Senta on Tour – 2. Teil 2017

Am 16. August 2017 schrieb ich einen Blogartikel zum ersten Jahrestag unserer ersten gemeinsamen Reise: Denn ein Jahr zuvor war Senta zum ersten Mal im Auto mitgefahren. José Arce, der Mensch-Hunde-Therapeut aus Mallorca, war am 2./3. August 2016 zu uns nach Fehmarn gekommen und hatte uns in einem persönlichen Workshop all das beigebracht, was wir brauchten, damit Senta im Auto mitfuhr. Und nun begann eine Zeit des freudigen Reisens. Im letzten Blogartikel habe ich mich auf die Reisen im Jahr 2016 beschränkt, nun folgen noch einige Erinnerungen an Reisen im Jahr 2017.

Inzwischen ist Senta der perfekte Verlagshund geworden. Im Januar 2017 aber unternahmen wir unsere erste gemeinsame Reise nach Dinslaken, wo ich früher gewohnt habe. Wir besuchten unsere Freunde und das Grab meiner Mutter.

Senta legte sich dorthin, als wäre es ihr ganz vertraut. Und ich dachte wieder einmal daran, dass ich mir oft vorgestellt hatte, meine Mutter sei in Gestalt von Senta wieder zu mir gekommen. Wir besuchten dann meinen ehemaligen Deutsch-, Philosophie- und Englischlehrer und späteren Schulleiter, Dr. Hermann Heyder in Xanten, und verlebten einen schönen Tag zusammen. Das Foto, das vor dem gemeinsamen Mittagessen mit seinem Sohn und seiner Tochter entstanden ist, ist das letzte Foto von ihm – denn er starb im März 2017 kurz nach seinem 95. Geburtstag. Und ich fuhr mit Senta am 30. März 2017 zu seiner Beerdigung nach Xanten. Eine Ära war zu Ende gegangen, und wir besuchten wieder unsere Freunde in Dinslaken, denn dieser Tag war gleichzeitig der 16. Hochzeitstag von meinem Mann und mir – und unsere Freunde waren unsere Trauzeugen gewesen. Auf dem Rückweg von Xanten nach Dinslaken war ich mit Senta an dem Restaurant „Die Arche“ in Götterswickerhamm, wo wir 16 Jahre zuvor unsere Hochzeit gefeiert hatten.

Das war nun schon der eher private Teil dieses Blogartikels. Ansonsten ist Senta mit mir oft in ihrer Funktion als Verlagsmaskottchen unterwegs gewesen: zum ersten Male Anfang Februar, als wir unsere erste Buchvorstellung im Literaturhaus Berlin durchführten, bei der unsere Autorin Barbara Messer aus ihrem Buch „Mein Weg über die Alpen“ las. Senta war natürlich dabei, und viele Freunde, die ich eingeladen hatte, waren auch wegen Senta gekommen.

Am nächsten Tag waren wir dann an dem Ort, wo ich vor 12 Jahren promoviert worden war: an der Universität der Künste auf der Bundesallee.

Etwas später waren wir dann auch noch mit unserer Freundin Verena Ullmann dort, die dieses Foto für uns machte:

Ja, und dann gingen wir alle drei tatsächlich auf den berühmten Kurfürstendamm!! Da waren wir so begeistert, dass wir gar kein Foto aufgenommen haben! Aber als wir zurück auf unsere Insel kamen, da ging es natürlich erst einmal zum Strand.

Nun kam das Frühjahr mit unserer zweiten Fahrt an den Niederrhein, und wir fuhren fast täglich zum Strand. Es fanden etliche Buchcoachings und das Autorenseminar statt – und Senta war immer dabei.

Und dann kam ein ganz großes Ereignis in unserer Verlagsgeschichte: die Lesereise mit unserem japanischen Autor Dr. Yusuke Yahagi und seiner Frau April aus Victoria/Texas, der seinen Roman „Der Austauschsoldat“ in Berlin, Fehmarn, Hamburg, Bad Ems, Köln und Bamberg vorstellte. Und wiederum war Senta immer dabei.

Fröhliche Tage auf Fehmarn – natürlich auch am Strand:

Ende der Lesereise in Bamberg …

… und ein fröhliches Treffen am Gabelmoo

Und danach dann meine fröhliche Geburtstagsfeier in Bamberg – zusammen mit unserer Freundin Verena Ullmann. Hier der Blog „Geburtstag“

Es war eine schöne Reise, und am Tag danach entstand eines unserer schönsten Fotos – am Südstrand von Fehmarn:

Dieses Foto habe ich ausgewählt als Autorenfoto im neuesten Kalender „Senta & Mee(h)r 2018“, der gerade erschienen ist. Er enthält die schönsten Aufnahmen von Senta an den Stränden Fehmarns – denn dort waren wir am meisten unterwegs, seit Senta im August 2016 gelernt hat, im Auto mitzufahren. Viele Freunde auf Facebook freuen sich täglich über die Fotos von Senta an den Stränden Fehmarns. So entstand dieser Tischkalender mit den schönsten Aufnahmen in den Farben und Stimmungen des Jahres.

Hier können Sie den Kalender für nur 8,90 €  bestellen und die einzelnen Kalenderblätter anschauen.

Ich füge hier meine Lieblingsbilder ein:

Im September waren wir wieder in Armentarola, aber dazu habe ich ja schon einen gesonderten Blogartikel geschrieben: Herbstblues – Reise nach Armentarola

Und im Oktober haben wir wieder eine Geschätsreise unternommen – zum Business-Workshop von Dr. Renée Moore in Heidelberg. Dort waren Hunde sehr willkommen, weil auch Dr. Renée Moore ihren Hund dabei hatte.

Der Bestseller-Autor und Ehepartner von Dr. Renée Moore, Professor Lothar Seiwert, war höchstpersönlicher CDO (Chief Dog Officer) für die drei anwesenden „Seminarhunde“. Und als unsere „jüngste“ Autorin Gisa Börschel ihr Buchmanuskript im Beisein der beiden „Paten“ Dr. Renée Moore und Prof. Lothar Seiwert abgab, war Senta natürlich auch wieder dabei.

Am nächsten Morgen entstand wieder ein schönes Foto vor dem Hotel:

Liebe Leserinnen und Leser, dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus allen unseren Erlebnissen mit „Senta on Tour“ im Jahr 2017. Fast täglich besuchen wir die Strände Fehmarns, und die schönsten Bilder davon haben wir nun erstmalig in dem Kalender „Senta & Mee(h)r“ veröffentlicht, den Sie sich zu Hause an einen besonders schönen Ort stellen können.

Bestellen Sie diesen Tisch-Kalender DIN A5 – es gibt nur eine Auflage von 100 Stück. Hier noch einmal der Link zur Verlagswebsite: https://www.edition-forsbach.de/beate-forsbach/152/senta-mee-h-r-2018-fotokalender-din-a5

Ich freue mich, wenn ich Ihnen mit diesem Blogartikel und mit den Fotos von Senta eine Freude machen konnte. Denn glücklich machen macht glücklich! Und so freue ich mich  schon heute über all die freudigen Rückmeldungen derjenigen, die den Kalender bereits haben und sich darüber freuen, die glückliche Senta am Strand zu sehen.

Ich grüße Sie herzlich von der Sonneninsel Fehmarn,

Ihre Beate Forsbach mit Senta

Erinnerungen – Leben ist jetzt und hier

Heute Vormittag war ich mit meiner Berner Sennenhündin Senta am Strand von Fehmarnsund. Es war eine ganz eigenartige Atmosphäre – die Vormittagssonne leuchtete golden auf dem Meer. Eigentlich hatte ich so etwas noch nie gesehen, wir genossen es beide sehr. Senta wollte mal wieder nicht zurück nach Hause. Sie spürt es irgendwie, jede ganz besondere Situation.

Vor zwei Tagen, am Sonntag, hatte ich daran gedacht, dass ich vor 40 Jahren erstmals nach Fehmarn gekommen war und hier einen sonnigen Herbsturlaub zusammen mit meiner Mutter verlebt hatte. Diese Woche fahre ich mit Senta auf den damaligen Spuren kreuz und quer über die Insel, die wunderschön im Licht der Oktobersonne leuchtet. So waren wir also heute Vormittag in Fehmarnsund, an einem der ersten Strände, die ich damals mit meiner Mutter besucht hatte.

Ich weiß nicht warum, aber ich sagte plötzlich zu Senta: Wir wollen alles sofort machen, was wir wichtig finden. Wir schieben nichts auf. Und mir kam plötzlich diese Geschichte von der letzten Fahrt über die Ostsee mit meiner Mutter in den Sinn. Wann war das noch gewesen? Mein Blog hat es mir verraten: am 14. Oktober 1997 – also genau vor zwanzig Jahren, an einem Dienstag so wie heute.

Diese Geschichte von der letzten Fahrt über die Ostsee mit meiner Mutter ist in meinem Buch „Strandallee – Ein Weg zum Glück“ enthalten.

Für alle, die meine Mutter kannten, und auch für meine vielen Freunde, die sie nicht kennengelernt haben, veröffentliche ich hier noch einmal die Geschichte „Abschied für immer“, die ich am 14. Oktober 2010 geschrieben hatte.

Abschied für immer
In den Herbstferien 1997 fuhr ich mit meiner Mutter für neun Tage nach Fehmarn. Ich war lange krank gewesen, und wir freuten uns auf einen geruhsamen Urlaub auf Fehmarn. Unterwegs hörten wir im Radio Unwetterwarnungen, man sollte die Fahrt möglichst unterbrechen. Wir aber wollten unbedingt auf Fehmarn ankommen, war ich doch nach der letzten Schulstunde losgefahren, um keine Minute dieser Ferien zu versäumen.

Und so fuhren wir am späten Abend bei einem heftigen Orkan über die Fehmarnsundbrücke. Am Südstrand konnte ich kaum die Autotüren aufmachen, um meiner Mutter hinaus zu helfen, so sehr blies der Sturm.

Nach ein paar Tagen hatten wir uns ausgeruht. Der 14. Oktober 1997 war ein herrlich sonniger Herbsttag, der Himmel war wolkenlos, die Ostsee ganz glatt und blau. Nach dem Frühstück beschlossen wir, diesen herrlichen Tag auszunutzen und eine Schiffsfahrt zu machen.

Meine Mutter liebte die Fahrten mit den Dampfern aus dem Hafen Burgstaaken, den sogenannten „Butterschiffen“. Man fuhr damit für ganz kleines Fahrgeld mehrere Stunden rund um die Insel, konnte dabei zollfrei einkaufen und lecker essen. Mein Anruf im Hafen ergab, dass das Schiff an diesem Nachmittag restlos ausgebucht war. Statt enttäuscht zu sein, überlegten wir, wie wir trotzdem eine Schiffsfahrt machen könnten.

Die große Fähre nach Dänemark mochten wir nicht so sehr, und so schlug ich vor, eine Fahrt mit dem neuen Tragflügelboot quer über die Ostsee nach Warnemünde zu machen. Es hatte erst im Sommer seinen Betrieb aufgenommen, aber wir waren noch nicht damit gefahren, weil die Fahrkarten recht teuer waren. Meine Mutter musste sparsam sein, ihre Rente war nicht allzu hoch, und sie ließ sich nicht gerne von mir einladen. Angesichts des wundervollen Oktobertages fragte ich nicht lange und bestellte zwei Fahrkarten für den Nachmittag.

Kurz vor der Abfahrt machte ich ein Foto von meiner Mutter im Hafen Burgstaaken. Sie liebte die Ostsee über alles, denn sie war in Danzig geboren und aufgewachsen. Seit 20 Jahren kamen wir schon zusammen nach Fehmarn, zuerst in den Herbstferien, später zu jeder Jahreszeit. Meine Mutter hat viele Bilder von dieser schönen Insel gemalt, die sie so sehr an ihre verlorene Heimat erinnerte.

