Dankbarkeit – mein Jahr 2015

IMG_0817Wirklich – ich kann mich nicht mehr erinnern, mit welchen Gefühlen ich in das Jahr 2015 gestartet bin. Ich erinnere mich nur an den Silvestertag 2014, als nach 8 Tagen das Telefon wieder ging, ich am Nachmittag Besuch von einer neuen Lektorin bekam, um 21 Uhr den Anruf einer neuen Autorin, bis kurz vor Mitternacht mit einer anderen Autorin über den Sinn einer gemeinsamen Besprechung mit der Lektorin gechattet hatte, um Mitternacht eigentlich ziemlich unglücklich war, das neue Jahr mit einer Diskrepanz begonnen, am zweiten Tag eine mehrstündige, letztlich erfolglose Besprechung mit Lektorin und Autorin durchgeführt hatte, ein paar Tage später das intensive Gefühl hatte, ohne ein professionelles Coaching all das nicht mehr bewältigen zu können. Es gab Buchpläne, aufgrund deren ich eine Lektorenstelle ausgeschrieben, drei Kandidaten probeweise eingestellt sowie einen Vertrag mit einer großen Verlagsauslieferung abgeschlossen hatte. Denn ich hatte das Gefühl, die anstehenden Veröffentlichungen nicht mehr mit den bisherigen Mitteln und Mitarbeitern bewältigen zu können. Und manches davon stellte sich später als Fehlentscheidung unter dem Druck der aktuellen Situation heraus.

Wie meine persönliche Lage am Neujahrstag 2015 war, weiß ich nur noch ungefähr: mein Mann war noch kein Jahr tot, ich war noch voller Trauer, hatte Silvester letztlich alleine verbracht, wurde am Neujahrstag vom Anruf einer mitfühlenden Bekannten geweckt und rief daraufhin eine alleinstehende Bekannte an, weil ich mir erwiesene Wohltaten immer gerne weitergab, telefonierte einige Stunden mit anderen Bekannten, bis ich am Abend ermattet ins Bett fiel – ohne zu mir selber gekommen zu sein. Beim obligatorischen „Traumschiff“ war ich sicherlich eingeschlafen, wie auch heute – nur dass ich am Neujahrstag 2016 den deutlichen Impuls verspürte, noch einen Rückblick auf mein Jahr 2015 zu verfassen, nachdem ich den heutigen Tag ganz nach meinen Wünschen verbracht hatte. Und ich habe heute das Gefühl, zu mir selber gefunden zu haben, seit einigen Monaten wieder glücklich leben zu können.

Anfang Januar sprach ich mit einem Coach über ein Buchprojekt. Am nächsten Tag schrieb ich ihm: „Mein Leben hat sich ja im Laufe des vergangenen Jahres stark verändert, dazu ist mein Verlag, den ich Anfang 2011 gegründet habe, in einer aufregenden Entwicklungsphase. Auch wenn ich schon 62 bin, denke ich, dass ich mit Ihrer Unterstützung und Inspiration noch viel mehr erreichen kann – denn ich liebe den Erfolg!“ Ich lernte, die „Glücksformel“ für mein Leben anzuwenden: „Tue immer mehr von dem, was Dir gut tut. Tue immer weniger von dem, was Dir nicht gut tut.“ Mir ging es darum, wie ich mein Leben mit meinem Verlag (und meinem Hund) so schön gestalte, dass ich möglichst viel Spaß an allem habe: An der Arbeit, den Autoren und Lektoren, den Büchern, meinem eigenen Schreiben – und dem sonstigen Leben.

In den nächsten Monaten folgten Niederlagen und Höhepunkte in meinem Leben als Verlegerin: Schöne Erfolge mit einigen Büchern, finanzielle Misserfolge, das Gefühl, ausgenutzt worden zu sein, ein Buchprojekt, das mich emotional sehr viel Kraft kostete, Vertragsauflösungen, die für mich oft einen Tiefpunkt bedeuteten – und schließlich das Gefühl, eigentlich nie die eigenen Wünsche und Bedürfnisse erfüllen zu können, weder in Bezug auf Buchprojekte noch in Bezug auf das private Leben.

Nur ganz wenige Wegbegleiter waren immer für mich da: Meine „Hundefreundin“ mit ihrer Jenny begleitete mich auf vielen Spaziergängen und nahm meine Senta bei sich auf, als ich ab Ende April mehrfach nach Bamberg zu meinem früheren Zahnarzt fuhr und im September in der Uniklinik war. Mein ältester Freund half mir in vielen juristischen Fragen, meine erst 2013 gefundene Familie aus Hamburg machte sogar Urlaub in Neujellingsdorf und war eigentlich immer für mich da. Und meine Berner Sennenhündin Senta wurde zu meiner geliebten Seelengefährtin – sie half mir in den Tagen der Trauer und machte mir insgesamt viel Freude, allerdings zeigte sie mir auch, dass sich das Leben nicht so schnell weiter entwickelte, wie ich es mir oft wünschte. Ich hatte Geduld zu lernen.

Ich trennte mich im vergangenen Jahr von einigen Menschen. Es gab heftige Erschütterungen, krisenhafte Zeiten und viele schlaflose Nächte. Ich lernte, mich für bestimmte Wege zu entscheiden, auch wenn es nicht immer besonders angenehm war. Heute, am Neujahrstag 2016, spüre ich viele Veränderungen, die ich nie durchlebt hätte, wenn ich nicht so viele positive und negative Erfahrungen gemacht hätte. Gewiss hätte ich mir einige Erlebnisse ersparen können, aber erst durch die Schwierigkeiten, die ich überwunden habe, bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

Insofern bin ich allen Menschen dankbar, denen ich im letzten Jahr begegnet bin – egal ob es beglückende und erfüllende Erfahrungen waren oder Konflikte, die letztlich zur Trennung geführt haben.

Ich habe gelernt, dass die schlimmste Enttäuschung über einen Menschen niemals so schlimm ist, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann. Finanzielle Einbußen, die aufgrund falscher Einschätzung von Menschen und Situationen entstanden sind, beeinträchtigen mein Leben kaum, denn sie stellen für mich eine Herausforderung dar, es nunmehr besser zu machen. Und so kann mich ein finanzieller Rückschlag nicht mehr erschüttern – habe ich doch die Gewissheit, aus jeder Situation wieder herauszufinden und meinen Zielen näherzukommen.

„Wenn sich eine Tür schließt, so öffnet sich eine andere“, diese Erfahrung habe ich mehrfach im vergangenen Jahr gemacht. Nicht nur in Bezug auf Mitarbeiter in meinem Verlag, sogar im ganz persönlichen Bereich von Familie und Freunden habe ich das erlebt: Ich habe nach ca. 60 Jahren eine Cousine wiedergefunden, die wie eine Schwester für mich ist. „Du bist ein Glücksfall für mich“, sagte sie mir erst kürzlich. Was kann es Schöneres geben, als ein „Glücksfall“ für einen anderen Menschen zu sein. Ich habe neue Freunde gefunden, die mich unterstützen und begleiten – das ist etwas, was ich in den letzten Jahren selten erlebt habe. Zwar war die Liebe zu meinem verstorbenen Mann groß gewesen, doch ich hatte in den letzten Jahren die ganze Verantwortung für ihn und unser Leben übernommen.

Seit Ende 2008 hatte ich Schweres zu tragen und war stark geworden – nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so habe ich seit September 2014 insgesamt ca. 20 Kilo abgenommen, ohne Diät und bei einem Leben mit Genuss. Ich fühle heute eine große Leichtigkeit, in Bezug auf mein Gewicht und mein Leben. Ende 2015 bekam ich die Anregung, noch einmal Klavierunterricht zu nehmen. Schon seit einigen Monaten hatte die Musik wieder einen großen Stellenwert in meinem Leben bekommen – daraus hat sich eine ganz neue, ungewohnte Lebensqualität entwickelt. Ich laufe täglich mit Senta, meiner Berner Sennenhündin, meist 8-10 km, fast jeden Tag zum Meer, und diese täglichen Impressionen von Sonnenuntergängen, frischer Luft und dem Blick aufs Meer wirken sich positiv auf meine Gesundheit aus.

Im Sommer fuhr ich das erste Mal in die Berge, nach Seefeld/Tirol, wo ich auch über Weihnachten einige Tage verbracht habe. Mehrfach war ich in Bamberg, wo ich früher einige Jahre gewohnt habe und nun noch meinen damaligen Zahnarzt besuche. Die Behandlung wäre längst abgeschlossen, wenn ich nicht im September gestürzt wäre und mir einen vierfachen Unterkieferbruch zugezogen hätte. Die damit verbundenen 12 Tage in der Uniklinik hatten die Konsequenz, dass ich mir meiner positiven Einstellung und meines unbedingten Willens zum Gesundwerden bewusst wurde. Ich lief auf dem Klinikgelände jeden Tag ca. 8 km und war – trotz heftiger Blutergüsse im Gesicht – kurz nach der Entlassung in der Lage, zu einem Konzertbesuch nach Berlin zu fahren.

Außerdem machte ich die Erfahrung, dass Senta ein paar Tage alleine zu Hause bleiben konnte, versorgt vom Tierservice, und ich fortan auch mal kleinere Reisen planen konnte. So fuhr ich im November nach Düsseldorf, um Sonja Volk, eine Autorin meines Verlages bei ihrer Vorstellung ihres Buches Gedankenpower in einer großen Buchhandlung zu erleben. Danach konnte ich meine Freunde in meinem ehemaligen Wohnort am Niederrhein besuchen – erstmals nach mehr als vier Jahren. Nach der Rückkehr plante ich dann meinen Weihnachtsurlaub in Seefeld.

Mehr und mehr lernte ich auch, mich von Menschen zu verabschieden, die mir nicht gut taten. Ich lasse mich von niemandem mehr unterkriegen und bin nicht mehr bereit, etwas für Menschen zu tun, die das nicht würdigen. Einige Male habe ich die Zusammenarbeit aufgekündigt, ohne Angst vor den Konsequenzen. Ich kann gut loslassen, es bereitet mir keinen Schmerz mehr, denn die entstandenen Spuren sind jedes Mal Wege in eine bessere Zukunft. Mein unerschütterlicher Optimismus, mein positives Denken, meine grundsätzliche Überzeugung vom Guten im Menschen und mein Vertrauen in jeden Menschen, mit dem ich zu tun habe, helfen mir dabei. Und so habe ich im vergangenen Jahr trotz einiger Rückschläge auch große Erfolge erlebt.

Mein Autorenseminar auf Fehmarn war ein solcher Erfolg, dem in diesem Jahr mehrere weitere Seminare folgen werden. Ich erlebe einen stetigen Zuwachs an Bekanntheit in den sozialen Netzwerken, viele schöne Kontakte sind entstanden, viele Buchprojekte geplant worden. Und so finden auch meine eigenen Texte mehr und mehr Anklang bei immer mehr Menschen. Darüber bin ich besonders glücklich, war es doch von Anfang an mein Ziel, durch meinen eigenen Verlag positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen und (angehende) Autoren anregen und inspirieren zu einem guten Leben und guten Büchern. Mein Buch „Der Traum vom eigenen Buch“ hat sich zu einem heimlichen Bestseller meines Verlages entwickelt und bringt mir auch im Buch-Coaching-Bereich immer wieder neue Kunden.

