eine Tüte mit Plätzchen an der Wohnungstür, ein Telefonanruf, ein hübsches Gedicht, ein Wort der Versöhnung, ein schöner Weihnachtsbrief vom Modehaus, oder auch „Besinnliche Gedanken“, wie sie meine Freundin Indeed vom Seniorentreff ins Netz gestellt hat. Sie können uns helfen, das Wesentliche in unserem Leben zu finden, wieder ein Licht zu sehen, auch wenn es manchmal ganz dunkel um uns herum ist.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesen Weihnachtstagen ein Licht finden, das Ihnen leuchtet und Ihnen Mut und Zuversicht gibt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie wenigstens einen lieben Menschen haben, mit dem Sie Weihnachten feiern können.

Mein persönliches Weihnachtswunder geschah in der Nacht vom 23. zum 24. Dezember. Ich sagte zu meinem Mann, der in seinem Rollstuhl vor dem Waschbecken saß: Komm, steh auf, wir gehen jetzt zum Bett. Und siehe da, er stand auf und ging mit mir bis zu seinem Bett. Nach vielen Monaten zum allerersten Mal!

Wir erlebten zusammen einen harmonischen Weihnachtstag mit Musik, Gesprächen und gutem Essen – vor allem waren es Frieden und Harmonie, aber auch Hoffnung und Zuversicht, die bei uns die Weihnachtsstimmung bestimmten.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Weihnachtstagen Ihr persönliches Weihnachtswunder erleben und ein wenig von der weihnachtlichen Stimmung in Ihrem Herzen bewahren.

Ihre Beate Forsbach

Ich wurde auch erinnert an alte Zeiten, als ich mich als Musiklehrerin immer mit dem Thema Weihnachten auseinandergesetzt habe – gemeinsam mit meinen Schülern. Mein letztes Schulkonzert an meinem alten Gymnasium war das Weihnachtskonzert 1996 – zum Schluss sangen wir mit dem Publikum das Lied „Marys Boychild – Als aller Hoffnung Ende war“, und ich schrieb im Programmheft:

„Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir mit Hilfe der Musik zu einem friedlichen Zusammenleben finden können, dass die Weihnachtsbotschaft, zumindest in unserem Lebenskreis, wirksam werden kann.“

Und die Presse schrieb: „Etwas mehr Frieden in diese Zeit bringen“, wollte Beate Dethlefs, die Leiterin des Ernst-Barlach-Gymnasium/Gesamtschulchores und Orchesters. Das ist ihr auch gelungen.

In den vergangenen Jahren habe ich dieses Lied immer erst zu Weihnachten gepostet. Heute mache ich es zu Beginn der Weihnachtszeit, weil ich glaube, es ist aktueller denn je.

Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Advent und eine friedvolle Weihnachtszeit.

Ihre Beate Forsbach

Das Lied vom Frieden in der Welt: Marys Boy Child

Als aller Hoffnung Ende war in dem dunklen Weltenlauf,
da ging im Stall von Bethlehem der Stern der Liebe auf.

Hört, es klingt vom Himmelszelt 
das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Die Hirten sah’n am Himmelszelt den hohen, hellen Stern.
Da war der Tag der Herrlichkeit auf Erden nicht mehr fern.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Das Kind, das in der Krippe schlief, das lag in hellem Schein.
Und leise rief der Engelschor die Hirten all herein.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Besser als Traumeel: das Meer

IMG_5589Es hatte allerhand Stress gegeben für mich in den letzten Tagen – viele positive Ereignisse, und eigentlich hatte immer alles geklappt, so wie ich es gewünscht hatte. Drei neue Bücher waren innerhalb von sechs Tagen erschienen, das ist schon etwas. Und an manchen Tagen blieb am Abend noch vieles auf dem Schreibtisch liegen, was ich nicht mehr bearbeiten konnte. Einfach, weil ich erschöpft und müde war.

Dafür wurde ich oft am frühen Morgen wach und dachte an Dinge, die noch nicht so gut liefen. Vor dem Einschlafen las ich immer in dem Buch von Louise Hay „Das Leben lieben“. Und wenn ich in aller Frühe wach wurde, las ich die Passage „Ich mache das Beste aus allem, was ich erlebe“. Die zugehörige Affirmation lautet:

„Aus dieser Situation entsteht für alle Beteiligten nur Gutes. Es gibt eine für alle befriedigende Lösung. Alles ist gut, und mir kann nichts geschehen.“

Durch diese Affirmation gelang es mir, die Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass das Universum die beste Lösung finden würde.