Mutti97An diesem unglaublich herrlichen Tag machten wir also eine Schiffsfahrt nach Warnemünde. Dort hängte meine Mutter sich schwer an meinen Arm, und wir betraten eines der schönen Restaurants am Hafen. Ich war ein wenig traurig, weil meine Mutter nicht mit mir spazieren gehen konnte. Als ich hinaus ging, sah ich einen wunderschönen Regenbogen, den ich für meine Mutter fotografierte. Abends fuhren wir mit dem schnellen Tragflügelboot über die Ostsee zurück nach Fehmarn.

Es war ein wundervoller Tag. Wir hatten etwas getan, was wir sonst nicht gemacht hätten: Wir hatten uns eine schöne Schiffsfahrt über die Ostsee geleistet. Damals kannte ich mein heutiges Motto noch nicht, aber wir lebten danach:

„Glück kann man nicht auf morgen verschieben – 
Leben ist jetzt und hier.“

Als wir am Ende der Herbstferien über die Strandallee nach Hause fuhren, ahnte ich nicht, dass es diesmal ein Abschied für immer sein würde. Aber anders, als man denken könnte. Vier Wochen nach dem schönen Ostsee-Ausflug war meine Mutter tot, sie starb am 11. November 1997 an einem zweiten Herzinfarkt, nachdem sie drei Tage zuvor den ersten Herzinfarkt überlebt hatte. Ich hatte nicht damit gerechnet, denn sie lag ja im Krankenhaus, war gerade von der Intensivstation auf die normale Station gebracht worden.

Am Abend dieses Tages, an dem im Rheinland der Karneval beginnt, erleuchtete ein großes Feuerwerk den Himmel über Dinslaken, mit dem die Martinikirmes ihren Abschluss fand. Für mich endete an diesem Abend ein Lebensabschnitt von über 45 Jahren. Meine Mutter war tot, nun hieß es Abschied nehmen.

Das Foto im Hafen Burgstaaken war das letzte, das ich von meiner Mutter aufgenommen hatte. In den Tagen vor der Beerdigung ließ ich es kopieren und rahmte es ein, um es einigen nahestehenden Menschen zu schenken.

Als Erinnerung an einen wunderschönen Herbsttag an der Ostsee und an eine großartige Frau, die mit Optimismus, Herzlichkeit und Humor ihr Leben gemeistert hat. Sie hat mir durch ihr Vorbild Liebe und Kraft für ein ganzes Leben gegeben. Und durch sie habe ich wohl auch meine Liebe zur Ostsee und zur Insel Fehmarn gefunden.

Strandallee 47Aus meinem Buch: Strandallee – Ein Weg zum Glück. Geschichten und Bilder von der Sonneninsel Fehmarn. 2. Aufl., Edition Forsbach 2013, S. 45-47

In den letzten Tagen war ich in Gedanken mehrfach in dem Herbsturlaub vor 40 Jahren gewesen, aber auch in der Zeit vor fast 20 Jahren, als ich mit meinem Mann Hans Christian – nach dem Tod meiner Mutter – erstmals hier auf der Insel war. Die Wege, die ich nun mit meiner Senta gehe, bin ich mit ihm und viele Jahre zuvor auch mit meiner Mutter gegangen.

Dieses eigenartige orangegelbe Sonnenlicht über dem Meer heute Vormittag ließ meine Gedanken in eine andere Dimension gleiten – das Segelboot in der Ferne erinnerte mich daran, dass ich an dieser Stelle am Meer immer wieder mit Senta hinüberwinke ins Reich jenseits des Horizontes, in dem meine Mutter, mein Mann, Senta Mama, Louise Hay und noch einige andere liebe Verstorbene inzwischen sind.

Und ganz klar mein Gedanke: Wir schieben nichts auf. Denn es gilt:

„Glück kann man nicht auf morgen verschieben – 
Leben ist jetzt und hier.“

Wir wissen niemals, wann es das letzte Mal sein wird, dass wir uns sehen. Lasst uns unsere Zeit genießen, so wie wir sie erleben. Lasst uns niemals etwas aufschieben, was uns heute wichtig erscheint. Denn Leben ist jetzt und hier. Und ich bin von Liebe umgeben. Alles ist gut.

40 Jahre: Meine Trauminsel Fehmarn

Heute ist ein besonderer Tag für mich: vor 40 Jahren bin ich zum ersten Mal auf meine „Trauminsel“ gekommen!

Zur Feier des Tages fuhr ich heute mit Senta quer über die Insel zu einem Strand, wo wir noch nie zusammen gewesen sind: nach Staberhuk. Hier hat übrigens der Maler Ernst-Ludwig Kirchner vor über 100 Jahren vier Sommer verlebt und einen großen Teil seiner berühmten Bilder gemalt.

Wir machten einen langen Spaziergang – zuerst am Strand entlang, dann oben auf der Steilküste, und zum Schluss nochmal zum Strand, wo Senta badete und sich ausruhte.

Auf der Rückfahrt leuchtete unsere Insel in der Oktobersonne, auch in Neujellingsdorf war es wunderschön.

Heute habe ich das alte Fotoalbum angeschaut, von diesem ersten Herbsturlaub auf Fehmarn. Ich sah mich und meine Mama im Strandkorb am Strand von Fehmarnsund, uns beide auf der Fähre nach Dänemark.

Vor allem sah ich Fotos vom Meer und von den herrlichen Sonnenuntergängen – vom Sternenhimmel gibt es keine Fotos, aber der hat mich damals besonders beeindruckt.

Die Geschichte von meiner Trauminsel habe ich in dem Sammelband „Inselgeschichten“ veröffentlicht, der im Dezember 2014 in der Edition Forsbach erschienen ist. Hier schreibe ich sie noch einmal auf und biete sie zum Download  an:

Meine Trauminsel

Es war im Herbst 1977, vor über 37 Jahren, als ich zum ersten Male von meiner Trauminsel erfuhr. Eine winzige Anzeige in der NRZ (Neue Ruhr Zeitung) warb für Ferienwohnungen auf der Insel Fehmarn – am Südstrand, im IFA-Hotel. Es war ein günstiges Sonderangebot, das ich mit meiner Mutter für eine Woche Herbstferien buchte.

Zuvor hatten wir uns im Lexikon informiert: Fehmarn war damals die einzige deutsche Ostseeinsel innerhalb der Bundesrepublik, und man konnte dorthin gelangen, ohne eine Fähre zu benutzen. Es gab nämlich seit 1963 die Fehmarnsund-Brücke, die die Insel mit dem Festland verband. Man fuhr auf der „Vogelfluglinie“ dorthin, das ist die kürzeste Eisenbahn- und Straßenverbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen.

Da mich im Frühjahr und Herbst immer starke Erkältungen plagten, kamen wir auf die Idee, im Herbst an die Ostsee zu fahren. Ich stellte mir das kalt und ungemütlich vor, und so packte ich warme Pullover, Mützen, Schals und Handschuhe ein. Nie hätte ich gedacht, dass die Sonne und das Wasser im Oktober noch so warm waren. An schönen Tagen badeten sogar noch einige Menschen.

Damals flog man im Herbst lieber auf die Kanaren, um noch ein wenig Sonne zu tanken vor dem langen Winter, der bei uns am Niederrhein vor allem dunkel und regnerisch war. Urlaub an der Ostsee war höchstens etwas für den Sommer.

In den Weihnachtsferien fuhren wir immer in die Berge, nach Seefeld in Tirol, um bei Schnee, blauem Himmel und Sonnenschein Ski zu laufen und vor allem die Stimmung wieder aufzuhellen. „Seefeld-Wetter“ nannten wir das, wenn die Sonne vom wolkenlosen tiefblauen Himmel strahlte.

In diesem Herbst aber hatten wir die Sonneninsel Fehmarn entdeckt, die uns mit ihren verschiedenen Strandformationen und den 40 Dörfern begeisterte. Wir fuhren kreuz und quer über die Insel, wo es damals nur wenig Gastronomie gab. Im Auto hatten wir ein Verzeichnis des Tourismusbüros mit den Adressen der Lokale und Cafés, die im Oktober noch geöffnet hatten.

Es war ein erholsamer Urlaub, den wir in den kommenden Jahren jeweils im Oktober wiederholten. Ich kann mich noch erinnern, welche Faszination der klare blaue Himmel mit dem Sonnenschein hatte – am Niederrhein war es damals eher bedeckt, die Luft war nicht so rein wie heute. Denn in der unmittelbaren Nachbarschaft gab es Zechen und Industriegebiete – in Duisburg, Oberhausen und dem angrenzenden Ruhrgebiet.

Meine Fotoalben dieser ersten Urlaube enthalten fast nur Fotos vom weiten Meer und von wunderschönen Sonnenuntergängen. So etwas hatte ich bis dahin nicht gekannt. Ganz besonders fasziniert war ich von dem herrlichen Sternenhimmel – ein Eindruck, den ich nie wieder vergessen konnte.

Wir fuhren oft mit den Fähren über die Ostsee nach Dänemark und mit den sogenannten Butterschiffen rund um die Insel. Einmal pro Woche gab es eine Abendfahrt mit Musik und leckerem maritimen Abendessen. Auf den Fähren gab es damals das berühmte skandinavische Buffet, das man vor allem dann auskosten konnte, wenn man nicht in Dänemark an Land ging, sondern sitzenblieb, um mit derselben Fähre nach Fehmarn zurückzukehren. Natürlich konnte man auch zollfrei einkaufen, das lohnte sich damals noch: Zigaretten, Parfümerie und Alkohol, aber auch skandinavische Fischkonserven und Süßigkeiten waren begehrte Artikel.

Wir fuhren dann später auch in anderen Ferien nach Fehmarn, zu Ostern, Pfingsten, über verlängerte Wochenenden, und irgendwann dann auch im Sommer. 1993 kaufte ich eine winzige Strandwohnung am Südstrand, mit Blick auf die Ostsee und zur anderen Seite zur Fehmarnsundbrücke hin. Hier verbrachten wir später sogar die Weihnachtsferien. Denn auf Fehmarn war es genau so schön wie in Seefeld – nur die Berge fehlten. Blauen Himmel und Sonnenschein hatten wir hier genug, allerdings nicht immer Schnee.

Fehmarn war damals der Ort mit der längsten Sonnenscheindauer und den wenigsten Regentagen in der deutschen Bundesrepublik. Daher hatte sich der Name „Sonneninsel“ schnell verbreitet. Jahr für Jahr kamen immer mehr Touristen nach Fehmarn, auch als nach der deutschen Wende die Inseln Rügen und Usedom den ersten Platz einnahmen in der Hitliste der Orte mit der längsten Sonnenscheindauer.

Wie aber wurde Fehmarn meine Trauminsel? Eigentlich ist es mir erst vor kurzem klar geworden, als ich über meine „Inselgeschichte“ für dieses Buch nachdachte. Ich fand nämlich ein selbst gemaltes Ölbild wieder, das ich „Die Trauminsel“ genannt hatte. Ich hatte es 1978 gemalt, nur einige Monate, nachdem ich Fehmarn zum ersten Male besucht hatte.

Ich habe nur wenige Bilder gemalt. Damals hatte ich es meiner Mutter nachgemacht, die mit 56 Jahren angefangen hatte zu malen und dann fast 20 Jahre lang viele schöne Bilder gemalt hatte. Als angehende Lehrerin mit großen Plänen für das musikalische Leben an meiner Schule hatte ich keine Zeit für solche langwierigen Tätigkeiten. Trotzdem zeigt eines meiner wenigen Bilder meine „Trauminsel“.

Im Sommer 2010 spürte ich immer wieder meinen Gefühlen nach, die mich auf Fehmarn meine Heimat finden ließen. Mein Mann war krank und wir wollten unseren gewählten Alterswohnsitz Bamberg aufgeben, weil das Hin- und Herfahren zu beschwerlich geworden war. Für mich war es sonnenklar, dass wir nach Fehmarn zogen – auch mein Mann wollte das. Er fühlte sich hier sehr wohl, seit er das erste Mal zu Silvester 1997 mit mir hier gewesen war. Er liebte die kleine Wohnung, den Blick aufs Meer, das Farbenspiel des Himmels und das Möwengeschrei.