Und schließlich entwickelt sich mein ursprünglich geplanter Schwerpunkt „Musik“ in meinem Verlag: Nachdem ich zu Weihnachten 2014 meine Dissertation neu publiziert hatte, kam im Herbst 2015 mein erstes Fachbuch neu heraus, und im nächsten Jahr sind gleich mehrere Veröffentlichungen im Musikbereich geplant. Ich habe meine Websites neu gestaltet und von einem professionellen Webmaster einrichten lassen. Seit Februar werden die Bücher von einer Verlagsauslieferung verschickt, die alle Bestellungen abwickelt. So bin ich weitgehend vom Paketepacken und Schreiben von Rechnungen befreit. Ich arbeite mit mehreren großen Druckereien zusammen und lasse zunehmend größere Auflagen unserer Bücher herstellen. Diese Investitionen werden sich hoffentlich in 2016 auszahlen.

In diesen Tagen ziehe ich mit fast 5000 Büchern meines Verlages um zu einer neuen, kleineren Verlagsauslieferung – ich habe mich dafür entschieden, um für die Zukunft bessere Möglichkeiten zu haben, auch wenn es dadurch im Vorweihnachtsgeschäft einige Einbußen gegeben hat. Aber ich habe gelernt, dass finanzielle Einbußen durchaus positive Nebenwirkungen haben können. In der neuen Verlagsauslieferung erfahre ich bereits jetzt eine individuelle Betreuung durch den Chef und die Mitarbeiter. Ich habe gelernt, mich zu entscheiden, für oder gegen Dinge und Menschen, auch wenn es unangenehm ist. Und so sehe ich voller Zuversicht dem fünfjährigen Verlagsjubiläum am 11. Februar 2016 entgegen.

In den letzten Tagen des alten Jahres habe ich mir darüber Gedanken gemacht, worauf es in meinem Leben wirklich ankommt, was ich noch erreichen möchte, was und wer mir wirklich wichtig ist, was und wer nicht mehr zu mir gehört. Dieser letzte Punkt war am schwierigsten für mich, erfordert er doch einige Konsequenzen. Die Überlegung aber, was für mich wirklich Sinn ergibt, klärt vieles, was ansteht. Mir geht es darum, meinen Verlag weiter zu entwickeln und positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen helfen, besser zu leben, auch durch mein Vorbild.

Meine Wünsche für 2016 im persönlichen Bereich sind: Gesund und fit zu bleiben, Musik zu machen und zu hören, richtig gut Klavier spielen zu lernen, Zeit für mich und für mein Leben zu haben, meine eigenen Bücher endlich schreiben zu können, Urlaub zu machen an den für mich schönsten Orten der Welt, die Beziehungen zu den Menschen zu pflegen, die mir am nächsten sind. Ich halte es mit Louise Hay, die gesagt hat:

„Das Leben ist ganz einfach.
Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Nun ist das neue Jahr inzwischen schon mehr als 24 Stunden alt – es war mir ein Bedürfnis, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick aufzuschreiben. Vor allem aber auch, meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, den Menschen gegenüber, die mich im vergangenen Jahr 2015 begleitet, ermutigt und immer wieder zum Weitermachen motiviert haben, denn Aufgeben war niemals eine Option für mich.

Ich bedanke mich bei Ihnen, den Lesern meines Blogs für Ihr treues Folgen und Ihre zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Sie auch im Jahr 2016 weiter dabei sind.

Für das neue Jahr 2016 wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

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Mutprobe – Brüche im Leben

Leben_ist_Mee(h)r_2015(2).indd Ende August hatte ich einen Spruch gepostet: „Ich wage immer wieder Neues und habe den Mut, etwas zu tun, was ‚man‘ im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt tut.“ Das hatte Folgen: Ich hatte zwei Freundinnen zum Ausritt auf dem Ponyhof Wallnau angemeldet – ich wollte das nur fotografieren. Nun wurde ich „bearbeitet“ und habe mich auch angemeldet.

Alle Argumente nutzten nichts: „Aber ich bin doch seit meiner Kindheit nicht mehr geritten – und da vor allem auf der Kirmes“ – „Ganz ehrlich, ich bin da ein wenig skeptisch, das zu machen. Ich müsste ja im Grunde erstmal eine ganz normale Reitstunde nehmen.“
Die Reitlehrerin meinte, die Ponys seien ganz lieb. Und mir fiel ein: Ich bin in der 1980er Jahren mal auf Santorini mit einem Maulesel den Berg hochgeritten.

So kann es einem ergehen, wenn man seine Freunde dazu motivieren will, etwas zu tun, was man im „fortgeschrittenen Alter“ nicht unbedingt tut.

Am 1. September war es dann soweit: ich saß auf einem Riesen-Pony und es ging los zum Ausritt. Was macht man, wenn man auf einem Pony sitzt und keine Ahnung hat, wie man das lenken soll? Leider zeigte es mir niemand – ich fühlte mich höchst unwohl, als ich zentimeternah an einem Straßenschild vorbei ritt. Wir ritten an der Straße entlang und ich dachte, was mache ich jetzt, wenn das Pony auf die Felder ausbricht? Irgendwann rief mir jemand zu, wie ich die Zügel halten sollte, und wie ich das Pony dazu bringen könnte, nach links oder rechts zu gehen. Am Strand fand ich das dann noch schlimmer. Und wenn man jetzt denkt, ein solches Pony ist ganz brav in der Gruppe: das Pony der Anführerin brach aus, und sie bekam es kaum noch wieder in den Griff – als sicherlich erfahrene Reiterin. Mir wurde noch unwohler, kalte Angst packte mich.

DSC_1966 DSC_1968 DSC_1972Aber Angst haben bringt nichts. Also habe ich mich darauf besonnen, was ich kann. Es war ja ein Tier, kein Auto. Erfahrungen habe ich nur im Umgang mit Senta, meiner Bernersennen Hündin. Also habe ich versucht, mit Snoopy Kontakt aufzunehmen, Energien zu senden und habe einfach mit ihm gesprochen. Danach konnte ich den Rückritt ein wenig genießen. DSC_198911943348_850975288343230_1939596312_nIch kam heil wieder nach Hause und schwor mir, niemals mehr eine solche „Mutprobe“ zu absolvieren. Auf dem Pony merkte ich deutlich, dass ich hier die Situation nicht mehr selbst beherrschen konnte – das muss nicht mehr sein in meinem Alter. In meinem ganzen Leben bin ich bisher nie solche Risiken eingegangen. Ich liebe es, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben – so wie im Sommer bei meiner Bergtour in Seefeld. Als ich früher noch Ski fuhr, bin ich zwar schnell und auf steilen Abfahrten gefahren, wählte aber immer den sicheren Weg, und ging vor allem den unberechenbaren Anfängern aus dem Weg. Noch nie hatte ich mir etwas gebrochen, nur im vorigen Jahr mal den kleinen Finger. Der war aber schnell wieder geheilt, nachdem ich den Gips aus dem Krankhaus abgelegt hatte und mit einer einfachen Lösung meines Hausarztes auskam.

Ich erklärte meinen Freundinnen, dass ich eine solche Mutprobe nie mehr machen würde – zu wertvoll ist mir meine Gesundheit. Und als selbstständige Unternehmerin kann ich auch nicht einfach „krank feiern“.

IMG_8507Es war nur drei Wochen später, als ich beim Einkaufen einfach hinfiel. Geradeaus nach vorne – über einen Bordstein gestolpert – einfach der Länge nach hingeschlagen. Ohne jegliche Vorwarnung. Ich war nicht bewusstlos, sah den Erdboden auf mich zukommen beim Sturz. Es floss viel Blut, und ich merkte, dass etwas zerbrochen war in meinem Mund. Sonst spürte ich nichts Schlimmes, die Brille war heil geblieben, die Knie taten nicht weh. Offenbar war ich einfach auf das Kinn gefallen – und auf die rechte Schulter. Das tat weh. Der Rettungswagen brachte mich ins Krankenhaus – ich hatte höllische Schmerzen.  Meine größte Sorge war mein Handy, das unaufhaltsam auf den Zustand eines leeren Akkus zusteuerte – gerade am Tag zuvor hatte ich das neue Betriebssystem installiert. Ich rief meine Nachbarn an, die den Autoschlüssel abholten und mein Auto nach Hause brachten. Denn der Arzt hatte verfügt, ich müsse in die Uniklinik Lübeck.

Aber meine Senta saß zu Hause und wartete auf mich – ich war doch nur eben zum Einkaufen auf dem Markt gefahren. Der Computer war noch an – es war an diesem Morgen eine riesige Freude für mich gewesen, dass unsere Neuerscheinung „Gedankenpower – Gesund durch mentales Selbstmanagement“ angeliefert wurde. Ich hatte es noch schnell bei Facebook gepostet, eine Widmung für die Autorin Sonja Volk ins erste Buch geschrieben und das Päckchen zur Post gebracht, bevor ich zum Markt fuhr. Zum Glück erreichte ich Marlene, meine Therapeutin, die zu meinem Haus fuhr, das Ladekabel, einen Schlafanzug und einen Bademantel holte. Dann ging es im Krankenwagen nach Lübeck.

IMG_9455 Dort wurde ein vierfacher Unterkieferbruch diagnostiziert und am nächsten Tag operiert. Ich wurde für 10 Tage „ruhig gestellt“ – konnte Nahrung nur mit dem Strohhalm zu mir nehmen und kaum sprechen – das war das Schlimmste für mich. Mein iPhone war meine einzige Verbindung zur Außenwelt. Senta wurde vom Tierservice zu Hause versorgt – meine „Hundefreundin“ war noch ein paar Tage im Urlaub. Als sie zurück war, brachte sie mir mit ihrem Mann einige meiner Bücher und notwendige Sachen – und nahm Senta zu sich.

IMG_9528Die Bücher und die Musik aus dem Internet waren für mich die Quelle für mein positives Denken und die schnelle Genesung – und der wunderschöne Blumenstrauß, den mir ein Freund geschickt hatte. Ich sagte von Anfang an: das ist jetzt die praktische Prüfung zu „Gedankenpower“ und ging alles positiv an – bis in den OP-Saal, wo ich noch kurz vor dem Einschlafen Witze machte. Sonst ist das gar nicht so meine Art.

Natürlich fragten einige eher esoterisch ausgerichtete Freunde nach den Ursachen des Sturzes. Jemand meinte einfach: „Shit happens“ – und dabei blieb es erst einmal. Obwohl ich mir gesagt hatte, ich bin gestürzt, weil ich so glücklich war an diesem Vormittag. Kann das sein? Ich habe mir noch nie etwas gebrochen – und nun gleich ein vierfacher Unterkieferbruch mit schwerwiegenden Folgen – ich sah tagelang aus wie richtig verprügelt. War ich aber nicht – ganz im Gegenteil. Selbst die Deutungen von meiner sehr geschätzten Louise Hay trafen diesmal nicht zu.

