Frohe Ostern!

Zu meinem letzten Blogartikel „Leben ist mehr“ schrieb mir eine Leserin: „Die Mischung aus persönlichen, privaten und beruflichen Aspekten gefällt mir sehr gut.“ Und ich habe geantwortet: „Ich habe ja nur ein Leben, das ist nicht getrennt nach Privatleben und Beruf – gerade jetzt habe ich das Gefühl, dass alles ineinander greift und sich harmonisch ergänzt.“

Und so zeigt mein Osterfoto diesmal mein persönliches Ostergesteck auf dem Tisch in meinem Arbeitsbereich. Hier liegen die wichtigsten Neuerscheinungen meines Verlages: Der Roman „Der Austauschsoldat“ bzw. im englischen Original „The Exchange Soldier“ von Yusuke Yahagi und mein neuer Kalender „Impressionen von der Sonneninsel Fehmarn 2018“, der rechtzeitig zu Ostern eingetroffen ist. Daneben erinnert mich der Verlagsflyer Frühjahr 2017 daran, dass noch nicht alle geplanten Bücher erschienen sind – dafür gibt es aber bereits eine Reihe von neuen Buchprojekten – für den nächsten Flyer.

„Dr. Verlegerin“ – ein neuer Titel, der mir gestern durch Yusuke Yahagi verliehen wurde. Neulich schrieb mir eine neue, junge Autorin „Hallo meine Lieblingsverlegerin“. All das macht Freude und motiviert mich zu besonderem Engagement. Ich arbeite mit positiven Menschen zusammen, die unsere Welt mit ihren positiven Gedanken ein bisschen besser machen wollen. Allerdings kann nicht jeder bei mir mit seiner Buchidee landen – ich habe inzwischen deutlich NEIN sagen gelernt. Und das macht mich nur noch glücklicher.

Kurz vor meinem 65. Geburtstag – das ist der Zeitpunkt, an dem man normalerweise in den sogenannten „Ruhestand“ geht – bin ich mit einem Buchautor, dem japanischen Herzchirurgen Yusuke Yahagi aus Texas und seiner Frau April Yahagi unterwegs auf einer achttägigen Lesetour durch Deutschland. Statt in den Ruhestand zu gehen, mache ich einen weiteren großen Schritt in der Erfolgsgeschichte meines Verlages: wir werden international!

Am 11. Mai 2017 beginnt unsere „Deutschland-Tournee“ mit der Buchvorstellung im Literaturhaus der Bundeshauptstadt Berlin. Dr. Yusuke Yahagi wird auf deutsch selbst aus seinem Buch lesen und in einem Interview mit mir, seiner Verlegerin Dr. Beate Forsbach über die Entstehung des Buches berichten.

Es folgen Veranstaltungen im Café Jedermann in Burg auf Fehmarn (13. Mai 2017), im Café Kuchenstund in Hamburg-Niendorf (15. Mai 2017), in Häckers Grandhotel in Bad Ems (16. Mai 2017), in der Japanisch-Deutschen Kulturwerkstatt Tenri in Köln (17. Mai 2017). Mit der letzten Buchpräsentation am Donnerstag, 18. Mai 2017 wird die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg gleichzeitig ihre 2. Jüdischen Kulturtage Bamberg eröffnen.

Es wird eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden in Berlin, Fehmarn, Hamburg, Bad Ems, Köln und Bamberg! Ich lade Euch alle herzlich dazu ein. Bitte kommt zu einer unserer Veranstaltungen – so könnt Ihr Yusuke Yahagi persönlich kennenlernen, aber auch mich und unser Verlagsmaskottchen Senta.

Hier auf unserer Verlagswebsite könnt Ihr noch mehr über das Buch und den Autor erfahren: www.edition-forsbach.de/

Es ist schön für mich, gestern am Karfreitag, so kurz vor Ostern – neben all den beruflichen Erfolgen mit dem neuen Buch und der bevorstehenden Lesetour – auch das ganz kleine Glück erleben zu dürfen: am kleinen Strand mit Martina und ihrer Familie, mit Winni, Lena und Christina, sowie den beiden glücklichen Hunden Senta und Luna.

Die Familie möchte so gerne ans Meer ziehen, auf unsere schöne Insel. Und ich kann das gut verstehen.

Das Meer ist sehr wichtig für mich, das spüre ich immer wieder. Hier kann ich laut singen, sprechen, denken und auch weinen, hier kann ich übers Meer schauen dorthin, wohin uns einige geliebte Menschen vorausgegangen sind. So bekam ich am Tag nach meinem Blog „Leben ist mehr“ die traurige Nachricht, dass mein alter Schulleiter und Deutsch-, Philosophie- und Englischlehrer Dr. Hermann Heyder kurz nach seinem 95. Geburtstag verstorben war. Zum Glück hatte ich ihn noch im Januar besucht und mit ihm einige schöne Stunden verbracht. Dafür und für alles, was er in über 50 Jahren für mich getan hat, bin ich sehr dankbar. Bei der Messe im Xantener Dom stand dieser Spruch des Heiligen Augustinus im Mittelpunkt der Predigt:

Auferstehen ist unser Glaube,
Wiedersehen unsere Hoffnung,
Gedenken unsere Liebe.

Und das passt doch richtig gut zu Ostern. Es ist nun schon mein viertes Osterfest, das ich alleine mit Senta feiere. Ich bin sehr dankbar, dass es uns so gut geht. Seit Jahren feiere ich Ostern als Zukunftsfest und bedenke die Pläne und Ziele für die Zukunft. Anders als sonst sind es aber in diesem Jahr die Begegnungen mit lieben Menschen, schon in der Karwoche und auch zu Ostern, mit denen ich über ihre und unsere Pläne und Ziele sprechen kann. Und auch über unsere Träume!