Gestern aber, am Freitag, wachte ich nach einer „Nachtschicht“ am Schreibtisch wieder früh auf und kam nicht richtig zur Ruhe. Viele Fragen beschäftigten mich, die später im Tageslicht eher belanglos wirkten. Nach dem Aufstehen passierten ein paar Dinge, die ich so nicht erwartet hatte. Alles entwickelte sich zum Besten, aber trotzdem kamen ein paar negative Gedanken auf, so sehr ich mich auch bemügte, alles so positiv zu sehen, wie es war.

Ich ging die Treppe hinunter, und – oh Schreck – fiel der Länge nach hin auf den Steinfußboden. Ich war über Bücherpakete gefallen, die im Weg standen. Im ersten Moment wollte ich weinen, aber dann fiel mir ein, dass niemand zuhören würde. Und ich testete, was ich mir weh getan hatte. Das rechte Knie schmerzte ein wenig, aber die Hose war heil geblieben, ich war so gefallen, dass der Aufprall neben dem Knie geschah. Das tat etwas weh, aber ich konnte aufstehen.

Ich probierte, die Treppe hinauf und hinunter zu gehen, das klappte ohne Weiteres. Und laufen konnte ich auch. Bis auf einen kleinen blauen Fleck am Knie war nichts zu sehen. Ich dachte mir, dass das nur ein „Warnschuss“ gewesen war, eigentlich war nichts Schlimmes passiert. Ich schwor mir, demnächst mehr auf mich zu achten: Genügend zu schlafen, etwas zu essen, nicht nervös zu werden, wenn jemand nicht pünktlich kam, und vor allem darauf zu achten, was mir im Weg stand.

Heute morgen schmerzte die Stelle neben dem Knie ein wenig, ich schaute bei Louise Hay nach, aber „Prellung“ stand nicht in ihrem Verzeichnis. Na ja, eine Prellung hat ja wohl auch keine seelischen Ursachen. Also verrieb ich ein wenig Schmerzöl auf dem Knie. Aber dann dachte ich daran, dass ich mit Senta heute einen schönen Spaziergang machen wollte.

„Oh nein, das kannst Du nicht machen, dann wird Dein Knie schlimmer“, sagte mir eine Freundin, der ich davon erzählte. Und ich stellte mir schon vor, dass ich nicht mehr laufen und über die Treppe gehen könnte. „Nimm einfach Traumeel, das hast Du doch im Haus“, sagte sie. „Jetzt gleich eine Tablette, und dann jede halbe Stunde eine, und dann wird es zum Abend sicher besser mit Deinen Schmerzen.“

Brav schrieb ich auf einen Zettel, was mir meine Freundin, die in Homöopathie erfahren ist, gesagt hatte. Dann aß ich etwas – wie jeden Samstag teilte ich mir mit Senta ein Brötchen mit Honig-Sahne-Leberwurst. Die Sonne leuchtete in die Fenster, und ich sagte zu Senta: „Gleich gehen wir spazieren, wir gehen ans Meer!!“

Die Worte „spazieren“ und „Meer“ lösen bei Senta immer Freudensprünge aus, und ich freute mich auch. Denn wir waren die ganze Woche lang gar nicht oder nur kurz spazieren gegangen. Die Schachtel mit den Traumeel-Tabletten packte ich wieder in die Schublade.

Wir gingen der Sonne entgegen, über den schönen Wiesenweg. Mein Knie schmerzte kaum, und je näher wir dem Meer kamen, desto schneller lief Senta.

IMG_5581Die Sonne strahlte, der Himmel war blau, das Meer war ganz weit zurück gewichen und Senta konnte weit hinein laufen, ohne allzu nass zu werden.

IMG_5618Ich machte ein Foto und schickte es meiner Freundin mit den Worten:
„Besser als Traumeel: das Meer“.

