All is well – in Memoriam Louise Hay

Ich saß gerade auf einem Stein am Meer und schaute auf die Abendsonne an der Fehmarnsundbrücke, als ich von einer Facebookfreundin die Nachricht erhielt, dass Louise Hay heute ihre letzte Reise angetreten hat. Das war in der Nähe der Stelle, wo Senta und ich immer aufs Meer schauen und Grüße senden an ihr Herrchen, meinen Hans Christian, an meine Mutter und an Sentas Mama Susi, die im letzten November über die Regenbogenbrücke gegangen ist. Ich glaube daran, dass unsere Toten irgendwo jenseits des Horizontes in einem anderen Land leben, dass es ihnen dort gut geht und dass sie immer bei uns sind. Und nun ist sie auch dorthin gegangen: Louise Hay.

Hier die Facebookmeldung:

Our beloved friend and founder Louise Hay transitioned this morning, August 30, 2017, of natural causes at age 90. She passed peacefully surrounded by loved ones.

Louise was an incredible visionary and advocate. Everyone who had the privilege to meet her, either in person, or through her words, felt her passion for serving others.

“Meeting Louise changed the direction of my life,” said Reid Tracy, President and CEO of Hay House, Inc. “Her passion for serving others translated into everything she did. Simply by working alongside her, an analytical accountant like me transformed into someone who became aware of the power of affirmations and self-love. Being able to learn from her has been one of my life’s greatest blessings. The beauty of Louise was that you didn’t have to work alongside her to learn from her, you felt like you were there with her, with every word you read or heard.”

Hay House will carry on Louise’s legacy and continue to publish products and online learning courses that align with her message of self-improvement and self-love.

Louise Hay’s estate, as well as all future royalties, will be donated to The Hay Foundation, a non-profit organization established by Louise that financially supports diverse organizations which supply food, shelter, counseling, hospice care and funds to those in need.

We invite you to share your Louise stories with us in the comments below. Together, we honor her through our memories and the continuing of her unforgettable legacy.

We love you, LuLu.

In the infinity of life where I am, all is perfect, whole, and complete. – Louise L. Hay

Read more at http://www.hayhouse.com/louise-hay-legacy

Ich schrieb als Kommentar: Ich bin sehr traurig – aber auch dankbar für alle Inspiration – Sie haben mein Leben verändert und werden auch in Ewigkeit mein Vorbild bleiben.

Gerade heute Vormittag hatte ich noch jemandem geschrieben, dass sie mein Vorbild ist und bald 91 wird – irgendetwas hatte mich gehindert, den genauen Geburtstag zu schreiben. Es war der 8. Oktober, und im vorigen Jahr hätte ich hinfliegen können zur Feier ihres 90. Geburtstages in New York – wenn an dem Tag nicht gerade mein Autorenseminar stattgefunden hätte.

*****

Es war Weihnachten 2012, als uns Hans Christians Therapeutin Marlene einen Zettel schenkte, auf dem Worte standen, die mich sofort ergriffen und bewegten – später fand ich heraus, dass Louise Hay sie geschrieben hatte:

Behandlung durch Liebe

Tief in der Mitte meines Wesens sprudelt ein unendlicher Quell der Liebe. Ich erlaube nun, dass diese Liebe zur Oberfläche emporwallt. Sie erfüllt mein Herz, meinen Körper und mein Denken, mein Bewusstsein und mein innerstes Sein, und sie strahlt von mir aus in alle Richtungen, um mit vermehrter Kraft zurückzukehren. Je mehr Liebe ich übe und gebe, desto mehr habe ich zu geben; der Nachschub ist grenzenlos. Wenn ich Liebe übe, fühle ich mich wohl; das ist ein Ausdruck meiner inneren Freude. Ich liebe mich, und deshalb sorge ich liebevoll für meinen Körper. Liebevoll ernähre ich ihn mit guten Speisen und Getränken, pflege und kleide ihn liebevoll. Mein Körper dankt mir dafür mit Liebe, strahlender Gesundheit, Vitalität und Energie. Ich liebe mich, deshalb bereite ich mir ein behagliches Zuhause, das all meine Bedürfnisse erfüllt und wo mir der Aufenthalt ein Vergnügen ist. Ich durchtränke alle Räume mit Schwingungen der Liebe, so dass alle, die sie betreten-auch ich selbst- diese Liebe spüren und sich von ihr gestärkt fühlen werden.

Ich liebe mich, deshalb arbeite ich an einem Platz, wo ich die Arbeit wirklich genieße, wo meine schöpferischen Begabungen und Fähigkeiten zum Einsatz kommen. Ich arbeite mit und für Menschen, die ich liebe, und die mich lieben, und ich verdiene damit ein gutes Einkommen. Ich liebe mich; deshalb verhalte ich mich liebevoll gegenüber allen Menschen und denke liebevoll an sie, denn ich weiß, das alles, was ich gebe, vermehrt zu mir zurückkehren wird. Ich ziehe in meine Welt liebevolle Menschen an, denn sie sind ein Spiegel dessen, was ich bin. Ich liebe mich; deshalb vergebe ich und löse mich völlig von der Vergangenheit, und bin frei. Ich liebe mich, deshalb lebe ich täglich im Jetzt und erlebe jeden Augenblick als gut. Ich weiß, dass meine Zukunft licht, freudvoll und sicher ist, denn ich bin ein geliebtes Kind des Universums, und das Universum sorgt liebevoll für mich, jetzt und immerdar, und so ist es.

Ich liebe Euch.

Louise Hay
(aus: Heile deinen Körper)

Ich entdeckte zwei alte Bücher von Louise Hay in meiner Sammlung: „Heile deinen Körper“ und „Gesundheit für Körper und Seele“ – damit hatte sie vor rund 30 Jahren begonnen und war weltbekannt geworden. Im Laufe des Jahres 2013 las ich viele Bücher von ihr, und eines Tages entdeckte ich in „Du kannst es“, dass sie mit 58 Jahren ihren Verlag Hay House gegründet hatte, der heute einer der größten Selbsthilfeverlage in den USA ist. Einige Texte von ihr haben mich ganz stark beeindruckt, und so wählte ich sie mir zum Vorbild – als Verlegerin, als Autorin und als Mensch. Denn in diesem Jahr brauchte ich sehr viel innere Kraft, weil mein Mann mich bereits verließ, obwohl er noch da war. Ich spürte ungeahnte Kräfte, um eine positive, optimistische Atmosphäre in unserem Haus zu erzeugen und konnte damit meinem Mann in der letzten Phase seines Lebens sehr helfen. Vor allem aber half ich auch mir selber.

So waren es ihre Affirmationskarten, die uns täglich begleiteten und jeden Tag einfach schöner werden ließen. So hing diese Karte im Badezimmer und ich sprach die Affirmation jeden Tag mit Hans Christian.

Diese Karte war ganz besonders wichtig und ist es auch heute noch:

Und dieser Spruch wurde fundamental wichtig für mich:

Schließlich auch die folgende Affirmation:

Sobald es ein Problem gibt, wiederhole immer wieder:

Alles ist gut.
Alles entwickelt sich zu meinem Besten.
Nur Gutes resultiert aus dieser Situation.
Ich bin beschützt.

Freude und Segen
Louise Hay

Auch geschäftlich hatte Louise Hay mir einen guten Weg gezeigt, so schrieb ich am 26. August 2015 auf Facebook:

Ab und zu erzähle ich es, dass ich Louise L. Hay nicht nur sehr schätze, sondern auch als Vorbild für meinen Verlag habe. In ihrem Buch „Du kannst es“ habe ich vor etwa zwei Jahren erfahren, dass sie ihren Verlag mit 58 Jahren gegründet hat – so wie ich – und mittlerweile 30 Jahre führt. Hay House ist der größte Selbsthilfeverlag in Amerika.

In dem Kapitel über Wohlstand und Reichtum dieses lesenswerten Buches schrieb sie, dass Unehrlichkeit häufig ein Grund dafür ist, dass Glück und Erfolg nicht zu uns kommen. Sie habe nie begriffen, warum man sich im Geschäftsleben nicht helfen und unterstützen sollte, warum man andere übervorteilen oder sogar betrügen sollte. Das schiene ihr keine besonders freudvolle Art und Weise zu sein, sein Leben zu leben. Denn es gibt so viel Überfluss auf der Welt – wir müssen ihn nur erkennen und miteinander teilen.

Nach diesem Vorbild ist es seit Beginn die Politik meines Verlages, der Edition Forsbach, ehrlich und rechtschaffen zu sein. Wir halten Wort, bemühen uns, unsere Arbeit so gut wie irgend möglich zu machen und behandeln andere mit Respekt.

Dazu gehört auch, dass wir uns trennen von Mitarbeitern, Autoren und Geschäftspartnern, wenn der gegenseitige Respekt und das gegenseitige Vertrauen nicht mehr gegeben sind oder unserem Verlag Schaden entsteht.

Ansonsten legen wir Wert auf eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit – und so bilden sich im Laufe der Zeit geschäftliche Partnerschaften heraus, auf die man sich verlassen kann. Es geht uns nicht alleine ums Geldverdienen, sondern um einen menschlichen Umgang miteinander.

Nur so können wir die Ideen unserer Autoren in Form von Büchern verbreiten und sie vielen Menschen nahebringen, denen wir vielleicht dabei helfen, dass ihr Leben ein kleines bisschen besser wird.

Unser Motto „Leben ist Mee(h)r – Für ein glückliches und erfülltes Leben“ gibt uns die richtige Richtung vor. 

In meinem Blog schrieb ich am 30. Juni 2017:

Ist das Leben nicht wunderbar! Das ist richtig so geschrieben – mit einem Ausrufezeichen, nicht mit einem Fragezeichen. Es ist der Titel eines Buches von Louise L. Hay, meinem Vorbild. Die Verlegerin und Autorin wird in diesem Jahr 91 Jahre alt, sie hat mit 58 Jahren ihren Verlag Hay House gegründet. Als die berühmteste Lebenshilfe-Autorin der Welt vermittelt sie in ihren Büchern Lebensweisheiten – auch ich lerne immer wieder von ihr, denn ich möchte glücklich und gesund 100 werden.

Das ist mein Ziel – und außerdem möchte ich anderen Menschen den Mut und den Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe und weiterhin erfahre. Auch dazu studiere ich die Bücher von Louise Hay, und ich integriere Gewohnheiten in mein Leben, die anderen nicht immer gefallen: Ich schlafe viel und lange – zur Zeit sind es meist neun bis zehn Stunden. Ich gehe regelmäßig mit meinem Hund spazieren, und fast jeden Tag gehen wir einmal oder sogar zweimal an den Strand. Das haben wir den ganzen Winter hindurch gemacht, und dabei wunderschöne Sonnenuntergänge erlebt, aber vor allem auch Stunden der Muße und des kreativen Nachdenkens, also des „Gedanken-fließen-lassens“.

Erst vor wenigen Tagen fiel mir in dem Newsletter von Louise Hay eine Affirmation auf, die mich ganz besonders beeindruckte – als hätte ich eine Vorahnung von ihrem baldigen Ableben gehabt. Am 24. August schrieb ich auf Facebook:

Heute las ich im Newsletter von Louise Hay eine motivierende Affirmation – die deutsche Übertragung mit Erläuterung fand ich in ihrem Buch „Herzensweisheiten“, das ich mir vor über 3 Jahren gekauft hatte. Bei der Suche nach der Übersetzung stellte ich fest, dass es ein sehr lesenswertes Buch ist, das mich nun in den nächsten Tagenbegleiten wird. Und hier der Text von Louise Hay:
„Heute ist eine sehr aufregende Zeit in deinem Leben. Dein Leben ist ein wunderbares Abenteuer und du wirst nie wieder durch diesen bestimmten Prozess hindurchgehen.
In der Unendlichkeit des Lebens ist alles vollkommen, ganz und vollendet. Der Kreislauf des Lebens ist auch vollkommen, ganz und vollendet. Es gibt eine Zeit des Beginnens, eine Zeit des Wachsens, eine Zeit des Seins, eine Zeit des Verwelkens oder des Verfalls und eine Zeit des Abschieds. Sie sind alle Teil der Vollkommenheit des Lebens. Wir empfinden sie als normal und natürlich, und obwohl wir zeitweise traurig darüber sind, akzeptieren wir den Kreislauf und seine Rhythmen. Manschmal gibt es ein abruptes Ende in der Mitte des Kreislaufs. Wir sind erschüttert und fühlen uns bedroht. Jemand starb in zu jungem Alter oder etwas wurde zerschlagen und zerstört. Oftmals erinnern uns Gedanken, die Schmerz bereiten, an unsere Sterblichkeit – auch unser Kreislauf geht einmal zu Ende. Werden wir ihn in seiner Fülle ausleben oder wird es auch für uns ein frühes Ende geben? Das Leben ist einem ständigen Wechsel unterworfen. Es gibt keinen Anfang und kein Ende, nur einen ununterbrochenen Kreislauf der Wandlung von Materie und Erfahrung. Das Leben ist nie festgefahren, statisch oder schal, denn jeder Augenblick ist ewig neu und frisch. Jedes Ende ist ein neuer Anfangspunkt.“ (S. 68/69)

Nun ist sie also in ihrer physischen Gestalt von uns gegangen – David Kessler hat heute Abend einen bewegenden Nachruf gesprochen. Aber sie bleibt bis in alle Ewigkeit bei uns durch ihre Worte, ihre Gedanken, ihre Bücher und Filme, und durch ihre Affirmationen, die zumindest mein Leben ganz stark verändert haben.

Was bleibt, ist die Liebe, die Louise Hay unter den Menschen verbreitet hat.
David Kessler sprach:
All is well – and we love you, Louise.

Und hier gibt es den offiziellen Nachruf von Hay House:
http://www.hayhouse.com/louise-hay-legacy

Ich bin sehr traurig – aber auch dankbar für alle Inspiration. Sie haben mein Leben verändert und werden auch in Ewigkeit mein Vorbild bleiben.