Denn eigentlich ist alles ganz einfach: Das Leben liebt mich und Dich und Dich  …, und es wird schon dafür sorgen, dass das Richtige zur rechten Zeit eintrifft. Du musst nur ganz fest daran glauben und es Dir nur immer wieder vorstellen!

Ich wünsche allen Freunden und Lesern meines Blogs ein frohes Osterfest!

Der 96. Geburtstag meiner Mutter

Heute ist der 96. Geburtstag meiner Mutter, Eva Dethlefs. Heute vor 20 Jahren habe  ich zum letzten Mal mit meiner Mutter zusammen Geburtstag gefeiert, ihren 76. Geburtstag.

Heute hat auch das „Lämmerlein“ Geburtstag, es ist 20 Jahre alt geworden (im Bild oben links). Meine Mutter sagte damals, es sei das schönste Geburtstagsgeschenk, das sie je bekommen habe. Mein Mann und ich haben immer eine ganze Schar von „Tieren“ mit auf die Reise genommen: Lämmerlein, Walfisch, Neger und Dr. Kreuel – außerdem gab es noch Bostiche, den Hund. Der hat leider nicht überlebt, als Senta kam. Heute nehme ich nur noch Senta mit auf die Reise.

Den „Walfisch“ und „Dr. Kreuel“ hat auch meine Mutter schon gekannt – der „Neger“ kam erst später dazu. Hans Christian hat ihn für mich auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin gewonnen.

Am 11. November 1997 starb meine geliebte Mutter ganz plötzlich an einem Herzinfarkt. Der Abschied von ihr war das Schlimmste, was ich jemals erlebt hatte. Monatelang war ich in einer Art Trancezustand, stand offenbar unter Schock. Denn meine Mutter war meine allerbeste Freundin gewesen und hatte mich stets begleitet und unterstützt. Sie hatte mich bestärkt, mit 42 Jahren das Promotionsstudium aufzunehmen und durchzuhalten. Aufgrund ihrer Erfahrung als Grundschullehrerin hatte sie nächtelang mit mir diskutiert. Sie hat Korrektur gelesen, mich ermutigt, beraten und immer wieder zur Weiterarbeit motiviert. Und dann starb sie plötzlich und konnte den Abschluss meiner Arbeit nicht mehr erleben. Dabei wäre sie so stolz gewesen.

Meine Dissertation erschien erst acht Jahre später. Ich habe sie meiner Mutter gewidmet:

In liebevoller Erinnerung an meine Mutter Eva Dethlefs (1921 – 1997)
Und in Dankbarkeit
• für eine schöne Kindheit und Jugend voller Musik,
• für eine umfassende Ausbildung und das Studium,
• für viele Gespräche über Schule, Erziehung und Unterricht,
• für die Erziehung zu Selbständigkeit und Kritikfähigkeit,
• dafür, immer wieder bestärkt worden zu sein, den eigenen Weg
zu gehen, auch gegen Widerstände,
• für die Kraft, dies durchzuhalten,
• dafür, gelernt zu haben, Dinge zu ändern, die man ändern kann
und Vorgaben zu hinterfragen,
• dafür, Liebe und Freiheit als höchste Werte erfahren zu haben.

Heute ging mir vieles durch den Kopf, als ich mit Senta an zwei Stränden auf unserer geliebten Insel Fehmarn war: am Südstrand, wo ich vor fast 25 Jahren eine kleine Strandwohnung gekauft, eingerichtet und vermietet hatte – mit Unterstützung meiner Mutter. Und in Fehmarnsund, wo ich in unserem ersten Urlaub auf Fehmarn – in den Herbstferien 1977 – mit meiner Mutter gewesen war.

Fehmarn hatte meine Mutter an ihre Heimat erinnert – sie war in Danzig geboren und aufgewachsen. Und sie hatte stets die Ostsee geliebt, als junges Mädchen bereits im allerersten Frühling und noch im spätesten Herbst darin gebadet.

Früher dachte ich oft, dass meine Mutter – wenn es tatsächlich eine Wiedergeburt gibt – in Gestalt von Senta zu mir zurück gekommen war. Sentas schöne braune Augen erinnern mich an meine Mutter, aber auch die Art, wie sie mich stupst, wenn ich wieder mal vergessen habe, etwas zu essen, wie sie Unnötiges wegschleppt und Überflüssiges zerreißt, und wie sie mich daran erinnert, dass wir unbedingt spazieren gehen müssen, auch wenn es regnet. Sie sorgt für mich, damit ich genug an die frische Luft komme und mich bewege, regelmäßig esse, viel schlafe und den schönen Strand genieße. Und Senta badet gerne in der Ostsee, sogar jetzt im Winter. Sie ist quietschvergnügt, wenn wir am Strand sind und hüpft vor Freude um mich herum.

Meine Mutter hätte ihre Freude an ihr – sie hat sich doch früher auch immer ein „Hündchen“ gewünscht, so wie mein Mann. Aber in unserem damaligen Wohnhaus durfte man keine Hunde halten, und meine Mutter dachte auch, dass sie nicht mehr mit einem Hund spazierengehen konnte. Denn irgendwann konnte sie nicht mehr gut gehen. Damals gab es noch keinen Rollator – einen Rollstuhl aber oder auch nur einen Gehstock hätte meine Mutter niemals benutzt.

Vielleicht würde meine Mutter sich ein wenig wundern, weil ich nun in einem kleinen Dorf lebe. Ich bin in Weddinghusen/Norderdithmarschen geboren – aber an dieses Haus und die Zeit dort hatte meine Mutter keine guten Erinnerungen.