Trotzdem waren es Brüche in meinem Leben – im Bewusstsein großen Glücks hatte ich auch Stress empfunden, wegen einer anstehenden Arbeit und den möglichen Folgen daraus, die ich erst viele Wochen später wirklich einschätzen konnte. Ich hatte noch zwei Stunden daran gearbeitet, war dann erst ganz spät – oder besser gesagt früh – im Bett gewesen, hatte am Morgen nicht ausgeschlafen, als der Paketbote klingelte. Dann die riesige Freude über das schöne neue Buch. Ich hatte nichts gegessen und war so zum Einkaufen gefahren.

Das Leben hat mich auf die Probe gestellt – das denke ich heute darüber. Und ich habe bewiesen, dass ich auch plötzlich auftretende Hindernisse überwinden kann. In der Klinik waren alle überrascht über meine positive Haltung – ich habe am Tag nach der OP Schmerzmittel abgelehnt und dann begonnen mit dem täglichen Lauftraining.

IMG_9543„Du kannst es!“ – sagt Lousie Hay. Und ich konnte es tatsächlich: ich bin fast jeden Tag acht Kilometer gelaufen, um wieder fit zu werden. Ich habe tapfer die Suppen – Fruchtsuppe, Tomaten-, Spargel-, Champignonsuppe – gegessen, dazu Trinkyoghurt und Sahnequark, um wieder zu Kräften zu kommen. Und tatsächlich schaffte ich es, wenige Tage nach der Entlassung aus der Klinik, zu einem wunderschönen Konzert nach Berlin zu fahren.

IMG_8583Zwei Wochen später habe ich mein Autorenseminar auf Fehmarn geleitet – ohne dass man noch einen Flecken im Gesicht entdecken konnte. Inzwischen kann ich schon wieder besser essen, und ich habe weitere 5 kg abgenommen, was ich auch wollte. Bald ist alles ausgeheilt und dann können meine demolierten Zähne gerichtet werden.

Mein Spruch „Ich wage immer wieder Neues und habe den Mut, etwas zu tun, was ‚man‘ im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt tut.“ passt auch – aber ich denke, dass man es mir nicht unbedingt nachmachen muss – weder in Bezug auf die Mutprobe beim Reiten noch in Bezug auf den Sturz und den Unterkieferbruch, wodurch ich mein Ziel beim Abnehmen erreicht habe.

Ob Sie es glauben oder nicht – in der Klinik habe ich viele glückliche Stunden erlebt, die die Schmerzen erträglich machten und die Heilung förderten. Sei es ein wunderschöner Blumenstrauß, liebevolle Karten, Grüße von Facebookfreunden oder Besuche von Freunden und Verwandten. Ärzte und Pflegepersonal waren ausgesprochen freundlich – vielleicht auch, weil ich immer freundlich und positiv war?

Einige Bücher aus meinem Verlag, insbesondere unsere Neuerscheinung „Gedankenpower – Gesund durch mentales Selbstmanagement“ von Sonja Volk haben mir Mut gemacht und das positive Denken gefördert.

Diese „Brüche im Leben“ bedeuteten für mich einen Wechsel der Lebenssituation, über den ich noch heute sehr froh bin.

 

Brahms – Endlich loslassen

Brahms-SonatenEin Freund hatte mich eingeladen zu diesem Konzert: Die drei Sonaten für Violine und Klavier von Johannes Brahms, gespielt von dem spanischen Geiger Abel Tomàs und dem israelischen Pianisten Amir Katz.

Schon lange hatte ich tief in mir gespürt, dass sich vieles änderte in meinem Leben. Ich wollte sie loslassen – meine Geige, die ich seit nunmehr 40 Jahren besitze. Eine wunderschöne französische Violine des Geigenbauers Georges Apparut aus dem Jahr 1944 – 71 Jahre alt ist sie inzwischen. Ich hatte lange gespart, neben dem Studium gejobbt und sie mir dann gekauft, um mein Examensprogramm im November 1975 auf einer wirklich schönen Violine spielen zu können: Die erste Solosonate in G-moll von Johann Sebastian Bach, die Romanze F-dur von Ludwig van Beethoven – und die Sonate G-dur von Johannes Brahms.

Schon im Januar 2007 hatte ich während der Mozartwoche in Salzburg einen ganz jungen Geiger erlebt, der das Violinkonzert G-dur von Wolfgang Amadeus Mozart so schön spielte, dass mir die Tränen vor Rührung kamen – und vor Wehmut, denn dieses Konzert hatte ich auch in meinem Studium an der Kölner Musikhochschule gespielt. Damals wusste ich noch nicht, dass schwere Jahre auf mich zukommen würden, in denen ich meine schöne Violine kaum noch in die Hand nehmen würde.

Irgendwann in diesem Sommer sah ich Anne-Sophie Mutter im Fernsehen – begleitet von ihren jugendlichen Musikern – und ich entschloss mich, meine Geige loszulassen, damit künftig jüngere Musiker darauf spielen könnten. Die Stiftung von Anne-Sophie Mutter hatte gerade ein Instrument erworben und verwies mich an die Deutsche Stiftung Musikleben in Hamburg. Irgendwann im August hörte ich Anne-Sophie Mutter mit der Violinromanze F-dur von Beethoven im Radio – und wollte diesen Blog schreiben. Aber so einfach ist das nicht mit dem Loslassen.

IMG_8173Warum eigentlich? Warum möchte ich meine schöne alte Geige verkaufen? Ich habe sehr schöne und auch schwere Stücke gespielt – vor 40 Jahren. Heute könnte ich, wenn überhaupt, nur noch ganz einfache Stücke spielen, aber mit wem? Ein Geiger braucht (fast) immer andere Musiker, um Musik zu machen: einen Pianisten, Quartettpartner oder ein Orchester.

Die Romanze habe ich vor vielen Jahren öffentlich mit einem Kammerorchester aufgeführt – heute wäre das undenkbar für mich, nicht nur wegen meines aktuellen Wohnortes auf der Insel Fehmarn. In Liebhaberorchestern und mit Feierabend-Streichquartetten möchte ich nicht (mehr) spielen. Zu engagiert war ich während der Studienzeit in ambitionierten Jugendorchestern und ehrgeizigen jungen Streichquartetten, in denen ich gerne die Bratsche spielte. Meine Bratsche aber habe ich bereits vor über zehn Jahren verkauft, an eine begabte junge Musikerin, die sehr glücklich über das schöne Instrument war.

Ja und außerdem habe ich in den letzten Jahren meine Berufung gefunden: das Glück des Büchermachens. Die Musik war ganz in den Hintergrund getreten, auch wegen der Krankheit meines inzwischen verstorbenen Mannes. Am Himmelfahrtstag 2014 hatte ich sie für mich wiederentdeckt, als die Frage gestellt wurde: „Was ist der Himmel für dich?“ Ich habe damals geantwortet: „Für mich bedeutet er Freiheit, Liebe, Grenzenlosigkeit – und Musik.“

Seite18 aus Leben_ist_Mee(h)r_2015Nun also bekam ich die Einladung zu diesem Konzert, in dem die drei Brahms-Sonaten gespielt werden sollten. Brahms ist seit eh und je mein Lieblingskomponist, und die Sonate G-dur, die sogenannte „Regenlied-Sonate“, liebe ich seit Jahrzehnten, nicht nur, aber auch, weil ich sie selber gespielt hatte.

Bei jedem Glück gibt es einen Wermutstropfen – mir wurde klar, dass der Konzerttermin, der 10. Oktober, mit dem „Kennenlerntag“ zusammenfiel, den ich immer mit meinem verstorbenen Mann gefeiert hatte. Anscheinend muss das Leben uns erst immer Schmerzen bereiten, bevor wir wirkliches Glück empfinden können. So hatte ich in einem Blogartikel geschrieben:

„Ich glaube allerdings, dass Glück ohne Trauer gar nicht sein kann –
nur wer auch die Schattenseiten erlebt hat, kann wirkliches Glück empfinden.“

Nach einem Sturz und längerem Klinikaufenthalt mit schmerzhaftem Unterkieferbruch gab es für mich nur ein Ziel: dieses wundervolle Konzert am 10. Oktober mit den Brahms-Sonaten zu erleben. Vielleicht wäre das Glück ohne diesen Unfall zu selbstverständlich geworden? In der Klinik hatte ich viel Zeit zum Nachdenken – über das Loslassen. „Indem ich die Vergangenheit loslasse, können Neues, Frisches und Vitales eintreten“, las ich in einer Affirmation von Louise Hay – wodurch ich erst einmal aufmerksam wurde, dass es etwas zum Loslassen gab. „Liebevoll lasse ich die Vergangenheit los. Die anderen sind frei und ich bin frei. Alles ist gut in meinem Herzen“, hieß es in einer Affirmation gegen Schmerzen.

Nicht nur meine Geige würde ich loslassen an diesem Tag – auch die Ehe mit meinem verstorbenen Mann: „Bis dass der Tod uns scheidet“ – hatten wir uns bei der Trauung versprochen, als wir uns die Ringe aufsetzten. Auch wenn ich es noch so sehr gewollt hätte, es hätte nichts genützt. Diese Ehe ist vorbei. Was geschehen ist, ist vorbei und lässt sich nicht mehr ändern. Nach Hans Christians Tod hatte ich seinen Ring an mich genommen und meinen weiterhin getragen. Trauer, Ängste, Schuldgefühle hielten mich immer noch ein wenig in der Vergangenheit fest. Nunmehr haben beide Ringe einen sehr schönen Platz bekommen.

Loslassen hat immer auch mit Abschied zu tun: Abschied von der Jugend- und Studienzeit, Abschied von Sachen, Abschied von Überzeugungen und Ideen, Abschied von einer Ehe, von einer glücklichen Lebensphase, Abschied von einer schlimmen Zeit, Abschied von einem geliebten Menschen.

Aber jedem Abschied folgt am Neubeginn. So zitierte ich wieder einmal aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

IMG_8168Am Abend dann endlich das Konzert – in der zweiten Reihe war ich den beiden großartigen Musikern Abel Tomàs und Amir Katz ganz nah. Sie begannen mit der Sonate G-dur von Johannes Brahms, der Regenlied-Sonate. Unglaublich – ich konnte mich an jeden einzelnen Ton, an jeden Zusammenklang, an jede winzige Emotion in diesem Stück erinnern. 40 Jahre war es her, dass ich dieses Stück mit einem begnadeten Pianisten in der Kölner Musikhochschule gespielt hatte – aber statt Wehmut und Trauer erfüllte mich ein unglaubliches Glücksgefühl, ein inneres Strahlen über die Schönheit dieser Musik und die so lebensvolle und emotionale Interpretation durch die beiden jungen Musiker.

IMG_8171Es folgten die Sonate A-dur und nach der Pause dann die Sonate D-moll – die beiden Musiker steigerten sich nochmals – es war ein absoluter Höhepunkt dieses wunderschönen Abends. Der Applaus wollte gar kein Ende nehmen, und so gab es als Zugabe noch ein Scherzo von Brahms und ein ruhiges, besinnliches Abendlied.

