Dankbarkeit – mein Jahr 2016

img_1833Auch dieses Mal wollte ich am Neujahrstag meinen ganz persönlichen Jahresrückblick erstellen, hatte mir extra den Abend dafür reserviert. Aber es kamen zwei Dinge dazwischen: ein Telefongespräch, das ich, eigentlich entgegen meiner Planung, am Neujahrstag nicht zu telefonieren, mit einer Freundin verabredet hatte, deren Weihnachtsbrief auf eine außerordentlich schwierige Lebenssituation hingewiesen hatte. Und dann: mein Körper, auf den ich zu hören gelernt habe, er signalisierte mir eine große Müdigkeit – und so ging ich einfach zu Bett und schlief viele Stunden tief und fest durch.

So bin ich heute, am 2. Januar 2017, wieder ziemlich fit und voller Energie und schreibe jetzt den Jahresrückblick, um ihn noch vor Mitternacht zu veröffentlichen.

Gestern aber hatte ich etwas für meine beiden größten Lebensziele getan: „Glücklich und gesund 100 zu werden“ und  „anderen den Mut und Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe“. Denn wenn ich 100 werden will, muss ich schon heute etwas dafür tun. Das bedeutet für mich vor allem, keinen Stress zu haben, genug zu schlafen, vernünftig zu essen, und genug Zeit zu haben, mit Senta am Strand spazierenzugehen. Und ich glaube, das ich der Freundin in dem langen Telefongespräch auch ein wenig Mut und Optimismus vermitteln konnte, vor allem auch ihrem Mann, der ziemlich krank im Krankenhaus liegt. Ich habe es früher selbst oft als sehr hilfreich empfunden, wenn mir Freunde schrieben oder anriefen, als mein Mann im Krankenhaus war. Man ist dann dankbar für jedes kleine Zeichen und jedes Licht, das Hoffnung und Zuversicht verspricht.

Mein Jahresrückblick hat ein wichtiges Thema: die Erfahrung mit Menschen, die in unser Leben treten. Und das Gefühl, das ich mich selber gefunden habe, dass ich wirklich ganz ich selber bin, dass ich mein Leben ganz allein bestimmen kann. Ich bin glücklich und ich weiß, was ich will.

img_2435Kurz nach dem Jahreswechsel schrieb ich: Wir haben es geschafft – das neue Jahr 2017 erreicht! Ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich im Jahr 2016 gemacht habe. Dieses neue Jahr 2017 wird ganz anders sein als die letzten Jahre, nicht nur, aber auch, weil 2017 eine Primzahl ist. Es wird ein ganz außergewöhnliches Jahr. Unser Verständnis für das Leben und unser Mitgefühl für die anderen Menschen werden zunehmen, und unsere Liebe auch: die Liebe zu uns, zu unserem Leben und zu den anderen Menschen. Denn was wir aussenden, kommt immer zu uns zurück. Unser Leben wird umso schöner, je mehr wir Liebe, Freude und Frieden für andere Menschen ausstrahlen, egal ob sie Freund oder „Feind“ sind. Harmonie, Glück und Gesundheit werden unser Leben bestimmen. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich im alten Jahr erlebt habe und für alle meine lieben Freunde, die ich schon kannte, die, die ich erst neu gewonnen habe, und die mich in guten und in schlechten Zeiten unterstützt haben.

beate-forsbach-2242Vor einem Jahr hatte ich das intensive Gefühl, all die Schwierigkeiten ohne ein professionelles Coaching nicht mehr bewältigen zu können. Schon in dem Moment, als ich einem vermeintlichen Freund und Berater eine Bezahlung anbot, merkte ich, dass es nicht das Richtige war und dass ich im Grunde selber am besten wusste, was mir gut tat. Heute weiß ich, wie sehr ich manipuliert werden konnte durch andere Menschen. Es traten noch einige Menschen als vermeintliche Freunde und Es-mit-mir-Gutmeinenden auf, die ich letztlich wiederum losgelassen habe, weil sie mir einfach nicht guttaten.

Mein altes Lebensprinzip hat mir sehr geholfen: Man geht Wege, die sich zeigen, man kommt an Kreuzungen, wo man sich entscheiden muss, in welche Richtung man weitergehen wird. Wenn dieser Weg nicht der Richtige ist, wird man den Kurs erneut ändern und irgendwann dort ankommen, wo man eigentlich hin möchte.