Als ich in unseren ersten Ferien hier auf Fehmarn den Wunsch äußerte, mich als junge Lehrerin an das neu gegründete Inselgymnasium versetzen zu lassen, warnte mich meine Mutter davor, in eine solch kleine Gemeinde in Norddeutschland zu ziehen. Es sei sehr schwierig, dort akzeptiert und integriert zu werden. Sie selber hatte damals Plattdeutsch gelernt und damit die Hochachtung der Bauern im Umkreis erworben, die ihr und unserer Familie kurz nach dem Krieg sehr geholfen hatten.

Nun – ich war damals Beamtin in Nordrhein-Westfalen und es wäre sowieso schwierig gewesen, eine Versetzung nach Schleswig-Holstein zu erlangen. Als ich dann 2010 mit meinem Mann nach Fehmarn umgezogen bin, hatten sich die Zeiten grundlegend geändert: Fehmarn ist weltoffen, vor allem durch den Tourismus. Das Leben hier ist heute viel einfacher, weil man nicht auf die kleine Dorfgemeinschaft angewiesen ist, sondern durch die rasante Entwicklung des Internets Freunde, Bekannte und Geschäftsbeziehungen auf der ganzen Welt haben kann – auch von Neujellingsdorf aus.

Das war Ende der 1970er Jahre noch nicht abzusehen – auch noch nicht 1993, als ich meinen ersten Computer bekam und mit meinem Promotionsstudium begann: damals erschien es mir sehr reizvoll, dass man bei einem Internetbuchhändler (Amazon hieß damals noch ABC) alle möglichen Bücher recherchieren und erwerben, und dass man Fachartikel und ganze Bücher aus Bibliotheken bestellen konnte.

Heute bin ich sehr glücklich hier auf Fehmarn – und vieles von meinem Lebensglück verdanke ich dem Erbe meiner Mutter:

Meine Mutter war immer Optimistin – sie musste im Krieg ihre Heimat Danzig verlassen. Mit ihrem ersten Baby in der Tragetasche kam sie im kalten Januar 1945 mit dem Schiff über die Ostsee nach Schleswig-Holstein. Sie hatte zugesehen, wie die „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden von Menschen an Bord versank. An Land kämpfte sie sich durch Eis und Schnee und kam wohlbehalten mit ihrem Baby, meinem Bruder Karsten, in Lunden bei ihren Schwiegereltern an.

Zwei Jahre nach dem Krieg, am 10. Juni 1947, starb mein ältester Bruder mit noch nicht ganz drei Jahren an Diphterie, die man nicht erkannt hatte. Mein zweiter Bruder war gerade geboren und wurde am 13. Juni 1947 getauft. Mein Vater war damals auch an Diphterie erkrankt. Die Tragik, dass man sein Baby im Krieg auf der Flucht vor Schlimmem bewahrt hat und es dann sterben muss, als schon wieder bessere Zeiten eingekehrt waren, wurde mir erst später bewusst. Im November 2005 besuchte ich mit meinem Mann den Kirchhof in Weddingstedt. Ich sah die Taufkapelle mitten auf dem dunklen Kirchhof, von der meine Mutter mir nie erzählt hatte. Ich kannte nur mein Taufbild, das vor unserem Haus in Weddinghusen aufgenommen worden war.

All das hat meine Mutter gemeistert. Als verwöhnte Tochter aus der Großstadt lebte sie nun auf dem Lande und baute Gemüse und Obst an, um die Familie durchzubringen. Aber sie ist immer fröhlich und optimistisch geblieben.

Fünf Jahre später wurde ich geboren und habe vieles von meiner Mutter geerbt – vor allem ihren unerschütterlichen Optimismus. Den folgenden Spruch schrieb sie mir 1962 in mein Poesiealbum:

Zum Licht empor mit klarem Blick,
Ein Vorwärts stets, nie ein Zurück,
Ein frohes Schaffen, kühnes Streben
Und schnelles Handeln auch daneben –
Dann hat das Dasein Zweck und Ziel,
Wer Großes will, erreicht auch viel.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749–1832)

Ich bin meiner Mutter unendlich dankbar für all das, was sie mir gegeben hat: für den Mut und den Optimismus, die Herzlichkeit und den Humor, und für die Liebe und die Kraft, die für mein ganzes Leben reichen.

Was würde sie wohl sagen, wenn sie wüsste, dass ich für sie heute, an ihrem 96. Geburtstag, das schöne Impromptu As-dur von Franz Schubert auf meinem eigenen Flügel gespielt habe, das sie immer so geliebt hat? Und dass ich meine Geige im vorigen Jahr verkauft habe, nachdem ich schon viele jahre nicht mehr darauf gespielt hatte?

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich in meinem eigenen Haus wohne, in dessen Garten zur Zeit die Schneeglöckchen blühen, die ich ihr früher immer zum Geburtstag geschenkt habe?

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich seit sechs Jahren meinen eigenen Verlag habe und schon weit über 50 Bücher publiziert habe, als wären es meine eigenen Kinder?

Ich glaube, sie wäre sehr stolz auf mich, auf ihre geliebte Tochter. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für alles, was ich von meiner Mutter bekommen habe: die Liebe zur Ostsee, zu den Bergen, zum Skilaufen, zur Musik – ohne meine Mutter hätte ich niemals Musik studieren und niemals promovieren können, nie hätte ich die Freuden des Skilaufens und die Schönheit der Tiroler Berge, vor allem in Seefeld, entdeckt, und vielleicht wäre ich dann auch nie in mein heute so geliebtes Armentarola in den Dolomiten gekommen.