Dr. Beate Forsbach
Fehmarn, 30. August 2017

 

Leichter leben

Vor etwa einer Woche fiel mir ein, dass die Tour de France wohl an diesem Sonntag in Paris enden würde – eine Freundin war in Paris, das hatte meine Gedanken darauf gelenkt. Und so machte ich mir – zum ersten Mal seit einigen Jahren – einen gemütlichen Sonntagnachmittag vor dem Fernseher. Zwar hatte ich keinen Champagner, dafür aber Prosecco. Früher, als Hans Christian noch lebte, waren die drei Wochen der Tour de France immer ein großes Ereignis gewesen. Als er noch berufstätig war, hatte er sich für die Alpenetappen stets Urlaub genommen. Bei der Fernsehübertragung habe ich in unserer winzigen Strandwohnung an meiner Dissertation, später an diversen Buchmanuskripten gearbeitet. Zwischendurch schaute ich immer mal die schönen Landschaftsaufnahmen aus Frankreich, und natürlich die Zieleinläufe. Wir erlebten es mit, wie Jan Ulrich mehrfacher Sieger wurde, und viele andere auch. Und nach den drei Wochen feierten wir immer zusammen das Ende der Tour des France mit einer Flasche Champagner – nach der Einfahrt in Paris und mehrmaligem Durchqueren der Champs Elysees. Wie lange war das her, wie oft hatte ich seitdem sonntags am Schreibtisch gesessen und gearbeitet!

Bei diesem ungewohnten Erlebnis – die Freundin schickte mir immerzu Bilder aus Paris – schaute ich mich in meinem Wohnzimmer um. Ich begann, Pläne zu machen – für einen neuen Fußbodenbelag, für neue Möbel. Schon seit ein paar Tagen hatte ich Schränke durchforstet und überflüssigen Ballast – ungeliebt, ungebraucht – aussortiert. Es waren Erinnerungen und Gefühle, die an vielen Dingen hingen. Doch die guten Erinnerungen bleiben, auch ohne die Dinge oder ohne bestimmte Kleidungsstücke.

Am Montag dann nahm ich endlich ein Buch zur Hand, das ich schon länger auf meinem Lesetisch hatte. Denn ich hatte innerhalb von 1,5 Jahren insgesamt 20 kg abgenommen – von 90 auf 70 kg – ohne Diät, und bei einem Leben mit Genuss. Das hatte sehr gut geklappt, und ich hatte auch einige Ratgeber zum Abnehmen mit mentaler Kraft gelesen. Ich hatte während der ganzen Zeit ein kleines Poster – gestaltet wie ein Buchcover – im Haus aufgehängt, mit dem jeweiligen Wunschgewicht, zum Schluss 68 kg.

In den letzten fünf Wochen jedoch hatte ich zugenommen, an einer Stelle am Bauch, wo sich Ärger und Trauer, einfach negative Gefühle bemerkbar machen. Und eines Tages zeigte die Waage wieder 75 kg an, ein Gewicht, das ich seit zwei Jahren nicht mehr gehabt hatte. Es nützte nichts, positive Gedanken zu denken, denn ich hatte auch einige körperliche Zipperlein, die mir zeigten, dass nicht alles in Ordnung war. Zweimal war ich sogar beim Arzt gewesen. Inzwischen weiß ich, dass es besser ist, eine Abwesenheits-Email während meines Urlaubs zu schalten, damit ich mal richtig abschalten und ausspannen kann. Aber leider kann man Vergangenes nicht rückgängig machen, sondern nur aus Fehlern lernen und beim nächsten Mal bessere machen.

In dem Buch von Jan Becker („Du kannst schlank sein, wenn du willst“), las ich, dass ich ein neues Ziel eingeben sollte. Nicht nur mein Wunschgewicht, sondern auch, wie ich aussehen möchte. Welche Kleidung, welches Lebensgefühl. Das sollte ich mir bewusst vorstellen. Sofort wurde mir klar, dass das Bild, das seit über zwei Jahren in meinem Haus hängt, mir gar nicht entspricht, denn es zeigt eine junge Frau, die am Strand tanzt. Das war eigentlich nicht mein persönliches Idealbild. Ich suchte also nach einem Bild von mir, auf dem ich mir gut gefalle: Es wurde im Frühjahr 2016 aufgenommen und zeigt mich mit meiner blauen Lieblingslederjacke und Jeans, am Strand von Fehmarnsund.

Ich formulierte die passende Affirmation zu dieser Visualisierung: „Ich bin schlank und attraktiv“ – und kam dann darauf, dass ich meinte: „Ich bin 65 kg leicht“, einfach, weil ich jetzt 65 Jahre alt bin. Und schon ging es weiter mit meiner Affirmation: „… und ich stehe vor einem tollen Hotel!“ Ja, und da hatte ich das passende BIld gefunden und gestaltete ein Buchcover daraus. Statt „Ich bin 65 kg leicht“ formulierte ich „Leichter leben“.

Das Bild zeigt mich an meinem 65. Geburtstag vor dem Hotel Residenzschloss in Bamberg – und natürlich ist auch Senta darauf zu sehen. Eine Freundin hatte mich abgeholt und dieses Foto aufgenommen – und es wurde mein schönster Geburtstag seit langem. Mit diesem Bild habe ich mein erwünschtes Lebensgefühl sehr gut visualisiert: „Leichter leben“ – genau das ist es, was ich möchte.

In den folgenden Tagen fiel es mir leicht, wieder nur das zu essen und zu trinken, worauf ich Lust hatte. Die Selbsthypnose-Übung „Jeden Morgen erwache ich schlanker und schöner“ geht ganz einfach und ich bin zuversichtlich, dass ich das erwünschte Gewicht von 65 kg in absehbarer Zeit erreichen werde.

Mein Wunsch „Leichter leben“ hatte noch mehr Auswirkungen: In der vergangenen Woche habe ich Schränke und Schubladen durchforstet und vieles aussortiert (und weggeworfen), was für mich unnötiger Ballast ist. Einige Säcke habe ich schon gefüllt. Aber auch die Gedanken habe ich von unnötigem Ballast befreit: Gleichzeitig mit der Beendigung eines Vertrages mit einem Autor bekam ich eine Handvoll neuer Veröffentlichungsanfragen. Wo ich früher aus diesem oder jenem Grund nachgegeben habe, schrieb ich dieses Mal Ablehnungen, denn im Grunde wollte ich keines der angepriesenen Bücher in meinem Verlag veröffentlichen.

Aber immer war es ein eigenartiges Bauchgefühl, und ich dachte schon – oh, wie geht es weiter? Und dann fand ich vor unserem Abendspaziergang ein Manuskript im Briefkasten, das ich noch am selben Abend voller Spannung gelesen habe. Es passt wunderbar in meinen Verlag. Ja, offenbar stimmt es, dass Ruhe, Entspannung und Gelassenheit gute Voraussetzungen sind, um die Überraschungen des Lebens anzunehmen und den Erfolg zu genießen.

Leichter leben bedeutet auch, vieles loszulassen. Eigentlich ist es ganz einfach: Lass alles los, was Dir nicht gut tut – Menschen, Beziehungen, Sachen, und vor allem Deine Gedanken! Gerade am Morgen, nach dem Aufwachen, geht das besonders gut: Nachdenken, Mut haben, Entscheidungen treffen und dann loslassen – das ist alles.

Erstaunlich, dass all das auch zusammenhängt mit dem Gewicht. Ich nehme ab, ohne jegliche Diät. Heute habe ich mir – motiviert durch das Buch – für das Abnehmen Etappenziele gesetzt. Aber ich habe auch überlegt, wie ich manche Situationen im Beruf so verändern kann, dass erst gar kein Stress, keine Konflikte mehr entstehen können. Ich habe für mich klare Bedingungen formuliert und aufgeschrieben, nach denen ich Manuskripte aussuche, die ich in meinem Verlag veröffentlichen möchte. Aber darüber hinaus gibt es immer noch etwas, was man nicht beschreiben kann – im Bereich der Intuition.

„Leichter leben“ – das bedeutet einfach auch, immer wieder den eigenen Gefühlen nachzuspüren, und Impulse für ein leichtes Leben mit Ruhe, Entspannung und Gelassenheit zu empfangen. Und lecker essen darf man dann auch. Die erste Frage in meinem Übungsbuch lautete: „Was ist für mich das Positive am Essen?“ Oh, ich liebe den Aperitif auf meiner Terrasse nach dem Strandspaziergang mit Senta, und ich liebe dann ein kaltes oder schnell zubereitetes warmes Abendessen mit einem Glas Wein, das ich in der Abendsonne genieße.

Hier mein Rezept für das heutige Abendessen: Einige Spaghetti kochen, in einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen mit 3-4 Knoblauchzehen und 8-10 geviertelten Kirschtomaten, dazu 10-12 Würfel eingelegten Fetakäse und reichlich italienische Kräuter. Alles kurz erhitzen und dann zu den Spaghetti geben. LECKER!!! Dazu ein Glas Rotwein (oder auch zwei, wenn es ein besonders schöner Abend ist). Sie brauchen garantiert keinen Nachtisch, kein Eis, keine Süßigkeiten danach! Einfach nur, weil Sie dieses Abendessen im Freien genießen – und sich vielleicht noch auf einen schönen FIlm, ein gutes Buch, schöne Musik oder eine Meditation am Sonntagabend freuen.

Halbzeit 2017 – Ist das Leben nicht wunderbar!

Nun ist das erste Halbjahr gleich herum. Zeit, um nachzudenken, was bisher geschehen ist, wie zufrieden wir damit sind und ob wir im zweiten Halbjahr etwas ändern und verbessern möchten. Ich habe gerade mit Senta noch einen Abendspaziergang gemacht, wollte dabei meine Gedanken frei fließen lassen. Denn ich hatte mir vorgenommen, heute diesen Blogartikel zu schreiben. Wie alle meine Blogartikel ist auch dieser ein ganz persönliches Statement.

Doch es war heute ein langer Regentag, und als wir aus dem Haus kamen, saß da ein Reh, direkt vor unserem Haus auf der Straße. Und im Nu war Senta hinterher, bevor ich ihre Leine packen konnte. Ich holte tief Luft – der Regen hatte zum Glück nachgelassen – ging auf den Weg am Feld und schaute, wo Senta abgeblieben war.

Von „Gedanken-fließen-lassen“ keine Spur – oder doch? Der Abend ist milde, schließlich ist es ja Sommer, auch wenn dicke graue Wolken am Himmel sind. Senta trudelte wieder ein – völlig außer sich, denn das Reh war lange verschwunden. Und wir beide gingen in aller Ruhe zurück nach Hause.

Ist das Leben nicht wunderbar! Das ist richtig so geschrieben – mit einem Ausrufezeichen, nicht mit einem Fragezeichen. Es ist der Titel eines Buches von Louise L. Hay, meinem Vorbild. Die Verlegerin und Autorin wird in diesem Jahr 91 Jahre alt, sie hat mit 58 Jahren ihren Verlag Hay House gegründet. Als die berühmteste Lebenshilfe-Autorin der Welt vermittelt sie in ihren Büchern Lebensweisheiten – auch ich lerne immer wieder von ihr, denn ich möchte glücklich und gesund 100 werden.

Das ist mein Ziel – und außerdem möchte ich anderen Menschen den Mut und den Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe und weiterhin erfahre. Auch dazu studiere ich die Bücher von Louise Hay, und ich integriere Gewohnheiten in mein Leben, die anderen nicht immer gefallen: Ich schlafe viel und lange – zur Zeit sind es meist neun bis zehn Stunden. Ich gehe regelmäßig mit meinem Hund spazieren, und fast jeden Tag gehen wir einmal oder sogar zweimal an den Strand. Das haben wir den ganzen Winter hindurch gemacht, und dabei wunderschöne Sonnenuntergänge erlebt, aber vor allem auch Stunden der Muße und des kreativen Nachdenkens, also des „Gedanken-fließen-lassens“, was mir heute Abend nicht so ganz gelungen ist. Vielleicht war es gut so.

An schönen warmen Tagen setzen wir uns einfach in den Sand, schauen aufs Meer hinaus oder ich lese Bücher, die mir gut tun und für Frieden in mir und um mich herum sorgen. Weiterhin esse und trinke ich gesunde Nahrung, denke positive Gedanken und befolge in meiner Verlagsarbeit einen Spruch von Brian Tracy: „Arbeiten Sie nur an etwas, das Sie genießen, mit Menschen, die Sie mögen, und an Dingen, die etwas in dieser Welt bewirken.“

Außerdem höre ich viel Musik und spiele oft Klavier. Denn das ist etwas Schönes in meinem Leben – nachdem ich im letzten Winter beinahe entnervt damit aufgehört hatte, schrieb mir mein Klavierlehrer: „Spielen Sie bitte unbedingt Klavier. Sie haben die Möglichkeit, so etwas Schönes genießen zu können!“

Im Mai bin ich 65 geworden – das ist das Alter, wo „man“ normalerweise „in Rente“ geht. Ich aber nicht. Ich bin mit unserem japanischen Buchautor aus Texas, dem Herzchirurgen Dr. Yusuke Yahagi und seiner Frau April Yahagi durch Deutschland gefahren, um in sechs Veranstaltungen in Berlin, Fehmarn, Hamburg, Bad Ems, Köln und Bamberg sein Buch „Der Austauschsoldat“ zu präsentieren – nur vordergründig ist es ein spannender Unterhaltungsroman mit historischem Hintergrund. In der Quintessenz aber geht es darum, den Menschen auf der Welt Frieden und Glück zu bringen, ihnen positive Gedanken zu vermitteln. Wir haben viele Menschen bewegen können, teilweise weite Reisen auf sich zu nehmen, nur um dabei zu sein und den Autor persönlich zu erleben.