Aber woher kamen meine starken Gefühle für dieses Land in der Ostsee? Ich war 1952 in Weddinghusen bei Heide, in der Nähe der Nordsee geboren, von dort aber war unsere Familie 1955 an den Niederrhein gezogen. Nichts hatte mich all die Jahre dort wieder hingezogen. Einmal wollte ich mit meiner Mutter von Fehmarn aus dorthin, aber an dem Tag herrschte dichter Nebel und wir verschoben die Reise – auf den Nimmerleinstag. Auch meine Mutter hatte keine Sehnsucht nach dieser Gegend gehabt, in der sie nach Kriegsende einige schwere Jahre verbracht hatte. Und da sich meine Eltern 1971 getrennt hatten, gab es auch keine Kontakte zu Verwandten in Dithmarschen mehr. Bei einem Besuch im Jahre 2005 fuhr ich mit meinem Mann nach Weddinghusen, aber heimatliche Gefühle überkamen mich da nicht. Ich war allerdings überrascht, dass ich mein Geburtshaus nach über 40 Jahren sofort wieder erkannte.

Nun, meine Mutter kam aus Danzig. Sie war im Januar 1945 mit meinem ältesten Bruder Karsten über die Ostsee nach Dithmarschen geflohen. Von ihrem Flüchtlingsschiff aus hatte sie zugesehen, wie die „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden von Menschen an Bord in der Ostsee versank. Sie aber hatte ihr Baby in einer Tragetasche dabei, die ihr Vater ihr extra für diesen Zweck angefertigt hatte. In dem strengen holsteinischen Winter landete sie bei den Schwiegereltern in Lunden. Schon das waren keine besonders schönen Erinnerungen für sie, weil „Flüchtlinge“ dort nicht besonders beliebt waren. Auch hatte meine Mutter in der Großstadt gelebt und kannte das Landleben nicht.

Meine Eltern bekamen ein reetgedecktes Haus auf dem Lande, in Weddinghusen, wo 1947 mein zweiter Bruder Wolfgang zur Welt kam. Kurz darauf starb mein ältester Bruder mit nur drei Jahren an Diphterie. Er wurde auf dem Kirchhof in Weddingstedt beerdigt. Ich kann mich noch an ein kleines Foto von einem blumenbedeckten Grab erinnern, das meine Mutter damals oft angesehen hatte. Und bis zu ihrem Tode hing das Porträt des dreijährigen Karsten in ihrem Schlafzimmer – gleich neben einem Bild von der Danziger Marienkirche.

Auf Fehmarn fühlte meine Mutter sich an ihre Heimat erinnert. Sie hatte mir immer wieder von den wundervollen Sommern an der Ostsee erzählt, von den Fischräuchereien auf der Halbinsel Hela, und von den strengen Wintern, wenn sie auf den zugefrorenen Flüssen Schlittschuh gelaufen ist. 1973 dann ermöglichte es die deutsche Politik, dass man Danzig wieder ungehindert besuchen konnte. Da meine Mutter nicht mit mir quer durch Polen reisen wollte, wählten wir den Weg über die Ostsee: Von Travemünde aus fuhren wir mit einem großen Schiff bis nach Gdingen, dem großen Hafen bei Danzig. Und dann verbrachten wir einen wunderschönen Ostseeurlaub in Zoppot, dem einst so prächtigen Seebad.

Es war ein herrlicher Sommer, und ich habe damals diese Landschaft mit dem milden Ostseeklima lieben gelernt. Natürlich hat mir meine Mutter auch viel davon erzählt, wie sie als Kind und junges Mädchen schon früh im Jahr das erste Bad in der noch kalten Ostsee genommen hatte, und dann im Spätherbst immer noch baden konnte. Die Ostsee ist ja ein Binnenmeer und kühlt nach einem schönen Sommer nicht so schnell ab. Deshalb ist sie auch selten zugefroren. Meine Mutter fuhr mit mir nach Hela und wir aßen frisch geräucherten Fisch – so etwas kannte ich bis dahin gar nicht. Denn am Niederrhein gab es zwar auch geräucherten und frischen Fisch, aber meine Mutter und meine Großmutter sagten immer, der rieche so modrig. Und so aßen wir ihn nicht. Erst im Sommer 1973 ich erfuhr, wie gut Scholle und Dorsch schmeckten, wenn sie gerade erst in der Ostsee gefangen worden waren.

Natürlich haben wir in diesem Urlaub auch historische Plätze besucht, die im Leben meiner Mutter wichtig gewesen waren: ihr Geburtshaus in Danzig-Langfuhr, ein Orgelkonzert in der Kirche von Oliva, die Danziger Marienkirche, die Marienburg und vieles mehr.

Die unmittelbaren Erfahrungen des Ostseeklimas, den klaren Sommerhimmel und das sanfte Rauschen der Ostsee aber behielt ich für immer in meinem Herzen. Als wir vier Jahre später nach Fehmarn kamen, sind diese Erinnerungen wohl direkt wieder in mir wach geworden: Wir aßen frischen Fisch, holten uns frisch geräucherte Aale, Makrelen, Schillerlocken und Heringe direkt aus der Räucherei. Und wir genossen die herrlichen Naturstrände rund um die Insel.

Nicht nur mein selbst gemaltes Bild zeigt mir, dass Fehmarn dazu bestimmt war, meine Trauminsel zu werden. Neulich stand in der Heimatzeitung, dass ein Containerschiff auf der Reise von Travemünde nach Gdingen an Fehmarn vorbei gefahren war. Der Reporter hatte das Schiff von der Insel aus fotografiert. Und da ging mir auf, dass ich meine spätere Trauminsel Fehmarn bestimmt schon in jenem Sommer 1973 aus der Ferne gesehen hatte, als ich mit meiner Mutter die kleine Ostseekreuzfahrt von Travemünde nach Gdingen und wieder zurück gemacht hatte.

Das Wohlgefühl, das mich auf Fehmarn vom ersten Moment an erfüllt hatte, beruhte also auf einem realen „Déjà-Vu“, einem „Schon-mal-gesehen-haben“. Da war eine Insel am Horizont erschienen, eben eine „Trauminsel“, die erst vier Jahre später zu einer realen Erfahrung wurde. Und die noch einmal über 30 Jahre später meine Heimat wurde.

In meinem Blog schrieb ich im Oktober 2009:

Eine Freundin begrüßte uns mit den Worten, dass wir nach langer stürmischer „Seefahrt“ endlich in den Heimathafen einlaufen. … Ja, es ist wie die Ankunft im Heimathafen nach einer langen Reise. Diese Fahrt nach Fehmarn entstand einfach aus einer Laune, einem Gefühl. Wir dachten doch, dass wir im Sommer zurück gekommen wären. Die alte Wohnung in Bamberg ist für uns keine Heimat mehr – die neue noch nicht. Und so ist Fehmarn, unsere kleine vertraute Wohnung hier, eine Art Rückzugsgebiet.

Als wir über die Strandallee zum Südstrand fuhren und auf die Fehmarnsundbrücke im Licht der untergehenden Sonne schauten – das war einfach schön. Ich sagte mir: Niemals aufgeben – man soll niemals seine Träume aufgeben!

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Das Bild von meiner Trauminsel zeigt ein wenig von dem, was mir Fehmarn immer bedeutet hat und heute noch bedeutet: eine grüne Insel im blauen Meer, mit Fischerbooten und dem herrlich blauen Himmel mit Sonnenschein. Zwar zeigt das Bild nicht die Strandallee, aber in meinem späteren Buch „Strandallee – Ein Weg zum Glück“ habe ich 2010 geschrieben:

Über die Strandallee habe ich einen Weg zum Glück gefunden – ich war hier in den Ferien, erst im Herbst, dann zu Ostern, Pfingsten und schließlich im Sommer. Ich habe hier viele liebe Menschen kennen gelernt, von der Insel und vom Festland. Und irgendwann habe ich eine Wohnung am Südstrand, in Burgtiefe, gekauft, um hier eines Tages – nach meiner Pensionierung – einige Wochen im Jahr leben zu können.

Inzwischen nutzen mein Mann und ich die kleine Wohnung schon seit acht Jahren als Zweitwohnsitz, und wir fühlen uns immer heimischer, jedes Mal, wenn wir wieder hier sind. Hier in unserer winzigen Wohnung am Südstrand ist mein Lieblingsarbeitsplatz, wo ich mit Blick auf die unendliche Weite des Meeres und das Farbenspiel des Himmels große Teile meiner Manuskripte geschrieben habe.

Die Strandallee ist für mich nicht mehr nur eine Straße, die zum Südstrand führt, sondern ein Weg ins Glück. Jedes Mal, wenn wir ankommen, bekomme ich Herzklopfen. Und wenn wir wieder wegfahren, dann überwiegt stets das Gefühl der Zuversicht, dass wir ja bald wiederkommen können.

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Im Sommer 2010 sind wir dann einfach dageblieben und kauften ein Haus mit Garten in Neujellingsdorf. Wir wohnen auf dem Lande, inmitten der Natur, nur 1000 Meter von der Ostsee entfernt. Der Papagei vom Bild ist ein Goldfasan, im Winter kommen Rehe und Hasen ganz nah an unser Grundstück heran, manchmal gehen die Rehe sogar durch unsere kleine Straße. Auf dem Nachbargrundstück weiden Pferde, auf dem Bauernhof am Ende der Straße sind Pferde, Ziegen, Hühner, Meerschweinchen … 2011 kam Senta, unsere Berner Sennenhündin, als Welpe zu uns und entwickelte sich zu einem treuen Familienmitglied. Mein Mann hatte sich so sehr ein „Hündchen“ gewünscht, und er hat die Freundschaft mit Senta genossen.

In Neujellingsdorf haben wir unseren Heimathafen gefunden. Mein Mann Hans Christian hat im Februar 2014 seine letzte Heimreise angetreten – er ist auf dem Kirchhof von Landkirchen begraben.

Fehmarn ist meine Trauminsel, schon als junge Lehrerin wollte ich mich an das damals neugegründete Inselgymnasium versetzen lassen. Doch das war nicht so einfach, weil wir in Nordrhein-Westfalen wohnten. Meine Mutter hatte mich gewarnt, es sei nicht so leicht, im Norden heimisch zu werden. Das war ihre Erfahrung gewesen, als sie aus der Großstadt Danzig nach Dithmarschen gezogen war. Und so verbrachten wir nur die Ferien auf Fehmarn, aber es wurden immer mehr Wochen im Jahr, die wir hier waren. Nach einem Urlaub auf Mallorca beschloss ich, nur noch auf Fehmarn Urlaub zu machen. Hier konnte ich die Seele baumeln lassen, in den blauen Himmel und auf die Ostsee schauen, mich einfach wohlfühlen und relaxen.

Als ich mit meinem Mann 2004 nach Bamberg gezogen war, behielten wir Fehmarn als Zweitwohnsitz bei. Die 700 km lange Autofahrt störte uns damals überhaupt nicht. Doch dann wurde mein Mann krank und war auf den Rollstuhl angewiesen – da wurde die Reise immer beschwerlicher. Meist übernachteten wir in Hamburg: Auf der Hinfahrt waren wir fröhlich und freuten uns auf die Fahrt zu unserer Insel am nächsten Morgen. Auf der Rückfahrt jedoch waren wir meist deprimiert, da konnte uns auch ein schöner Abend in Hamburg nicht so recht aufmuntern. Die 540 Autobahn-Kilometer von Hamburg nach Bamberg zogen sich – je weiter wir in den Süden kamen, desto mehr fiel der Stimmungspegel. Auch wurde die Organisation der zwei Wohnsitze immer umständlicher, je mehr mein Mann auf Therapeuten und Ärzte angewiesen war. Irgendwann hatte ich beschlossen, spätestens an meinem 64. Geburtstag im Jahre 2016 ganz auf Fehmarn zu wohnen.