IMG_5598Denn ich hatte überhaupt keine Schmerzen, die Freude beim Anblick des Meeres war so groß, außerdem behinderte mich die Prellung auch gar nicht. Wir liefen am Ufer entlang, immer weiter, bis zu dem kleinen Strand, den wir so lieben. Senta wartete immer auf mich, bevor sie weiter lief. Ein Mann und sein Kind liefen durch den Schlick und sammelten dort etwas in einen Eimer ein. Das erinnerte mich an unsere früheren Ferien in der Normandie, wo am späten Nachmittag immer die „Fruits de Mer“ gesammelt wurden, die wir später zum Abendessen serviert bekamen.

IMG_5634Und dann kamen wir an eine Stelle, wo ich stehen blieb, weil der Anblick so schön war: Dunkle Steine ragten aus dem sonnenbeschienenen Sand, das Wasser war weit entfernt. Das erinnerte mich an unsere früheren Urlaube in der Bretagne. Eine sehr schöne Erinnerung war das für mich. Und ich war voller Dankbarkeit, dass ich all das durch Hans Christian erlebt hatte: die wunderbaren Landschaften der Normandie und der Bretagne, wo wir direkt am Meer gewohnt hatten. Und dann unser Umzug nach Fehmarn, wo wir jeden Tag das Meer in seiner vielfältigen Schönheit erleben können.

Ich war einfach glücklich. Schmerzen hatte ich überhaupt keine mehr, auch nicht auf dem Nachhauseweg. Immerhin sind wir fast 6 km gelaufen. Und heute Abend, nach einem schönen Film, den ich gemütlich mit Senta auf dem Sofa angeschaut habe, geht es mir richtig gut. Auch ohne Traumeel. Und deshalb habe ich diesen Blog geschrieben.

Ich wünsche Euch einen schönen dritten Advent!

Erster Advent – ohne Dich

IMG_5671Wie würde es sein, dieses erste Adventswochenende ohne Dich? Am Samstag war allerhand los, gegen Abend riefen noch gute Freunde an, und dann hatte ich Hunger. Zunächst aber beantwortete ich eine Mail meines Doktorvaters, der um eine Spende für die Comenius-Stiftung bat – fünf Jahre lang jeweils 1 Euro pro Woche. Ich überwies ihm gleich eine größere Summe und bot an, kleine Fehmarnkalender zu spenden für die Spender. Dieses Gefühl des Gebens tat richtig gut – ich hatte gerade eine Mail erhalten, in der der Satz „Geben kommt vor dem Nehmen“ als Erfolgsgeheimnis bezeichnet wurde.

Immerzu hatte ich an diesem Nachmittag daran gedacht, dass ich den Adventsschmuck noch vom Dachboden holen wollte – wie in den vergangenen Jahren. Aber es war mir wichtiger, mit Senta zum Meer zu gehen, das neue Buch zur Druckerei hochzuladen, mit den Freunden zu telefonieren und dann etwas zu essen. Schließlich war Heiligabend noch 24 Tage weit weg. Danach war ich müde und schaute mir eine Sendung mit Weihnachtsliedern im Fernsehen an. Mir kam der Gedanke, wie perfekt und gleichzeitig aufgesetzt das alles wirkte – die künstliche Schneelandschaft, die fröhlichen Kinder, die Weihnachtsbäckerei und all die Lieder.

Dabei war es erst gestern richtig kalt bei uns geworden, ein scharfer Ostwind hatte geweht, als ich mit Senta am Meer war. An Schnee war aber noch nicht zu denken, und auch die Umstellung meiner Gedanken auf Weihnachtliches war nicht selbstverständlich. Ich bestellte mir eine schöne Dose mit Lebkuchen über das Internet – mittags war bereits ein Paket mit Büchern angekommen, die ich mir selber zu Weihnachten schenken werde. Ich habe mir ausgedacht, dass ich alles, was in diesen Tagen ankommt, schon mal in Weihnachtspapier verpacke. Dann weiß ich am Heiligabend gar nicht mehr, was alles in den Päckchen ist.

IMG_5520Heute nun ließ ich es ganz ruhig angehen: Das Wichtigste vor dem Frühstück war das Adventsgesteck, das war schnell gemacht: Ich legte frische Tannenzweige in den schmiedeeisernen Ständer und steckte vier rote Kerzen darauf. Nun konnte ich schon beim Frühstück die erste Kerze anzünden. Ich legte eine CD mit entspannender klassischer Musik auf, denn der Stress der letzten Tage war noch spürbar. Erst danach war ich empfangsbereit für die erste CD mit Weihnachtsmusik.