Denn letztlich geht es um den Mut, wie eine Rezensentin schrieb: „So einen Menschen ‚Shota‘ hätte es damals vielmehr gebraucht und auch heute wäre es ein Reichtum für uns, wenn es solche Menschen in Vielzahl gäbe, mit dem Ziel, Leben zu retten und Menschen Frieden und Glück zu bringen.“

Dr. Yusuke Yahagi hatte den Mut, diesen Roman zu schreiben mit dem Risiko, viel Kritik zu ernten – und genauso hatte mein Verlag den Mut, das Buch zu veröffentlichen und noch dazu eine Lesereise zu unternehmen. Unsere Lesetour mit sechs Buchvorstellungen in Deutschland hat gezeigt, dass das Buch viele Menschen erreicht und begeistert, auch wenn Buchhandlungen oder ein Literaturhaus das nicht für „Literatur“ halten. Unzählige „einfache“ Menschen in Deutschland und in den USA haben das Buch gelesen – zwar schreiben sie keine „literarischen“ Rezensionen. Aber sie haben begriffen, worum es hier geht.

„Habe den Mut, Dein Leben so gut wie möglich zu leben und die Welt mit Deinem Dasein ein wenig besser zu machen.“ Das ist für mich ein Credo aus diesem ersten Halbjahr 2017. Vor einem Jahr hatte ich einen gesundheitlichen „Warnschuss“ erlebt, kurz darauf die Geschichte von der „Kapitänin“ geschrieben, die ihre Kraft und Stärke spürte, um das wundervolle große Schiff ganz alleine zu lenken, durch das große weite Meer des Lebens. Und seitdem habe ich mich einfach darauf besonnen, was ich möchte, was ich mir gewünscht habe, für meinen Beruf und meinen Verlag, und für mich persönlich. Ich habe mich von Menschen und Dingen verabschiedet mit dem Erfolg, dass andere Menschen und andere Dinge, teilweise völlig überraschend, in mein Leben traten.

„Ich freue mich über den Mut, auf diesem Weg des ‚Erfolgs mit Herz’ weiterzugehen“, hatte mir mein 94jähriger ehemaliger Deutschlehrer, Schulleiter und Chef im letzten Jahr geschrieben. Ich hatte ihn im Januar 2017 endlich besucht und einen wundervollen Tag mit ihm verbracht. Leider ist er fünf Tage nach seinem 95. Geburtstag im März verstorben. Ich war bei seiner Beerdigung in Xanten, und ich bin ihm unendlich dankbar für alle Ermutigung, Förderung und Motivation, die ich durch ihn in den letzten 50 Jahren meines Lebens erfahren habe. Und so gehe ich diesen Weg des „Erfolgs mit Herz“ weiter. Ich bin glücklich über jeden Erfolg, schäme mich nicht meiner Fehler, sondern mache beim nächsten Mal einfach bessere.

Für Dr. Yusuke Yahagi und seine Frau April Yahagi hatte ich ein Privatkonzert in meinem Haus veranstaltet und mich darauf besonnen, warum ich eigentlich wieder Klavierunterricht genommen hatte: Ich wollte Stücke von Bach, Schubert, Schumann, Chopin und Brahms wunderschön auf dem Klavier spielen können. In meinem kleinen Hauskonzert ließ ich zwar die Stücke von Schumann und Brahms aus – aber ich hatte gemerkt, wie stark ein solches Ziel mich zum Üben motivieren könnte. Und so nahm ich mir vor, die Arabeske von Schumann bis zur nächsten Klavierstunde zu „können“ – wegen ihr hatte ich noch vor wenigen Monaten das Klavierspielen aufgeben wollen. Und inzwischen kann ich sie fast „perfekt“ – aber es ist nicht mein Ziel, etwas „perfekt“ zu können, sondern einfach schöne Musik zu machen.

Im ersten Halbjahr 2017 habe ich neun Bücher und unseren sechsten Fehmarn-Kalender veröffentlicht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Verlages ist ein englischsprachiges Buch dabei – der Roman „The Exchange Soldier“ von Dr. Yusuke Yahagi erscheint inzwischen weltweit. Ich habe wieder einmal ein Seminar für Erstautoren veranstaltet – der „Traum vom eigenen Buch“ kann bald Wirklichkeit werden. Und ich habe mehrere Buch-Konzept-Wochenenden mit vielversprechenden Erstautoren durchgeführt. Auch habe ich mich von Autoren getrennt, die für meinen Verlag nicht förderlich erschienen. Mein Ziel ist es, dass mein Verlag und mein Leben im Einklang sind, und dass ich mit meinen Autoren ein Erfolgsteam bilde. Dazu gehört es manchmal auch, sich zu trennen.

Und in den letzten zwei Wochen dieses Halbjahres machte ich eine neue, aber für mich sehr wichtige Erfahrung: Während meiner „Auszeit“ von der Verlagsarbeit hatte ich einen Urlaub in Seefeld/Tirol geplant, es war doch seit langem mein Wunsch, mit Senta in die Berge zu fahren. Schon bei unserem Zwischenstopp in Bamberg war es sehr heiß gewesen, und die Tour wurde erst zur „Strapaze“, als wir in Seefeld ankamen. Senta wollte sich nicht vom Hotel wegbewegen, denn eine vielbefahrene Straße, eine Großbaustelle und die Bahnlinie verursachten einen großen Lärm. Da nutzte auch der Spaziergang am Abend nichts, denn der führte uns letztlich über asphaltierte Straßen, an denen jedes Grundstück zugebaut war.

Wir blieben zwei Tage im Hotelgarten, aber Senta hatte Panik oder schlief tief und fest neben meinem Liegestuhl. Der Lärm der Baustelle verhinderte ein echtes Entspannen.Wenigstens begann ich mit dem Schreiben an meinem neuen Buch – gegen Abend ließ der Lärm etwas nach.

Am dritten Tag beschloss ich, den Urlaub vorzeitig zu beenden. Denn sogar beim Spaziergang zum Wildsee war Senta nicht wirklich zu begeistern. Wir mussten die stark frequentierte Fußgängerzone durchqueren, und Senta erschrak vor jedem lauten Geräusch. So viele Menschen und Autos sind wir ja auch nicht gewohnt auf unserer friedlichen Sonneninsel.

Mir wurde klar, als ich Seefeld aus der Perspektive meines Hundes betrachtete: Es ist nicht mehr der Ort, der es mal früher (für mich) gewesen war. Wir hatten Heimweh und sind dann die ganze Strecke von über 1000 km gefahren, um wieder auf unserer Insel zu sein. Dort angekommen, fuhr ich zuerst nach Fehmarnsund, wo Senta sehr glücklich gleich ins Wasser lief – nicht minder glücklich war ich, wieder zu Hause zu sein.

Diese Auszeit mit meinem Hund hatte mir eine wichtige Erkenntnis beschert: Unser Leben ist begrenzt, wir wissen nicht, wie viele solch schöne Sommer wir noch erleben werden. Also genießen wir jeden Tag!

Ich lernte außerdem die Welt aus der Perspektive meines Hundes zu betrachten und sah Orte, die einfach nicht schön zum Leben sind. Nicht nur übervolle Autobahnraststätten, auch ein Urlaubsort wie Seefeld – einst mein Traumort – waren von morgens bis abends voller Trubel und Stress. Dass es zudem noch sehr heiß war und viele Gewitter gab, hatte niemand ahnen können. Oder doch? Hat mir das Universum einen wichtigen Hinweis gegeben?

Jedenfalls sind wir heute froh und glücklich auf unserer Insel, auch wenn es schon seit gestern in Strömen regnet. Aber mein Hund ist glücklich – und ich bin es auch.

Und nun möchte ich mit den Worten meines Blogs vom 30. Juni 2016 enden:

Ich fühle mich stark und weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin – auf meinem ganz persönlichen Weg. Ich danke allen meinen Freunden und den Beratern, die mich auf diesem Wege unterstützen und begleiten. Nach meinem Lebensmotto „Fliegen kannst Du nur gegen den Wind“ sind gerade die Kritiker und Gegner wichtig für mich, damit ich meinen eigenen Standpunkt finde. Aber manchmal ist auch Rückenwind ganz gut – und so danke ich allen Freunden von ganzem Herzen, die mich liebevoll und wohlwollend unterstützen, so verrückt manche Ideen auch für andere sein mögen.

Ich wünsche Euch eine gute Nacht, einen guten Start in die zweite Halbzeit 2017 und ende hier mit dem Motto meines Buches „Neubeginn & Mee(h)r“:

„Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.“ (Meister Eckhart, 1260–1327)

Ich bedanke mich bei Euch, den Lesern meines Blogs für Euer treues Folgen und Eure zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Ihr auch im zweiten Halbjahr 2017 weiter dabei seid.

Herzlichst

Eure Beate Forsbach

 

Aber die Liebe bleibt

Heute ist der dritte Jahrestag nach Hans Christians Tod. Am Valentinstag, dem Tag der Liebenden, am 14. Februar 2014, wurde er beerdigt. Der Pfarrer hatte den Gottesdienst unter das Motto der Liebe gestellt mit dem Spruch aus dem „Hohelied der Liebe“:

Die Liebe hört niemals auf,
wo doch das prophetische Reden aufhören wird
und das Zungenreden aufhören wird
und die Erkenntnis aufhören wird.
(1. Korinther 13,8)

Auch in diesem dritten Jahr nach seinem Tod habe ich mir viele Gedanken gemacht über die Liebe. Was aber ist das Gegenteil zur Liebe? Hass? Ich glaube eher: es ist die Angst. Im „Hohelied der Liebe“ heißt es  – es sind die wohl berühmtesten Worte aus diesem Text:

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“
(1. Korinther 13,13)

Was ist, wenn man weder glauben noch hoffen kann, wenn Angst uns lehrt, zu zweifeln, am anderen, an uns selbst, an der Liebe? Und ganz schlimm: was ist, wenn es so gar keine Hoffnung mehr gibt? Hoffnung auf ein Weiterleben, Hoffnung auf eine bessere Zukunft, Hoffnung auf die ewige Liebe.

Heute vor drei Jahren war ich voller Hoffnung: ich hatte gewartet, man wollte mich von der Klinik aus anrufen, ob die Dialyse geglückt war. Am Mittag hatten sie mir gesagt, dass er jeden Moment sterben könnte. Ich war nach Hause gefahren, hatte alle unsere Bücher gezählt, hatte keinen Gedanken außer: ob sie jetzt wohl bald anrufen? Aber sie riefen nicht an, und als ich dann mit der Ärztin telefonierte, erfuhr ich, dass die Dialyse noch nicht geglückt war. Erst am nächsten Morgen, früh im Morgengrauen, klingelte das iPhone und sie riefen mich zu ihm.

In der Nacht war ich noch einmal mit ihm in Armentarola gewesen, wo wir so viele glückliche Tage erlebt hatten. Ich las unserer Senta die schönen Geschichten aus meinem Armentarola-Buch laut vor. Immer wieder schickte ich ihm eine Nachricht durchs Universum, noch ein wenig durchzuhalten.

Ich wollte doch so gerne noch einmal mit ihm und Senta – mit meiner kleinen Familie – nach Armentarola reisen. Ich hatte die Reise schon geplant, von Neujellingsdorf aus, mit zwei Zwischenstopps in Hotels, die behindertengerecht waren und große Hunde akzeptierten. In allen Einzelheiten hatte ich überlegt, wie ich zuerst ihn und dann Senta ins Hotel bringen würde. Ich hatte gehofft, dass wir mit dem Schwenksitz fürs Auto alles bewältigen könnten. Die Hoffnung auf diese Reise musste ich irgendwann aufgeben.

Was blieb – in dieser langen Nacht vom 9. auf den 10. Februar 2014 – das war die Liebe.

Gibt es sie, die ewige Liebe? In welcher Form erlebt man sie?

Im Juli 2014 hatte ich in meinem Blogartikel „Einmal leben“ geschrieben:
Ich rede nicht mehr mit ihm, wir lachen nicht mehr zusammen, wir sitzen nicht mehr gemeinsam beim Essen oder sagen uns, dass wir uns lieb haben. Wir schlafen nicht mehr zusammen ein und wachen nicht zusammen auf. Ich trinke zwar jeden Abend ein Gläschen Sherry »auf diesen schönen Tag« – aber das ist etwas anderes, als es mit Hans Christian war. Trotzdem beginne ich, mein neues Leben zu genießen und wieder glücklich zu sein.“

Hans Christian hatte immer einen Spruch zitiert:
On n’a pas le droit de tout avoir.“ – Man hat nicht das Recht, alles zu haben.
Un bonheur c’est tout le bonheur. Deux, c’est comme s’ils n’existaient plus.“
Ein Glück, das ist das ganze Glück. Zwei, das ist so, als ob sie nicht existierten.

Daraus zog ich die Schlussfolgerung: „Einmal leben – ein Glück – das ist das ganze Glück.“ Und: „Ein zweites derartiges Glück kann es nicht geben.

Heute weiß ich, dass es stimmt: „Einmal leben – ein Glück – das ist das ganze Glück.“ Ein zweites Glück gibt es nicht, denn es ist das eine, das ganze Glück unseres Lebens, das wir erleben – mehr oder weniger intensiv. Ich hatte Annäherungsversuche erlebt, die mir nicht recht gewesen waren. Und andere, die ich zunächst nicht bewusst wahrgenommen hatte. Heute weiß ich es: das war keine Liebe. Wahre Liebe ist immer gepaart mit dem Glauben an den anderen, mit dem Vertrauen in ihn, und mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Wenn die vermeintliche Liebe der Angst weicht, wenn Macht, Abhängigkeit und Manipulation von Gefühlen an die Stelle der Liebe treten, dann ist es keine wahre Liebe.