Als ich im Sommer 2010 vorschlug, nach Fehmarn umzuziehen und unseren Bamberger Wohnsitz aufzugeben, widersprach mein Mann nicht. Denn ihn hatten die Erinnerungen an seine Kriegskindheit in Bamberg eingeholt. Auch fühlte er sich immer sehr wohl in unserer kleinen, überschaubaren Strandwohnung mit Blick aufs Meer. Zudem gab es dort einen Aufzug, während mein Mann in unserem alten Bamberger Wohnhaus zum Schluss die Treppen hinunter und hinauf getragen werden musste. Dem Wechsel in den Norden stand eigentlich nichts mehr im Weg – und so blieben wir einfach hier, obwohl wir erst ein Jahr zuvor eine Neubauwohnung in Bamberg gekauft hatten. Ich habe schon meinen 60. Geburtstag im eigenen Haus auf Fehmarn gefeiert – es war ein wunderschönes Gartenfest, wobei das Rapsfeld hinter unserem Haus im Sonnenschein leuchtete und duftete.

2011 habe ich meinen Verlag gegründet. Im Sommer hatte ich erstmals die Idee, Schreibkurse im Garten zu veranstalten. Aber zunächst gab es Umwege: über Ostermarkelsdorf zum Strandhotel Bene am Südstrand, wo mehrere Seminare zum „Traum vom eigenen Buch“ stattgefunden haben. Inzwischen habe ich Seminare, Workshops und Buchcoaching in meinem Haus und Garten in Neujellingsdorf veranstaltet. Neuerdings kann man über das Internet weltweit an Webinaren teilnehmen, die ich an meinem Computer durchführe. Die offene Adventslesung am 2. Advent 2013 und eine Lesung im September 2014 hatten viele Besucher angezogen, die fasziniert von der Atmosphäre unseres bücherreichen Hauses waren.

Und so hoffe ich, dass in meinem Haus in Neujellingsdorf der Samen für viele neue Buchideen und Buchprojekte gelegt wird und dass viele Menschen ihren „Traum vom eigenen Buch“ verwirklichen können.

Ich habe für mich den Traum verwirklicht, auf meiner „Trauminsel“ zu leben und zu schreiben. Mit meiner Hündin Senta und mit meinem Verlag, der sich stetig weiter entwickelt. Ich bin glücklich, hier auf dem Lande zu leben, inmitten der wunderschönen Natur. Auf den Spaziergängen mit Senta habe ich fast die gesamte Umgebung unseres Zuhauses erforscht, wir gehen oft zu Fuß zum Meer. Und wenn Senta demnächst mit mir im Auto mitfährt, werden wir noch mehr Orte und Geheimplätze auf unserer Insel entdecken.

Dieses glückliche und erfüllte Leben hätte ich mir noch vor fünf Jahren niemals vorstellen können.

Download: „Meine Trauminsel“

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen! Kommt doch auch mal auf meine Trauminsel!

Leichter leben

Vor etwa einer Woche fiel mir ein, dass die Tour de France wohl an diesem Sonntag in Paris enden würde – eine Freundin war in Paris, das hatte meine Gedanken darauf gelenkt. Und so machte ich mir – zum ersten Mal seit einigen Jahren – einen gemütlichen Sonntagnachmittag vor dem Fernseher. Zwar hatte ich keinen Champagner, dafür aber Prosecco. Früher, als Hans Christian noch lebte, waren die drei Wochen der Tour de France immer ein großes Ereignis gewesen. Als er noch berufstätig war, hatte er sich für die Alpenetappen stets Urlaub genommen. Bei der Fernsehübertragung habe ich in unserer winzigen Strandwohnung an meiner Dissertation, später an diversen Buchmanuskripten gearbeitet. Zwischendurch schaute ich immer mal die schönen Landschaftsaufnahmen aus Frankreich, und natürlich die Zieleinläufe. Wir erlebten es mit, wie Jan Ulrich mehrfacher Sieger wurde, und viele andere auch. Und nach den drei Wochen feierten wir immer zusammen das Ende der Tour des France mit einer Flasche Champagner – nach der Einfahrt in Paris und mehrmaligem Durchqueren der Champs Elysees. Wie lange war das her, wie oft hatte ich seitdem sonntags am Schreibtisch gesessen und gearbeitet!

Bei diesem ungewohnten Erlebnis – die Freundin schickte mir immerzu Bilder aus Paris – schaute ich mich in meinem Wohnzimmer um. Ich begann, Pläne zu machen – für einen neuen Fußbodenbelag, für neue Möbel. Schon seit ein paar Tagen hatte ich Schränke durchforstet und überflüssigen Ballast – ungeliebt, ungebraucht – aussortiert. Es waren Erinnerungen und Gefühle, die an vielen Dingen hingen. Doch die guten Erinnerungen bleiben, auch ohne die Dinge oder ohne bestimmte Kleidungsstücke.

Am Montag dann nahm ich endlich ein Buch zur Hand, das ich schon länger auf meinem Lesetisch hatte. Denn ich hatte innerhalb von 1,5 Jahren insgesamt 20 kg abgenommen – von 90 auf 70 kg – ohne Diät, und bei einem Leben mit Genuss. Das hatte sehr gut geklappt, und ich hatte auch einige Ratgeber zum Abnehmen mit mentaler Kraft gelesen. Ich hatte während der ganzen Zeit ein kleines Poster – gestaltet wie ein Buchcover – im Haus aufgehängt, mit dem jeweiligen Wunschgewicht, zum Schluss 68 kg.

In den letzten fünf Wochen jedoch hatte ich zugenommen, an einer Stelle am Bauch, wo sich Ärger und Trauer, einfach negative Gefühle bemerkbar machen. Und eines Tages zeigte die Waage wieder 75 kg an, ein Gewicht, das ich seit zwei Jahren nicht mehr gehabt hatte. Es nützte nichts, positive Gedanken zu denken, denn ich hatte auch einige körperliche Zipperlein, die mir zeigten, dass nicht alles in Ordnung war. Zweimal war ich sogar beim Arzt gewesen. Inzwischen weiß ich, dass es besser ist, eine Abwesenheits-Email während meines Urlaubs zu schalten, damit ich mal richtig abschalten und ausspannen kann. Aber leider kann man Vergangenes nicht rückgängig machen, sondern nur aus Fehlern lernen und beim nächsten Mal bessere machen.

In dem Buch von Jan Becker („Du kannst schlank sein, wenn du willst“), las ich, dass ich ein neues Ziel eingeben sollte. Nicht nur mein Wunschgewicht, sondern auch, wie ich aussehen möchte. Welche Kleidung, welches Lebensgefühl. Das sollte ich mir bewusst vorstellen. Sofort wurde mir klar, dass das Bild, das seit über zwei Jahren in meinem Haus hängt, mir gar nicht entspricht, denn es zeigt eine junge Frau, die am Strand tanzt. Das war eigentlich nicht mein persönliches Idealbild. Ich suchte also nach einem Bild von mir, auf dem ich mir gut gefalle: Es wurde im Frühjahr 2016 aufgenommen und zeigt mich mit meiner blauen Lieblingslederjacke und Jeans, am Strand von Fehmarnsund.

Ich formulierte die passende Affirmation zu dieser Visualisierung: „Ich bin schlank und attraktiv“ – und kam dann darauf, dass ich meinte: „Ich bin 65 kg leicht“, einfach, weil ich jetzt 65 Jahre alt bin. Und schon ging es weiter mit meiner Affirmation: „… und ich stehe vor einem tollen Hotel!“ Ja, und da hatte ich das passende BIld gefunden und gestaltete ein Buchcover daraus. Statt „Ich bin 65 kg leicht“ formulierte ich „Leichter leben“.

Das Bild zeigt mich an meinem 65. Geburtstag vor dem Hotel Residenzschloss in Bamberg – und natürlich ist auch Senta darauf zu sehen. Eine Freundin hatte mich abgeholt und dieses Foto aufgenommen – und es wurde mein schönster Geburtstag seit langem. Mit diesem Bild habe ich mein erwünschtes Lebensgefühl sehr gut visualisiert: „Leichter leben“ – genau das ist es, was ich möchte.

In den folgenden Tagen fiel es mir leicht, wieder nur das zu essen und zu trinken, worauf ich Lust hatte. Die Selbsthypnose-Übung „Jeden Morgen erwache ich schlanker und schöner“ geht ganz einfach und ich bin zuversichtlich, dass ich das erwünschte Gewicht von 65 kg in absehbarer Zeit erreichen werde.

Mein Wunsch „Leichter leben“ hatte noch mehr Auswirkungen: In der vergangenen Woche habe ich Schränke und Schubladen durchforstet und vieles aussortiert (und weggeworfen), was für mich unnötiger Ballast ist. Einige Säcke habe ich schon gefüllt. Aber auch die Gedanken habe ich von unnötigem Ballast befreit: Gleichzeitig mit der Beendigung eines Vertrages mit einem Autor bekam ich eine Handvoll neuer Veröffentlichungsanfragen. Wo ich früher aus diesem oder jenem Grund nachgegeben habe, schrieb ich dieses Mal Ablehnungen, denn im Grunde wollte ich keines der angepriesenen Bücher in meinem Verlag veröffentlichen.

Aber immer war es ein eigenartiges Bauchgefühl, und ich dachte schon – oh, wie geht es weiter? Und dann fand ich vor unserem Abendspaziergang ein Manuskript im Briefkasten, das ich noch am selben Abend voller Spannung gelesen habe. Es passt wunderbar in meinen Verlag. Ja, offenbar stimmt es, dass Ruhe, Entspannung und Gelassenheit gute Voraussetzungen sind, um die Überraschungen des Lebens anzunehmen und den Erfolg zu genießen.

Leichter leben bedeutet auch, vieles loszulassen. Eigentlich ist es ganz einfach: Lass alles los, was Dir nicht gut tut – Menschen, Beziehungen, Sachen, und vor allem Deine Gedanken! Gerade am Morgen, nach dem Aufwachen, geht das besonders gut: Nachdenken, Mut haben, Entscheidungen treffen und dann loslassen – das ist alles.

Erstaunlich, dass all das auch zusammenhängt mit dem Gewicht. Ich nehme ab, ohne jegliche Diät. Heute habe ich mir – motiviert durch das Buch – für das Abnehmen Etappenziele gesetzt. Aber ich habe auch überlegt, wie ich manche Situationen im Beruf so verändern kann, dass erst gar kein Stress, keine Konflikte mehr entstehen können. Ich habe für mich klare Bedingungen formuliert und aufgeschrieben, nach denen ich Manuskripte aussuche, die ich in meinem Verlag veröffentlichen möchte. Aber darüber hinaus gibt es immer noch etwas, was man nicht beschreiben kann – im Bereich der Intuition.

„Leichter leben“ – das bedeutet einfach auch, immer wieder den eigenen Gefühlen nachzuspüren, und Impulse für ein leichtes Leben mit Ruhe, Entspannung und Gelassenheit zu empfangen. Und lecker essen darf man dann auch. Die erste Frage in meinem Übungsbuch lautete: „Was ist für mich das Positive am Essen?“ Oh, ich liebe den Aperitif auf meiner Terrasse nach dem Strandspaziergang mit Senta, und ich liebe dann ein kaltes oder schnell zubereitetes warmes Abendessen mit einem Glas Wein, das ich in der Abendsonne genieße.

Hier mein Rezept für das heutige Abendessen: Einige Spaghetti kochen, in einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen mit 3-4 Knoblauchzehen und 8-10 geviertelten Kirschtomaten, dazu 10-12 Würfel eingelegten Fetakäse und reichlich italienische Kräuter. Alles kurz erhitzen und dann zu den Spaghetti geben. LECKER!!! Dazu ein Glas Rotwein (oder auch zwei, wenn es ein besonders schöner Abend ist). Sie brauchen garantiert keinen Nachtisch, kein Eis, keine Süßigkeiten danach! Einfach nur, weil Sie dieses Abendessen im Freien genießen – und sich vielleicht noch auf einen schönen FIlm, ein gutes Buch, schöne Musik oder eine Meditation am Sonntagabend freuen.