Ich habe viele Abschiede erlebt und oft losgelassen, und ich habe gelernt, immer wieder neu anzufangen. Niemals wollte ich zurück in eine frühere Lebensphase, denn immer hatte sich das vermeintlich Negative unversehens in etwas ganz Positives verwandelt. Oft wurde es dann noch viel besser, als ich mir jemals erträumt hatte. Mein Jubiläumsbuch „Neubeginn & Mee(h)r“ hat diese Kunst des immer wieder anstehenden Neubeginns zum Thema. Es erschien erst im September 2016, nachdem ich annahm, die schlimmsten Erlebnisse des Jahres hinter mir zu haben. Aber das Allerschlimmste stand mir noch bevor.

Zunächst aber kam ein wundervolles, positives Ereignis: Meine geliebte Berner Sennenhündin Senta fuhr im Auto mit! Der Mensch-Hunde-Therapeut José Arce aus Mallorca war Anfang August bei uns. In einem persönlichen Workshop haben Senta und ich viel gelernt. „Willkommen im Leben“, sagte José Arce, als ich ihn mit Senta in der Stadt abholte. Nicht nur für Senta hatte ein ganz neues und aufregendes Leben begonnen, auch für mich.

img_3667Und nun konnte ich Reisepläne schmieden – nach einer „Probereise“ nach Bayern kam die seit Jahren ersehnte Traumreise nach Armentarola, wo ich ein Autorenseminar durchführen würde. Am ersten Tag dort aber war Senta sterbenskrank. Wie konnte das sein? Endlich erfüllte sich mein Traum, und nun sollte der Hund ausgerechnet dort sterben? Ich haderte mit meinem verstorbenen Mann und sagte ihm, dass er Senta noch nicht so bald bekäme. Und tatsächlich rettete der begnadete und optimistische Südtiroler Tierarzt meine Senta nach einer schweren Operation. Sie erholte sich schnell und ist heute so fit und gesund wie nie zuvor. Ich aber war sehr dankbar, dem Arzt und auch der Magie von Armentarola, die ganz offensichtlich hier gewirkt hatte. So fuhren wir im Dezember ein zweites Mal dorthin und erlebten endlich den Traumurlaub, den auch mein „Berghund“ sehr genoss.

sentaUm bei den Ärzten zu bleiben: ich bin ja recht kritisch gegenüber der sogenannten Schulmedizin, möchte aber heute meine Dankbarkeit äußern für die Achtsamkeit meines Hausarztes, der an meinem schlimmsten Tag des Jahres zu mir kam, für die Sorgfalt und den Optimismus meines Zahnarztes in Bamberg, der mir meine – nach dem Sturz im September 2015 demolierten – Zähne wieder richtig gut in Ordnung brachte, und auch meiner Hautärztin, die zwar nicht glaubt, dass meine Heilung vor allem auf meinem positiven Denken beruht, aber trotzdem erfreut darüber ist. Ansonsten glaube ich mehr denn je, dass die Art zu denken, die ich von meinem Vorbild Louise Hay gelernt habe, einen positiven Einfluss auf mein Leben, meine Gesundheit und meinen Lebenserfolg hat.

beate-forsbach-2385Nun noch einmal zu dem Thema, das mich in diesem Jahr am meisten bewegt hat: die Begegnung mit Menschen, die es nicht ganz ehrlich mit uns und mit sich selber meinen. Menschen, die andere manipulieren. Menschen, die sich selbst inszenieren im Netz, bis zur Veränderung ihres Lebensalters, ihrer Persönlichkeit, ihres Lebenslaufes durch eine Darstellung, die andere beeindrucken und überzeugen soll – nur damit sie ihren Vorteil haben, egal, was mit den anderen passiert. Ich habe in dem vergangenen Jahr einige solcher Menschen kennengelernt und mich selbst zunächst verurteilt, weil ich darauf hereingefallen war.

Inzwischen weiß ich, dass es jedem passieren kann, und ich habe mir auch vergeben – ich hatte einfach nicht gewusst, dass es so viel Falschheit geben könnte, auch wenn mich mein Bauchgefühl immer wieder aufmerksam gemacht hatte, dass hier etwas nicht stimmte. Dadurch habe ich gelernt, besser auf meine Intuition zu hören. Und ich bin auch mitleidig und verständnisvoll denjenigen gegenüber, die ihrerseits von Manipulationen beeinflusst sind, denen man klargemacht hat, dass sie mit mir keinen Kontakt mehr haben dürften, und die auch versuchen, sich daran zu halten.