IMG_5677Nun verteilte ich die frischen Tannenzweige im Haus und zündete eine Kerze vor Hans Christians Bild an. Der Flügel und mein Saxophon standen stumm, aber ich holte schon mal die Weihnachtsnoten aus dem Schrank. Und das Buch mit den Weihnachtsgeschichten, aus dem ich am letzten Heiligabend das Märchen vom Tannenbäumchen für Hans Christian und Senta vorgelesen hatte.

Oben auf dem Dachboden fand ich in der Adventskiste allerhand Schmuck und schöne Dinge, aber wichtig war mir erst einmal der Adventskalender – eine Schnur mit 24 kleinen Säckchen. Die befüllte ich, mit Süßigkeiten für mich, in den Säckchen mit gerader Nummer, und mit Weihnachtsleckerli für Senta, in den Säckchen mit ungerader Nummer – die bekam früher immer Hans Christian, weil er ja am 19. Dezember Geburtstag hatte. Senta lag derweil auf der Terrasse auf dem Bauch und schaute durch die Küchentür herein, neugierig, was ich da wohl machte.

IMG_5681 IMG_5682Nun dachte ich wieder an das Motto „Geben kommt vor dem Nehmen“ und überlegte, dass ich in der Adventszeit jeden Tag jemandem etwas schenken könnte. Eine kleine Rezension zu einem kleinen Buch war schnell geschrieben und bereitete der Autorin große Freude. Dann rief mein Doktorvater an und erzählte mir, er sei gestern gerührt gewesen, als er meine Mail gelesen hatte.

Ich dachte, wie einfach es doch ist, anderen Menschen eine Freude zu machen und packte das Paket mit den 50 kleinen Fehmarnkalendern, die ich meinem Doktorvater für seine Arbeit in der Comenius-Stiftung gespendet hatte. Ein Wohlgefühl, ein solches Paket zu packen, das mich nichts weiter kostete als ein wenig Mühe und Zeit. Ich überlegte, wie schön es doch wäre, wenn jeder in der Adventszeit jeden Tag einem anderen Menschen eine kleine Freude bereiten würde.

Und dann rief noch eine liebe Autorin bei mir an und erkundigte sich nach meinem ersten Advent. Eine andere Autorin mailte mir sogar von ihrem Urlaubsort im sonnigen Süden. Und ein wenig gearbeitet habe ich auch noch, mit einem anderen Autor zusammen.

Ich war schon glücklich über die Reaktionen der anderen. Nun wünschten sich meine Freunde auf Facebook noch, dass ich ein Weihnachtslied für sie auf dem Flügel spielen würde. Ich bereitete mir ein leckeres Abendessen und schaute dann – gemütlich mit Senta auf dem Sofa – einen Film an. Ja, und dann klappte ich den Flügel auf und probierte ein paar Stücke aus den Weihnachtsliederheften. Mir fiel ein, dass ich mir schon vor drei Wochen ein Aufnahmegerät kaufen wollte und bestellte das.

Und dann schrieb ich diesen Blog. Darin habe ich nun gar nicht erzählt, dass ich gestern mit mir gekämpft hatte, die Adventsvorbereitungen zu treffen. Ich hätte auch alles weglassen können, jedenfalls nach meiner Stimmung. Der erste Advent ohne Dich, mein lieber Hans Christian. Aber dann war es gut, und die Reaktionen der anderen zeigten mir, dass es richtig war. Nicht nur ich bin allein gewesen an diesem ersten Advent, viele andere auch. Aber ich war ja gar nicht wirklich allein – Senta war bei mir, und Hans Christians Geist auch. Und der hat sich heute Abend über mein Klavierspiel gefreut. Ich sehe ihn immer noch in seinem Rollstuhl in der Küche sitzen. In ein paar Tagen werde ich meine Musik mal aufnehmen und für Euch bereitstellen.

Ich wünsche Euch allen eine schöne, besinnliche, ruhige Adventszeit voller Dankbarkeit und Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Und ich wünsche Euch, dass auch Ihr das Motto „Geben kommt vor dem Nehmen“ als sinngebend erleben könnt!