IMG_8172Am Ende dieses Konzertes hatte ich losgelassen – es war überhaupt nicht schwer. In der Konzertpause formulierte ich meinen Wunsch ans Universum, ans Leben, das einem doch immer alle Wünsche erfüllt:

Ich möchte einen jungen Musiker finden, der auf meiner schönen Geige wundervolle Musik spielt. Vielleicht kann er sich die Geige selber kaufen, oder es findet sich ein Musikliebhaber, der ihm diese Geige zur Verfügung stellt. Ich weiß schon jetzt, dass nicht der Geldbetrag den Ausschlag geben wird, wem ich meine Geige verkaufe, sondern eine andere Währung: die des Herzens – und die der Musik.

IMG_8170 IMG_8169Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Loslassen an sich gar nicht schmerzhaft ist. Wirklich schmerzhaft ist die lange Zeit davor, in der man zögert, die Entscheidung darüber zu treffen.

Wenn wir dann endlich losgelassen haben, bekommen wir wieder Energie für Neues. Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass sich alles, was uns umgibt, ständig verändert, können wir den Wandel begrüßen! In jedem Moment ändert sich unser Leben, ohne dass wir Einfluss darauf haben. Ständig bekommen wir neue Ideen, lernen neue Menschen kennen, erleben neue Situationen, von denen wir uns bereichern lassen können.

IMG_9741Ich habe heute Abend eine wunderbare Abendstimmung am Meer erlebt, die zu meiner heutigen Stimmung passte. Eine Facebook-Freundin schrieb dazu:

„Abendfrieden. Nur dasitzen und warten, bis die Sonne untergeht.
Da hat kein störender Gedanke mehr Platz.“
(Helga Mildenberger)

Ja, so ist es auch nach dem Loslassen.
Und dann kann man Brahms wieder mit ganz anderen Ohren hören.

IMG_9743„Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser;
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die Seele schläft nicht

DissertationKurz nach Mitternacht bin ich auf dem Sofa erwacht – auf dem Weg ins Bett ging es mir durch den Kopf, dass dieser 10. September ein besonderes Datum ist.

Ja, es war heute ein ganz besonderer Tag für mich. Am Nachmittag habe ich – zum ersten Mal diesen Sommer, wahrscheinlich an einem der letzten warmen Sommertage – in der Eisdiele in Burg ein „Schokovergnügen“ genossen, um diesen Tag zu feiern.

IMG_9205Auf der Treppe fällt mir ein, dass der 10. ein besonderes Datum ist: Vor einem Jahr und sieben Monaten, am 10. Februar 2014, ist mein Mann Hans Christian verstorben. So viel hat sich inzwischen ereignet. Ich habe begonnen, mein neues Leben zu genießen und wieder glücklich zu sein.

Aber was war da noch? Dann fiel es mir ein und ein Blick ins Buch bestätigte das:
Am 10. September 2005, vor genau 10 Jahren, erhielt ich mein erstes Buch, meine Dissertation, während unseres Urlaubs in Armentarola, meinem Traumort in den Dolomiten.

In meinem Buch „Der Geist von Armentarola“ habe ich diesen Tag beschrieben:

Erst im September 2005 fuhren wir wieder für zwei Wochen nach Armentarola. Inzwischen war ich promoviert worden und hatte meine Dissertation für die Publikation aufbereitet.
Am 10. September 2005 saßen wir auf der Terrasse und schrieben Ansichtskarten. Als ich an der Rezeption Briefmarken kaufen wollte, lag dort ein Päckchen für mich: Mein Verleger hatte mir mein erstes Buch nach Armentarola geschickt!
Hans Christian und ich freuten uns riesig, zur Feier des Tages stießen wir in der Bar mit einem Glas Champagner an.
Unsere Freude blieb nicht verborgen: Gäste und Hotelangestellte freuten sich mit uns und gratulierten mir zu dem Buch. Es dauerte nicht lange, bis Waltraud Wieser in die Bar kam und ebenfalls gratulierte.
Wie hatte sie so schnell davon erfahren?
Das kann nur der Geist von Armentarola gewesen sein …

Am nächsten Vormittag luden uns Franz und Waltraud Wieser zu einer kleinen Feier ein, es gab bunte Häppchen und Champagner.
Der Chefkoch Dr. Norbert Egger kam dazu, und Frau Wieser sagte: „Das Buch von Frau Dr. Forsbach ist etwas für Deine Frau!“
Dr. Claudia Egger war Schuldirektorin für die Schulen im ladinischen Sprachraum und von daher sehr an Ideen der Schulreform interessiert.
Sie kam wenige Tage später zu einem Kennenlerngespräch bei Kaffee und Kuchen ins Hotel. Von der ersten Minute an verstanden wir uns glänzend. Sie wurde die erste Käuferin meines ersten Buches.
Und seitdem treffen wir uns jedes Mal, wenn wir in Armentarola sind, zusammen mit Hans Christian zu einem „Pädagogischen Kaffeeklatsch“. Wir tauschen Ideen und Erfahrungen aus, und Norbert sorgt durch kulinarische Überraschungen stets für eine gute Stimmung.
Da hat der Geist von Armentarola eine schöne Verbindung geschaffen …“

Eigentlich hatte ich mir gewünscht, in diesem Jahr am 10. September in Armentarola zu sein. Es hat nicht geklappt, ich habe es nicht vermisst, und trotzdem bin ich heute glücklich.

Und eines Tages werde ich wieder dort sein …

IMG_5515Vorgestern fand ich das Foto von Louise Hay und ihrem neuen Freund, das ihr Verlagsleiter ins Netz gestellt hat. Liebe mit 88 – das ist einfach großartig.

Den Text „Behandlung durch Liebe“ bekamen mein Mann und ich 2012 von seiner Therapeutin zu Weihnachten geschenkt. Er sprach uns sofort an. Ich fand heraus, dass er aus dem Buch „Heile deinen Körper“ von Louise Hay stammt, mit dem sie ihre Karriere als Selbtshilfeautorin und Verlegerin vor über 30 Jahren gestartet hatte.

Behandlung durch LiebeVon da an begann ich mich mit ihren Büchern zu beschäftigen, aus denen ich im folgenden Jahr (2013) viel Kraft schöpfte – durch unsere große Liebe war es mir möglich, meinen Mann bis zu seinem letzten Tag auf Erden zu begleiten. Und ich habe die Kraft gewonnen, mein Leben ohne ihn weiterzuleben.

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Und nun in dieser Nacht des 10. September 2015, lese ich das Kapitel „Liebe“ in meinem Buch „Leben allein genügt nicht“ (2010), das ich im Oktober 2008 als Newsletter geschrieben hatte. Hier einige Auszüge:

„Auch ein wunderbares neues Buch über die Liebe hat mich in den letzten Tagen beschäftigt: Sabine Asgodom hat ihr neues Buch „Liebe wild und unersättlich“ genannt, in Anlehnung an ihren Bestseller „Lebe wild und unersättlich“ vom letzten Jahr. Darin hat sie viele Frauen ermutigt, ihren eigenen Weg zu einem erfüllten Leben zu gehen und sich selbst lieben zu lernen

Ist das nicht ein unvereinbarer Gegensatz – die Selbstverwirklichung der Frau und die Liebe? Sabine Asgodom, erfolgreiche Management-Trainerin und selbstständige Geschäftsfrau, zeigt es uns in ihrem neuen Buch: Sie hat mit Mitte 50 ihre große Liebe gefunden und es geschafft, die Liebe mit ihrer erfolgreichen Berufstätigkeit und ihrer persönlichen Selbstständigkeit zu vereinbaren.

Sie sagt: Wir geben eine Abhängigkeitserklärung ab, wenn wir lieben und eine Beziehung eingehen. Und nun gibt es drei Leben, die für uns wichtig sind: Mein Leben, dein Leben und unser Leben.

Auch ich hatte in meinem Leben die Selbstverwirklichung an die erste Stelle gesetzt, war erfolgreich im Beruf und persönlich selbstständig, als ich mit Mitte Vierzig meiner großen Liebe begegnete.

Bei unserer Heirat war ich 48 und mein Mann 63. Eine junge Freundin fand für uns den wunderbaren Hochzeitsspruch, den wir ihr später dann wieder zu ihrer eigenen Hochzeit geschenkt haben:

„Das ist das Geheimnis der Liebe,
dass sie solche verbindet,
deren jedes für sich sein könnte –
und doch nichts ist und sein kann
ohne das andere.“
(Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, 1775-1854)

Diese Worte des deutschen Philosophen F. W. J. Schelling klingen heute für manche Menschen zwar etwas altmodisch, teilen uns aber nach wie vor eine „unsterbliche Wahrheit“ über die Liebe und das Zusammenleben mit.

Martin F. Seligman, der Begründer der positiven Psychologie, schreibt in seinem Buch „Der Glücksfaktor“:

„Liebe ist die spektakulärste Art und Weise der Evolution,
sich über das Gesetz des Gewinn-Verlust-Denkens
hinwegzusetzen.“

Wer von vornherein zu hohe Ansprüche an den Partner oder die Partnerin hat, wird die große Liebe sicher nicht erleben. Wer aber seinen Liebsten oder seine Liebste einfach so nimmt, wie er oder sie ist, nämlich als ein ganz normaler, ziemlich unperfekter Mensch, wer ihn oder sie annimmt und dann versucht, das Beste darin zu sehen und das Beste daraus zu machen, der wird die Liebe erleben.

„Liebe ist auch da, wenn das Entzücken Pause macht“ sagt Sabine Asgodom. Sie zeigt dem Leser nicht, wie man das Scheitern einer Beziehung bewältigt, sondern dass es wichtig ist, für das Erblühen und Blühen der Liebe zu leben.

In seinem wunderschönen Gedicht „Was es ist“ zeigt Erich Fried (1921-1988), wie unmöglich die Liebe manchmal für andere aussehen kann:

Was es ist
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
(aus: Erich Fried, es ist was es ist. ©Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1983)

Wenn man, so wie mein Mann und ich, ein glückliches Paar ist, gibt es zuweilen Menschen, die sich darüber wundern, die es nicht für möglich halten, weil es doch gar nicht sein kann … Da gibt es schon mal Diskussionen, Probleme oder Konflikte wegen eigentlich netter Bekannter. In ihrem Buch „Das Geheimnis wundervoller Beziehungen“ haben Ariel & Shya Kane solche Menschen, die ihrer Meinung nach eigentlich die „bessere“ Ehefrau, der „bessere“ Ehemann gewesen wären, als „Beziehungsspalter“ bezeichnet. Wir haben uns angewöhnt, uns von solchen Bekannten fern zu halten.

Auch Sabine Asgodom warnt in ihrem Buch vor falschen Ratgebern, vor Tröstern und Verurteilern. Viel besser ist das gemeinsame Gespräch über die eigenen Probleme, in einer von Toleranz, Vertrauen und Liebe bestimmten Atmosphäre.