beate-forsbach-2043Nein, ich glaube nicht, dass ich die Welt in dieser Hinsicht ändern kann, aber ich habe ein Ziel: Ich möchte ein guter Mensch sein. Ich ermutige und helfe Menschen, ihre Stärken zu entwickeln und das Beste aus ihrem Leben zu machen. Aber ich werde niemanden unterstützen, der mit unrealistischer Selbstdarstellung und Täuschung anderer seinen Weg machen will. Nach wie vor halte ich es mit meinem Vorbild Louise Hay, die gesagt hat:

„Schon seit langem glaube ich daran, dass die Geschäftswelt ein Bereich ist, in dem wir uns gegenseitig helfen und unterstützen sollten. Ich habe die Ellenbogenmentalität nie verstanden und nie begriffen, warum man andere übervorteilen oder sogar betrügen sollte. Das scheint mir keine besonders freudvolle Art und Weise zu sein, sein Leben zu leben. Es gibt so viel Überfluss auf der Welt, wir müssen ihn nur erkennen und miteinander teilen. Es ist immer die Politik meines Verlags Hay House gewesen, ehrlich und rechtschaffen zu sein.“

Und so bleibe auch ich mit meinem Verlag ehrlich und rechtschaffen, auch wenn es manchem so gar nicht gefällt. Ich habe mich im vergangenen Jahr von einigen Menschen getrennt. Es gab heftige Erschütterungen, krisenhafte Zeiten und manche blieben ganz einfach weg. Ich lernte, mich für bestimmte Wege zu entscheiden, auch wenn es nicht immer besonders angenehm war. Heute spüre ich viele Veränderungen, die ich nie durchlebt hätte, wenn ich nicht so viele positive und negative Erfahrungen gemacht hätte. Gewiss hätte ich mir einige Erlebnisse ersparen können, aber erst durch die Schwierigkeiten, die ich überwunden habe, bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

beate-forsbach-2113Insofern bin ich allen Menschen dankbar, denen ich im letzten Jahr begegnet bin – egal ob es beglückende und erfüllende Erfahrungen waren oder Konflikte, die letztlich zur Trennung geführt haben.

Ich habe gelernt, dass die schlimmste Enttäuschung über einen Menschen niemals so schlimm ist, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann. Finanzielle Einbußen, die aufgrund falscher Einschätzung von Menschen und Situationen entstanden sind, beeinträchtigen mein Leben kaum, denn sie stellen für mich eine Herausforderung dar, es nunmehr besser zu machen. Und so kann mich ein finanzieller Rückschlag nicht mehr erschüttern – habe ich doch die Gewissheit, aus jeder Situation wieder herauszufinden und meinen Zielen näherzukommen.

All das hatte ich bereits im Jahresrückblick auf 2015 geschrieben. Im Jahr 2016 aber kam etwas ganz Wichtiges dazu: Ich habe meinen persönlichen Lebenssinn gefunden. Ich weiß, was ich will, und was ich nicht will. Ich habe Menschen gefunden, mit denen ich mein Leben verbringen möchte und bin mir klar geworden darüber, mit welchen Menschen ich nicht weiter zu tun haben möchte.

Ich bin meinem verstorbenen Mann Hans Christian sehr dankbar, dass er mit mir vor 13 Jahren das erste Mal nach Armentarola gefahren ist, aber ganz besonders dafür, dass er – als Kriegskind – mir den Mut und den Optimismus vermittelt hat, sowie die Einstellung: „Wir kommen immer durch.“ Dankbar bin ich auch meiner Mutter, die ebenfalls immer mutig und optimistisch war und mir Liebe und Freiheit als wichtigste Werte vermittelt hat. Hätte sie nicht dafür gesorgt, dass ich Skilaufen lernte und dazu oft in Seefeld/Tirol war, wäre ich vielleicht nicht mit meinem Mann nach Armentarola gekommen. Dies ist ein magischer Ort für mich, an dem ich fortan einen Teil meines Lebens verbringen möchte.

Und mir ist einiges ganz wichtig geworden:

  • Schön Klavier spielen zu können: Brahms, Chopin, Schubert und Schumann, dafür habe ich im Dezember 2015 nach 40 Jahren wieder mit dem Klavierunterricht begonnen.
  • Eine glückliche Beziehung zu meiner Hündin Senta zu haben, dafür habe ich Geld, Zeit und Kraft investiert.
  • Gesund und glücklich älter zu werden,100 Jahre alt werden zu wollen – daran arbeite ich jeden Tag.
  • Meine Freiheit und Unabhängigkeit sowie die Liebe – das sind die Werte, nach denen ich lebe und die mich leiten.
  • Positive Gedanken für ein positives Leben weiterzugeben – durch mein Vorbild und durch die Bücher meines Verlages.
  • Zu wissen, mit welchen Autoren ich zusammenarbeiten möchte und mit welchen nicht.
  • Den Sinn meines Lebens gefunden zu haben.