Mein Weg des „Erfolgs mit Herz“

Vor fünf Tagen ist es eingetroffen: Mein 19. Buch „Word 2016 für Buchautoren“. Es hatte eine lange Entstehungsphase, der Begriff „Schwangerschaft“ passt nicht so richtig für ein Buch, ist aber hier gemeint. Es gibt da einen Zwilling, das Buch „Word 2016 (Mac) für Buchautoren“, das mir etwas leichter von der Hand ging und bereits Ende April erschienen ist. Beim Buch für Windows gab es einige Komplikationen – und es hätte schon längst fertig sein können, wenn nicht einige Irritationen dazwischen gekommen wären. Ich wollte einen Urlaub in den Bergen machen, einfach mal eine Auszeit haben. Doch manches ließ mich auch im Urlaub nicht zur Ruhe kommen. Mein neues Buch wurde erst in den Tagen danach fertig und ist jetzt inzwischen ausgeliefert. Meine Freude über die Neuerscheinung wurde ein wenig getrübt, meine Gesundheit hatte etwas gelitten.

„Habe den Mut, Dein Leben so gut wie möglich zu leben und die Welt mit Deinem Dasein ein wenig besser zu machen.“ Das hatte ich für mich als Credo für das erste Halbjahr 2017 formuliert. Und: „Ich freue mich über den Mut, auf diesem Weg des ‚Erfolgs mit Herz’ weiterzugehen“, das hatte mir mein 94jähriger ehemaliger Deutsch- und Englischlehrer, Schulleiter und Chef im letzten Jahr geschrieben. Leider ist er vor einigen Wochen gestorben, aber ich bin sicher, er verfolgt meinen Weg des „Erfolgs mit Herz“ auch von „Drüben“.

Gestern nun, nach einem erholsamen Wochenende – am Sonntagnachmittag hatte ich das Manuskript eines Erstautors voller Freude gelesen – kam ich in der Abendsonne am Strand zur Ruhe. Ich bin wieder ganz gesund, das spürte ich. Und ich genoss die ruhige Stunde vor der Dämmerung, saß im Sand, mein Hund neben mir, schaute aufs Meer hinaus und spürte: Frieden – in mir und um mich herum.

Wie schön ist es doch im Sommer an der Ostsee – und aus diesem Grund lasse ich eigentlich im Juli/August fast nie Bücher erscheinen. Überall ist Urlaubszeit und die Leute sind unterwegs. Und ich bin auch mehr draußen, im Garten und am Strand. Ich brauche die Zeit im Sommer auch, dazu Ruhe und Muße, um mich zu erholen und wieder Kraft und Kreativität zu entwickeln. Denn ich habe noch drei eigene Buchprojekte in Arbeit. Und dafür nutze ich am liebsten die ruhigen Sommerwochen.

Zurück in meinem Garten, meinem „kleinen Paradies“, schaute ich beim Abendessen auf die wundervollen Rosen und auf Senta, die entspannt neben mir auf der Terrasse lag.

Nachdem die Sonne untergegangen war und ich mit Senta noch einmal durchs Dorf gegangen war, kam die schönste Stunde dieses Sonntags: Ich nahm ein Buch und legte die CD mit den Nocturnes von Chopin ein. Das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky hatte mir vor ein paar Wochen eine junge „Sternen“-Freundin geschenkt. Ich hatte es zwar schon in meiner Bibliothek, aber noch nicht gelesen – wie so viele andere Bücher, die man einfach haben „muss“. Im Nu war ich vertieft in dieses Buch und las es am selben Abend ganz durch.

Ach, Sie wundern sich über den Begriff „Sternen“-Freundin? Das hängt mit dem Spruch zusammen: „Gute Freunde sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, aber du weißt, sie sind immer für dich da!“

In dem Buch kommt ein gestresster Manager in ein Café „am Rande der Welt“ und wird mit Fragen nach dem Sinn des Lebens konfrontiert:

  • Warum bist Du hier?
  • Hast Du Angst vor dem Tod?
  • Führst Du ein erfülltes Leben?

Eine erfüllte Zeit war das, als ich das Buch las. Meine Gedanken konzentrierten sich auf die Frage: Warum bist Du hier? Das weiß ich ganz genau. Und ich weiß auch, dass ich meine Zeit nicht für unnütze Dinge vergeuden will. Nein, ich habe auch keine Angst vor dem Tod – denn ich lebe so, dass ich alles, was ich gerne erleben möchte, jetzt und hier angehe.

Ich möchte gesund und glücklich 100 werden. Das ist mein Ziel – und außerdem möchte ich anderen Menschen den Mut und den Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe und weiterhin erfahre. Und das ist mein ZDE – mein Zweck der Existenz. Alles, was ich tue, richtet sich daran aus.

Als der Manager in der Geschichte den Café-Chef auf die mögliche Expansion seines Unternehmens anspricht, erzählt dieser ihm die bekannte Geschichte vom Fischer im Hafen, den ein Manager anspricht, ob er nicht mehr Fische fangen, mehr Boote kaufen, mehr Fischer beschäftigen und ein großes Fischhandelsunternehmen aufbauen wollte. Ich kenne diese Geschichte schon seit langer Zeit, hatte sie schon in meinem Buch „Leben ist mehr“ von 2008 zitiert. Gestern Abend aber erschien mir die Variante in dem Buch vom Café am Rande der Welt so naheliegend: Denn der Fischer wirkt am glücklichsten und zufriedensten von allen. Auf die Frage des Managers, woran das liegt, antwortete er, dass er jeden Morgen mit seiner Frau frühstücke. Wenn dann die Kinder in der Schule sind, fuhr er zum Fischen und seine Frau malte. Sie hatten genug zum Essen. Und am Abend gingen er und seine Frau am Strand spazieren und beobachtete den Sonnenuntergang, während die Kinder im Meer schwammen.

Ja, und da wurde es mir schlagartig bewusst: auch ich liebe mein Leben, so wie es jetzt ist. Ich schlafe lange, gehe dann nach dem Frühstück mit Senta einmal ums Feld oder fahre zu einem Strand. Ich mache Bücher, die mir und anderen Menschen Freude machen, mit Autoren, die ich mag, und mit Themen, die die Welt (vielleicht) ein kleines bisschen besser machen. Mir hatte mal ein Berater tolle Pläne offeriert, nach denen ich alle 14 Tage ein neues Buch herausbringen sollte, egal, ob mir die Autoren und ihre Themen zusagten, es hätte viel Geld gebracht, und für die Produktion hätte ich etliche andere Menschen beschäftigen müssen. Der Spruch von Brian Tracy aber lässt mich meinen Weg beschreiten: „Arbeiten Sie nur an etwas, das Sie genießen, mit Menschen, die Sie mögen, und an Dingen, die etwas in dieser Welt bewirken.“

Und so bin ich großartig im Loslassen – und fast täglich kommen neue Anfragen. Mein ZDE, mein „Zweck der Existenz“, besagt, dass ich nur die Bücher mache, die zu meinen Zielen passen. Denn daneben gibt es noch so viel anderes, z.B. das Klavierspielen. Nachdem ich schon beinahe damit aufgehört hätte, habe ich es neu entdeckt, als mein Klavierlehrer mir schrieb: „Spielen Sie bitte unbedingt Klavier. Sie haben die Möglichkeit, so etwas Schönes genießen zu können!“ Und letzte Woche haben wir sogar ein Nocturne von Chopin ausgesucht, das ich demnächst üben werde. Ich freue mich schon sehr darauf.

Nein, das bringt kein Geld. Ganz bestimmt nicht! Das bringt einen Sinn in mein Leben, der dem entspricht, was ich mir für mein Leben wünsche. Im Sommer möchte ich mehr draußen sein, im Garten und am Strand, ich brauche die Zeit im Sommer auch, um Ruhe und Muße zu genießen und wirklich mal zu relaxen. Im Winter ist es noch viel wichtiger, am Strand zu sein, lange Spaziergänge am Wasser entlang zu machen, die Möwen zu beobachten und den Sonnenuntergang zu erleben. Und dann zu Hause einen Glühwein zu trinken, das Abendessen zu bereiten und ein gutes Buch zu lesen, begleitet von guter Musik. Und schließlich zu später Stunde noch ein Stück von Bach, Brahms, Schubert, Schumann oder Chopin auf meinem Flügel zu spielen.

Meine Gedanken sind nicht neu, aber wurden durch die Lektüre des Buches von gestern Abend auf den Punkt gebracht. Mein Weg des „Erfolgs mit Herz“ ist mir klar – es geht nicht darum, möglichst viele Bücher zu „machen“ und damit möglichst viel Geld zu verdienen. Es geht darum, dem ZDE, also dem Zweck meiner Existenz, zu dienen. Ich veröffentliche Bücher und fördere Autoren, die meinem ZDE entsprechen. Ich möchte ein Leben führen, dass mich den Tod nicht fürchten lässt, weil ich alles, was mir wichtig ist, in mein Leben integriere. Und damit habe ich ein erfülltes Leben, auch wenn es nicht nach Jedermanns Vorstellung ein Leben ist, wie es sein sollte. Es ist ganz einfach mein Leben. Und darauf kommt es an.

Louise Hay sagt dazu:
„Das Leben ist ganz einfach. Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Danke an meine junge „Sternen“-Freundin, die nunmehr – es ist inzwischen Mitternacht – Geburtstag hat. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, viel Glück und Gesundheit.

Herzlichst, Deine Beate

Leben ist mehr

Leben ist mehr – das Buch

Vor einigen Tagen war ich überrascht, weil jemand eins der Restexemplare meines ersten selbst publizierten Buches „Leben ist mehr – Lebenskunst lernen beim Älterwerden“ bestellte. Und so las ich mal wieder den Klappentext meines Buches von 2008 – und fand den eigentlich ziemlich gut, obwohl ich doch vor neun Jahren noch nicht so geübt im Schreiben von Klappentexten gewesen war wie heute. Abgesehen davon, dass ein Satz nun schon viele Jahre überdauert hat und auch heute noch von mir in jedem Geburtstagsglückwunsch vorkommt:

Glück kann man nicht auf morgen verschieben – Leben ist jetzt und hier

Jedes Jahr gibt es ein neues Bild dazu, und in 2017 sieht das so aus:

Merkt Ihr was? Diese beiden Bilder stammen von meinen Lieblingsstränden – das obere vom Südstrand, wo wir viele Jahre eine kleine Ferienwohnung hatten, und das andere von Fehmarnsund, dem Strand, der unserem Zuhause am nächsten liegt. Dorthin fahre ich seit Monaten immer wieder mit Senta, die bekanntlich Anfang August letzten Jahres gelernt hat, im Auto mitzufahren. Und so haben wir unseren ersten Winter mit unzähligen wunderschönen Strandspaziergängen erlebt. Dieses Foto machte meine Freundin Birgit Wohler neulich, als wir uns per Zufall am Strand trafen.

Doch zurück zum Klappentext meines Buches „Leben ist mehr“. Er lautet:

Unser Leben ist zu kostbar, um immer nur zu hetzen und nach Erfolg und Profit zu jagen. Lebenskunst heißt, das Leben zu lieben, es zu genießen, aber auch Verantwortung dafür zu übernehmen.

Beate Forsbach zeigt, wie wir Lebenskunst beim Älterwerden lernen können – von und mit jüngeren und älteren Menschen, im Leben und für das Leben:

Wir können Langsamkeit und Ruhe in unserem Leben zulassen und uns mehr Zeit gönnen für Spaziergänge am Meer, für Musik und Kunst, für geruhsames Reisen. Wir können die kleinen Glücksmomente des Alltags erkennen und auskosten. Wir können Optimisten werden, um das Leben voller Mut, Liebe und Lebensfreude zu genießen, Ängste zu überwinden und ein gesundes und glückliches Leben zu führen.

Glück kann man nicht auf morgen verschieben – Leben ist jetzt und hier.

Als ich das las, war ich richtig begeistert davon. Anscheinend habe ich mir vor neun Jahren das Programm für mein heutiges Leben geschrieben.

Leben ist mehr – der Verlag

Ihr wisst ja, dass ich seit über sechs Jahren meinen Verlag aufbaue, und da geht es nicht immer ohne Hetze und Stress, ohne dass man Gewinn und Erfolg hinterherjagt, dass man zweifelt, Krisen durchlebt und viele Fragen hat. Man hadert mit anderen, die sich entweder als keine guten Mitarbeiter erweisen oder als Menschen, denen es nur um ihren eigenen Vorteil geht, die rücksichtslos andere übervorteilen oder gar zu betrügen versuchen.