PS: Falls auch Ihr etwas für die Comenius-Stiftung zur Unterstützung Not leidender Kinder und Jugendlicher spenden möchtet, hier der Link auf die Website:

http://www.comenius-stiftung.de/

Ewigkeitssonntag

RoseHeute war der Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt – in der evangelischen Kirche der Tag des Gedenkens an die Verstorbenen. Der Pfarrer unserer St. Petri Gemeinde in Landkirchen hatte mir einen netten Brief geschickt und mich zum Gottesdienst eingeladen. Denn am Ewigkeitssonntag werden alle Menschen aus der Gemeinde, die im vergangenen Kirchenjahr verstorben sind, noch einmal mit Namen genannt. Für jeden wird dann eine Kerze angezündet.

Ich habe mich über die freundliche Einladung gefreut, wäre aber sowieso heute zur Kirche gegangen. „Sie brachten im zurückliegenden Jahr einen Menschen zu Grabe, der zu Ihnen gehörte und Sie zu ihm“, so heißt es in dem Schreiben. „Die Erinnerung an das gemeinsame Leben ist noch nicht verblasst. Die Zeit heilt wohl Wunden, aber vergessen lässt sie nicht, Was geschieht wirklich mit uns, wenn wir sterben? Ist alle Vergangenheit ohne Hoffnung auf einen neuen Anfang?“

Der Gottesdienst war sehr schön, ich höre unseren Pfarrer immer gerne reden, und ich mag die Musik. Viel Musik gab es heute, Orgelmusik, Gemeindegesang und Gesänge des Kirchenchors. Mein Ort der Trauer jedoch liegt nicht in diesem Gottesdienst, sondern im täglichen Leben.

Ich habe meinen Hans Christian in mein Leben integriert, in unser Leben, denn Senta, meine Berner Sennenhündin, gehört dazu. Auch sie hat ihr Herrchen schmerzlich vermisst, und noch heute kommt sie manchmal in der Nacht in mein Schlafzimmer und sucht dort, wo er immer lag. Ich aber gehe fast jeden Tag zu seinem Grab, das gehört zum alltäglichen Ablauf dazu. Genau wie die dreizehn Rosen, die immer auf seinem Grab stehen.

Dreizehn Rosen für fast dreizehn Ehejahre. Nicht viel? Doch! Unendlich viel! So viel Glück, wie wir zusammen erlebt haben, seit wir uns vor 18 Jahren kennenlernten, erlebt kaum jemand in dieser Intensität. Ich erzähle ihm jeden Tag, was wichtig ist für mich. Und manchmal höre ich seine Antwort: „Ja, geh jetzt mal nach Hause und iss etwas! Pass auf Dich und das Hündchen auf!“ Und: „Mach Dir ein schönes Leben! Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Ich sage ihm immer, wie froh ich bin, dass es ihm gut geht, da wo er jetzt ist. Und dass ich ihn liebe – auf immer und ewig. Die Predigt heute hat mir bestätigt, dass dort in der Ewigkeit, bei Gott, Frieden ist und es unseren lieben Verstorbenen dort gut geht. Und ich habe mir gedacht, wie wichtig es doch ist, schon im Leben hier diesen Frieden zu spüren. Keine Last, keine Konflikte, kein Zank und Streit, einfach nur Harmonie und Frieden – in mir und um mich herum.

Wir leben heute doch in einer glücklichen Zeit, haben keine Kriegserlebnisse, die uns bedrücken, so wie es bei meinem Mann (Jg. 1937) war. Ein Trauma aus seiner Kindheit hatte ihn gequält, ihm Ängste und Albträume bereitet. Eine Zeitlang wollte er nicht mehr leben, er hatte wohl früh gemerkt, dass seine Kräfte – die körperlichen wie die geistigen – ihn verließen. Später aber wollte er 100 Jahre alt werden – denn er wurde gut versorgt, war nie mehr alleine, bekam Pflege und Betreuung durch viele liebe Menschen. Er hatte endlich die Liebe gefunden, die ihm als Kind im Krieg gefehlt hatte. Und die ihn zwei gescheiterte Ehen gekostet hatte. „Die dritte Ehe aber ist göttlich“, sagte er immer, und auch, wie glücklich er war, endlich die Liebe gefunden zu haben. Die wahre Liebe.