Ganz wichtig aber erscheint mir eins – meine Mutter hat ja mit 56 Jahren etwas angefangen, was sie bisher nicht zu können glaubte: malen. Sie hatte mir zu Weihnachten 1977 einen Kalender mit 12 selbst gemalten Bildern geschenkt – und das war der Start in ihr neues Leben! Eine Galeristin stellte ihre Bilder aus und schickte sie zu einem Sonntagsmaler-Wettbewerb ein – sie gewann sofort einen Preis und nahm danach an etlichen Ausstellungen teil. Sie malte so, wie SIE es für richtig hielt, nicht Lehrer, Lehrbücher oder andere Vorbilder – und gewann viele Fans und auch Käufer ihrer schönen Bilder. Denn meine Mutter hatte die Gabe, ganz einfache, alltägliche Dinge auf solch schöne individuelle Weise zu malen, so dass sie die Herzen der Betrachter erreichte. So widmete ich ihr nach ihrem Tod den Spruch ihrer Lieblingsautorin Pearl S. Buck:

Die wahre Lebenskunst besteht darin,
im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Heute schrieb mir eine Freundin: „Sie sieht Dir immer zu und ist sehr glücklich über Deinen Weg! Sie liebt Dich sehr!“

Sie schrieb mir auch: „Ich hätte Deine Mutter gerne kennen gelernt!“ – Und ich habe geantwortet: „Du hättest sie sicher gemocht – nun kennst Du sie ein wenig durch mich.“

Ja, das ist meine Aufgabe, all die guten Ideen und Gedanken, die mir meine Mutter vermittelt hat, weiter in die Welt zu tragen. Vor allem: Freiheit und Liebe als höchste Werte erfahren und weitergeben zu dürfen.

Danke, liebe Mutti – ich werde Dich nie vergessen – Du bist immer in meinem Herzen.

Deine Beate mit Senta

Zwischen den Jahren

img_1599Ein wenig „abtauchen“ nach Vorweihnachtsstress und Weihnachtsfeiern – wie schön ist das und wie tut es uns gut! Ich hatte Besuch gehabt zu Weihnachten, hatte mich gefreut, mal wieder so zu feiern, wie ich es mit meinem lieben Mann immer getan hatte. Aber es war natürlich nicht dasselbe, und so war ich froh, als es am Abend des ersten Weihnachtstages ganz still in meinem Haus wurde. Ich freute mich über den schön geschmückten Weihnachtsbaum und die gute alte Krippe, und über meinen Hund, der ganz brav da lag und offenbar auch etwas gestresst war.

img_1681img_1706Und so verbrachten wir den zweiten Weihnachtstag überwiegend im Freien, bei langen Spaziergängen am Strand.

img_1724Während es am Mittag in Fehmarnsund noch sehr sonnig war, wurde es später düsterer, als wir am Südstrand waren. Pechschwarze Wolken zogen heran.

img_1755Schließlich mussten wir vor heftigen Orkanböen mit Hagelschauern Schutz suchen und kamen völlig durchnässt wieder zu Hause an. Nach einem heißen Bad und einem kräftigen Tee wurde es so richtig behaglich zu Hause, ich spielte in Ruhe aus den neuen Klaviernoten. Und am Abend schauten wir uns das „Traumschiff“ an, eine angenehme Entspannung, die für mich irgendwie zum zweiten Weihnachtstag dazu gehört. Das Telefon hatte ich übrigens an diesem Tag stumm geschaltet.

An den Tagen danach gab es viel zu tun, viele Dinge zum Jahresabschluss waren zu erledigen, dazu gab es Erfreuliches zu unserer Neuerscheinung „Mein Weg über die Alpen“ von Barbara Messer. Das Buch war ganz kurz vor Weihnachten erschienen und lag wohl auf vielen Gabentischen. Und dann erreichten uns bereits die ersten sehr schönen Rezensionen. „Für mich ist dieses Buch eines der besten, das ich 2016 lesen durfte“, schreibt die erste Rezensentin und ich ergänze: Für mich ist diese Buch eines der besten, das ich 2016 verlegen durfte. Nun freue ich mich schon auf die Buchvorstellung am 2. Februar 2017 im Literaturhaus Berlin! Wieder eine Premiere für meinen kleinen Verlag.

Gestern war der Tag bestimmt vom Gedenken an meine liebe alte Freundin Tilli, die uns kurz vor Weihnachten verlassen hat und für die ich eine Kerze angezündet habe. Ich habe sie im gestrigen Blogartikel ausführlich gewürdigt – mit ihrem eigenen Text „Ein glücklicher Tag“, denn Ottilie Krafczyk war auch unsere Autorin. Sie hatte zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht: „Starke Frauen und die Liebe“.

Leider wurde diese Gedenkstimmung ein wenig gestört, und ich schrieb etwas, das ich nur ganz selten schreibe: „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich die letzten Tage und Stunden des alten Jahres nunmehr privat verbringen möchte.“

img_1780Und wie immer war der Ausflug zum Strand für mich der Gegenpol zu Trauer und Stress. Wunderbare Stille am Meer, bei strahlendem Sonnenschein – Zeit, alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein, Kraft zu schöpfen und mich mit meinem fröhlichen Hund an dem schönen Tag zu erfreuen!

img_1782Am Nachmittag dann kam der vorläufige Höhepunkt dieser Zeit „zwischen den Jahren“: unser Spaziergang am Südstrand.

img_1814Ihr werdet es kaum glauben, wie glücklich ich bin, dass ich solche herrlichen Strandspaziergänge mit meiner Senta machen kann. Wir waren mehrere Stunden unterwegs und sind mehr als 10 km gelaufen. Am Nachmittag am belebten Südstrand, immer der Sonne entgegen, deren Untergang ich dann beobachten konnte.