Jeder sollte ganz viel Geduld mit seinem Partner oder seiner Partnerin haben, und immer wieder daran arbeiten, dass die Liebe weiter blühen kann. Vielleicht lieben mein Mann und ich das Meer deswegen so sehr, weil es uns diese Geduld lehrt. Gerade heute haben wir hier an der Ostsee einen wundervollen Sonnenuntergang erlebt, der mich nach einem wunderschönen Tag auf den Newsletter zum Thema Liebe eingestimmt hat.

„Wenn du etwas Schönes
erschaffen willst, mache es mit Liebe
und sei dabei so geduldig
wie der Wind und das Meer.“
(Werner Bethmann)

Diesen Spruch verdanke ich meiner Internet-Freundin Laura, die mich immer wieder mit wunderschönen Bildern und Gedichten in meinem Gästebuch im „Seniorentreff“ erfreut.

Ich wünsche Ihnen ein schönes erstes Novemberwochenende voller Liebe.“

IMG_9125Soweit mein damaliger Newsletter vom Oktober 2008.

Einen wunderschönen Sonnenuntergang an der Ostsee habe ich erst vor wenigen Tagen erlebt. Und ich wünsche Ihnen ein schönes Septemberwochenende voller Liebe.

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Der 63. Geburtstag

IMG_6982Vor ein paar Tagen habe ich meinen 63. Geburtstag gefeiert – zum zweiten Male war ich mit meiner Hündin Senta alleine beim Hineinfeiern, und doch hat sich so vieles verändert im vergangenen Jahr. Einige alte und neue Freunde gratulierten mir direkt nach Mitternacht – welche Freude. Ich fühlte mich überhaupt nicht alleine, sondern war glücklich. Denn über ein Jahr nach dem Tode meines Mannes Hans Christian habe ich jetzt endlich das sichere Gefühl, ich selbst zu sein. Und ich fühle mich wohl in meinem neuen Leben.

63 Jahre alt bin ich nun – ich denke daran, wie mein alter Schulleiter und ehemaliger Deutsch-, Philosophie- und Englischlehrer vor genau 30 Jahren gesagt hat: mit 63 kann man ohne Angabe von Gründen in Pension gehen. Er hat das auch getan und ist heute mit 93 immer noch sehr lebensfroh. In diesem Jahr rief er mich zum Geburtstag an, weil er mir nicht wie sonst einen Brief mit der Hand schreiben konnte. Auch nehme er jetzt gelegentlich einen Stock beim Gehen, meinte er.

Ich denke an eine Bekannte in meinem Alter, die die Monate bis zu ihrer Pensionierung zählt und schon darüber nachdenkt, wie sie demnächst mal ihren Pflegeheimplatz bezahlen soll. Eine andere Bekannte, wie ich seit kurzer Zeit Witwe, traut sich nicht, mit dem Zug eine kleine Reise zu machen – sie ist jetzt 66. Eine jüngere Bekannte hatte mich einmal gefragt, warum ich das bloß mache, in diesem Alter noch einen Verlag zu gründen und selbstständig ein Unternehmen aufzubauen. Es wäre doch an der Zeit, sich auszuruhen. Eine andere jüngere Bekannte aber meinte, dass ich ihr immer jünger vorkäme, seitdem sie mich vor einem halben Jahr kennengelernt hätte.

63 Jahre, das sind 3mal 3 mal 7 Jahre. In meinem Lieblingsbuch „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“ des gleichaltrigen Lothar Seiwert, dem führenden Experten für Zeit- und Lebensmanagement, findet sich die Theorie der Lebenszyklen, die besagt, dass der Mensch etwa alle sieben Jahre in ein neues Stadium der Persönlichkeitsentwicklung eintritt. Demnach wären die letzten sieben Jahre für mich eine Übergangszeit gewesen, der nun eine Phase der Stabilität folgt.

Dazu passt sehr gut der Ausspruch eines Bekannten: „2015 wird der Start in Ihr bestes Jahrzehnt sein.“

63 Jahre – das ist auch 3mal 21 Jahre. Mit 21 Jahren – 2 Jahre nach dem Abitur – wurde ich 1973 volljährig. So richtig kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Ich habe studiert und mit 22 Jahren begonnen, neben dem Studium zu unterrichten. Das war eine große Chance für meine berufliche Entwicklung, die mir dieser heute 93jährige Schulleiter damals gegeben hat.

Mit 2mal 21, also 42 Jahren, hatte ich bereits 8 Jahre lang das zweithöchste Amt in der Laufbahn einer Gymnasiallehrerin erreicht, ich war Studiendirektorin, und bereits mit 35 Jahren schon Schulleiterin gewesen. Bis ich feststellte, dass dieser Beruf nicht das war, was ich wollte. Ich begann ein Promotionsstudium, um als Professorin an einer Hochschule junge Musiklehrer auszubilden und dazu beizutragen, den Musikunterricht an den Schulen ein wenig besser zu machen.

Das Leben zeigte mir einen anderen Weg, mit 51 Jahren verließ ich den Schuldienst. Mein Mann und ich zogen um vom Niederrhein nach Bamberg, wo wir ein paar Jahre ein glückliches Leben als „Jung-Senioren“ lebten, uns unsere Träume erfüllten: eine große, aber unbequeme Jugendstilwohnung, Bücher und Bücherregale, so viel wir wollten, einen wundervollen Flügel, Konzertbesuche und Reisen, wann immer wir wollten. Bis mein Mann krank wurde und wir in eine „barrierefreie, seniorengerechte“ Neubauwohnung mit allem Komfort umzogen.

Ein Jahr später dann zogen wir wegen der fortschreitenden Krankheit meines Mannes nochmals um nach Fehmarn, in ein Haus mit Garten auf dem Lande. Das schien zunächst mal etwas unbequemer zu sein, war aber aus heutiger Sicht eine sehr gute Entscheidung. Wir bekamen sogar ein Hündchen, zogen unsere Berner Sennenhündin Senta vom Welpenalter an auf. Eigentlich war das etwas, was man im „fortgeschrittenen Alter“ nicht mehr tut. Und dann gründete ich auch noch meinen Verlag – mit 58 Jahren. Es war eine bewegte Zeit, eine Übergangszeit in meinem Leben.

Das letzte Jahr war für mich voll der Trauer um meinen Mann. Gleichzeitig war es voller Arbeit, die ja bekanntlich ablenkt, die für mich aber auch notwendig war, weil ich nun plötzlich alleinige Eigentümerin eines schönen Hauses und eines aufstrebenden Verlages war. Ich habe viele Erfahrungen und manche Fehler gemacht, und dabei das Vertrauen in das Leben gelernt. Auch habe ich gelernt, gute von weniger guten Freunden und Beratern zu unterscheiden, mich von Menschen, die mir nicht gut tun, zu verabschieden und vieles loszulassen, was sich als Ballast im Leben erweist.

Nun mit 63 sollte also eine Phase der Stabilität beginnen, meine Perspektive auf die Zukunft hat sich verändert: nicht bis zum „offiziellen“ Rentenalter mit 65 als Autorin und Verlegerin zu arbeiten, sondern wenigstens 25 weitere Jahre. Denn ich habe entdeckt, dass Louise Hay, mein großes Vorbild, auch erst mit 58 Jahren ihren Verlag gegründet hat und nun mittlerweile 30 Jahre lang führt, natürlich mit der Unterstützung jüngerer Mitarbeiter und Co-Autoren. In nochmal 21 Jahren wäre ich 84, ich glaube, dass mir die Ideen bis dahin nicht ausgehen werden.

In den letzten Tagen sind mir – wie durch Zufall – einige ermutigende Beispiele älterer Frauen mit einem bemerkenswerten Leben begegnet:

Auch in meinem Verlag gibt es bewundernswerte ältere Frauen, wie Ottilie Krafczyk, die mit 80 Jahren ihr erstes Buch „Starke Frauen und die Liebe“ schrieb, Astrid Girgensohn, die mit 75 Jahren ein Buch über ihren Ritt von der Ostsee bis an den Atlantik publizierte, oder Gunda Dinklage, deren Buch über ihre erste Weltreise mit 70 demnächst erscheinen wird.

Nun werde ich noch verraten, was ich neben vielen wundervollen Blumen, schönen Dingen und leckeren Geschenken zum Geburtstag bekommen habe: Das Buch „Life loves you“  und die Film-DVD „Ihr Weg zum erfüllten Leben – Das Geheimnis wahren Reichtums“ von Louise Hay, das Buch „Ein Garten für die Seele“ von Susanne Oswald und das Buch „Buddha räumt auf – Wie man mit weniger glücklich wird“ von Regina Tödter. Diese Bücher sind richtungsweisend für den nächsten Lebensabschnitt genau wie die Gemüsespaghettimaschine und das zugehörige Rezeptbuch – denn gesunde Ernährung scheint etwas ganz Wichtiges beim Älterwerden zu sein.
IMG_7077Niemals hätte ich vor 21 Jahren gedacht, dass ich mal glücklich über meinen eigenen Garten und eine Berner Sennenhündin sein würde.

IMG_7441IMG_7061Übrigens hatte ich mir vor fünf Jahren vorgenommen, spätestens an meinem 64. Geburtstag auf Fehmarn zu wohnen. Nun, dieses Ziel habe ich schon mal erreicht.

Für alles andere wird das Leben sorgen.

Ich möchte allen Menschen, die mir diesen schönen Tag bereitet haben, ganz herzlich danken. So viele Briefe, Emails, Karten, Einträge bei Facebook, XING, Seniorentreff, so schöne Anrufe, Besuche, Musik und Geschenke – so viel Liebe!

Ich bin überwältigt von all den lieben Glückwünschen zu meinem Geburtstag und möchte heute – drei Tage danach – einfach all mein Glück mit Euch/Ihnen teilen.

Ich wünsche Euch/Ihnen ein frohes Pfingstfest.

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Die Magie eines Jahrzehnts

Vor 17 Monaten schrieb ich den Blog „Die Magie der 1000 Tage“. Heute nun schreibe ich nicht deshalb, weil es fast genau Halbzeit in diesen 1000 Tagen ist. Nein, heute ist ein ganz besonderer Tag für mich: Vor 10 Jahren, am 22. April 2005, wurde ich von der Faklutät Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften der Universität der Künste in Berlin zum Doktor der Philosophie promoviert. Zur öffentlichen Disputation waren auch meine besten Freunde gekommen – mein Mann war stolz und glücklich.

B0000560Heute denke ich daran, wo ich vor 10 Jahren stand, was seitdem alles geschehen ist, wo ich heute stehe und wo ich in 10 Jahren sein möchte.