Hans Christian hatte immer gesagt: „Dreimal ist göttlich.“ Ich war seine dritte Frau. Auf die Frage in einem Interview: „Was war der bisher glücklichste Tag in Ihrem Leben?“ hatte er geantwortet: „Als ich meine jetzige Frau kennenlernte.“ Auf die Frage, welchen Menschen er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, meinte er: „Meine Frau.“ Für ihn war es das größte Glück, dass er mich gefunden hatte nach zwei unglücklichen Ehen. „Dreimal ist göttlich!“ All das wurde mir erst nach seinem Tod klar.

Aber wie ist es, wenn man einmal ein großes Glück erlebt hat? Kann man es ein zweites Mal erleben? Heute glaube ich, dass es der Weg war, die Liebe zu mir selbst, zu meinem Umfeld und zu meinem Leben zu finden.

Louise Hay sagt dazu:
„Das Leben ist ganz einfach. Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Die Liebe hört niemals auf. Was ist das, die ewige Liebe?

Schon vor über einem Jahr schrieb ich:
Er ist  nicht mehr da. Ich kann nicht mehr mit ihm reden.
Ich spüre keine Gefühle mehr – seine nicht, aber auch meine nicht.
Ich kann ihn auch körperlich nicht mehr spüren.

Schon lange ist er nicht mehr hier, in dem Haus, das mittlerweile mein Haus geworden ist. Und das von Senta, meiner Berner Sennenhündin. Sie prüft jeden Besucher – und zeigt mir sehr schnell, ob jemand wirklich Liebe meint, wenn er dieses Haus betritt. Denn in diesem unserem Haus herrscht die Liebe. Auch wenn ich mich manchmal getäuscht habe, wenn ein vermeintlicher Freund, eine vermeintliche Freundin in unser Haus kamen. Was bleibt, ist die Liebe. Auch den Menschen gegenüber, die uns ent-täuscht und ge-täuscht haben.

Aber die Liebe bleibt …“ heißt es in dem Lied von Nana Mouskouri, das auch im Beerdigungsgottesdienst erklang. Sie bleibt für immer, aber sie verändert sich.

Die ewige Liebe ist im Reich der Ewigkeit: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Schon als meine Mutter 1997 starb, schrieb ich in der Danksagung: „Meine Mutter hat mit Optimismus, Herzlichkeit und Humor das Leben gemeistert. Sie hat mir durch ihr Vorbild Liebe und Kraft für ein ganzes Leben gegeben.“

Und in der Danksagung nach Hans Christians Tod schrieb ich: „Schließlich danke ich meinem Hans Christian für die Liebe, die er mir geschenkt hat, für die Geduld, die ich durch ihn gelernt und die Kraft, die ich durch ihn gewonnen habe. Die Erinnerungen an die glücklichste Zeit meines Lebens mit meiner großen Liebe werde ich nie verlieren.“

Am Ende des Jahres 2016 lernte ich noch einmal einige wichtige Lektionen über die Liebe. Ich war mit Senta in Armentarola, dem Ort, wo ich mit Hans Christian so oft gewesen war und wo wir glückliche Tage erlebt hatten. Nach vielen Jahren hatte ich im September endlich die Reise dorthin geschafft – aber Senta war sehr krank, und beinahe wäre sie dort geblieben, wo ich meinem Hans Christian so nahe war. Armentarola ist zwar nicht der „Himmel“, aber doch auf 1630 Meter Höhe dem Himmel sehr nahe.

Senta aber wurde wieder gesund – hier erlebte ich die Magie von Armentarola, und so fuhren wir Anfang Dezember wieder dorthin. Und in diesen wenigen, sonnendurchfluteten Tage erlebte ich die Liebe wieder, in Form von großer Dankbarkeit – meinem geliebten Hans Christian gegenüber, der mich an diesen wundervollen Ort geführt hatte, und auch meiner geliebten Mutter gegenüber, durch die ich das Skifahren und die Liebe zu den Bergen gelernt hatte, wodurch ich schließlich nach Armentarola gekommen war. Von beiden hatte ich den unerschütterlichen Optimismus, den Mut und die Zuversicht gelernt, dass das Leben uns immer das beschert, was für uns wichtig ist. Aber ich hatte auch von beiden gelernt, konsequent loszulassen, was nicht wichtig ist, egal ob Menschen, Dinge oder Orte. Ich wurde mir über den Sinn und das Ziel meines Lebens klar. Auf den langen Spaziergängen im sonnendurchfluteten Armentarola spürte ich es ganz intensiv:

Ich bin dankbar, denn das Leben liebt mich, und ich liebe das Leben.

Ich trage die Macht in mir, eine neue positivere Wirklichkeit zu erschaffen. Ich habe mein Denken bezüglich Schmerz und Verlust geändert. Das bedeutet nicht, dass ich keinen Schmerz, keine Trauer mehr empfinde. Es bedeutet einfach, dass ich nicht in diesen Gefühlen steckenbleibe. Ich hatte mir Zeit genommen, das Ende dieses Zusammenlebens mit Hans Christian zu betrauern, vielleicht nicht genug Zeit. Das Leben half noch ein wenig nach, ich stürzte und landete mit einem vierfachen Unterkieferbruch für 12 Tage in der Klinik. Die Folgen zu heilen dauerte dann fast ein Jahr. Es war ein deutliches Signal, und ich habe wieder zum Leben gefunden, denn jedem Abschied folgt ein Neubeginn. Ich zitiere immer gerne aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Es hat lange gedauert, bis ich erkannte: Das Leben kann nicht sterben. Seelen sterben nicht. Das Leben hat seinen eigenen Sinn, seinen eigenen Rhythmus. Es verläuft meist nicht so, wie wir es erwarten. Oft bringt es Veränderungen, die uns aus dem eigenen inneren Frieden herausreißen. Wir würden es lieber vermeiden, weil auch die Veränderung Schmerz mit sich bringt. Und wir brauchen viel Geduld, viel Zeit, bis die Seele sich wieder öffnen kann nach dem Schmerz von Verlust und Trauer. Und eines Tages entdecken wir die Wahrheit über das Leben. Egal was geschieht: Ich kann mein Herz heilen. Ich kann wieder lieben. Oder immer noch. Denn die Liebe hört niemals auf. Die Liebe bleibt.

Ich habe es erfahren, durch Schmerz zum Glück zu kommen, mit Hilfe der Musik. Und ich schrieb in meinem Blogartikel vom 8. August 2015: „Ich glaube allerdings, dass Glück ohne Trauer gar nicht sein kann – nur wer auch die Schattenseiten erlebt hat, kann wirkliches Glück empfinden. Ja, es ist wohl so: Glück wird erst durch Leid zum Glück – und es ist notwendig, dass wir durch den Schmerz gehen, weil wir dann das Leben viel besser annehmen und uns gelassener auf den Moment einlassen können.

Seitdem suche ich immer wieder Orte auf, an denen ich mit meinem Mann glücklich gewesen bin. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit ihm eine solch erfüllte Zeit und all das Schöne erleben durfte. Ich erfahre vieles auf eine neue, aber auch sehr schöne Art und Weise. Das zeigt, dass man selbst nach Leid, Schmerz und Trauer eine neue gute und glückliche Zeit erleben kann.“

Und diese glückliche Zeit erlebe ich auch heute immer noch. Denn ich habe zu mir selbst gefunden, die Liebe zu mir entdeckt, zu meinem neuen Leben, und auch zu meinem Hund. Denn Senta zeigt mir jeden Tag aufs Neue, worauf es ankommt im Leben: Beisammen sein, zueinander stehen, aufrichtig sein in den Gefühlen, den anderen trösten und ihm Mut geben, wenn es notwendig ist, Freude und Trauer miteinander teilen, fröhlich sein, gemeinsam am Strand spazierengehen und auf Reisen sein, aufs weite Meer schauen und an die Lieben denken, die schon jenseits des Horizonts, jenseits der Regenbogenbrücke leben und auf uns warten, bis wir uns eines Tages wiedersehen.

Denn die Liebe bleibt. Und hier noch die Musik: Aber die Liebe bleibt

 

Dankbarkeit – mein Jahr 2016

img_1833Auch dieses Mal wollte ich am Neujahrstag meinen ganz persönlichen Jahresrückblick erstellen, hatte mir extra den Abend dafür reserviert. Aber es kamen zwei Dinge dazwischen: ein Telefongespräch, das ich, eigentlich entgegen meiner Planung, am Neujahrstag nicht zu telefonieren, mit einer Freundin verabredet hatte, deren Weihnachtsbrief auf eine außerordentlich schwierige Lebenssituation hingewiesen hatte. Und dann: mein Körper, auf den ich zu hören gelernt habe, er signalisierte mir eine große Müdigkeit – und so ging ich einfach zu Bett und schlief viele Stunden tief und fest durch.

So bin ich heute, am 2. Januar 2017, wieder ziemlich fit und voller Energie und schreibe jetzt den Jahresrückblick, um ihn noch vor Mitternacht zu veröffentlichen.

Gestern aber hatte ich etwas für meine beiden größten Lebensziele getan: „Glücklich und gesund 100 zu werden“ und  „anderen den Mut und Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe“. Denn wenn ich 100 werden will, muss ich schon heute etwas dafür tun. Das bedeutet für mich vor allem, keinen Stress zu haben, genug zu schlafen, vernünftig zu essen, und genug Zeit zu haben, mit Senta am Strand spazierenzugehen. Und ich glaube, das ich der Freundin in dem langen Telefongespräch auch ein wenig Mut und Optimismus vermitteln konnte, vor allem auch ihrem Mann, der ziemlich krank im Krankenhaus liegt. Ich habe es früher selbst oft als sehr hilfreich empfunden, wenn mir Freunde schrieben oder anriefen, als mein Mann im Krankenhaus war. Man ist dann dankbar für jedes kleine Zeichen und jedes Licht, das Hoffnung und Zuversicht verspricht.

Mein Jahresrückblick hat ein wichtiges Thema: die Erfahrung mit Menschen, die in unser Leben treten. Und das Gefühl, das ich mich selber gefunden habe, dass ich wirklich ganz ich selber bin, dass ich mein Leben ganz allein bestimmen kann. Ich bin glücklich und ich weiß, was ich will.

img_2435Kurz nach dem Jahreswechsel schrieb ich: Wir haben es geschafft – das neue Jahr 2017 erreicht! Ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich im Jahr 2016 gemacht habe. Dieses neue Jahr 2017 wird ganz anders sein als die letzten Jahre, nicht nur, aber auch, weil 2017 eine Primzahl ist. Es wird ein ganz außergewöhnliches Jahr. Unser Verständnis für das Leben und unser Mitgefühl für die anderen Menschen werden zunehmen, und unsere Liebe auch: die Liebe zu uns, zu unserem Leben und zu den anderen Menschen. Denn was wir aussenden, kommt immer zu uns zurück. Unser Leben wird umso schöner, je mehr wir Liebe, Freude und Frieden für andere Menschen ausstrahlen, egal ob sie Freund oder „Feind“ sind. Harmonie, Glück und Gesundheit werden unser Leben bestimmen. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich im alten Jahr erlebt habe und für alle meine lieben Freunde, die ich schon kannte, die, die ich erst neu gewonnen habe, und die mich in guten und in schlechten Zeiten unterstützt haben.

beate-forsbach-2242Vor einem Jahr hatte ich das intensive Gefühl, all die Schwierigkeiten ohne ein professionelles Coaching nicht mehr bewältigen zu können. Schon in dem Moment, als ich einem vermeintlichen Freund und Berater eine Bezahlung anbot, merkte ich, dass es nicht das Richtige war und dass ich im Grunde selber am besten wusste, was mir gut tat. Heute weiß ich, wie sehr ich manipuliert werden konnte durch andere Menschen. Es traten noch einige Menschen als vermeintliche Freunde und Es-mit-mir-Gutmeinenden auf, die ich letztlich wiederum losgelassen habe, weil sie mir einfach nicht guttaten.

Mein altes Lebensprinzip hat mir sehr geholfen: Man geht Wege, die sich zeigen, man kommt an Kreuzungen, wo man sich entscheiden muss, in welche Richtung man weitergehen wird. Wenn dieser Weg nicht der Richtige ist, wird man den Kurs erneut ändern und irgendwann dort ankommen, wo man eigentlich hin möchte.

Ich habe viele Abschiede erlebt und oft losgelassen, und ich habe gelernt, immer wieder neu anzufangen. Niemals wollte ich zurück in eine frühere Lebensphase, denn immer hatte sich das vermeintlich Negative unversehens in etwas ganz Positives verwandelt. Oft wurde es dann noch viel besser, als ich mir jemals erträumt hatte. Mein Jubiläumsbuch „Neubeginn & Mee(h)r“ hat diese Kunst des immer wieder anstehenden Neubeginns zum Thema. Es erschien erst im September 2016, nachdem ich annahm, die schlimmsten Erlebnisse des Jahres hinter mir zu haben. Aber das Allerschlimmste stand mir noch bevor.