img_1821Dass das möglich ist, verdanke ich dem Mensch-Hunde-Therapeuten José Arce, der am 2./3. August hier bei uns war und uns gezeigt hat, wie Senta im Auto mitfahren kann. Na ja, ein bisschen verdanke ich es auch mir selber, weil ich den Entschluss gefasst sowie Geld, Zeit und Mühe investiert habe. So hat sich mein Leben – und auch Sentas Leben – seitdem stark verändert. Nicht nur, dass wir verreisen und jeden Tag zum Strand fahren können, nein, ich weiß auch, dass es möglich ist, seine Träume zu verwirklichen. Wenn man es nur genug will, wenn man konsequent ist und seine eigenen Wünsche ernst nimmt und sich erfüllt. Und noch etwas: manchmal verliert man bei einer solch großen Lebensveränderung auch Wegbegleiter, die da nicht mehr mitkommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist schade, aber man findet auf der nächsten Wegstrecke viele neue Freunde, vor allem mit einem solch süßen Hund als Begleiter. Wie oft strahlen die Leute uns an oder lächeln, wenn sie uns entgegen kommen.

img_1791Heute habe ich bei traumhaftem Winterwetter mit Senta einen langen Spaziergang gemacht – weiter als ich von Fehmarnsund aus jemals gegangen bin, bis nach WULFEN, wo ich noch NIE gewesen bin in den über 39 Jahren, seit ich das erste Mal nach Fehmarn kam. Ein tolles Erlebnis am vorletzten Tag des Jahres.

img_1867Am Nachmittag dann noch ein Spaziergang nach Sonnenuntergang am Südstrand – der rosige Himmel über uns, entlang der blauen Ostsee, die ganz sanft rauschte. Zeit zur Besinnung über dieses Jahr, das schon fast zu Ende ist, und der Gedanken an das nächste Jahr. Zu Hause angekommen dann die Überraschung: Ich freue mich sehr darüber, dass mein Interview zum Jahresrückblick mit Lebe-Liebe-Lache.com gerade heute erschienen ist. Herzlichen Dank an Annette Maria Böhm, die dieses Interview mit mir geführt hat. Hier können Sie das Interview lesen

img_2435Nun bleibt mir noch Zeit, Ihnen/Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.

img_1811-kopieMeinen guten Wünschen zum neuen Jahr möchte ich noch diesen irischen Segenswunsch hinzufügen:

Mögen alle deine Träume wahr werden,
mögen alle deine Himmel blau sein,
mögen alle deine Freunde wahrhaft Freunde sein,
mögen alle deine Freuden vollkommen sein,
mögen Glück und Lachen alle deine Tage ausfüllen.

Auf ein glückliches neues Jahr 2017!

Reise im Advent

beate-forsbach-1803Am 1. Dezember startete ich mit Senta auf unsere Adventsreise, zunächst ging die Fahrt nach Bamberg. Dort musste ich zum Zahnarzt, den ich auch zukünftig alle drei Monate aufsuchen werde. Und weil Senta im September, bei unserer ersten gemeinsamen Reise nach Armentarola, so krank gewesen ist, hatte ich diese neue Reise geplant. Endlich wollte ich mit Senta in Armentarola spazieren gehen, ein Foto-Shooting am Chiemsee machen und eine alte Freundin in München besuchen. Diese Stationen waren bereits im September geplant, aber ich war damals mit der genesenden Senta so schnell wie möglich nach Hause gefahren.

Kann man dem Glück auf die Sprünge helfen? Ja, ich glaube, man kann. Nur weil es beim ersten Mal nicht so richtig geklappt hat, braucht man noch nicht aufzugeben. Man muss es einfach noch einmal versuchen. Und so kamen wir wohlbehalten in Bamberg an und machten einen ausgedehnten Abendspaziergang an der Regnitz – von der Villa Concordia bis zum alten Rathaus.

img_0532img_0535 img_0539 Am nächsten Morgen sah es zuerst ganz schön aus, doch dann begann es, in Strömen zu regnen. Ich suchte ein passendes Restaurant für die kleine Weihnachtsfeier, die ich mit meiner Geschäftsfreundin Verena Ullmann am Abend geplant hatte. Es war gar nicht so einfach, viele Restaurants waren ausgebucht, aber ich konnte einen Tisch im Restaurant Messerschmitt an der Langen Straße bestellen, wo ich so oft mit Hans Christian gewesen war.

img_0554Am Nachmittag wanderten wir beide – endlich – durch den Hain. Das hatte ich mir schon so lange gewünscht, mit Senta durch dieses schöne Waldgebiet zu gehen. Die große Hundewiese, wo wir früher immer die Hündchen beobachtet hatten, beeindruckte sie nicht so sehr, aber am Denkmal des sprechenden Hundes Berganza posierte Senta dann doch für ein Foto. An dieser Stelle soll der Dichter E.T.A. Hoffmann einst diesem Hund begegnet sein, auf dem Rückweg vom Café Lieb im ehemals Fürstbischöflichen Jagdschloss – es ist jedoch nicht bekannt, ob der sprechende Hund vielleicht auf den Genuss des guten Frankenweins zurückzuführen ist oder tatsächlich dort gewesen ist.

img_0567Wie bei unserem allerersten Besuch des Cafés war es auch diesmal geschlossen, Senta trank ein wenig aus der Regnitz und dann liefen wir wieder zurück nach Bamberg, wo wir dann – auf den Spuren der Vergangenheit – im Café Graupner einkehrten. Wir saßen an dem Tisch, an dem ich mit Hans Christian das erste Mal gesessen hatte, als er sagte: „Sind die Schachspieler schon da?“ und ich erfuhr, dass er nicht nur wegen der Konzerte, sondern vor allem wegen des Schachspiels nach Bamberg gefahren war.img_0582Am Abend dann gingen wir ins Restaurant Messerschmitt, wo der Chef zunächst sehr skeptisch war, weil Senta ein soooo großer Hund war. Aber ich hatte sie ja mit beim Tisch bestellen, und so durften wir Platz nehmen. Senta aber lag ganz brav den ganzen Abend neben dem Tisch, wo ich mit Verena Ullmann eine schöne kleine geschäftliche Weihnachtsfeier hatte.