Bei alldem hatte ich stets das Gefühl, dass es keine besonders erfreuliche Art ist, sein Leben zu leben, und dass ich stets mit meinem Gewissen im Konflikt war – und auch mit soliden und wirtschaftlich vernünftigen Grundsätzen der Unternehmensführung. Als ich Anfang des Jahres 2017 an einem Tiefpunkt angelangt war, zog ich Bilanz und überlegte mir, wie es weitergehen sollte, ohne dass ich derartig viel Geld für derartig viele unnütze Dinge und Dienstleistungen ausgab, und wie ich meinen Verlag langfristig zum Erfolg führen könnte. Denn da stimme ich mit meinem Vorbild Louise Hay völlig überein:

„Es gibt so viel Überfluss auf der Welt, wir müssen ihn nur erkennen und miteinander teilen. Es ist immer die Politik meines Verlags Hay House gewesen, ehrlich und rechtschaffen zu sein. Wir halten immer Wort, machen unsere Arbeit gut und behandeln andere großzügig und respektvoll. Wenn sie so leben, ist es unmöglich, das Geld von sich fernzuhalten, denn das Universum wird Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit belohnen. Heute haben wir einen ausgezeichneten Ruf in der Verlagswelt und so viel zu tun, dass wir manche Aufträge ablehnen müssen.“ (Aus: Louise Hay, „Du kannst es“, S. 55f.)

Also startete ich Anfang des Jahres 2017 mit guten Vorsätzen, auch wenn mir manche missgünstigen Mitmenschen vorhalten wollten, dass ich gar nicht „ehrlich und rechtschaffen“ sei, und dass es doch bei einer so angeblich positiven Einstellung nicht sein könnte, andere abzulehnen oder nicht mit ihnen zusammenarbeiten zu wollen. Andere aber kamen mit erfolgversprechenden Buchideen, weil sie von der guten Arbeit meines Verlages gehört hatten. Manche Anfragen habe ich schon ablehnen müssen, damit die persönliche Note und das damit verbundene Profil meines Verlages nicht verlorengehen.

Leben ist mehr – selbst die Verantwortung übernehmen

Nun machte ich es so, wie es in meinem Klappentext von „Leben ist mehr“ steht: „Lebenskunst heißt, das Leben zu lieben, es zu genießen, aber auch Verantwortung dafür zu übernehmen.“

Ich wartete und vertraute nicht mehr darauf, dass mir jemand anderes für viel Geld sagen würde, was richtig ist, sondern nahm selbst das Ruder in die Hand. Mit sehr guten Kooperationspartnern entstehen immer mehr gute Bücher. Statt mich über die schlechte Arbeit eines gut bezahlten Lektors zu ärgern, mache ich dies nun gerne selber – obwohl ich das Korrigieren früher immer gehasst habe. Nun bin ich im direkten Kontakt mit den Autoren und ihren Buchprojekten und habe viel Freude daran. Sogar mein erstes englischsprachiges Buch habe ich vor kurzem für den Druck vorbereitet: den Roman „The Exchange Soldier“ von unserem neuen Autor Yusuke Yahagi, dem japanischen Herzchirurgen aus Texas, dessen Buch auf englisch und deutsch mit dem Titel „Der Austauschsoldat“ in diesen Tagen in unserem Verlag erscheint.

Noch während der Arbeit an den beiden Büchern plante und organisierte ich eine Lesetour durch Deutschland – von Berlin über Fehmarn, Hamburg, Bad Ems und Köln bis nach Bamberg. Die wird vom 11. bis zum 18. Mai 2017 stattfinden. Es war harte Arbeit, weil sich herausstellte, dass es gar nicht so einfach ist, passende Veranstalter zu finden. Nun wird es eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden – ein ganz neues Marketingmodell! Sei dabei – und erlebe einen außergewöhnlichen Menschen und Autor mit großem Charisma!  Wichtig ist für mich, so etwas zu organisieren und dabei Aspekte der Lebenskunst zu berücksichtigen – denn Yusuke Yahagi und seine Frau sollen doch auch einige schöne Eindrücke von Deutschland bekommen. Und wir wollen diese Reise  trotz aller Anstrengungen so richtig genießen. Und in Bad Ems wird es sogar Musik dazu geben.

Leben ist mehr – der 65. Geburtstag

Als es mir eines Tages alles etwas zu viel wurde, dachte ich daran, dass ich zwei Tage nach der Lesereise meinen 65. Geburtstag feiern werde – der Zeitpunkt, an dem man normalerweise in den sogenannten „Ruhestand“ geht. Ich aber würde mit meinem Verlag erneut einen großen Schritt machen, indem wir nun international werden. Daher hatte ich mir für meinen Geburtstag etwas Besonderes vorgenommen, stellte dann aber fest, dass es nach dieser Reise über 2600 km mit sechs Buchvorstellungen einfach zu anstrengend sein würde. Ich sagte ab und beschloss, einfach noch zwei Tage in Bamberg zu bleiben. Ich werde Yusuke Yahagi und seiner Frau noch ein wenig von meiner einstigen Traumstadt zeigen, bevor sie wieder nach Texas zurückfliegen, und dann meinen Geburtstag mit Senta ganz gemütlich und ohne Stress verbringen. Ich hatte Glück und bekam noch eine Karte für das Konzert der Bamberger Symphoniker am Abend meines Geburtstages. Und ich erinnerte mich, dass ich mit meinem verstorbenen Mann Hans Christian an seinem 65. Geburtstag am 19. Dezember 2002 zum ersten Male in der Bamberger Konzerhalle gewesen war, ebenfalls zu einem Konzert der Bamberger Symphoniker. Ein gutes Jahr später waren wir dann nach Bamberg umgezogen. So wird Hans Christian dann im Geiste auch an meinem 65. Geburtstag dabei sein.

Leben ist mehr – einfach leben

„Leben ist mehr“ bedeutet mir heute vor allem auch, mehr Langsamkeit und Ruhe in meinem Leben zuzulassen. Ich schlafe viel und stehe morgens erst spät auf, mache alles nach und nach, in genau der Reihenfolge, wie es sinnvoll und wichtig ist. Und manches bleibt dann eben auch mal weg – denn ganz wichtig sind mir die Spaziergänge mit Senta: Fast jeden Tag fahren wir zum Strand, laufen am Wasser entlang, genießen die Ruhe und die herrlichen Sonnenuntergänge. Ich nehme mir die Zeit, mein Essen aus guten und frischen Lebensmitteln zuzubereiten und mit Achtsamkeit zu genießen. So habe ich 20 kg abgenommen und halte dieses Gewicht schon seit über einem Jahr. Jeden Tag übe und spiele ich Klavier – und ich habe auch Pläne für geruhsames Reisen. Nach Armentarola fahre ich künftig nur, um dort Urlaub zu machen. Seminare oder Buch-Coaching biete ich nur noch auf Fehmarn an, wo ich lebe und arbeite, aber nicht mehr in meinem eigenen Urlaub.

Oh ja, ich habe auch gelernt, die kleinen Glücksmomente des Alltags zu erkennen und auszukosten. Ich habe mir Optimismus und positives Denken als grundlegende Lebenshaltung angewöhnt und kann so das Leben mit allen seinen Höhen und Tiefen voller Mut, Liebe und Lebensfreude genießen. Selbst wenn es mal nicht so toll ist, weiß ich doch, dass alles gut ist und sich alles zu meinem Besten entwickeln wird. Und ich weiß, dass ich beschützt bin und keine Ängste zu haben brauche. Auch meine Gesundheit hat von dieser neuen Lebensweise sehr profitiert.

Leben ist mehr – das Seminar

Die Schönheit unserer Sonneninsel Fehmarn mit den Stränden, dem blauen Meer und den unbeschreiblichen Sonnenuntergängen ist etwas, was andere nicht erleben können in ihrem Umkreis. Deshalb biete ich zusammen mit Marlis Lamers im Oktober 2017 ein Seminar „Leben ist mehr – Lebenskunst lernen beim Älterwerden“ als eine dreitägige Auszeit für Frauen nach der Familienphase an. Es geht darum, zu sich selbst zu kommen und seine innere und äußere „Heimat“ zu finden, sich auf anstehende Veränderungen einzulassen und herauszufinden, wie und wo man leben und alt werden möchte.

Das Seminar findet vom 6. bis 8. Oktober 2017 im Strandhotel Bene, direkt am Südstrand der Sonneninsel Fehmarn statt. Wir werden miteinander reden über all das, was Frauen in dieser Lebensphase bewegt, wir werden auch etwas schreiben und wir werden viel Zeit am Meer und an den Stränden verbringen. Natürlich werden wir auch lecker essen und fröhlich zusammen sein. Älterwerden ist eine lebenslange Aufgabe, und jeder sollte als „Manager des eigenen Wohlbefindens“ die Verantwortung für die aktive Gestaltung seines Lebens im Alter übernehmen. Es geht in unserem Seminar nicht um die Reduktion von Lebensmöglichkeiten, sondern um das Entdecken der Chancen und Möglichkeiten, die sich uns beim Älterwerden bieten.

Denn es gilt, um noch einmal mit Rolf Zuckowski zu sprechen:

„Leben ist, miteinander zu reden,
Leben ist, aufeinander zu bau’n.
Leben ist, füreinander zu kämpfen,
Leben ist Hoffnung, Mut und Vertrau’n.“

Leben ist mehr – das Lied

Und hier könnt Ihr das passende Lied von und mit Rolf Zuckowski hören: Leben ist mehr

Der 96. Geburtstag meiner Mutter

Heute ist der 96. Geburtstag meiner Mutter, Eva Dethlefs. Heute vor 20 Jahren habe  ich zum letzten Mal mit meiner Mutter zusammen Geburtstag gefeiert, ihren 76. Geburtstag.

Heute hat auch das „Lämmerlein“ Geburtstag, es ist 20 Jahre alt geworden (im Bild oben links). Meine Mutter sagte damals, es sei das schönste Geburtstagsgeschenk, das sie je bekommen habe. Mein Mann und ich haben immer eine ganze Schar von „Tieren“ mit auf die Reise genommen: Lämmerlein, Walfisch, Neger und Dr. Kreuel – außerdem gab es noch Bostiche, den Hund. Der hat leider nicht überlebt, als Senta kam. Heute nehme ich nur noch Senta mit auf die Reise.

Den „Walfisch“ und „Dr. Kreuel“ hat auch meine Mutter schon gekannt – der „Neger“ kam erst später dazu. Hans Christian hat ihn für mich auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin gewonnen.

Am 11. November 1997 starb meine geliebte Mutter ganz plötzlich an einem Herzinfarkt. Der Abschied von ihr war das Schlimmste, was ich jemals erlebt hatte. Monatelang war ich in einer Art Trancezustand, stand offenbar unter Schock. Denn meine Mutter war meine allerbeste Freundin gewesen und hatte mich stets begleitet und unterstützt. Sie hatte mich bestärkt, mit 42 Jahren das Promotionsstudium aufzunehmen und durchzuhalten. Aufgrund ihrer Erfahrung als Grundschullehrerin hatte sie nächtelang mit mir diskutiert. Sie hat Korrektur gelesen, mich ermutigt, beraten und immer wieder zur Weiterarbeit motiviert. Und dann starb sie plötzlich und konnte den Abschluss meiner Arbeit nicht mehr erleben. Dabei wäre sie so stolz gewesen.

Meine Dissertation erschien erst acht Jahre später. Ich habe sie meiner Mutter gewidmet:

In liebevoller Erinnerung an meine Mutter Eva Dethlefs (1921 – 1997)
Und in Dankbarkeit
• für eine schöne Kindheit und Jugend voller Musik,
• für eine umfassende Ausbildung und das Studium,
• für viele Gespräche über Schule, Erziehung und Unterricht,
• für die Erziehung zu Selbständigkeit und Kritikfähigkeit,
• dafür, immer wieder bestärkt worden zu sein, den eigenen Weg
zu gehen, auch gegen Widerstände,
• für die Kraft, dies durchzuhalten,
• dafür, gelernt zu haben, Dinge zu ändern, die man ändern kann
und Vorgaben zu hinterfragen,
• dafür, Liebe und Freiheit als höchste Werte erfahren zu haben.