Zunächst aber kam ein wundervolles, positives Ereignis: Meine geliebte Berner Sennenhündin Senta fuhr im Auto mit! Der Mensch-Hunde-Therapeut José Arce aus Mallorca war Anfang August bei uns. In einem persönlichen Workshop haben Senta und ich viel gelernt. „Willkommen im Leben“, sagte José Arce, als ich ihn mit Senta in der Stadt abholte. Nicht nur für Senta hatte ein ganz neues und aufregendes Leben begonnen, auch für mich.

img_3667Und nun konnte ich Reisepläne schmieden – nach einer „Probereise“ nach Bayern kam die seit Jahren ersehnte Traumreise nach Armentarola, wo ich ein Autorenseminar durchführen würde. Am ersten Tag dort aber war Senta sterbenskrank. Wie konnte das sein? Endlich erfüllte sich mein Traum, und nun sollte der Hund ausgerechnet dort sterben? Ich haderte mit meinem verstorbenen Mann und sagte ihm, dass er Senta noch nicht so bald bekäme. Und tatsächlich rettete der begnadete und optimistische Südtiroler Tierarzt meine Senta nach einer schweren Operation. Sie erholte sich schnell und ist heute so fit und gesund wie nie zuvor. Ich aber war sehr dankbar, dem Arzt und auch der Magie von Armentarola, die ganz offensichtlich hier gewirkt hatte. So fuhren wir im Dezember ein zweites Mal dorthin und erlebten endlich den Traumurlaub, den auch mein „Berghund“ sehr genoss.

sentaUm bei den Ärzten zu bleiben: ich bin ja recht kritisch gegenüber der sogenannten Schulmedizin, möchte aber heute meine Dankbarkeit äußern für die Achtsamkeit meines Hausarztes, der an meinem schlimmsten Tag des Jahres zu mir kam, für die Sorgfalt und den Optimismus meines Zahnarztes in Bamberg, der mir meine – nach dem Sturz im September 2015 demolierten – Zähne wieder richtig gut in Ordnung brachte, und auch meiner Hautärztin, die zwar nicht glaubt, dass meine Heilung vor allem auf meinem positiven Denken beruht, aber trotzdem erfreut darüber ist. Ansonsten glaube ich mehr denn je, dass die Art zu denken, die ich von meinem Vorbild Louise Hay gelernt habe, einen positiven Einfluss auf mein Leben, meine Gesundheit und meinen Lebenserfolg hat.

beate-forsbach-2385Nun noch einmal zu dem Thema, das mich in diesem Jahr am meisten bewegt hat: die Begegnung mit Menschen, die es nicht ganz ehrlich mit uns und mit sich selber meinen. Menschen, die andere manipulieren. Menschen, die sich selbst inszenieren im Netz, bis zur Veränderung ihres Lebensalters, ihrer Persönlichkeit, ihres Lebenslaufes durch eine Darstellung, die andere beeindrucken und überzeugen soll – nur damit sie ihren Vorteil haben, egal, was mit den anderen passiert. Ich habe in dem vergangenen Jahr einige solcher Menschen kennengelernt und mich selbst zunächst verurteilt, weil ich darauf hereingefallen war.

Inzwischen weiß ich, dass es jedem passieren kann, und ich habe mir auch vergeben – ich hatte einfach nicht gewusst, dass es so viel Falschheit geben könnte, auch wenn mich mein Bauchgefühl immer wieder aufmerksam gemacht hatte, dass hier etwas nicht stimmte. Dadurch habe ich gelernt, besser auf meine Intuition zu hören. Und ich bin auch mitleidig und verständnisvoll denjenigen gegenüber, die ihrerseits von Manipulationen beeinflusst sind, denen man klargemacht hat, dass sie mit mir keinen Kontakt mehr haben dürften, und die auch versuchen, sich daran zu halten.

beate-forsbach-2043Nein, ich glaube nicht, dass ich die Welt in dieser Hinsicht ändern kann, aber ich habe ein Ziel: Ich möchte ein guter Mensch sein. Ich ermutige und helfe Menschen, ihre Stärken zu entwickeln und das Beste aus ihrem Leben zu machen. Aber ich werde niemanden unterstützen, der mit unrealistischer Selbstdarstellung und Täuschung anderer seinen Weg machen will. Nach wie vor halte ich es mit meinem Vorbild Louise Hay, die gesagt hat:

„Schon seit langem glaube ich daran, dass die Geschäftswelt ein Bereich ist, in dem wir uns gegenseitig helfen und unterstützen sollten. Ich habe die Ellenbogenmentalität nie verstanden und nie begriffen, warum man andere übervorteilen oder sogar betrügen sollte. Das scheint mir keine besonders freudvolle Art und Weise zu sein, sein Leben zu leben. Es gibt so viel Überfluss auf der Welt, wir müssen ihn nur erkennen und miteinander teilen. Es ist immer die Politik meines Verlags Hay House gewesen, ehrlich und rechtschaffen zu sein.“

Und so bleibe auch ich mit meinem Verlag ehrlich und rechtschaffen, auch wenn es manchem so gar nicht gefällt. Ich habe mich im vergangenen Jahr von einigen Menschen getrennt. Es gab heftige Erschütterungen, krisenhafte Zeiten und manche blieben ganz einfach weg. Ich lernte, mich für bestimmte Wege zu entscheiden, auch wenn es nicht immer besonders angenehm war. Heute spüre ich viele Veränderungen, die ich nie durchlebt hätte, wenn ich nicht so viele positive und negative Erfahrungen gemacht hätte. Gewiss hätte ich mir einige Erlebnisse ersparen können, aber erst durch die Schwierigkeiten, die ich überwunden habe, bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

beate-forsbach-2113Insofern bin ich allen Menschen dankbar, denen ich im letzten Jahr begegnet bin – egal ob es beglückende und erfüllende Erfahrungen waren oder Konflikte, die letztlich zur Trennung geführt haben.

Ich habe gelernt, dass die schlimmste Enttäuschung über einen Menschen niemals so schlimm ist, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann. Finanzielle Einbußen, die aufgrund falscher Einschätzung von Menschen und Situationen entstanden sind, beeinträchtigen mein Leben kaum, denn sie stellen für mich eine Herausforderung dar, es nunmehr besser zu machen. Und so kann mich ein finanzieller Rückschlag nicht mehr erschüttern – habe ich doch die Gewissheit, aus jeder Situation wieder herauszufinden und meinen Zielen näherzukommen.

All das hatte ich bereits im Jahresrückblick auf 2015 geschrieben. Im Jahr 2016 aber kam etwas ganz Wichtiges dazu: Ich habe meinen persönlichen Lebenssinn gefunden. Ich weiß, was ich will, und was ich nicht will. Ich habe Menschen gefunden, mit denen ich mein Leben verbringen möchte und bin mir klar geworden darüber, mit welchen Menschen ich nicht weiter zu tun haben möchte.

Ich bin meinem verstorbenen Mann Hans Christian sehr dankbar, dass er mit mir vor 13 Jahren das erste Mal nach Armentarola gefahren ist, aber ganz besonders dafür, dass er – als Kriegskind – mir den Mut und den Optimismus vermittelt hat, sowie die Einstellung: „Wir kommen immer durch.“ Dankbar bin ich auch meiner Mutter, die ebenfalls immer mutig und optimistisch war und mir Liebe und Freiheit als wichtigste Werte vermittelt hat. Hätte sie nicht dafür gesorgt, dass ich Skilaufen lernte und dazu oft in Seefeld/Tirol war, wäre ich vielleicht nicht mit meinem Mann nach Armentarola gekommen. Dies ist ein magischer Ort für mich, an dem ich fortan einen Teil meines Lebens verbringen möchte.

Und mir ist einiges ganz wichtig geworden:

  • Schön Klavier spielen zu können: Brahms, Chopin, Schubert und Schumann, dafür habe ich im Dezember 2015 nach 40 Jahren wieder mit dem Klavierunterricht begonnen.
  • Eine glückliche Beziehung zu meiner Hündin Senta zu haben, dafür habe ich Geld, Zeit und Kraft investiert.
  • Gesund und glücklich älter zu werden,100 Jahre alt werden zu wollen – daran arbeite ich jeden Tag.
  • Meine Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Liebe – das sind die Werte, nach denen ich lebe und die mich leiten.
  • Positive Gedanken für ein positives Leben weiterzugeben – durch mein Vorbild und durch die Bücher meines Verlages.
  • Zu wissen, mit welchen Autoren ich zusammenarbeiten möchte und mit welchen nicht.
  • Den Sinn meines Lebens gefunden zu haben.

An Silvester und am Neujahrstag habe ich wundervolle Konzerte im Fernsehen miterlebt, die mir deutlich machten, dass die Musik einen ganz entscheidenden Anteil an meinem Lebensglück hat. Mein Klavierlehrer schrieb mir heute: „Spielen Sie bitte unbedingt Klavier. Sie haben die Möglichkeit, so etwas Schönes genießen zu können!“ Ja, das werde ich machen, dieses Erlebnis kann mir nichts sonst geben außer der Musik, aus der ich viel Kraft und Energie schöpfe.

Weiter die Strandspaziergänge mit meiner Senta – sie geben mir Energie, lassen mich den Frieden spüren und bieten Raum für neue Ideen und Gedanken. Pausenloses Geschwätz von Leuten direkt und am Telefon will ich nicht mehr ertragen. Auch aus dem eigenen Schreiben und der Beschäftigung mit den Büchern und Manuskripten anderer Autoren schöpfe ich viel innere Kraft – ich werde dem Lesen und Schreiben viel mehr Raum in meinem Leben geben.

Und schließlich sind es auch die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. Ich habe angefangen zu reisen, um an besonderen Orten besondere Menschen zu treffen. Und das erfüllt mich sehr. Die Entscheidung, alleine zu reisen, nur in Begleitung meiner lieben Berner Sennenhündin Senta, erleichtert mir vieles und ermöglicht mir, frei und unabhängig zu bleiben. Ich habe mit Theresia Berger eine tolle Fotografin gefunden, die die meisten Fotos dieses Blogartikels am Chiemsee realisiert hat.

Ich bin dankbar für alles, was mir andere Menschen gegeben haben. Und ich liebe mich, meinen Hund und mein neues Leben.

beate-forsbach-1803Nun ist das neue Jahr inzwischen schon fast 48 Stunden alt – es war mir ein Bedürfnis, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick aufzuschreiben. Vor allem aber auch, meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, den Menschen gegenüber, die mich im vergangenen Jahr 2016 begleitet, ermutigt und immer wieder zum Weitermachen motiviert haben, denn Aufgeben war niemals eine Option für mich.

Ich bedanke mich bei Ihnen, den Lesern meines Blogs für Ihr treues Folgen und Ihre zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Sie auch im Jahr 2017 weiter dabei sind.

Für das neue Jahr 2017 wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

PS: Lesen Sie bitte auch mein Interview mit 16 Fragen zum Jahresrückblick mit Annette Maria Böhm von Lebe-Liebe-Lache.com, das am 30. Dezember 2016 erschienen ist.

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Dankbarkeit – mein Jahr 2015

IMG_0817Wirklich – ich kann mich nicht mehr erinnern, mit welchen Gefühlen ich in das Jahr 2015 gestartet bin. Ich erinnere mich nur an den Silvestertag 2014, als nach 8 Tagen das Telefon wieder ging, ich am Nachmittag Besuch von einer neuen Lektorin bekam, um 21 Uhr den Anruf einer neuen Autorin, bis kurz vor Mitternacht mit einer anderen Autorin über den Sinn einer gemeinsamen Besprechung mit der Lektorin gechattet hatte, um Mitternacht eigentlich ziemlich unglücklich war, das neue Jahr mit einer Diskrepanz begonnen, am zweiten Tag eine mehrstündige, letztlich erfolglose Besprechung mit Lektorin und Autorin durchgeführt hatte, ein paar Tage später das intensive Gefühl hatte, ohne ein professionelles Coaching all das nicht mehr bewältigen zu können. Es gab Buchpläne, aufgrund deren ich eine Lektorenstelle ausgeschrieben, drei Kandidaten probeweise eingestellt sowie einen Vertrag mit einer großen Verlagsauslieferung abgeschlossen hatte. Denn ich hatte das Gefühl, die anstehenden Veröffentlichungen nicht mehr mit den bisherigen Mitteln und Mitarbeitern bewältigen zu können. Und manches davon stellte sich später als Fehlentscheidung unter dem Druck der aktuellen Situation heraus.

Wie meine persönliche Lage am Neujahrstag 2015 war, weiß ich nur noch ungefähr: mein Mann war noch kein Jahr tot, ich war noch voller Trauer, hatte Silvester letztlich alleine verbracht, wurde am Neujahrstag vom Anruf einer mitfühlenden Bekannten geweckt und rief daraufhin eine alleinstehende Bekannte an, weil ich mir erwiesene Wohltaten immer gerne weitergab, telefonierte einige Stunden mit anderen Bekannten, bis ich am Abend ermattet ins Bett fiel – ohne zu mir selber gekommen zu sein. Beim obligatorischen „Traumschiff“ war ich sicherlich eingeschlafen, wie auch heute – nur dass ich am Neujahrstag 2016 den deutlichen Impuls verspürte, noch einen Rückblick auf mein Jahr 2015 zu verfassen, nachdem ich den heutigen Tag ganz nach meinen Wünschen verbracht hatte. Und ich habe heute das Gefühl, zu mir selber gefunden zu haben, seit einigen Monaten wieder glücklich leben zu können.

Anfang Januar sprach ich mit einem Coach über ein Buchprojekt. Am nächsten Tag schrieb ich ihm: „Mein Leben hat sich ja im Laufe des vergangenen Jahres stark verändert, dazu ist mein Verlag, den ich Anfang 2011 gegründet habe, in einer aufregenden Entwicklungsphase. Auch wenn ich schon 62 bin, denke ich, dass ich mit Ihrer Unterstützung und Inspiration noch viel mehr erreichen kann – denn ich liebe den Erfolg!“ Ich lernte, die „Glücksformel“ für mein Leben anzuwenden: „Tue immer mehr von dem, was Dir gut tut. Tue immer weniger von dem, was Dir nicht gut tut.“ Mir ging es darum, wie ich mein Leben mit meinem Verlag (und meinem Hund) so schön gestalte, dass ich möglichst viel Spaß an allem habe: An der Arbeit, den Autoren und Lektoren, den Büchern, meinem eigenen Schreiben – und dem sonstigen Leben.

In den nächsten Monaten folgten Niederlagen und Höhepunkte in meinem Leben als Verlegerin: Schöne Erfolge mit einigen Büchern, finanzielle Misserfolge, das Gefühl, ausgenutzt worden zu sein, ein Buchprojekt, das mich emotional sehr viel Kraft kostete, Vertragsauflösungen, die für mich oft einen Tiefpunkt bedeuteten – und schließlich das Gefühl, eigentlich nie die eigenen Wünsche und Bedürfnisse erfüllen zu können, weder in Bezug auf Buchprojekte noch in Bezug auf das private Leben.