img_0592Am nächsten Morgen dann fuhren wir weiter nach Armentarola – in Bamberg war die Welt noch weiß überzuckert, im Inntal näherten wir uns bei schönstem Sonnenschein den mächtigen Bergen.

img_0602img_0612Wie immer telefonierte ich während der Autofahrt mit verschiedenene Freundinnen. Auf der Brennerautobahn dann verabschiedete ich mich für einige Tage in die Berge. Denn diese Reise sollte ja auch eine Reise zu mir selbst werden. Dabei hatte ich nicht damit gerechnet, dass sich eine sogenannte „Freundin“ nach dieser Reise ganz verabschiedet hat. Aber dazu später.

img_0629Froh gestimmt trafen wir in Armentarola ein. Senta suchte als erstes den Brunnen, der aber diesmal leer war, wegen der großen Kälte. Auf unserem ersten Spaziergang entdeckte sie den rauschenden Bach, in den sie fortan jeden Tag ging, um das frische Bergwasser zu trinken.  img_0624img_0877Am Abend dann gab es für mich den ersten Aperitif in der Hausbar.

img_0757Am nächsten Morgen strahlte die Sonne vom tiefblauen Himmel und unsere glücklichen Urlaubstage begannen – im immer gleichen Rhythmus. Senta tobte und tollte schon vor dem Frühstück den Hügel vor dem Hotel hoch, sie spielte sogar mit dem Ball – ein ganz neues Hund-Frauchen-Gefühl war das.

img_0929img_0785 img_0781Mein Hund fühlte sich ganz offenbar sehr glücklich hier in den Bergen.

img_0938Ich aber fragte mich auf unseren langen Spaziergängen, was all dies zu bedeuten hatte. Ich spürte ein Gefühl tiefer Dankbarkeit, weil Hans Christian mich an diesen Ort geführt hatte. Wir beide hatten Armentarola geliebt, und ich fühle mich hier sehr wohl. Auch meiner Mutter bin ich dankbar, denn sie hatte mich einst zum Skifahren gebracht, und wir waren Weihnachten immer in Seefeld/Tirol gewesen. Und Hans Christian hatte eines Tages zu mir gesagt: „Wenn ich mit Dir nach Seefeld fahre, dann musst Du mal mit mir nach Armentarola.“ Ich fühlte mich ihm sehr nahe, hier in den Bergen. Mit Senta machte ich all die Wanderungen, die wir in unseren ersten Urlauben hier noch gemeinsam gemacht hatten.

Ich dachte über mein Leben nach, über meine Bestimmung. Ich möchte gesund und glücklich 100 werden und ich möchte anderen den Mut und Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe – vor allem durch Hans Christian und meine Mutter.

Armentarola ist für mich ein magischer Ort, neben meiner Trauminsel Fehmarn, und ich möchte hier immer wieder herkommen. Wieder begegnete ich Menschen, die diese Lebensphilosophie leben – so wie Hans Christian und ich es einst beschlossen hatten. Das Hotel Armentarola wurde zu Weihnachten 1938 eröffnet und hat seitdem viele Freunde gefunden. Wer einmal hier war, kehrt immer wieder. Eine fröhliche Atmosphäre voller Lebenslust, Heiterkeit und Optimismus, dazu Sonnenschein, blauer Himmel und eine atemberaubende Bergkulisse – das ist der „Geist von Armentarola“, wie ich ihn in meinem gleichnamigen Buch beschrieben habe. Viele Gäste sprachen mich auf dieses Buch an, auf deutsch, italienisch und englisch, und alle fühlten sich wohl an diesem magischen Ort und in dem schönen Hotel.

Cover_Armentarola_Neuauflage.inddSenta wurde zum Liebling vieler Gäste – jeder wollte sie streicheln, jeder lächelte uns an, in der Hausbar oder draußen beim Spazierengehen.

img_0908Von Armentarola aus fuhren wir zum Chiemsee, wo ich ein Foto-Shooting gebucht hatte. Wir übernachteten in einem schönen Hotel in Pelham am See, von wo wir am nächsten Morgen zur Fotografin fuhren.

img_1193Das Foto-Shooting fand bei herrlichem Wetter am Chiemsee statt. Senta war die ganze Zeit dabei, sie sorgte für Heiterkeit, gab mir Halt und Liebe, wenn es mal anstrengend wurde, und sie hatte auch die Fotografin in ihr Herz geschlossen. Wunderschöne Fotos sind entstanden. Mein großer Dank geht an Theresia Berger, die es mit Geduld und Einfühlungsvermögen schaffte, dass unvergleichliche Fotos von mir und auch von Senta und mir entstanden.

beate-forsbach-2259img_2435beate-forsbach-2068Dies ist für mich eine schönere Adventszeit gewesen als Glühwein und Bratwurst auf einem überfüllten Weihnachtsmarkt. Es gab Licht, Zuversicht und Hoffnung auf 2017, neue Eindrücke einer schönen Landschaft, neue Verbindungen zu Menschen und meinem Hund. Vom Chiemsee fuhr ich dann nach München, wo ich eine alte Freundin nach mehr als zehn Jahren traf. Mit ihr gingen wir im Englischen Garten spazieren und erlebten schöne gemeinsame Stunden.