Heute ging mir vieles durch den Kopf, als ich mit Senta an zwei Stränden auf unserer geliebten Insel Fehmarn war: am Südstrand, wo ich vor fast 25 Jahren eine kleine Strandwohnung gekauft, eingerichtet und vermietet hatte – mit Unterstützung meiner Mutter. Und in Fehmarnsund, wo ich in unserem ersten Urlaub auf Fehmarn – in den Herbstferien 1977 – mit meiner Mutter gewesen war.

Fehmarn hatte meine Mutter an ihre Heimat erinnert – sie war in Danzig geboren und aufgewachsen. Und sie hatte stets die Ostsee geliebt, als junges Mädchen bereits im allerersten Frühling und noch im spätesten Herbst darin gebadet.

Früher dachte ich oft, dass meine Mutter – wenn es tatsächlich eine Wiedergeburt gibt – in Gestalt von Senta zu mir zurück gekommen war. Sentas schöne braune Augen erinnern mich an meine Mutter, aber auch die Art, wie sie mich stupst, wenn ich wieder mal vergessen habe, etwas zu essen, wie sie Unnötiges wegschleppt und Überflüssiges zerreißt, und wie sie mich daran erinnert, dass wir unbedingt spazieren gehen müssen, auch wenn es regnet. Sie sorgt für mich, damit ich genug an die frische Luft komme und mich bewege, regelmäßig esse, viel schlafe und den schönen Strand genieße. Und Senta badet gerne in der Ostsee, sogar jetzt im Winter. Sie ist quietschvergnügt, wenn wir am Strand sind und hüpft vor Freude um mich herum.

Meine Mutter hätte ihre Freude an ihr – sie hat sich doch früher auch immer ein „Hündchen“ gewünscht, so wie mein Mann. Aber in unserem damaligen Wohnhaus durfte man keine Hunde halten, und meine Mutter dachte auch, dass sie nicht mehr mit einem Hund spazierengehen konnte. Denn irgendwann konnte sie nicht mehr gut gehen. Damals gab es noch keinen Rollator – einen Rollstuhl aber oder auch nur einen Gehstock hätte meine Mutter niemals benutzt.

Vielleicht würde meine Mutter sich ein wenig wundern, weil ich nun in einem kleinen Dorf lebe. Ich bin in Weddinghusen/Norderdithmarschen geboren – aber an dieses Haus und die Zeit dort hatte meine Mutter keine guten Erinnerungen.

Als ich in unseren ersten Ferien hier auf Fehmarn den Wunsch äußerte, mich als junge Lehrerin an das neu gegründete Inselgymnasium versetzen zu lassen, warnte mich meine Mutter davor, in eine solch kleine Gemeinde in Norddeutschland zu ziehen. Es sei sehr schwierig, dort akzeptiert und integriert zu werden. Sie selber hatte damals Plattdeutsch gelernt und damit die Hochachtung der Bauern im Umkreis erworben, die ihr und unserer Familie kurz nach dem Krieg sehr geholfen hatten.

Nun – ich war damals Beamtin in Nordrhein-Westfalen und es wäre sowieso schwierig gewesen, eine Versetzung nach Schleswig-Holstein zu erlangen. Als ich dann 2010 mit meinem Mann nach Fehmarn umgezogen bin, hatten sich die Zeiten grundlegend geändert: Fehmarn ist weltoffen, vor allem durch den Tourismus. Das Leben hier ist heute viel einfacher, weil man nicht auf die kleine Dorfgemeinschaft angewiesen ist, sondern durch die rasante Entwicklung des Internets Freunde, Bekannte und Geschäftsbeziehungen auf der ganzen Welt haben kann – auch von Neujellingsdorf aus.

Das war Ende der 1970er Jahre noch nicht abzusehen – auch noch nicht 1993, als ich meinen ersten Computer bekam und mit meinem Promotionsstudium begann: damals erschien es mir sehr reizvoll, dass man bei einem Internetbuchhändler (Amazon hieß damals noch ABC) alle möglichen Bücher recherchieren und erwerben, und dass man Fachartikel und ganze Bücher aus Bibliotheken bestellen konnte.

Heute bin ich sehr glücklich hier auf Fehmarn – und vieles von meinem Lebensglück verdanke ich dem Erbe meiner Mutter:

Meine Mutter war immer Optimistin – sie musste im Krieg ihre Heimat Danzig verlassen. Mit ihrem ersten Baby in der Tragetasche kam sie im kalten Januar 1945 mit dem Schiff über die Ostsee nach Schleswig-Holstein. Sie hatte zugesehen, wie die „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden von Menschen an Bord versank. An Land kämpfte sie sich durch Eis und Schnee und kam wohlbehalten mit ihrem Baby, meinem Bruder Karsten, in Lunden bei ihren Schwiegereltern an.

Zwei Jahre nach dem Krieg, am 10. Juni 1947, starb mein ältester Bruder mit noch nicht ganz drei Jahren an Diphterie, die man nicht erkannt hatte. Mein zweiter Bruder war gerade geboren und wurde am 13. Juni 1947 getauft. Mein Vater war damals auch an Diphterie erkrankt. Die Tragik, dass man sein Baby im Krieg auf der Flucht vor Schlimmem bewahrt hat und es dann sterben muss, als schon wieder bessere Zeiten eingekehrt waren, wurde mir erst später bewusst. Im November 2005 besuchte ich mit meinem Mann den Kirchhof in Weddingstedt. Ich sah die Taufkapelle mitten auf dem dunklen Kirchhof, von der meine Mutter mir nie erzählt hatte. Ich kannte nur mein Taufbild, das vor unserem Haus in Weddinghusen aufgenommen worden war.

All das hat meine Mutter gemeistert. Als verwöhnte Tochter aus der Großstadt lebte sie nun auf dem Lande und baute Gemüse und Obst an, um die Familie durchzubringen. Aber sie ist immer fröhlich und optimistisch geblieben.

Fünf Jahre später wurde ich geboren und habe vieles von meiner Mutter geerbt – vor allem ihren unerschütterlichen Optimismus. Den folgenden Spruch schrieb sie mir 1962 in mein Poesiealbum:

Zum Licht empor mit klarem Blick,
Ein Vorwärts stets, nie ein Zurück,
Ein frohes Schaffen, kühnes Streben
Und schnelles Handeln auch daneben –
Dann hat das Dasein Zweck und Ziel,
Wer Großes will, erreicht auch viel.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749–1832)

Ich bin meiner Mutter unendlich dankbar für all das, was sie mir gegeben hat: für den Mut und den Optimismus, die Herzlichkeit und den Humor, und für die Liebe und die Kraft, die für mein ganzes Leben reichen.

Was würde sie wohl sagen, wenn sie wüsste, dass ich für sie heute, an ihrem 96. Geburtstag, das schöne Impromptu As-dur von Franz Schubert auf meinem eigenen Flügel gespielt habe, das sie immer so geliebt hat? Und dass ich meine Geige im vorigen Jahr verkauft habe, nachdem ich schon viele jahre nicht mehr darauf gespielt hatte?

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich in meinem eigenen Haus wohne, in dessen Garten zur Zeit die Schneeglöckchen blühen, die ich ihr früher immer zum Geburtstag geschenkt habe?

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich seit sechs Jahren meinen eigenen Verlag habe und schon weit über 50 Bücher publiziert habe, als wären es meine eigenen Kinder?

Ich glaube, sie wäre sehr stolz auf mich, auf ihre geliebte Tochter. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für alles, was ich von meiner Mutter bekommen habe: die Liebe zur Ostsee, zu den Bergen, zum Skilaufen, zur Musik – ohne meine Mutter hätte ich niemals Musik studieren und niemals promovieren können, nie hätte ich die Freuden des Skilaufens und die Schönheit der Tiroler Berge, vor allem in Seefeld, entdeckt, und vielleicht wäre ich dann auch nie in mein heute so geliebtes Armentarola in den Dolomiten gekommen.

Ganz wichtig aber erscheint mir eins – meine Mutter hat ja mit 56 Jahren etwas angefangen, was sie bisher nicht zu können glaubte: malen. Sie hatte mir zu Weihnachten 1977 einen Kalender mit 12 selbst gemalten Bildern geschenkt – und das war der Start in ihr neues Leben! Eine Galeristin stellte ihre Bilder aus und schickte sie zu einem Sonntagsmaler-Wettbewerb ein – sie gewann sofort einen Preis und nahm danach an etlichen Ausstellungen teil. Sie malte so, wie SIE es für richtig hielt, nicht Lehrer, Lehrbücher oder andere Vorbilder – und gewann viele Fans und auch Käufer ihrer schönen Bilder. Denn meine Mutter hatte die Gabe, ganz einfache, alltägliche Dinge auf solch schöne individuelle Weise zu malen, so dass sie die Herzen der Betrachter erreichte. So widmete ich ihr nach ihrem Tod den Spruch ihrer Lieblingsautorin Pearl S. Buck:

Die wahre Lebenskunst besteht darin,
im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Heute schrieb mir eine Freundin: „Sie sieht Dir immer zu und ist sehr glücklich über Deinen Weg! Sie liebt Dich sehr!“

Sie schrieb mir auch: „Ich hätte Deine Mutter gerne kennen gelernt!“ – Und ich habe geantwortet: „Du hättest sie sicher gemocht – nun kennst Du sie ein wenig durch mich.“

Ja, das ist meine Aufgabe, all die guten Ideen und Gedanken, die mir meine Mutter vermittelt hat, weiter in die Welt zu tragen. Vor allem: Freiheit und Liebe als höchste Werte erfahren und weitergeben zu dürfen.

Danke, liebe Mutti – ich werde Dich nie vergessen – Du bist immer in meinem Herzen.

Deine Beate mit Senta

Zwischen den Jahren

img_1599Ein wenig „abtauchen“ nach Vorweihnachtsstress und Weihnachtsfeiern – wie schön ist das und wie tut es uns gut! Ich hatte Besuch gehabt zu Weihnachten, hatte mich gefreut, mal wieder so zu feiern, wie ich es mit meinem lieben Mann immer getan hatte. Aber es war natürlich nicht dasselbe, und so war ich froh, als es am Abend des ersten Weihnachtstages ganz still in meinem Haus wurde. Ich freute mich über den schön geschmückten Weihnachtsbaum und die gute alte Krippe, und über meinen Hund, der ganz brav da lag und offenbar auch etwas gestresst war.

img_1681img_1706Und so verbrachten wir den zweiten Weihnachtstag überwiegend im Freien, bei langen Spaziergängen am Strand.

img_1724Während es am Mittag in Fehmarnsund noch sehr sonnig war, wurde es später düsterer, als wir am Südstrand waren. Pechschwarze Wolken zogen heran.

img_1755Schließlich mussten wir vor heftigen Orkanböen mit Hagelschauern Schutz suchen und kamen völlig durchnässt wieder zu Hause an. Nach einem heißen Bad und einem kräftigen Tee wurde es so richtig behaglich zu Hause, ich spielte in Ruhe aus den neuen Klaviernoten. Und am Abend schauten wir uns das „Traumschiff“ an, eine angenehme Entspannung, die für mich irgendwie zum zweiten Weihnachtstag dazu gehört. Das Telefon hatte ich übrigens an diesem Tag stumm geschaltet.

An den Tagen danach gab es viel zu tun, viele Dinge zum Jahresabschluss waren zu erledigen, dazu gab es Erfreuliches zu unserer Neuerscheinung „Mein Weg über die Alpen“ von Barbara Messer. Das Buch war ganz kurz vor Weihnachten erschienen und lag wohl auf vielen Gabentischen. Und dann erreichten uns bereits die ersten sehr schönen Rezensionen. „Für mich ist dieses Buch eines der besten, das ich 2016 lesen durfte“, schreibt die erste Rezensentin und ich ergänze: Für mich ist diese Buch eines der besten, das ich 2016 verlegen durfte. Nun freue ich mich schon auf die Buchvorstellung am 2. Februar 2017 im Literaturhaus Berlin! Wieder eine Premiere für meinen kleinen Verlag.