Eine junge Freundin, die vor 10 Jahren in Berlin dabei war, schrieb mir heute:
„Wer hätte damals gedacht, dass Du nun Deine Dissertation in einem eigenen erfolgreichen Verlag auf Fehmarn veröffentlichen kannst! Aber so ist nun mal das Leben, wir wissen – zum Glück – nie genau, was uns erwartet und wo die Reise hingeht. In den letzten zehn Jahren hat sich bei Dir und bei uns viel verändert, viel Schönes, einiges Trauriges, viel Spannendes und viel Überraschendes.
Wir gratulieren zu Deinem Jubiläum und sind gespannt, was die nächsten zehn Jahre für uns bereit halten!“

2005 lebten wir seit gut einem Jahr in Bamberg – es war ein großer Umzug vom Niederrhein gewesen, wo ich fast 50 Jahre gewohnt hatte. Damals wollten wir uns zwischen Bamberg und Fehmarn entscheiden. Gut 6 Jahre später, im Herbst 2010, zogen wir dann nach Fehmarn. Dort wollte ich schon hin, als ich Ende der 1970er Jahre die ersten Male auf der Insel war. Mein Wunsch hat sich nun erfüllt, ich bin hier glücklich, und ich möchte auch in 10 Jahren noch hier wohnen. Ich möchte hier niemals mehr weg.

Meine Dissertation hatte ich ursprünglich schreiben wollen, um vom Gymnasium an eine Hochschule zu wechseln und dort angehende junge Lehrer auszubilden. Das Leben zeigte mir einen anderen Weg, 2003 verließ ich den Schuldienst. Aber meine Dissertation habe ich trotzdem fertig gestellt – daran ist mein verehrter Doktorvater, Herr Professor Dr. Rainer Winkel, nicht ganz unschuldig. Ich wollte unbedingt, dass die (pädagogische) Welt erfährt, was ich zu sagen hatte. Ich wollte den Musikunterricht in den Schulen ein wenig besser machen. Mein Mann Hans Christian hat mich bei diesem Vorhaben immer sehr begeistert und nach besten Kräften unterstützt.

Aus dem Vorwort meiner Dissertation:
Meinem lieben Hans Christian gebührt ein ganz besonderer Dank, da er mich auch in krisenhaften Phasen immer wieder bestärkt und ermutigt hat, die Arbeit fortzusetzen, mit mir lebhaft und leidenschaftlich über die Thematik diskutiert hat, während des Schreibens viele Stunden auf mich verzichten musste und mir in der Schlussphase als kritischer Korrektor hilfreich zur Seite stand. Er reiste mit mir, einem Koffer voller Bücher und einem Laptop an alle diejenigen Orte, an denen diese Arbeit entstanden ist: Auf der Ostseeinsel Fehmarn begünstigte die Weite des Meeres und des Himmels kreative Ideen und intensive Arbeit, in Armentarola und Seefeld inspirierten mich die gewaltigen Gebirgslandschaften, an der Atlantikküste im Finistère schien eine neue Welt nahe zu sein, am Strand von Mesnil Val diskutierten wir über die Fachlichkeit des Musikunterrichts. Und dann zogen wir um von Dinslaken nach Bamberg, wo ein anregendes geistiges und kulturelles Klima den Abschluss der Arbeit erleichterte.

Meine Dissertation wurde mein erstes Buch, 500 Seiten stark, und ich bin stolz darauf, dass es auch nach 10 Jahren immer noch im Gebrauch ist, auch in der Lehrerausbildung. Die Neuausgabe ist inzwischen in meinem eigenen Verlag erschienen.

Cover.inddMein zweites Buch, in dem ich die Inhalte meiner Dissertation für die Schulpraxis aufbereitet habe, erscheint in Kürze als Neuauflage in meinem Verlag. Ich möchte noch mindestens ein musikpädagogisches Buch schreiben, eine Art Vermächtnis an die Musikpädagogik. Denn das war der ursprüngliche Grund, 2011 meinen Verlag zu gründen.

Die erste Ausgabe meiner Dissertation ist am 5. September 2005 erschienen. Die Erstellung der Druckvorlage und die Auswahl des Verlages gaben erste Anstöße für meinen eigenen Verlag. Ich liebe es, Bücher selber zu gestalten und möchte auch noch einige andere meiner älteren Bücher in meinem Verlag herausbringen.

Zum Thema Musik kam schon bald die Lebenskunst hinzu – ich denke, dass ich im nächsten Jahrzehnt noch einiges dazu schreiben werde: zunächst ein Buch über Trauerbewältigung, dann eines über Gesundheit, dann wieder eines zum glücklichen Älterwerden und eins über Hundefreundinnen. Das Thema Schreiben & Veröffentlichen entstand durch mein Buch-Coaching, auch dazu werde ich noch weitere Bücher schreiben. Geplant sind zunächst Bücher über Computerprogramme Word und InDesign für Autoren und Self-Publisher.

Bei allem spielt natürlich meine geliebte Insel Fehmarn eine große Rolle, nicht nur in dem jährlichen Fotokalender, den ich in den nächsten 10 Jahren fortführen werde.

Mein Mann Hans Christian erlebt leider dieses Jubiläum nicht mehr mit mir. Er war immer stolz, dass der Name FORSBACH bekannter wurde. Und so soll auch mein Verlag, die EDITION FORSBACH, im nächsten Jahrzehnt unter diesem Namen fortgeführt werden.

Ich wünsche mir, dass ich in 10 Jahren, also im Jahre 2025, eine jüngere Persönlichkeit gefunden habe, die den Verlag mit mir zusammen führt.

Irgendwann in den letzten Jahren, als ich mich mit Louise Hay beschäftigt und dabei entdeckt habe, dass sie auch erst mit 58 Jahren ihren Verlag gegründet hat und nun mittlerweile 30 Jahre lang führt, hat sich meine Perspektive auf die Zukunft verändert: Wollte ich zunächst nur bis zum „eigentlichen“ Rentenalter von 65 neue Bücher produzieren und danach nur noch die Einnahmen kassieren, so öffnete ich meine Perspektive auf mindestens 25 weitere Jahre – klar, dass ich dann nach und nach immer mehr Kooperationspartner brauche. Louise Hay macht es mir vor: Verlagsleiter, Geschäftsführer, Lektoren, aber auch Co-Autoren für weitere schöne Bücher – ich glaube, dass mir die Ideen in den nächsten 10 Jahren nicht ausgehen werden.

Beeindruckt hat mich heute der Kommentar einer Facebook-Freundin:
Respekt für diese Leistung, liebe Frau Forsbach … Bewundernswert, wie Sie das Leben meistern, nach diesem sichtbaren Schicksalsschlag … Äußerlich kein Tag älter geworden, und Ihrem Typ treu geblieben … Sehr BEMERKENSWERT …; Viel Glück und Erfolg für die nächsten 10 Jahre!!!!!

Ich vergleiche die Fotos von vor zehn Jahren mit denen von heute – und freue mich. Auch wenn ich zwischendurch während der schweren Krankheit meines Mannes schon mal älter ausgesehen habe, habe ich mich nie älter gefühlt: konnte ich doch viel Kraft und Lebensenergie gewinnen, auch durch unsere große Liebe, die uns über den Tod hinaus verbindet.

Dr_Beate_Forsbach_Verlegerin_neuDie konsequente Ausprägung des Optimismus als Lebenseinstellung und die positiven Gedanken scheinen eine Art „Jungbrunnen“ zu sein. Natürlich muss auch ich für mich und mein Wohlbefinden sorgen – das werde ich in den nächsten 10 Jahren sicher noch intensiver tun als  heute.

Und da gibt es noch einen „Jungbrunnen“ neben der herrlichen Landschaft hier auf Fehmarn, der Nähe des Meeres und meinem schönen Garten: das ist meine Berner Sennenhündin und treue Seelengefährtin Senta. Ich hoffe, dass sie in 10 Jahren noch lebt – aber mein nächstes Ziel liegt in naher Zukunft: Im September dieses Jahres ist es 10 Jahre her, dass ich meine Dissertation als mein erstes Buch in Armentarola, meinem Traumort in den Dolomiten, erhalten habe. Damals haben die Menschen dort mit mir und meinem Mann gefeiert – und in diesem Jahr möchte ich im September wieder dort sein, möglichst gemeinsam mit meiner Senta.

Und wenn wir das geschafft haben (zur Zeit traut sie sich noch nicht ganz ins Auto), möchte ich jedes Jahr mit ihr dorthin reisen – Armentarola ist für mich ein ähnlich paradisischer Ort wie Fehmarn.

Für mich, für Senta und für die geplanten Reisen brauche ich Zeit und Muße, auch für das Schreiben meiner eigenen Bücher. Und deshalb wünsche ich mir für meinen Verlag, dass er sich so gut wie in den letzten Jahren weiter entwickelt. Es sollen jedes Jahr höchstens 10-15 neue Bücher anderer Autoren hinzukommen. Dazu wünsche ich mir Autoren, die der Welt etwas Besonderes mitzuteilen haben: Wie man mit positiven Gedanken ein glückliches und erfülltes, positives und gelingendes Leben führen kann.

Zum Schluss möchte ich allen Menschen danken, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben: vor allem meiner Mutter, die mich unterstützt und ermutigt hat, zu promovieren, aber leider den Abschluss nicht mehr miterleben konnte. Dann natürlich meinem lieben Mann Hans Christian und meinem verehrten Doktorvater Professor Dr. Rainer Winkel, der es sich nicht nehmen ließ, am heutigen Tag mit mir zu telefonieren. Weiter danke ich allen Freunden und Wegbegleitern, auch denen auf Facebook, die den heutigen Tag für mich zu einem wirklichen Festtag haben werden lassen.

 

Verloren zu gehen hilft dir, neue Wege zu finden

IMG_6325Am 10. Februar, dem ersten Todestag meines Mannes, schrieb ich den letzten Blogartikel. Nie hätte ich gedacht, wie traurig die Tage davor und danach für mich werden würden. Ich hängte ein Poster mit positiven Sprüchen an die Badezimmertür, auf das ich immer schaute, wenn ich die Treppe hinauf ging.

Ich freute mich über sehr viel Zuwendung von alten und neuen Freunden, und einer schrieb mir am 11. Februar: „2015 wird der Start in Ihr bestes Jahrzehnt sein“.

Seit Jahresbeginn war schon so viel Positives geschehen, dass ich es kaum begreifen konnte. Denn einige wenige negative Geschehnisse überlagerten diese Stimmung von Freude und Erfolg. Immer wieder übte ich die positiven Gedanken und Affirmationen, und ich begann, alles Negative, Belastende einfach loszulassen. Das gelang mir ganz gut.

Eine Facebookfreundin schrieb mir: „Sie werden wohl bereits wieder in einer Umbruchstimmung sein.“

Was war das mit dem Umbruch? An manchen Tagen fühlte ich mich gar nicht so sicher, dass alles gut weitergehen würde. In der letzten Februarwoche schrieb ich eine Bilanz mit Plus- und Minuspunkten in meinen Kalender – die positiven Punkte überwogen bei weitem, obwohl ich mich gar nicht so gut fühlte. Was war das bloß?

Eines Tages merkte ich, dass ich immer, wenn ich die Treppe zu meinem Arbeitsraum hinauf ging, dass ich auf dem Poster mit positiven Aussprüchen immer wieder auf einen Satz schaute: „Verloren zu gehen hilft dir, neue Wege zu finden“

IMG_6326Dieser Satz war eigentlich eher unscheinbar zwischen den vielen Sprüchen, und trotzdem las ich ihn jedes Mal, wenn ich nach oben ging. Und er tröstete und ermutigte mich, wenn die negativen Gefühle wieder oberhand nahmen.