Nur ganz wenige Wegbegleiter waren immer für mich da: Meine „Hundefreundin“ mit ihrer Jenny begleitete mich auf vielen Spaziergängen und nahm meine Senta bei sich auf, als ich ab Ende April mehrfach nach Bamberg zu meinem früheren Zahnarzt fuhr und im September in der Uniklinik war. Mein ältester Freund half mir in vielen juristischen Fragen, meine erst 2013 gefundene Familie aus Hamburg machte sogar Urlaub in Neujellingsdorf und war eigentlich immer für mich da. Und meine Berner Sennenhündin Senta wurde zu meiner geliebten Seelengefährtin – sie half mir in den Tagen der Trauer und machte mir insgesamt viel Freude, allerdings zeigte sie mir auch, dass sich das Leben nicht so schnell weiter entwickelte, wie ich es mir oft wünschte. Ich hatte Geduld zu lernen.

Ich trennte mich im vergangenen Jahr von einigen Menschen. Es gab heftige Erschütterungen, krisenhafte Zeiten und viele schlaflose Nächte. Ich lernte, mich für bestimmte Wege zu entscheiden, auch wenn es nicht immer besonders angenehm war. Heute, am Neujahrstag 2016, spüre ich viele Veränderungen, die ich nie durchlebt hätte, wenn ich nicht so viele positive und negative Erfahrungen gemacht hätte. Gewiss hätte ich mir einige Erlebnisse ersparen können, aber erst durch die Schwierigkeiten, die ich überwunden habe, bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

Insofern bin ich allen Menschen dankbar, denen ich im letzten Jahr begegnet bin – egal ob es beglückende und erfüllende Erfahrungen waren oder Konflikte, die letztlich zur Trennung geführt haben.

Ich habe gelernt, dass die schlimmste Enttäuschung über einen Menschen niemals so schlimm ist, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann. Finanzielle Einbußen, die aufgrund falscher Einschätzung von Menschen und Situationen entstanden sind, beeinträchtigen mein Leben kaum, denn sie stellen für mich eine Herausforderung dar, es nunmehr besser zu machen. Und so kann mich ein finanzieller Rückschlag nicht mehr erschüttern – habe ich doch die Gewissheit, aus jeder Situation wieder herauszufinden und meinen Zielen näherzukommen.

„Wenn sich eine Tür schließt, so öffnet sich eine andere“, diese Erfahrung habe ich mehrfach im vergangenen Jahr gemacht. Nicht nur in Bezug auf Mitarbeiter in meinem Verlag, sogar im ganz persönlichen Bereich von Familie und Freunden habe ich das erlebt: Ich habe nach ca. 60 Jahren eine Cousine wiedergefunden, die wie eine Schwester für mich ist. „Du bist ein Glücksfall für mich“, sagte sie mir erst kürzlich. Was kann es Schöneres geben, als ein „Glücksfall“ für einen anderen Menschen zu sein. Ich habe neue Freunde gefunden, die mich unterstützen und begleiten – das ist etwas, was ich in den letzten Jahren selten erlebt habe. Zwar war die Liebe zu meinem verstorbenen Mann groß gewesen, doch ich hatte in den letzten Jahren die ganze Verantwortung für ihn und unser Leben übernommen.

Seit Ende 2008 hatte ich Schweres zu tragen und war stark geworden – nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so habe ich seit September 2014 insgesamt ca. 20 Kilo abgenommen, ohne Diät und bei einem Leben mit Genuss. Ich fühle heute eine große Leichtigkeit, in Bezug auf mein Gewicht und mein Leben. Ende 2015 bekam ich die Anregung, noch einmal Klavierunterricht zu nehmen. Schon seit einigen Monaten hatte die Musik wieder einen großen Stellenwert in meinem Leben bekommen – daraus hat sich eine ganz neue, ungewohnte Lebensqualität entwickelt. Ich laufe täglich mit Senta, meiner Berner Sennenhündin, meist 8-10 km, fast jeden Tag zum Meer, und diese täglichen Impressionen von Sonnenuntergängen, frischer Luft und dem Blick aufs Meer wirken sich positiv auf meine Gesundheit aus.

Im Sommer fuhr ich das erste Mal in die Berge, nach Seefeld/Tirol, wo ich auch über Weihnachten einige Tage verbracht habe. Mehrfach war ich in Bamberg, wo ich früher einige Jahre gewohnt habe und nun noch meinen damaligen Zahnarzt besuche. Die Behandlung wäre längst abgeschlossen, wenn ich nicht im September gestürzt wäre und mir einen vierfachen Unterkieferbruch zugezogen hätte. Die damit verbundenen 12 Tage in der Uniklinik hatten die Konsequenz, dass ich mir meiner positiven Einstellung und meines unbedingten Willens zum Gesundwerden bewusst wurde. Ich lief auf dem Klinikgelände jeden Tag ca. 8 km und war – trotz heftiger Blutergüsse im Gesicht – kurz nach der Entlassung in der Lage, zu einem Konzertbesuch nach Berlin zu fahren.

Außerdem machte ich die Erfahrung, dass Senta ein paar Tage alleine zu Hause bleiben konnte, versorgt vom Tierservice, und ich fortan auch mal kleinere Reisen planen konnte. So fuhr ich im November nach Düsseldorf, um Sonja Volk, eine Autorin meines Verlages bei ihrer Vorstellung ihres Buches Gedankenpower in einer großen Buchhandlung zu erleben. Danach konnte ich meine Freunde in meinem ehemaligen Wohnort am Niederrhein besuchen – erstmals nach mehr als vier Jahren. Nach der Rückkehr plante ich dann meinen Weihnachtsurlaub in Seefeld.

Mehr und mehr lernte ich auch, mich von Menschen zu verabschieden, die mir nicht gut taten. Ich lasse mich von niemandem mehr unterkriegen und bin nicht mehr bereit, etwas für Menschen zu tun, die das nicht würdigen. Einige Male habe ich die Zusammenarbeit aufgekündigt, ohne Angst vor den Konsequenzen. Ich kann gut loslassen, es bereitet mir keinen Schmerz mehr, denn die entstandenen Spuren sind jedes Mal Wege in eine bessere Zukunft. Mein unerschütterlicher Optimismus, mein positives Denken, meine grundsätzliche Überzeugung vom Guten im Menschen und mein Vertrauen in jeden Menschen, mit dem ich zu tun habe, helfen mir dabei. Und so habe ich im vergangenen Jahr trotz einiger Rückschläge auch große Erfolge erlebt.

Mein Autorenseminar auf Fehmarn war ein solcher Erfolg, dem in diesem Jahr mehrere weitere Seminare folgen werden. Ich erlebe einen stetigen Zuwachs an Bekanntheit in den sozialen Netzwerken, viele schöne Kontakte sind entstanden, viele Buchprojekte geplant worden. Und so finden auch meine eigenen Texte mehr und mehr Anklang bei immer mehr Menschen. Darüber bin ich besonders glücklich, war es doch von Anfang an mein Ziel, durch meinen eigenen Verlag positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen und (angehende) Autoren anregen und inspirieren zu einem guten Leben und guten Büchern. Mein Buch „Der Traum vom eigenen Buch“ hat sich zu einem heimlichen Bestseller meines Verlages entwickelt und bringt mir auch im Buch-Coaching-Bereich immer wieder neue Kunden.

Und schließlich entwickelt sich mein ursprünglich geplanter Schwerpunkt „Musik“ in meinem Verlag: Nachdem ich zu Weihnachten 2014 meine Dissertation neu publiziert hatte, kam im Herbst 2015 mein erstes Fachbuch neu heraus, und im nächsten Jahr sind gleich mehrere Veröffentlichungen im Musikbereich geplant. Ich habe meine Websites neu gestaltet und von einem professionellen Webmaster einrichten lassen. Seit Februar werden die Bücher von einer Verlagsauslieferung verschickt, die alle Bestellungen abwickelt. So bin ich weitgehend vom Paketepacken und Schreiben von Rechnungen befreit. Ich arbeite mit mehreren großen Druckereien zusammen und lasse zunehmend größere Auflagen unserer Bücher herstellen. Diese Investitionen werden sich hoffentlich in 2016 auszahlen.

In diesen Tagen ziehe ich mit fast 5000 Büchern meines Verlages um zu einer neuen, kleineren Verlagsauslieferung – ich habe mich dafür entschieden, um für die Zukunft bessere Möglichkeiten zu haben, auch wenn es dadurch im Vorweihnachtsgeschäft einige Einbußen gegeben hat. Aber ich habe gelernt, dass finanzielle Einbußen durchaus positive Nebenwirkungen haben können. In der neuen Verlagsauslieferung erfahre ich bereits jetzt eine individuelle Betreuung durch den Chef und die Mitarbeiter. Ich habe gelernt, mich zu entscheiden, für oder gegen Dinge und Menschen, auch wenn es unangenehm ist. Und so sehe ich voller Zuversicht dem fünfjährigen Verlagsjubiläum am 11. Februar 2016 entgegen.

In den letzten Tagen des alten Jahres habe ich mir darüber Gedanken gemacht, worauf es in meinem Leben wirklich ankommt, was ich noch erreichen möchte, was und wer mir wirklich wichtig ist, was und wer nicht mehr zu mir gehört. Dieser letzte Punkt war am schwierigsten für mich, erfordert er doch einige Konsequenzen. Die Überlegung aber, was für mich wirklich Sinn ergibt, klärt vieles, was ansteht. Mir geht es darum, meinen Verlag weiter zu entwickeln und positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen helfen, besser zu leben, auch durch mein Vorbild.

Meine Wünsche für 2016 im persönlichen Bereich sind: Gesund und fit zu bleiben, Musik zu machen und zu hören, richtig gut Klavier spielen zu lernen, Zeit für mich und für mein Leben zu haben, meine eigenen Bücher endlich schreiben zu können, Urlaub zu machen an den für mich schönsten Orten der Welt, die Beziehungen zu den Menschen zu pflegen, die mir am nächsten sind. Ich halte es mit Louise Hay, die gesagt hat:

„Das Leben ist ganz einfach.
Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Nun ist das neue Jahr inzwischen schon mehr als 24 Stunden alt – es war mir ein Bedürfnis, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick aufzuschreiben. Vor allem aber auch, meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, den Menschen gegenüber, die mich im vergangenen Jahr 2015 begleitet, ermutigt und immer wieder zum Weitermachen motiviert haben, denn Aufgeben war niemals eine Option für mich.

Ich bedanke mich bei Ihnen, den Lesern meines Blogs für Ihr treues Folgen und Ihre zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Sie auch im Jahr 2016 weiter dabei sind.

Für das neue Jahr 2016 wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

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Perspektivenwechsel

IMG_7834Schon lange wollte ich in die Berge – zunächst vor allem nach Armentarola in den Dolomiten, aber das ging ja nicht, weil Senta nicht Auto fahren wollte.

Kurz nach Ostern bekam ich Zahnprobleme – eine ehemalige Klassenkameradin hatte noch am Osternsonntag geschrieben: „Vielleicht, Beate, musst auch Du einfach mal raus und andere Menschen hören und sehen?“ Denn ich war schon wochenlang krank. Ich fuhr Ende April zum ersten Male wieder nach Bamberg, um mich bei meinem früheren Zahnarzt behandeln zu lassen. Senta blieb in der Zeit bei meiner Hundefreundin Karin und war dort sehr gut aufgehoben und behütet.

Im Juli sollte der dritte Zahnarztbesuch stattfinden, ohne größere Behandlung – und ich wusste, dass Karin Urlaub hatte. Ich dachte immer wieder über meinen Traum nach, in die Berge zu fahren. Ich wollte einfach mal die Welt aus einer anderen Perspektive sehen … und so bat ich Karin, Senta ein paar Tage länger zu betreuen und buchte einige wenige Tage in dem Hotel in Seefeld, wo ich so oft mit Hans Christian gewesen war. Das war von Bamberg nur drei Stunden entfernt, aber auf der Rückreise würde ich 1040 km bis Fehmarn fahren müssen – mehr als ich je zuvor an einem Tag mit dem Auto gefahren war.

Vom Mut her wäre ich auch nach Armentarola gefahren – aber da wäre die Rückfahrt noch länger geworden. Also verwirklichte ich erst einmal den ersten Schritt von meinem Traum, in die Berge zu fahren. Ich überlegte mir einfach, dass ich die Rückfahrt in vier Etappen zu je 260 km machen könnte und stellt mir die Strecke genau vor. Das müsste doch möglich sein.

Und so war ich dann am 23. Juli schon vor 9 Uhr morgens unterwegs von Bamberg in Richtung München. Mir wurde bewusst, dass eine solch frühe Abfahrt bei den letzten Reisen mit meinem Mann gar nicht möglich gewesen wäre – und ich genoss zum ersten Mal die Leichtigkeit meines neuen Lebens und dass ich alleine und unabhängig war. Wir waren oft von Bamberg nach Seefeld gefahren, und so erinnerte ich mich während meiner Autofahrt an jedes Hotel und jede Raststätte an der Strecke, wo wir mal gewesen waren, an alle glücklichen und vor allem an die eher unangenehmen Erlebnisse. Teilweise hatte ich reale Bilder im Kopf und auch die Gedanken von damals.

Bald war ich in Seefeld angekommen, checkte im Hotel ein und ging los, einfach so, quer durch den Ort zum Gschwandtkopf, meinem früheren Lieblingsberg, wo ich immer zum Skifahren gewesen war. Wann hatte ich das zum letzten Mal machen können! Als erstes traf ich mitten in Seefeld einen Berner Sennenhund, und dann noch einen am Gschwandtkopf. Ich wanderte über die Hügel zum Pfarrhügel, wo mächtige Felsen einen Kreuzweg markierten. Ich genoss die Aussicht auf die Berge und mein unbeschwertes Herumschlendern – das war in unseren letzten Aufenthalten hier nicht mehr möglich gewesen.