Und diese Liebe trägt mich weiter in der Zeit der Trauer. Sie lässt mich die Erinnerungen an unser schönes gemeinsames Leben bewahren, denn diese Erinnerungen sind kostbar. Die eher unschönen Erinnerungen verblassen so allmählich, wie es doch zum Glück immer ist im Leben. Man behält das Gute und vergisst das weniger Gute. Ich bin so dankbar für unsere gemeinsamen Jahre, für die wahrhaft lange Zeit unseres Glücks.

Man sagt immer: Du musst loslassen – so wurde es mir auch am Sterbetag meines Mannes gesagt. Die physische Existenz musste ich loslassen, aber Geist und Seele sind immer noch präsent. Ich achte auf Zeichen – ein funkelnder Stern am Nachthimmel, eine Rose, die noch im November wunderschön blüht, ein Schmetterling, der tagelang in unserem Wohnzimmer auf der Gardine saß.

Und wenn ich morgens wach werde, dann denke ich nicht: „Ich bin jetzt allein, er fehlt mir.“ Sondern ich freue mich darüber, dass ich diesen schönen Tag erleben darf, bin dankbar dafür, dass ich in der Nacht gut und friedlich geschlafen habe. Und manchmal höre ich ihn, wie er beim Wecken immer antwortete, wenn ich fragte, ob er gut geschlafen hätte: „Ich schlafe doch immer noch!“ Und ich erinnere mich an all die fröhlichen Morgenstunden, wenn die Pflegerin und ich meinen Mann aus dem Bett holten.

In der Zeitung las ich heute: „Wir haben nie mehr einen Weihnachtsbaum, weil er ihn so geliebt hat.“ Ich mache es anders: Ich werde wieder einen schönen Weihnachtsbaum haben, weil Hans Christian den immer so liebte. Und ich werde Weihnachten feiern, wie wir es immer getan haben. Und er wird dabei sein – in meiner Erinnerung.

Es ist schön, wenn ich Gewohnheiten aus unserem gemeinsamen Leben bewahren kann. Auch wenn ich jetzt manches anders mache, und wenn ich mich inzwischen auch an der neu gewonnenen Freiheit freue. Aber ich mache das im Sinne unserer Liebe, es ist wie ein Vermächtnis meines Mannes. Und das ist gut so.

Ein guter Freund hatte mich kurz nach dem Tod meines Mannes davor bewahrt, den schönen Flügel zu verkaufen, den ich meinem Mann zehn Jahre zuvor geschenkt hatte. Es schmerzte mich damals so sehr, dass er ihn nicht mehr genießen konnte, und auch, dass ich nicht noch einmal darauf gespielt hatte, als wir damals auf den Krankenwagen warteten. Daher wollte ich ihn nicht mehr sehen, auch ihn loslassen.

Heute weiß ich, wie kostbar dieser Flügel für mich ist – und wenn ich in der kommenden Adventszeit spät am Abend Weihnachtslieder darauf spiele, und Brahms, Schumann und Schubert, dann werde ich spüren, dass mein Mann dabei ist und zuhört. Ich werde ihn wieder in der angrenzenden Küche in seinem Rollstuhl sitzen sehen. Und ich werde vielleicht vor Glück und vor Trauer weinen. Aber das ist nicht schlimm. Und meine Senta wird mich wieder trösten.

Nächste Woche beginnt die Adventszeit – ich habe nachgedacht, wie ich die gestalte: Mit viel Stille und Musik. Und den Adventskalender mit den 24 Säckchen werde ich auch aufhängen – die geraden waren immer für mich, die ungeraden für Hans Christian, weil er am 19. Dezember Geburtstag hat. Ich habe mir ausgedacht, dass Senta in diesem Jahr die ungeraden Säckchen bekommt – werde also Leckerli hineinlegen statt Schokolade.

Zum Schluss denke ich an die Menschen, die heute im Gottesdienst ihre Tränen nicht zurückhalten konnten. Ihnen wünsche ich, dass sie irgendwann ihre Trauer bewältigen und zum wichtigen Teil ihres Lebens machen können.

Im Seniorenforum Feierabend.de ist mein Blog als Beispiel veröffentlicht worden, wie man den Verlust des Partners bewältigen kann. Dort kann noch mehr Geschichten von anderen Menschen lesen: http://www.feierabend.de/Trauer-und-Vorsorge/Trauerbewaeltigung-vom-Umgang-mit-Verlust-55531.htm

Ich wünsche Ihnen allen einen ruhigen und friedlichen Ausklang des Ewigkeitssonntages.