Ja, und heute sah ich dann auch den Satz darunter: „Hör auf deinen Körper“.
Schon seit zwei Wochen habe ich eine Erkältung – für mich völlig untypisch. Seit Jahren hatte ich das nicht mehr. All meine Affirmationen, meine Hausmittel, die Spaziergänge ans Meer – nichts half wirklich. Nur immer schlafen – ich war einfach müde nach großen Anstrengungen der letzten Wochen, dachte ich.

Heute, als sich die Nebenhöhlen zusetzten und auch ein Zahn schmerzte, fand ich dann den Schlüssel, wieder bei Louise Hay. Das bedeutet: wieder einmal loszulassen, was mich erschüttert hat. Und die entsprechende Affirmation:
„Frieden und Harmonie erfüllen und umgeben mich jederzeit. Alles ist gut.“

Ja, es war eine wundervolle Woche. Ich bin nicht verloren gegangen, jedenfalls nicht wirklich, aber ich habe neue Wege gefunden. Ich habe sie nicht gesucht, sie haben sich mir gezeigt und ich habe nicht gezögert, sie zu gehen.

Mir fällt das Gedicht einer verstorbenen Freundin ein, das sie uns anlässlich unseres Umzugs nach Fehmarn geschrieben hatte:

Irrwege
Manchmal steht man an einer Kreuzung
und weiss die Richtung nicht mehr
hat sich total verschätzt
war einfach gedankenlos
dann braucht man Zeit
sich wieder zu besinnen
und den rechten Weg doch noch zu finden
Viel Zeit!

Die Richtung nicht mehr wissen, verloren gehen hat also etwas Gutes: Man findet neue Wege, man bewältigt die anstehenden Veränderungen.
Am 11. Februar ist mein Verlag 4 Jahre alt geworden, und nun zeigt mir jede Veränderung deutlich die neuen Wege für mich als Verlegerin auf.

Am letzten Mittwoch wählte ich die Nummer eines mir unbekannten Anrufers: Helga König bot mir ein Interview in ihrem Online-Magazin „Buch, Kultur und Lifestyle“ an – und heute schon wurde es veröffentlicht.

Helga König im Gespräch mit Dr. Beate Forsbach, Inhaberin des Unternehmens „Edition Forsbach“

Ich bin glücklich und dankbar für dieses Interview und die vielen positiven Gespräche und Ereignisse in der letzten Woche, die mich vergessen lassen, dass ich beinahe „verloren gegangen“ war. Und nun werde ich mit meiner Affirmation ganz sicher auch noch meine Erkältung heilen: „Frieden und Harmonie erfüllen und umgeben mich jederzeit. Alles ist gut.“

Euch allen wünsche ich, dass Ihr jemandem begegnet, der Euch hilft, neue Wege zu finden, wenn Ihr mal verloren gegangen seid. Alles wird gut!

Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag!

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Besser als Traumeel: das Meer

IMG_5589Es hatte allerhand Stress gegeben für mich in den letzten Tagen – viele positive Ereignisse, und eigentlich hatte immer alles geklappt, so wie ich es gewünscht hatte. Drei neue Bücher waren innerhalb von sechs Tagen erschienen, das ist schon etwas. Und an manchen Tagen blieb am Abend noch vieles auf dem Schreibtisch liegen, was ich nicht mehr bearbeiten konnte. Einfach, weil ich erschöpft und müde war.

Dafür wurde ich oft am frühen Morgen wach und dachte an Dinge, die noch nicht so gut liefen. Vor dem Einschlafen las ich immer in dem Buch von Louise Hay „Das Leben lieben“. Und wenn ich in aller Frühe wach wurde, las ich die Passage „Ich mache das Beste aus allem, was ich erlebe“. Die zugehörige Affirmation lautet:

„Aus dieser Situation entsteht für alle Beteiligten nur Gutes. Es gibt eine für alle befriedigende Lösung. Alles ist gut, und mir kann nichts geschehen.“

Durch diese Affirmation gelang es mir, die Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass das Universum die beste Lösung finden würde.

Gestern aber, am Freitag, wachte ich nach einer „Nachtschicht“ am Schreibtisch wieder früh auf und kam nicht richtig zur Ruhe. Viele Fragen beschäftigten mich, die später im Tageslicht eher belanglos wirkten. Nach dem Aufstehen passierten ein paar Dinge, die ich so nicht erwartet hatte. Alles entwickelte sich zum Besten, aber trotzdem kamen ein paar negative Gedanken auf, so sehr ich mich auch bemügte, alles so positiv zu sehen, wie es war.

Ich ging die Treppe hinunter, und – oh Schreck – fiel der Länge nach hin auf den Steinfußboden. Ich war über Bücherpakete gefallen, die im Weg standen. Im ersten Moment wollte ich weinen, aber dann fiel mir ein, dass niemand zuhören würde. Und ich testete, was ich mir weh getan hatte. Das rechte Knie schmerzte ein wenig, aber die Hose war heil geblieben, ich war so gefallen, dass der Aufprall neben dem Knie geschah. Das tat etwas weh, aber ich konnte aufstehen.

Ich probierte, die Treppe hinauf und hinunter zu gehen, das klappte ohne Weiteres. Und laufen konnte ich auch. Bis auf einen kleinen blauen Fleck am Knie war nichts zu sehen. Ich dachte mir, dass das nur ein „Warnschuss“ gewesen war, eigentlich war nichts Schlimmes passiert. Ich schwor mir, demnächst mehr auf mich zu achten: Genügend zu schlafen, etwas zu essen, nicht nervös zu werden, wenn jemand nicht pünktlich kam, und vor allem darauf zu achten, was mir im Weg stand.

Heute morgen schmerzte die Stelle neben dem Knie ein wenig, ich schaute bei Louise Hay nach, aber „Prellung“ stand nicht in ihrem Verzeichnis. Na ja, eine Prellung hat ja wohl auch keine seelischen Ursachen. Also verrieb ich ein wenig Schmerzöl auf dem Knie. Aber dann dachte ich daran, dass ich mit Senta heute einen schönen Spaziergang machen wollte.

„Oh nein, das kannst Du nicht machen, dann wird Dein Knie schlimmer“, sagte mir eine Freundin, der ich davon erzählte. Und ich stellte mir schon vor, dass ich nicht mehr laufen und über die Treppe gehen könnte. „Nimm einfach Traumeel, das hast Du doch im Haus“, sagte sie. „Jetzt gleich eine Tablette, und dann jede halbe Stunde eine, und dann wird es zum Abend sicher besser mit Deinen Schmerzen.“

Brav schrieb ich auf einen Zettel, was mir meine Freundin, die in Homöopathie erfahren ist, gesagt hatte. Dann aß ich etwas – wie jeden Samstag teilte ich mir mit Senta ein Brötchen mit Honig-Sahne-Leberwurst. Die Sonne leuchtete in die Fenster, und ich sagte zu Senta: „Gleich gehen wir spazieren, wir gehen ans Meer!!“

Die Worte „spazieren“ und „Meer“ lösen bei Senta immer Freudensprünge aus, und ich freute mich auch. Denn wir waren die ganze Woche lang gar nicht oder nur kurz spazieren gegangen. Die Schachtel mit den Traumeel-Tabletten packte ich wieder in die Schublade.

Wir gingen der Sonne entgegen, über den schönen Wiesenweg. Mein Knie schmerzte kaum, und je näher wir dem Meer kamen, desto schneller lief Senta.

IMG_5581Die Sonne strahlte, der Himmel war blau, das Meer war ganz weit zurück gewichen und Senta konnte weit hinein laufen, ohne allzu nass zu werden.

IMG_5618Ich machte ein Foto und schickte es meiner Freundin mit den Worten:
„Besser als Traumeel: das Meer“.

IMG_5598Denn ich hatte überhaupt keine Schmerzen, die Freude beim Anblick des Meeres war so groß, außerdem behinderte mich die Prellung auch gar nicht. Wir liefen am Ufer entlang, immer weiter, bis zu dem kleinen Strand, den wir so lieben. Senta wartete immer auf mich, bevor sie weiter lief. Ein Mann und sein Kind liefen durch den Schlick und sammelten dort etwas in einen Eimer ein. Das erinnerte mich an unsere früheren Ferien in der Normandie, wo am späten Nachmittag immer die „Fruits de Mer“ gesammelt wurden, die wir später zum Abendessen serviert bekamen.

IMG_5634Und dann kamen wir an eine Stelle, wo ich stehen blieb, weil der Anblick so schön war: Dunkle Steine ragten aus dem sonnenbeschienenen Sand, das Wasser war weit entfernt. Das erinnerte mich an unsere früheren Urlaube in der Bretagne. Eine sehr schöne Erinnerung war das für mich. Und ich war voller Dankbarkeit, dass ich all das durch Hans Christian erlebt hatte: die wunderbaren Landschaften der Normandie und der Bretagne, wo wir direkt am Meer gewohnt hatten. Und dann unser Umzug nach Fehmarn, wo wir jeden Tag das Meer in seiner vielfältigen Schönheit erleben können.

Ich war einfach glücklich. Schmerzen hatte ich überhaupt keine mehr, auch nicht auf dem Nachhauseweg. Immerhin sind wir fast 6 km gelaufen. Und heute Abend, nach einem schönen Film, den ich gemütlich mit Senta auf dem Sofa angeschaut habe, geht es mir richtig gut. Auch ohne Traumeel. Und deshalb habe ich diesen Blog geschrieben.

Ich wünsche Euch einen schönen dritten Advent!

Geburtstag mit Rosen

IMG_2544Das Leben ändert sich im Laufe eines Jahres – das hatte ich in meinem Blogartikel „Kein runder Geburtstag“ im letzten Jahr geschrieben. Wie sehr es sich ändert, das konnte ich damals noch nicht voraussehen. An diesem Geburtstag würde ich ganz alleine sein, dachte ich, allerdings ist Senta ja immer treu an meiner Seite.

Ich lud fünf Freundinnen zum Kaffeetrinken am Nachmittag ein und besorgte mir einige Geburtstagsgeschenke – wie schon in den Jahren zuvor. Allerdings habe ich sie diesmal nicht eingepackt. Parfum, Bücher, Musik, Noten, und die berühmte Schachtel Lindt-Pralinen, die an keinem unserer Geburtstage fehlen durfte.