IMG_7797Am nächsten Tag war herrliches Wetter und ich beschloss, mit der Standseilbahn zur Rosshütte hinaufzufahren. Das hatte ich zum letzten Mal lange vor den Urlauben mit Hans Christian gemacht, als ich noch zum Skilaufen in Seefeld war, denn er hätte Angst gehabt, mit einer Seilbahn zu fahren. Die Bergstation liegt etwa 1800 m hoch über Seefeld, das eine Höhe von 1200 m hat. An diesem Tag war es sehr heiß und so kaufte ich gleich auch eine Fahrkarte für die Talfahrt.IMG_7867Von der Seilbahn aus sah ich einen wunderschönen See, den ich nicht kannte, da ich im Sommer noch nicht dort oben gewesen war. An der Bergstation genoss ich die Aussicht auf Seefeld, die umliegenden Berge, das Zugspitzmasiv und den Karwendel, hinunter ins Inntal und in die anderen Täler. Es war grandios. Etwas unterhalb waren Kühe auf der Alm und noch weiter unten sah ich den See und eine hübsche Almhütte. Und so beschloss ich, zu Fuß hinunter zu wandern.

IMG_7813IMG_7843Die wechselnden Ausblicke waren einfach grandios – wie lange hatte ich es vermisst, so von oben herab auf die Erde zu schauen. Das Leben erschien plötzlich in einer ganz anderen Perspektive – vieles wurde unwichtig und klein, anderes dafür umso bedeutsamer. Ganz leicht fiel mir der Abstieg – obwohl ich überhaupt keine Bergerfahrung habe. Nur eine Stunde bis Seefeld, so stand es auf dem Wegweiser. IMG_7835Und schon war ich an dem wundervollen See, in dessen stillem Wasser sich die mächtigen Berge spiegelten. Langsam umrundete ich den See, bewunderte die Natur, die Blumen, die Insekten und die Schmetterlinge. Und immer wieder die Spiegelbilder der Berge. Mir kam der Gedanke an die höhere Macht, die unser Leben leitet. In der Stille dieser grandiosen Umgebung entstanden keine neuen Gedanken und kamen keine alten Gedanken hervor, ich war einfach da, alleine mit mir und der Natur.

IMG_7876IMG_7874Bis ich am Ausgang wieder einen Berner Sennenhund traf und den zugehörigen Leuten erzählte, dass ich auch einen hätte – zu Hause.

IMG_7924IMG_7856Frohen Mutes wanderte ich zu der nahen Almhütte, wo ich eine herrliche Rast mit grandiosem Ausblick einlegte – mit Käsespätzle und einem guten Weißwein. IMG_7954Der weitere Abstieg war ganz leicht, und als ich schließlich wieder in meinem Hotel angekommen war, hatte ich über 12 km zurück gelegt – mehr, als ich jemals in den vergangenen Monaten oder sogar Jahren an einem Tag gelaufen war. Ich war stolz auf mich und meine Kraft und Ausdauer – nur ein wenig traurig, weil Senta nicht dabei gewesen war.

Am nächsten Tag, meinem letzten Urlaubstag, wollte ich mich etwas schonen und plante, den Wildsee zu besuchen. Gabi, die Seniorchefin des Hotels, gab mir den Hinweis, über den Pfarrhügel zu gehen – dort, am Ende des Kreuzweges, sei einer der stärksten Kraftorte Tirols. Ich war schon am ersten Tag dort gewesen, ohne das zu wissen. Also ging ich nochmals den Pfarrhügel hinauf, vom Dorfplatz neben der Kirche nach oben und kam zu dem Platz mit den 12 Stelen, in deren Mitte ein riesiger Felsbrocken das Grab Christi symbolisierte.

IMG_7991An dieser Stelle – eigentlich mitten im Ort – kann man so stehen, dass man nur die Berge, aber kein einziges Haus sieht. Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie nahe ich hier dem Himmel war – aber ich spürte nur eine enorme Kraft in mir, spürte eine feste Verbindung zur Erde, sah die seit vielen Jahren vertrauten Berge ringsum, den Wildsee ganz unten und fühlte das Glück dieses Aufenthaltes in dieser wundervollen Umgebung.

IMG_7985 Ich blickte Richtung Italien – dort, wo die ganz hohen Bergketten zwischen den Wolken zu sehen waren, wo es nicht weit zum Brenner und zum Übergang in die Dolomiten war.  Ich dachte an meinen Wunschtraum, eines Tages nach Armentarola zu fahren, um dort, ganz oben in den Bergen, meinem verstorbenen Mann ganz nahe zu sein. IMG_7987Ich wanderte hinunter zum See, machte dort eine Rast und schaute hinauf zur Roßhütte, wo ich gestern noch gewesen war. Dann wanderte ich rund um den See, erinnerte mich, wie ich vor vielen Jahren im Winter hier mal Eichhörnchen gefüttert hatte, und auch, wie ich mit meinem Mann einmal um den See gelaufen war.

IMG_8028IMG_8055Am Abend hatte ich einen ausgiebigen Klönabend mit Gabi, der Seniorchefin des Hotels, mit der ich mich vor 12 Jahren angefreundet hatte. Wir sprachen über das Leben, über unsere Erinnerungen, über die Liebe und über das, was uns heute bewegt. Und mit einem Mal merkte ich, dass ich durch die drei Tage in Seefeld so viel Kraft, so viel Zuversicht und neuen Mut gewonnen hatte. Ich spürte keine Trauer mehr um das, was nicht mehr war, sondern war glücklich über mein neues Leben, das hier begonnen hatte.

Am nächsten Morgen brach ich fröhlich auf zu meiner 1040 km langen Rückfahrt, fuhr über die vertrauten Autobahnen – und begann eine Übung, die mir das neue Leben erleichtern sollte: Ich versuchte, alle negativen Bilder in meinem Kopf, alle trüben Gedanken an die Vergangenheit durch neue, positive Bilder und optimistische Gedanken zu ersetzen. Ganz bewusst holte ich schöne Erinnerungen hervor, ersetzte Bilder von unangenehmen Erlebnissen durch Glückmomente, freute mich an der wunderschönen Sommerlandschaft und dachte an jedem Erinnungsort nur noch an gute Momente. Ich machte meine geplanten Pausen, hatte Glück, in keinen Stau zu geraten und kam nach gut neun Stunden Autofahrt guter Dinge zurück auf meine geliebte Insel Fehmarn, wo mich Senta zu Hause schon freudig erwartete.

Nun bin ich frei für die nächste Lebensphase, für mein eigenes Leben, in dem ich wieder glücklich sein kann. Es ist gut, mal die Perspektive zu wechseln, mal auf die Berge hinauf zu fahren und auf die Welt dort unten zu blicken. In den nächsten Wochen spüre ich mich selber wieder, fühle die Kraft und die Liebe in mir, die mir schon meine Mutter, und später Hans Christian geschenkt hatten. Ich lebe nicht mehr mit einem Verlust, sondern genieße die Fülle meines eigenen Lebens – auch wenn es immer wieder Momente der Trauer gibt.

Ich kann mich wieder an wundervoller Musik erfreuen, spüre die Zuneigung meiner Freunde, bin wieder empfänglich für all die Zeichen der Liebe, die ich bekomme. Senta wird immer mehr zu meiner Seelengefährtin und wir beide gehen jeden Tag zum Meer, um die Stimmungen dort zu genießen, die Sonnenuntergänge und Lichtwirkungen am Wasser. Und ich erzähle ihr immer wieder von den Bergen, in denen ich beim nächsten Mal mit ihr zusammen wandern möchte.

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Brahms – Endlich loslassen

Brahms-SonatenEin Freund hatte mich eingeladen zu diesem Konzert: Die drei Sonaten für Violine und Klavier von Johannes Brahms, gespielt von dem spanischen Geiger Abel Tomàs und dem israelischen Pianisten Amir Katz.

Schon lange hatte ich tief in mir gespürt, dass sich vieles änderte in meinem Leben. Ich wollte sie loslassen – meine Geige, die ich seit nunmehr 40 Jahren besitze. Eine wunderschöne französische Violine des Geigenbauers Georges Apparut aus dem Jahr 1944 – 71 Jahre alt ist sie inzwischen. Ich hatte lange gespart, neben dem Studium gejobbt und sie mir dann gekauft, um mein Examensprogramm im November 1975 auf einer wirklich schönen Violine spielen zu können: Die erste Solosonate in G-moll von Johann Sebastian Bach, die Romanze F-dur von Ludwig van Beethoven – und die Sonate G-dur von Johannes Brahms.

Schon im Januar 2007 hatte ich während der Mozartwoche in Salzburg einen ganz jungen Geiger erlebt, der das Violinkonzert G-dur von Wolfgang Amadeus Mozart so schön spielte, dass mir die Tränen vor Rührung kamen – und vor Wehmut, denn dieses Konzert hatte ich auch in meinem Studium an der Kölner Musikhochschule gespielt. Damals wusste ich noch nicht, dass schwere Jahre auf mich zukommen würden, in denen ich meine schöne Violine kaum noch in die Hand nehmen würde.

Irgendwann in diesem Sommer sah ich Anne-Sophie Mutter im Fernsehen – begleitet von ihren jugendlichen Musikern – und ich entschloss mich, meine Geige loszulassen, damit künftig jüngere Musiker darauf spielen könnten. Die Stiftung von Anne-Sophie Mutter hatte gerade ein Instrument erworben und verwies mich an die Deutsche Stiftung Musikleben in Hamburg. Irgendwann im August hörte ich Anne-Sophie Mutter mit der Violinromanze F-dur von Beethoven im Radio – und wollte diesen Blog schreiben. Aber so einfach ist das nicht mit dem Loslassen.

IMG_8173Warum eigentlich? Warum möchte ich meine schöne alte Geige verkaufen? Ich habe sehr schöne und auch schwere Stücke gespielt – vor 40 Jahren. Heute könnte ich, wenn überhaupt, nur noch ganz einfache Stücke spielen, aber mit wem? Ein Geiger braucht (fast) immer andere Musiker, um Musik zu machen: einen Pianisten, Quartettpartner oder ein Orchester.

Die Romanze habe ich vor vielen Jahren öffentlich mit einem Kammerorchester aufgeführt – heute wäre das undenkbar für mich, nicht nur wegen meines aktuellen Wohnortes auf der Insel Fehmarn. In Liebhaberorchestern und mit Feierabend-Streichquartetten möchte ich nicht (mehr) spielen. Zu engagiert war ich während der Studienzeit in ambitionierten Jugendorchestern und ehrgeizigen jungen Streichquartetten, in denen ich gerne die Bratsche spielte. Meine Bratsche aber habe ich bereits vor über zehn Jahren verkauft, an eine begabte junge Musikerin, die sehr glücklich über das schöne Instrument war.

Ja und außerdem habe ich in den letzten Jahren meine Berufung gefunden: das Glück des Büchermachens. Die Musik war ganz in den Hintergrund getreten, auch wegen der Krankheit meines inzwischen verstorbenen Mannes. Am Himmelfahrtstag 2014 hatte ich sie für mich wiederentdeckt, als die Frage gestellt wurde: „Was ist der Himmel für dich?“ Ich habe damals geantwortet: „Für mich bedeutet er Freiheit, Liebe, Grenzenlosigkeit – und Musik.“

Seite18 aus Leben_ist_Mee(h)r_2015Nun also bekam ich die Einladung zu diesem Konzert, in dem die drei Brahms-Sonaten gespielt werden sollten. Brahms ist seit eh und je mein Lieblingskomponist, und die Sonate G-dur, die sogenannte „Regenlied-Sonate“, liebe ich seit Jahrzehnten, nicht nur, aber auch, weil ich sie selber gespielt hatte.

Bei jedem Glück gibt es einen Wermutstropfen – mir wurde klar, dass der Konzerttermin, der 10. Oktober, mit dem „Kennenlerntag“ zusammenfiel, den ich immer mit meinem verstorbenen Mann gefeiert hatte. Anscheinend muss das Leben uns erst immer Schmerzen bereiten, bevor wir wirkliches Glück empfinden können. So hatte ich in einem Blogartikel geschrieben:

„Ich glaube allerdings, dass Glück ohne Trauer gar nicht sein kann –
nur wer auch die Schattenseiten erlebt hat, kann wirkliches Glück empfinden.“

Nach einem Sturz und längerem Klinikaufenthalt mit schmerzhaftem Unterkieferbruch gab es für mich nur ein Ziel: dieses wundervolle Konzert am 10. Oktober mit den Brahms-Sonaten zu erleben. Vielleicht wäre das Glück ohne diesen Unfall zu selbstverständlich geworden? In der Klinik hatte ich viel Zeit zum Nachdenken – über das Loslassen. „Indem ich die Vergangenheit loslasse, können Neues, Frisches und Vitales eintreten“, las ich in einer Affirmation von Louise Hay – wodurch ich erst einmal aufmerksam wurde, dass es etwas zum Loslassen gab. „Liebevoll lasse ich die Vergangenheit los. Die anderen sind frei und ich bin frei. Alles ist gut in meinem Herzen“, hieß es in einer Affirmation gegen Schmerzen.

Nicht nur meine Geige würde ich loslassen an diesem Tag – auch die Ehe mit meinem verstorbenen Mann: „Bis dass der Tod uns scheidet“ – hatten wir uns bei der Trauung versprochen, als wir uns die Ringe aufsetzten. Auch wenn ich es noch so sehr gewollt hätte, es hätte nichts genützt. Diese Ehe ist vorbei. Was geschehen ist, ist vorbei und lässt sich nicht mehr ändern. Nach Hans Christians Tod hatte ich seinen Ring an mich genommen und meinen weiterhin getragen. Trauer, Ängste, Schuldgefühle hielten mich immer noch ein wenig in der Vergangenheit fest. Nunmehr haben beide Ringe einen sehr schönen Platz bekommen.