Diese Reise im Advent war mehr als ein Urlaub: neben der Erholung und Entspannung habe ich viele interessante Menschen kennengelernt und neue Kontakte geknüpft, die Verbindungen zu alten und neuen Freunden und Bekannten gefestigt, die Beziehung zu meiner Senta zu einer glücklichen Mensch-Hund-Beziehung werden lassen. Ich habe über den Sinn meines Lebens nachgedacht und wichtige Entscheidungen getroffen. Dazu gehört auch, sich von Menschen und Dingen zu verabschieden, die nicht mehr zu mir und meinem Leben passen. Zum ersten Mal, seit mein Mann verstorben ist, habe ich das Gefühl, mein Leben ganz allein bestimmen zu können. Ich bin glücklich und ich weiß, was ich will. Und Armentarola habe ich auch schon wieder gebucht für das nächste Jahr. Ich bin dankbar für alles, was mir andere Menschen gegeben haben. Und ich liebe mich, meinen Hund und mein neues Leben.

beate-forsbach-2043Soeben beginnt der 19. Dezember, es ist der Geburtstag meines lieben Hans Christian. Senta und ich werden diesen Tag in Dankbarkeit und Erinnerung an einen wundervollen Menschen begehen, der unser Leben maßgeblich bestimmt hat.

Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit!

 

Strandspaziergänge

img_0379Wir gehen fast jeden Tag zum Strand – wir, das sind meine Berner Sennenhündin Senta und ich. Es war nicht immer so: Erst seitdem sie im August gelernt hat, ins Auto einzusteigen, fahren wir zu den schönsten Stränden auf unserer Sonneninsel Fehmarn, um dort lange Spaziergänge zu machen. Sonntags fahre ich gerne zum Südstrand, der ziemlich weit von Neujellingsdorf entfernt ist. Fast täglich fahren wir nach Fehmarnsund, zu meinem Lieblingsstrand unterhalb der Fehmarnsundbrücke, der in gut zehn Minuten mit dem Auto zu erreichen ist.

Heute war das Wetter nach zwei regnerischen, nebligen Tagen voller Dunkelheit plötzlich wunderschön. Senta hatte mich schon vor der üblichen Zeit geweckt, die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel – und so fuhren wir gegen unsere Gewohnheit schon am späten Vormittag zum Südstrand.

img_0364Es war eine unwirkliche Schönheit, die wir dort erblickten: blauer Himmel, blaues Meer, kilometerlanger weißer Sandstrand und kaum Menschen.

Senta hüpft und springt am Strand vor lauter Vergnügen, und ich wandere am Wasser entlang, komme ganz zu mir, beruhige mich und vergesse, dass ich noch vorgestern gesagt hatte, ich könnte jetzt drei Jahre Urlaub gebrauchen. Die Sonne spiegelt sich gleißend hell im Wasser, das Meer ist ganz ruhig, es ist warm in der Sonne – der dicke Ledermantel, Mütze, Handschuhe und die gefütterten Stiefel sorgen für wärmende Behaglichkeit.

img_0350Wir begegnen nur wenigen Menschen, überholen einige, die skeptisch auf den großen schwarzen Hund schauen – schade, ich hätte gerne ein Foto von uns beiden gehabt an diesem wundervollen Tag. So nehme ich wenigstens ein „Selfie“ auf, denn Senta kann leider noch nicht fotografieren.

img_0369Wenn ich jetzt eine Videobotschaft aufgenommen hätte: was wäre der Inhalt gewesen? An diesem wunderbaren Sonntag, dem ersten Advent, hätte ich vom Frieden gesprochen, der mich erfüllt und den ich um mich herum empfinde. Von der Freude, die ich spüre – Vorfreude auf etwas, von dem ich nicht so genau weiß, was es eigentlich ist. Von der Erwartung eines Wunders, von dem ich nur träume, es mir aber gar nicht so richtig vorstellen kann.

Ich hätte noch mehr erzählen können: Von all den Erinnerungen, die mir hier an diesem Strand kommen – an unzählige Strandspaziergänge, die ich alleine gemacht hatte, als ich noch mit meiner Mutter hier gewesen war, an Strandspaziergänge, die dann immer kürzer wurden, als ich mit meinem Mann hier war. Bis er gar nicht mehr mitgehen konnte. Von der Bank hinter dem Wäldchen, bis zu der ich immer gegangen war, bevor ich ihn kannte – manche Erinnerung wäre auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

img_0376Und dann sah ich ein Paar mit Hund – sie blieben stehen, als ich näher kam. Und der Mann sagte: „Was für ein herrlicher Tag heute – man müsste immer hier auf Fehmarn leben.“ Worauf ich sagte: „Ja, ich lebe hier, und ich finde es wunderschön heute hier am Strand.“ Und ich bat ihn, ein Foto von Senta und mir zu machen.

img_0378Er würde auch gerne mit seiner Frau und dem Hund nach Fehmarn ziehen – schon aus gesundheitlichen Gründen. Und als wir uns noch darüber unterhielten, kam wie zur Bestätigung eine Bekannte vorbei, die vor einigen Jahren nach Fehmarn gezogen war, aus einer fernen Großstadt. Sie strahlte das Glück der zugezogenen Inselbewohner aus.

Gemeinsam gingen wir weiter – meine Gedanken und Erinnerungen, die schon vor drei Tagen beim Strandspaziergang ganz präsent gewesen waren, bekamen nun eine neue Bedeutung: diesen Menschen bei ihrer Entscheidung für die Insel zu helfen. Denn das Leben währt nicht ewig – gerade wenn man mit einer schweren Erkrankung konfrontiert ist, sollte man sich seinen Lebensmittelpunkt sorgfältig auswählen. Und schon waren wir bei dem Thema Gesundheit.

img_0382Das gute Ostseeklima, der blaue Himmel, der Sonnenschein – es gibt kaum einen Tag, an dem die Sonne nicht scheint – das Gefühl der Weite und Unendlichkeit, das man am Meeresrand verspürt, dazu die Bewegung mit dem Hund, der fröhlich am Strand entlang läuft und auch im Winter gerne badet. Die weitgehend stressfreie Lebensweise auf der Insel – na ja, im Sommer herrscht hier schon Stress, aber der wird durch die erholungsbedürftigen Urlauber mitgebracht.

img_0357Im Winter dagegen ist es ruhig, man kann tief durchatmen. Und diesem Paar ging es so, wie es auch meinem Mann und mir immer gegangen war: Wenn man zur Insel hinfuhr, verspürte man eine große Vorfreude und jubelte, sobald die Fehmarnsundbrücke zu sehen war. Wenn man aber wieder zurückfuhr, hatte man schlechte Laune und freute sich so gar nicht auf zu Hause.