Gestern war der Tag bestimmt vom Gedenken an meine liebe alte Freundin Tilli, die uns kurz vor Weihnachten verlassen hat und für die ich eine Kerze angezündet habe. Ich habe sie im gestrigen Blogartikel ausführlich gewürdigt – mit ihrem eigenen Text „Ein glücklicher Tag“, denn Ottilie Krafczyk war auch unsere Autorin. Sie hatte zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht: „Starke Frauen und die Liebe“.

Leider wurde diese Gedenkstimmung ein wenig gestört, und ich schrieb etwas, das ich nur ganz selten schreibe: „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich die letzten Tage und Stunden des alten Jahres nunmehr privat verbringen möchte.“

img_1780Und wie immer war der Ausflug zum Strand für mich der Gegenpol zu Trauer und Stress. Wunderbare Stille am Meer, bei strahlendem Sonnenschein – Zeit, alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein, Kraft zu schöpfen und mich mit meinem fröhlichen Hund an dem schönen Tag zu erfreuen!

img_1782Am Nachmittag dann kam der vorläufige Höhepunkt dieser Zeit „zwischen den Jahren“: unser Spaziergang am Südstrand.

img_1814Ihr werdet es kaum glauben, wie glücklich ich bin, dass ich solche herrlichen Strandspaziergänge mit meiner Senta machen kann. Wir waren mehrere Stunden unterwegs und sind mehr als 10 km gelaufen. Am Nachmittag am belebten Südstrand, immer der Sonne entgegen, deren Untergang ich dann beobachten konnte.

img_1821Dass das möglich ist, verdanke ich dem Mensch-Hunde-Therapeuten José Arce, der am 2./3. August hier bei uns war und uns gezeigt hat, wie Senta im Auto mitfahren kann. Na ja, ein bisschen verdanke ich es auch mir selber, weil ich den Entschluss gefasst sowie Geld, Zeit und Mühe investiert habe. So hat sich mein Leben – und auch Sentas Leben – seitdem stark verändert. Nicht nur, dass wir verreisen und jeden Tag zum Strand fahren können, nein, ich weiß auch, dass es möglich ist, seine Träume zu verwirklichen. Wenn man es nur genug will, wenn man konsequent ist und seine eigenen Wünsche ernst nimmt und sich erfüllt. Und noch etwas: manchmal verliert man bei einer solch großen Lebensveränderung auch Wegbegleiter, die da nicht mehr mitkommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist schade, aber man findet auf der nächsten Wegstrecke viele neue Freunde, vor allem mit einem solch süßen Hund als Begleiter. Wie oft strahlen die Leute uns an oder lächeln, wenn sie uns entgegen kommen.

img_1791Heute habe ich bei traumhaftem Winterwetter mit Senta einen langen Spaziergang gemacht – weiter als ich von Fehmarnsund aus jemals gegangen bin, bis nach WULFEN, wo ich noch NIE gewesen bin in den über 39 Jahren, seit ich das erste Mal nach Fehmarn kam. Ein tolles Erlebnis am vorletzten Tag des Jahres.

img_1867Am Nachmittag dann noch ein Spaziergang nach Sonnenuntergang am Südstrand – der rosige Himmel über uns, entlang der blauen Ostsee, die ganz sanft rauschte. Zeit zur Besinnung über dieses Jahr, das schon fast zu Ende ist, und der Gedanken an das nächste Jahr. Zu Hause angekommen dann die Überraschung: Ich freue mich sehr darüber, dass mein Interview zum Jahresrückblick mit Lebe-Liebe-Lache.com gerade heute erschienen ist. Herzlichen Dank an Annette Maria Böhm, die dieses Interview mit mir geführt hat. Hier können Sie das Interview lesen

img_2435Nun bleibt mir noch Zeit, Ihnen/Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.

img_1811-kopieMeinen guten Wünschen zum neuen Jahr möchte ich noch diesen irischen Segenswunsch hinzufügen:

Mögen alle deine Träume wahr werden,
mögen alle deine Himmel blau sein,
mögen alle deine Freunde wahrhaft Freunde sein,
mögen alle deine Freuden vollkommen sein,
mögen Glück und Lachen alle deine Tage ausfüllen.

Auf ein glückliches neues Jahr 2017!

Mac & Macchen – Adieu, mein Kleiner, es war eine schöne Zeit mit Dir!

img_0816Vor fast einer Woche war es so weit: mein neuer schöner, großer iMac traf ein.
Wir haben das hier im Verlag ein wenig gefeiert. „Prost und Prösterchen“ schrieb mir dazu ein lieber Facebook-Freund.

Mac und Macchen – das war ein bewegender Moment für mich. Der Kleine hat mich fast fünf Jahre lang begleitet, fast alle Bücher meines Verlages sind darauf entstanden, viele Geschichten geschrieben und viele Fotos gespeichert worden.

Und nun der Neue, Große – wie lange habe ich mir den schon gewünscht! Ich freue mich auf das allererste Projekt, das ich mit ihm fertigstelle – und dann bin ich gespannt, wie viele Bücher mit ihm noch entstehen werden!

img_0807img_0811Er ist nun eindeutig der Größte in meiner Mac-Familie mit iMac, Macbook, iPad und iPhone. Alles wundervolle Geräte, mit denen ich schon lange gerne zusammenarbeite, die mir treue Dienste erweisen und eigentlich noch nie ausgefallen sind.

img_0812 Am Abend dann auch noch erstklassiger Musikgenuss mit dem neuen iMac – groß und klar und mit fantastischem Sound–- da komme ich ja gar nicht mehr vom Schreibtisch weg. Hier: „Halleluja“ von Leonard Cohen – großartig

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Heute Abend habe ich dann endlich den „Kleinen“, den alten iMac, ordentlich sauber gemacht und eingepackt, damit er auf den Weg zu seinem neuen Besitzer gehen kann. Der schreibt übrigens auch Bücher …

Ja, es ist nur ein Computer, aber er ist mir doch ans Herz gewachsen in all den Jahren. Er war treu, hat nie „geschwächelt“, war nur zuletzt etwas langsamer geworden, wie es ja nun mal ist, wenn man etwas älter wird. Er hat alles mitgemacht – egal was ich auch geschrieben habe. Manchmal war er recht verschwiegen – und manchmal habe ich auch später etwas gelöscht, was ich geschrieben hatte.

So ein Mac ist ein guter Zuhörer, immer bereit für meine Gedanken und Ideen. Das Beste: er hat eine supergute Suchfunktion, so dass ich alles immer wiederfinden konnte, was vermeintlich verloren war.

img_0054So, mein Kleiner, nun bist Du gut verpackt – Dein neuer Besitzer freut sich schon darauf, Dich in Betrieb zu nehmen und darauf seine Bücher zu schreiben.

Adieu, mein Kleiner, es war eine schöne Zeit mit Dir!

Und nun trinke ich noch ein Gläschen Rotwein zum Abschied!

img_0051Übrigens: Das erste Buchprojekt, das ich inzwischen auf dem neuen iMac fertiggestellt habe, ist eins voller Glück und Freude – bereits vor dem Erscheinen des Buches. Das hängt sicherlich mit dem „Zauber des Anfangs“ zusammen, den ich mit meinem neuen iMac erlebe.

Mein Sessel

IMG_5446Schon seit einigen Wochen verändert sich etwas bei uns zu Hause. Senta geht am Abend auf ihren Platz – der ist seit einiger Zeit im ersten Stock, in der Nische hinter meinem Schreibtisch. Dort legt sie sich auch immer hin, wenn ich mal verreise. Letzten Sonntag kam sie mir zum ersten Mal nicht freudig entgegen, als ich aus Lübeck nach Hause kam. Nein, sie schlief tief und fest oben auf ihrem Platz.

Wenn ich mal am Abend unten im Wohnzimmer war, saß ich ganz alleine auf dem Sofa, wo Senta es sich früher immer bequem gemacht hatte. Und ich schaute auf den Sessel. Er war verwaist, seit Hans Christian nicht mehr nach Hause gekommen war. Eine Zeitlang hatte Senta vor dem Sessel gelegen, es war ihr Lieblingsplatz. Dort schleppte sie einen Hähnchenschenkel hin, um ihn genüßlich zu verspeisen, dort spielte sie wochenlang jeden Abend mit dem Kong oder kaute auf ihrem Knochen – so als säße ihr Herrchen immer noch in dem Sessel.

Dann haben wir beide fast zwei Jahre lang einträchtig nebeneinander auf dem Sofa gesessen, wo ich oft einschlief, während Senta sich auf ihren Platz unterhalb der Treppe zum Schlafen legte. All das war anders geworden, seit ich früher ins Bett ging, um nicht auf dem Sofa, sondern im Bett einzuschlafen. Der Sessel aber blieb weiterhin leer. Zum Lesen mochte ich mich nicht hineinsetzen, auch nicht tagsüber, es war einfach zu dunkel.

IMG_6245Den Sessel mit dem Hocker und das Sofa aus schwarzem Leder hatten wir in unserer neuen kleinen Bamberger Wohnung bekommen, Anfang 2010. Dort passten die alten Polstermöbel nicht mehr, es war nur wenig Platz zwischen dem Flügel und der großen Fensterwand zum Balkon.

IMG_6254Eigentlich hatte ich mich auf den Sessel gefreut. Hans Christian mochte doch das Sofa so sehr, auf dem er immer seinen Mittagsschlaf hielt. Aber vom ersten Tag an liebte er den Sessel, und ich konnte auch besser mit dem Rollstuhl heranfahren. Als wir dann ein paar Monate später in Neujellingsdorf wohnten, war der Sessel Hans Christians Platz – bis zu seinem letzten Tag. Von dort schaute er gerne Fernsehen, von dort brachte ich ihn einfach zum Treppenlift. Als er gestorben war, stand wochenlang eine Kerze vor seinem Sessel.

IMG_1670Irgendwann holte ich mir den Hocker ans Sofa, um dort etwas bequemer zu sitzen. Nun konnte ich am Abend endlich die Füße hochlegen. Fernsehen schaute ich kaum noch, aber seit etwa einem Jahr hörte ich jeden Abend Musik – von Brahms, Schubert, Chopin und anderen. Und Senta saß immer dabei. IMG_9467Immer leuchtete die Kerze auf dem Tisch, daneben oft eine Flasche Rotwein und eine CD.

IMG_9488In letzter Zeit änderte sich einiges – ich begann wieder, mittags zu kochen und am Abend nur eine Kleinigkeit zu essen. Und ich setzte mich ab und zu in den Sessel, stellte die Tischlampe um, so dass ich auch lesen konnte, machte es mir bequem und freundete mich mit meinem Sessel an.

IMG_5442Heute Abend dann blieb auch Senta unten im Wohnzimmer. Sie stibitzte sich Leckereien von dem Tischchen, an das sie nun besser herankam als vom Sofa aus. Ich schaute mir einen interessanten Film an. Aber wo war Senta eigentlich gebleiben? Ich ging in die Küche und suchte. Da war sie nicht. Nach oben war sie auch nicht gegangen. Sie hatte sich einen ganz neuen Platz gesucht, hinter meinem Sessel, vor dem Sofa, wo wir es zwei Jahre lang gemütlich gehabt hatten.

IMG_5439Ich sah den Film zu Ende und legte die CD mit den Streichsextetten von Brahms auf. Nachdem ich monatelang Klaviermusik gehört hatte, ist nun wieder die Kammermusik von Brahms dran – aus Hans Christians Kassette, um die ich ihn in der Zeit unseres Kennenlernens glühend beneidet hatte. Manchmal hatte ich früher gescherzt, dass ich ihn nur wegen dieser Kassette geheiratet hätte. An besonderen Tagen hatten wir oft gemeinsam das Klarinettenqunintett angehört.

IMG_5437Nun erklingt immer noch das Streichsextett in G-dur, Senta schläft an ihrem neuen Platz, und oben am Schreibtisch habe ich diesen Blogartikel geschrieben über den Sessel, der nun endlich mein Sessel geworden ist.IMG_5450Die Musik ist zu Ende und ein Glas Wein wartet dort unten auf mich. Ich werde es genießen, nachdem ich diesen Blogartikel veröffentlicht habe.