Ich feierte in meinen Geburtstag hinein, wie ich es immer mit Hans Christian getan hatte. Diesmal zog sich die Zeit vor Mitternacht und ich war ziemlich traurig. Senta hatte sich schlafen gelegt und kam auch nicht, als ich das Geburtstagslied vom iPhone spielte. Die ersten Emails trafen ein, ich las meine Post und schaute die Geschenke an, las ein wenig in den neuen Büchern, hörte Musik, trank Sekt und probierte die Pralinen. Diese eine hatte Hans Christian sich immer als erste ausgesucht …IMG_2308

Per Zufall hatte ich ein Filmchen vom Geburtstag vor fünf Jahren gefunden, den wir in unserer kleinen Strandwohnung gefeiert hatten. Hans Christian gratulierte mir um Mitternacht und wünschte mir alles Gute. Wie schön war es, seine Stimme noch mal zu hören. Und ich überlegte, dass er in den letzten zwei Jahren so etwas gar nicht mehr sagen konnte. Aber er war einfach immer da gewesen und unsere Liebe auch …

IMG_5213Wie in den Jahren zuvor habe ich ein Margeritenbäumchen aus der Gärtnerei im Dorf geholt – vor drei Jahren war ich noch mit Hans Christian im Rollstuhl dorthin gefahren und er hatte mir das Bäumchen ausgesucht. In der Gärtnerei bekam ich einen riesigen Rosenstrauß überreicht, den jemand für mich bestellt hatte. Mit Herzklopfen fuhr ich nach Hause und war überwältigt von der Schönheit dieser Rosen. Meine Familie in Hamburg hatte mich so reich beschenkt – ja, Rosen hatten schon immer zu unseren Geburtstagen gehört. Ich war einfach glücklich.

IMG_2382Und dann hatte ich mir ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht: Das neue Buch unserer Bestseller-Autorin Simone Langendörfer sollte an diesem Tag erscheinen. Tatsächlich hat die Druckerei Wort gehalten und um 10 Uhr am Vormittag trafen die beiden Bücherpakete ein: „Ich bin jetzt einfach glücklich“ heißt das Büchlein, das wir als „Nachttisch-Büchlein“ geplant haben. Denn abends vor dem Einschlafen soll man etwas Positives lesen und denken. Man schläft dann einfach besser und wacht am nächsten Morgen gut gelaunt und gestärkt wieder auf.

IMG_2403Gegen Mittag ging dann nach langem Warten der Kaufpreis für meine Ferienwohnung ein – auch dieses Geschenk machte mir deutlich, dass nicht nur ein neues Lebensjahr, sondern ein ganz neuer Lebensabschnitt begann. Erst neulich, als ich noch einmal am Südstrand war, hatte ich darüber nachgedacht, wie ich nun zukünftig leben möchte.

Die letzten Jahre waren sehr erfüllt und voller Liebe im Zusammenleben mit Hans Christian, aber auch anstrengend. Urlaub hatte ich schon vier Jahre nicht mehr gehabt, und oft fühlte ich mich am Rande der Erschöpfung.

Bei Louise Hay las ich: „Durch Entspannung kann mein Körper sich heilen und erneuern. Je entspannter ich bin, desto gesünder bin ich.“

IMG_4039Ja, das war es, ich überlegte mir, wie ich zu mehr Entspannung kommen könnte. Zuerst mal entschied ich mich, jedes Wochenende einfach nur für mich zu nutzen. Egal, ob Rasen mähen, im Liegestuhl liegen, mit Senta und unseren neuen Hundefreundinnen spazieren gehen, lesen, Musik hören, oder auch lustvoll arbeiten – ich werde am Wochenende nur noch das machen, was ich möchte. Denn wann sollte ich damit beginnen, wenn nicht jetzt, in diesem Jahr?

IMG_2441Gegen Mittag klingelte der Postbote und brachte einen ganzen Stapel an Paketen und Briefen. Gleich zwei wundervolle Rosengeschenke waren darin – eine rote Topfrose mit Herz von meiner „Ich-bin-jetzt-einfach-glücklich“-Autorin und ein wunderhübscher Strauß von meinem Lektor und alten Freund aus Potsdam.

IMG_2412IMG_2427Als hätte es nicht noch schöner werden können, war strahlendes Sommerwetter und ich holte die Terrassenmöbel und den Sonnenschirm heraus. Meine Freundinnen kamen mit schönen Geschenken, dazu noch weitere Gäste, und wir verlebten einen wunderschönen Nachmittag voller Freude und Glück.

IMG_2406Die Rosen spielten weiterhin eine Rolle: In einem weiteren Blumenstrauß mit Vogelhäuschen, und auf dem Kalender, den ich mit Simone Langendörfer entworfen hatte und meinen Freundinnen zur Begutachtung zeigte.

IMG_2432Und in dem Lied „Die Rose“, das mir eine Freundin zum Geburtstag auf Facebook geschickt hatte. Ich kannte das Lied noch nicht und fühle mich sehr angesprochen.

Hier die Version mit Helene Fischer:

Und vor zwei Tagen blühten die ersten Rosen in meinem Garten …IMG_2453

„Wenn Du denkst, Du bist verlassen
Und kein Weg führt aus der Nacht
Fängst Du an, die Welt zu hassen
Die nur and’re glücklich macht
Doch vergiss nicht, an dem Zweig dort
Der im Schnee beinah‘ erfror
Blüht im Frühjahr eine Rose
So schön wie nie zuvor“
(aus: Die Rose, von McBroom)IMG_2457

Am Abend meines Geburtstages bereitete ich mir ein leckeres Spargelessen und freute mich über späte Anrufe. Kurz vor Mitternacht hörte ich dann das Requiem von Mozart, das wir zur Zeit im Chor proben und im November aufführen wollen. Mit dieser wunderschönen Musik fand ich einen guten Ausklang meines Geburtstages und konnte tief und fest schlafen.

In der Chorprobe am Freitag bekam ich dann noch ein ganz besonderes Geburtstagsständchen: „Gott segne und behüt dich“ von John Rutter. Dieses Lied hatte ich in der letzten Adventszeit jeden Tag Hans Christian vorgespielt, von der CD und selber an unserem Flügel – es war so wichtig für ihn zu wissen, dass er beschützt war.

Ich möchte allen Menschen, die mir diesen schönen Tag bereitet haben, ganz herzlich danken. So viele Briefe, Emails, Karten, Einträge bei Facebook, XING, Seniorentreff, so schöne Anrufe, Besuche, Musik und Geschenke – so viel Liebe!IMG_2508

Mir fällt dazu nur ein:
„Ich bin jetzt einfach glücklich“

PS: Das gleichnamige Buch könnt Ihr hier bestellen: http://www.edition-forsbach.de/

Trauer und Erinnerung

IMG_3394Heute vor drei Wochen brachte ich Hans Christian ins Krankenhaus, nun ist er bereits seit zwei Wochen beerdigt. Die Zeit rennt, und manchmal scheint sie stillzustehen.

Ich danke an dieser Stelle allen, die mir durch ihre Kommentare in den letzten beiden Blogs Trost gespendet haben – ich habe vor einigen Tagen jedem eine Antwort geschrieben.

Oft werde ich gefragt, wie es mir geht – der Schmerz des Verlustes, die große Erschöpfung nach jahrelanger Pflege, die vielen Angelegenheiten, die jetzt geregelt werden müssen – all das lässt mich oft nicht zu Besinnung kommen.

Da helfen die Spaziergänge mit Senta und das wunderschöne Frühlingswetter hier auf der Insel. Das Foto zeigt Senta am Grab ihres Herrchens, einen Tag nach der Beerdigung. Sie lief zielstrebig mit mir die 2 km zum Friedhof in Landkirchen, setzte sich am Grab zuerst hin und legte sich dann hin, als wolle sie dort bleiben und auf Herrchen aufpassen. Inzwischen sind wir schon mehrfach dort gewesen, jedes Mal setzt sich Senta hin, und wenn ich alles gesagt habe, was ich Hans Christian erzählen wollte, steht Senta auf und wir treten den Rückweg an.

Ich habe wieder mit der Verlagsarbeit begonnen, arbeite manchmal im Flow und bin glücklich über die Zusammenarbeit mit vielen freundlichen Menschen. Das Leben schickt einem immer das, was man braucht, so heißt es – und so staune ich über  Anfragen und Anrufe von angehenden Autoren, die mir in den letzten Tagen mehrfach Überraschungen bereitet haben.

Hier zu Hause läuft vieles so wie früher – nur ohne Hans Christian. Ich decke den Tisch schön und trinke jeden Abend auf diesen schönen Tag. Senta sitzt jetzt meist an Hans Christians Platz, aber so allmählich lernt sie, dass auch ich da wieder sitze. Dann legt sie sich traurig daneben.

IMG_1708IMG_3443Vor ein paar Tagen war unser 13. Verlobungstag – wie jedes Jahr habe ich eine schöne Frühlingsschale geholt, und so erinnere ich mich an all die schönen Verlobungstage, die wir zusammen gefeiert haben.

IMG_1715Es trifft immer noch jeden Tag Trauerpost ein – mit viel Trost und Erinnerungen an frühere Zeiten, die ich nicht alle miterlebt habe  – Jugend und Schulzeit, Zeit als Lehrer und Schulaufsichtsbeamter, Schachclub, Freunde, Urlaube, Nachbarn. Dazu viel Tröstendes und Hilfreiches für mich. Ich stelle alles auf unserem Flügel und dem Sideboard dahinter auf, zünde die Kerzen an – fast so, wie wir es immer bei unseren Geburtstagen gemacht hatten.

IMG_1718Wir hatten ein reiches Leben und wir haben mehr Zeit miteinander verbracht, als manches Paar, das schon 40 Jahre verheiratet ist. Wir haben alles getan, was uns wichtig und richtig erschien, wir haben unsere Träume gelebt. Und es verging kein Tag, an dem wir uns nicht gesagt haben, wie lieb wir uns haben.

All das hilft mir in dieser Zeit der Trauer. Unser gemeinsames Leben hat einen würdigen Abschluss gefunden – auch durch den feierlichen Trauergottesdienst mit der so persönlichen emotionalen Ansprache durch Pfarrer Kark-Carlson am Valentinstag. Er hatte die Liebe als Thema genommen:

Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. (1. Korinther 13,8)

Das Lied „Aber die Liebe bleibt“ von Nana Mouskouri erklang:

Zeit wird Raum, aber die Liebe bleibt
Wunsch wird Traum, aber die Liebe bleibt
Wenn uns auch das Leben vieles nahm
Was ich von dir bekam das werd ich nie verlieren
Der Schmerz vergeht, aber die Liebe bleibt
Und gibt der Hoffnung einen Sinn
Was die Welt in goldene Bücher schreibt
Macht nicht wirklich reich, aber die Liebe bleibt

Ich erinnere mich, dass wir Ende 2012 einen Psychologen aufgesucht hatten, der helfen konnte, negative Gefühle in positive zu verwandeln. Ihm hatte ich gesagt, dass ich trauere, weil mein Mann mich durch seine Krankheit verlässt, obwohl er noch da ist. Zu Weihnachten 2012 schenkte uns Marlene den Text „Behandlung durch Liebe“ von Louise L. Hay. Deren Bücher gaben mir im vergangenen Jahr viel Kraft und ich lernte, immer positiv zu denken. So konnte ich seitdem mit lauter positiven Gefühlen und Gedanken leben und meinen Mann mit Liebe pflegen. Die Liebe bleibt und hilft mir auch jetzt, den endgültigen Verlust zu akzeptieren.

Die Erinnerungen an negative Momente während der vielen Jahre der Krankheit und Pflege verblassen und machen Platz für die Erinnerungen an die glücklichste Zeit meines Lebens mit meiner großen Liebe.

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