Fehmarn – ein magischer Ort? Ja, das kann so sein, denn wie viele Menschen habe ich schon hier kennengelernt, die nicht wieder weg wollten von der Insel – so wie mein Mann und ich, als wir vor sechs Jahren beschlossen, einfach hierzubleiben, ein Haus zu kaufen und ein Hündchen anzuschaffen. Natürlich ist das hier nicht so eine Art „Dauerurlaub“, man muss auch dafür sorgen, dass der Lebensunterhalt gewährleistet ist. Der Mann hatte ein wenig Bedenken, denn so ganz ohne Geld … aber er nannte Beispiele von Menschen, die es gewagt hatten, sich eine positive, lebensbejahende Umgebung zu suchen.

Ich fragte, was er tun würde, wenn er nur noch ein Jahr zu leben hätte. Diese Frage hatte ihn wohl auch schon beschäftigt. Mein Mann und ich waren vor sechs Jahren hierher gezogen, eine Bekannte hatte damals gesagt: macht es, wenn ihr erst Hundert seid, bereut Ihr es, dass Ihr es nicht getan habt. Und so hat mein Mann immerhin noch dreieinhalb Jahre in dieser schönen Umgebung gelebt.

img_0386Wir gingen weiter und weiter. Plötzlich fiel mir die Bank wieder ein, bis zu der ich früher immer gegangen war. Zwar war es nicht mehr dieselbe Bank, aber der Mann machte ein Foto von mir und Senta – ohne zu wissen, was mich mit dieser Bank verband.

Ich war heute weiter gegangen, als ich sonst in all den Jahren gegangen war. Als ich sagte, dass ich umkehren wollte, begleitete mich das Paar mit dem Hund, der sich genau wie Senta über meine Leckerli freute. Auf dem Rückweg sprachen wir über Möglichkeiten, auf dieser Insel seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich erfuhr viel von den Leuten und gab ihnen meine Verlags-Visitenkarte – wer weiß, wann man sich einmal wiedersieht. Der Abschied war voller Optimismus und Vorfreude auf die Zukunft – vielleicht, nein, ganz sicher würden wir uns einmal wiedersehen.

Senta wollte gar nicht wieder vom Strand weg, aber ich zog sie in Richtung Auto, denn wir sollten jetzt etwas essen – jedenfalls sagte mir das mein Magen. Das Mittagessen war nur kurz an diesem Sonntag, und schon fuhren wir zu unserem Lieblingsstrand in Fehmarnsund.

img_0417Senta badete und freute sich ihres Lebens. Und dann legte sie sich in den Sand, als wollte sie den ganzen Tag hierbleiben. Zu schön war der Ausblick – und ich dachte wieder darüber nach, dass ich im nächsten Sommer öfter und länger mit Senta an den Strand gehen möchte, um dort nicht nur zu laufen, sondern auch Zeit zu verbringen, um mich zu sammeln und zu erholen, um nicht im Stress des Alltags durchzudrehen, um Ruhe und Frieden zu finden.

img_0422Wem nützt die viele Arbeit, wenn ich diese traumhafte Umgebung am Meer nicht täglich genießen kann? Vor einigen Jahren hatte ich mal Menschen kennengelernt, die jeden Tag an einen Strand hier auf der Insel gingen. Ich hatte davon geträumt, konnte es aber nicht umsetzen, weil Senta ja nicht ins Auto einsteigen wollte. Bis ich einen Mensch-Hund-Therapeuten engagierte, der uns Anfang August an zwei Tagen alles vermittelte, was uns fehlte: Fortan fuhren wir jeden Tag mindestens einmal an einen Strand. Aber ich schaute immer auf die Uhr: Oft waren wir in den letzten Wochen so spät dran, dass wir uns beeilen mussten, nicht ins Dunkel zu geraten. Schließlich wartete ja meine Arbeit!

img_0433Heute aber hatte ich mir Zeit gelassen – schließlich war es der erste Advent. Am Strand von Fehmarnsund gingen wir heute so weit, wie ich noch nie gegangen war. Verirren kann man sich ja nicht, wenn man immer am Wasser entlang geht. Und so gingen wir auch bei unserem zweiten Strandspaziergang an diesem Sonntag weiter, als wir je gegangen sind.

img_0455Und ich fand immer neue, unerwartete Perspektiven – und Senta fand immer neue interessante Eindrücke. Auf dem Rückweg dann erlebten wir das grandiose Schauspiel der untergehenden Sonne – und fuhren müde, aber glücklich, zurück nach Hause.

img_0463img_0487img_0491Am späten Abend dieses wunderschönen Tages machten wir wieder unseren Spaziergang durchs Dorf – und erlebten den schönsten Sternenhimmel, den ich seit Jahren gesehen hatte. Denn vor vier Wochen noch war ich mit Senta nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Haus gegangen.

Fazit: Am Strand finden wir wieder zu uns und unseren geheimen Wünschen. Und: wir sollten einfach das tun, was wir tun möchten. Denn wir wissen nie, ob es nicht eines Tages zu spät dafür ist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns eine wundervolle Adventszeit, in der wir voller Vorfreude sind auf das Wunder, das uns erwartet und von dem wir träumen.