Loslassen hat immer auch mit Abschied zu tun: Abschied von der Jugend- und Studienzeit, Abschied von Sachen, Abschied von Überzeugungen und Ideen, Abschied von einer Ehe, von einer glücklichen Lebensphase, Abschied von einer schlimmen Zeit, Abschied von einem geliebten Menschen.

Aber jedem Abschied folgt am Neubeginn. So zitierte ich wieder einmal aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

IMG_8168Am Abend dann endlich das Konzert – in der zweiten Reihe war ich den beiden großartigen Musikern Abel Tomàs und Amir Katz ganz nah. Sie begannen mit der Sonate G-dur von Johannes Brahms, der Regenlied-Sonate. Unglaublich – ich konnte mich an jeden einzelnen Ton, an jeden Zusammenklang, an jede winzige Emotion in diesem Stück erinnern. 40 Jahre war es her, dass ich dieses Stück mit einem begnadeten Pianisten in der Kölner Musikhochschule gespielt hatte – aber statt Wehmut und Trauer erfüllte mich ein unglaubliches Glücksgefühl, ein inneres Strahlen über die Schönheit dieser Musik und die so lebensvolle und emotionale Interpretation durch die beiden jungen Musiker.

IMG_8171Es folgten die Sonate A-dur und nach der Pause dann die Sonate D-moll – die beiden Musiker steigerten sich nochmals – es war ein absoluter Höhepunkt dieses wunderschönen Abends. Der Applaus wollte gar kein Ende nehmen, und so gab es als Zugabe noch ein Scherzo von Brahms und ein ruhiges, besinnliches Abendlied.

IMG_8172Am Ende dieses Konzertes hatte ich losgelassen – es war überhaupt nicht schwer. In der Konzertpause formulierte ich meinen Wunsch ans Universum, ans Leben, das einem doch immer alle Wünsche erfüllt:

Ich möchte einen jungen Musiker finden, der auf meiner schönen Geige wundervolle Musik spielt. Vielleicht kann er sich die Geige selber kaufen, oder es findet sich ein Musikliebhaber, der ihm diese Geige zur Verfügung stellt. Ich weiß schon jetzt, dass nicht der Geldbetrag den Ausschlag geben wird, wem ich meine Geige verkaufe, sondern eine andere Währung: die des Herzens – und die der Musik.

IMG_8170 IMG_8169Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Loslassen an sich gar nicht schmerzhaft ist. Wirklich schmerzhaft ist die lange Zeit davor, in der man zögert, die Entscheidung darüber zu treffen.

Wenn wir dann endlich losgelassen haben, bekommen wir wieder Energie für Neues. Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass sich alles, was uns umgibt, ständig verändert, können wir den Wandel begrüßen! In jedem Moment ändert sich unser Leben, ohne dass wir Einfluss darauf haben. Ständig bekommen wir neue Ideen, lernen neue Menschen kennen, erleben neue Situationen, von denen wir uns bereichern lassen können.

IMG_9741Ich habe heute Abend eine wunderbare Abendstimmung am Meer erlebt, die zu meiner heutigen Stimmung passte. Eine Facebook-Freundin schrieb dazu:

„Abendfrieden. Nur dasitzen und warten, bis die Sonne untergeht.
Da hat kein störender Gedanke mehr Platz.“
(Helga Mildenberger)

Ja, so ist es auch nach dem Loslassen.
Und dann kann man Brahms wieder mit ganz anderen Ohren hören.

IMG_9743„Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser;
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Hans Christians letzter Tag

IMG_8884So oft habe ich es schon erzählt in den letzten Tagen. Nun sollt Ihr erfahren, wie Hans Christians letzter Tag war. Erst einmal fragt man sich, welches denn der letzte Tag ist? Man versteht darunter den Tag, bevor man – nach Meinung der Ärzte – gestorben ist.

Letzten Montag um 5.44 Uhr klingelte das iPhone auf meinem Nachttisch. Die Ärztin berichtete, dass man um 2 Uhr Morgens mit der Dialyse begonnen hätte. Hans Christian hatte schon immer eine Niereninsuffizienz gehabt, nun waren die Nierenwerte bedrohlich. Und sein Herz war so schwach, es hatte Komplikationen gegeben.

Das hatte ich schon am Samstag bei der Aufnahme in die Klinik erfahren. Eigentlich waren wir an diesem Tag hingefahren, weil gerade ein Einzelzimmer frei geworden war. Aber er kam dann sofort auf die Intensivstation – und er war dort schon nicht mehr bei Bewusstsein. Am Sonntag sagte man mir, dass er jeden Moment sterben könnte.

In der Nacht war ich noch einmal mit ihm in Armentarola gewesen, wo wir so viele glückliche Tage erlebt hatten. Ich las unserer Senta die schönen Geschichten aus meinem Armentarola-Buch laut vor. Immer wieder schickte ich ihm eine Nachricht durchs Universum, noch ein wenig durchzuhalten.

Ich wollte doch so gerne noch einmal mit ihm und Senta – mit meiner kleinen Familie – nach Armentarola reisen. Ich hatte die Reise schon geplant, von Neujellingsdorf aus, mit zwei Zwischenstopps in Hotels, die behindertengerecht waren und große Hunde akzeptierten. In allen Einzelheiten hatte ich überlegt, wie ich zuerst ihn und dann Senta ins Hotel bringen würde. Ich hatte gehofft, dass wir mit dem Schwenksitz fürs Auto alles bewältigen könnten. Der wurde dann aber leider nicht genehmigt.

Anfang März 2013 war unsere Situation so schwierig, dass ich einen Moment daran gedacht hatte, alleine mit Senta nach Armentarola zu reisen. Aber Hans Christian wollte nicht in ein Pflegeheim, und so beschloss ich, dass wir auf jeden Fall zusammen bleiben, alle drei – egal ob wir verreisen oder zu Hause bleiben. Auch wenn manche Leute meinten, ich sei verrückt. Ich stornierte daher die Buchung und hoffte, dass wir später fahren könnten.

Weihnachten3 061_3In dieser Nacht nun erinnerte ich mich an all die schönen Erlebnisse in Armentarola, dann schlief ich kurz und tief – bis das Telefon klingelte. Ich weiß nicht mehr, was die Ärztin alles gesagt hat, ich fragte sie nur, ob ich kommen sollte. Dieser Anruf dauert knapp zwei Minuten, dann rief ich Marlen an und unsere Freunde Jeanne und Wilfrid in Dinslaken. ich duschte, zog mich an und ließ Senta hinaus. Um 6 Uhr stand ich schon am Auto und wartete auf Marlen, die mich an diesem Tag begleiten würde. Sie war mir eine große Stütze, genau wie Jeanne und Wilfrid und unser Hausarzt, mit denen ich dann telefonischen Kontakt hatte.

Nach einer knappen Stunde Autofahrt erreichten wir Neustadt, wo uns ein heller Stern den Weg zur Klinik am Strand zeigte. In diesem Moment erinnerte ich mich an ein Gedicht, das uns vor ein paar Jahren eine Freundin geschenkt hatte: Rudern zwei ein Boot, der eine schaut nach den Sternen, der andere sorgt dafür, dass der Kurs gehalten würde.

Auf der Intensivstation lag Hans Christian an vielen Geräten angeschlossen. Bei der Morgenvisite berichtete die Ärztin der Nachtschicht dem Professor. Ich dachte, wie kann man nur so pessimistisch sein und sagte: Ein Forsbach gibt nicht so schnell auf, wir sind Optimisten. Die Geräte sind doch dazu da, den Menschen am Leben zu erhalten. Man kann doch nicht einfach abschalten, auch nicht, wenn ein Mensch dement wäre. Kurz darauf sagte mir der Oberarzt, dass Hans Christian im Sterben liegt. Wenn wir Kinder hätten, sollte ich die jetzt schnell benachrichtigen.

Draußen war es hell geworden, ein wunderbarer frühlingshafter Tag begann. Der Winter hatte Pause gemacht an Hans Christians letztem Tag. Mir fiel die Affirmationskarte ein, die in den letzten Wochen im Badezimmer hing, jeden Tag hatte ich sie Hans Christian vorgelesen: „Ich bin dankbar dafür, dass ich heute lebe. Es freut mich und ist ein Genuss, einen weiteren wundervollen Tag zu erleben.“
IMG_1659Marlen hatte mir gesagt, dass Sterbende noch alles hören, was man ihnen sagt. Und ich erzählte Hans Christian von dem hellen Stern, zu dem er jetzt fahren würde. Ich würde ihm dann jeden Abend zuwinken und lachen, wie es der kleine Prinz bei Antoine de Saint-Exupery gesagt hatte:

Und deine Freunde werden sich wundern, wenn du zum Himmel schauen und dabei lachen wirst. Dann wirst du ihnen sagen:
„Ja, die Sterne bringen mich immer zum Lachen!“
Und sie werden meinen, du bist verrückt.

Ich erzählte Hans Christian, dass wir direkt am Strand wären – immer, wenn wir am Meer waren, hatten wir ein Hotel direkt am Strand gewählt, auch diese letzte Station seines Lebens hatte eine solch wunderbare Lage. Wir würden eine Bootsfahrt hinaus aufs Meer machen, wo uns an diesem Morgen die Sonne golden entgegen strahlte. Er müsste nur nach den Sternen schauen, ich würde rudern, aber er dürfte jetzt einfach losfahren.

Am Ende, ganz am Ende, würde das Meer in der Erinnerung blau sein – so hieß es in dem Gedicht. Und ich erinnerte Hans Christian an all die schönen Reisen, die wir zusammen gemacht hatten, an Armentarola, wo die Berge im Abendrot so schön leuchteten, wo wir so viele schöne glückliche Tage erlebt hatten.

IMG_4621Immer hatten wir uns verziehen, wenn wir uns weh getan hatten. Und das taten wir an diesem Morgen auf der Intensivstation auch. In den letzten Tagen, Wochen, Monaten hatte es schlimme Situationen gegeben, die viel Kraft kosteten. Hans Christian wollte 100 Jahre alt werden, aber seine Helfer und ich sollten auch durchhalten bis dahin. An unserem letzten Abend zu Hause war wieder unsere alte Harmonie dagewesen und alles war vergeben. Jeden Tag hatten wir uns gesagt, dass wir uns lieb hatten.

Immer wieder hatte ich zu Hans Christian gesagt: Du bist beschützt. Man kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. In der Weihnachtszeit hatten wir jeden Tag den Chorsatz von John Rutter gehört „The Lord bless you and keep you – Gott segne und behüte dich“. Hans Christian hatte doch immer so viel Angst gehabt, die von seiner Kindheit im Krieg herrührte. Nun musste er keine Angst mehr haben. Mir fiel das schöne LIed „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ein, das wir vor einigen Jahren in Bamberg oft gehört hatten. Und ich sang ihm leise das gesamte Lied ins Ohr.

Dann fielen mir die kölschen Lieder ein, die ihm eine Freundin vor vier Jahren zum Mutmachen geschickt hatte: „Spaziergang durch Kölle“ – „Bei D’r Schwazze Madonna in d’r Koffergass“ und „Uns Kölsche Siel“:

Uns kölsche Siel, die kann uns keiner nemme,
die hät der Herrgodd deef en uns gelaht.
Un wä die sök, muss bes zom Hätze klemme,
denn do allein, do litt dä Schatz verwahrt.

Auf Hochdeutsch:
Unsere kölsche Seele, die kann uns keiner nehmen,
die hat der Herrgott tief in uns gelegt.
Un wer die sucht, muss bis zum Herzen klettern,
denn da allein, da, liegt der Schatz verwahrt.

Und da spürte ich es: Hans Christian war nach Hause gekommen.
Ich spielte noch ein Lied von Nana Mouskouri, das wir beide gerne mochten, aber mittendrin stellte ich es ab. Ich spürte es ganz deutlich: Hans Christian war friedlich eingeschlafen. Das war gegen 12.30 Uhr.

IMG_3353Ich schaute mich um auf der Intensivstation, aber niemand war da. Die Maschinen arbeiteten weiter, die Bettdecke hob und senkte sich. Bis zur nächsten Visite zog sich die Zeit dahin, auch wenn wir zwischendurch zum Strand gegangen waren. Hans Christian sollte nicht mehr kämpfen müssen gegen Medikamente in unglaublich hoher Dosis, die ihn am Leben erhielten, obwohl er schon gestorben war. Er hatte sich entschieden, zu gehen – auf seine letzte große Reise. Er würde sein Muttchen wieder treffen, seinen Bruder Wolfgang, der erst im letzten Jahr gestorben war, und auch endlich meine Mutter treffen, die er in unserem Leben leider nicht mehr kennengelernt hatte.

Am Abend fuhr ich zum Südstrand, um die Heizung in unserer Ferienwohnung anzustellen. Unsere Freunde würden kommen. Es war stockdunkel, als ich über die Strandallee fuhr, um die Ecke bog und mich dem Yachthafen näherte. Als ich an unserem Haus ankam, fuhr ein hell beleuchtetes Boot hinüber zum Hafen. Ich dachte: Nun fährt Hans Christian in den Heimathafen. Kaum hatte ich den Motor abgestellt, klingelte das Telefon und die Ärztin sagte mir, dass Hans Christian gerade gestorben sei.

Zu Hause fiel mir das Lied „Gemeinsam unterwegs“ ein, dass wir so oft auf unseren Reisen im Auto gehört hatten – auch das Erinnerungsalbum zu Hans Christians 70. Geburtstag hatte diesen Titel:

Wir sind gemeinsam unterwegs
Auf einer Reise durch die Zeit.
Wir steuern unser kleines Schiff
Im großen Meer der Ewigkeit.

Am Ziel der Reise irgendwann
Kommt unser Schiff im Hafen an.
Wir laufen ein mit letztem Schwung,
beladen mit Erinnerung.

Wir sind gemeinsam unterwegs
Auf einer Reise durch die Zeit.
Wir steuern unser kleines Schiff
Im großen Meer der Ewigkeit.