An Silvester und am Neujahrstag habe ich wundervolle Konzerte im Fernsehen miterlebt, die mir deutlich machten, dass die Musik einen ganz entscheidenden Anteil an meinem Lebensglück hat. Mein Klavierlehrer schrieb mir heute: „Spielen Sie bitte unbedingt Klavier. Sie haben die Möglichkeit, so etwas Schönes genießen zu können!“ Ja, das werde ich machen, dieses Erlebnis kann mir nichts sonst geben außer der Musik, aus der ich viel Kraft und Energie schöpfe.

Weiter die Strandspaziergänge mit meiner Senta – sie geben mir Energie, lassen mich den Frieden spüren und bieten Raum für neue Ideen und Gedanken. Pausenloses Geschwätz von Leuten direkt und am Telefon will ich nicht mehr ertragen. Auch aus dem eigenen Schreiben und der Beschäftigung mit den Büchern und Manuskripten anderer Autoren schöpfe ich viel innere Kraft – ich werde dem Lesen und Schreiben viel mehr Raum in meinem Leben geben.

Und schließlich sind es auch die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen. Ich habe angefangen zu reisen, um an besonderen Orten besondere Menschen zu treffen. Und das erfüllt mich sehr. Die Entscheidung, alleine zu reisen, nur in Begleitung meiner lieben Berner Sennenhündin Senta, erleichtert mir vieles und ermöglicht mir, frei und unabhängig zu bleiben. Ich habe mit Theresia Berger eine tolle Fotografin gefunden, die die meisten Fotos dieses Blogartikels am Chiemsee realisiert hat.

Ich bin dankbar für alles, was mir andere Menschen gegeben haben. Und ich liebe mich, meinen Hund und mein neues Leben.

beate-forsbach-1803Nun ist das neue Jahr inzwischen schon fast 48 Stunden alt – es war mir ein Bedürfnis, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick aufzuschreiben. Vor allem aber auch, meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, den Menschen gegenüber, die mich im vergangenen Jahr 2016 begleitet, ermutigt und immer wieder zum Weitermachen motiviert haben, denn Aufgeben war niemals eine Option für mich.

Ich bedanke mich bei Ihnen, den Lesern meines Blogs für Ihr treues Folgen und Ihre zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Sie auch im Jahr 2017 weiter dabei sind.

Für das neue Jahr 2017 wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

PS: Lesen Sie bitte auch mein Interview mit 16 Fragen zum Jahresrückblick mit Annette Maria Böhm von Lebe-Liebe-Lache.com, das am 30. Dezember 2016 erschienen ist.

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Zwischen den Jahren

img_1599Ein wenig „abtauchen“ nach Vorweihnachtsstress und Weihnachtsfeiern – wie schön ist das und wie tut es uns gut! Ich hatte Besuch gehabt zu Weihnachten, hatte mich gefreut, mal wieder so zu feiern, wie ich es mit meinem lieben Mann immer getan hatte. Aber es war natürlich nicht dasselbe, und so war ich froh, als es am Abend des ersten Weihnachtstages ganz still in meinem Haus wurde. Ich freute mich über den schön geschmückten Weihnachtsbaum und die gute alte Krippe, und über meinen Hund, der ganz brav da lag und offenbar auch etwas gestresst war.

img_1681img_1706Und so verbrachten wir den zweiten Weihnachtstag überwiegend im Freien, bei langen Spaziergängen am Strand.

img_1724Während es am Mittag in Fehmarnsund noch sehr sonnig war, wurde es später düsterer, als wir am Südstrand waren. Pechschwarze Wolken zogen heran.

img_1755Schließlich mussten wir vor heftigen Orkanböen mit Hagelschauern Schutz suchen und kamen völlig durchnässt wieder zu Hause an. Nach einem heißen Bad und einem kräftigen Tee wurde es so richtig behaglich zu Hause, ich spielte in Ruhe aus den neuen Klaviernoten. Und am Abend schauten wir uns das „Traumschiff“ an, eine angenehme Entspannung, die für mich irgendwie zum zweiten Weihnachtstag dazu gehört. Das Telefon hatte ich übrigens an diesem Tag stumm geschaltet.

An den Tagen danach gab es viel zu tun, viele Dinge zum Jahresabschluss waren zu erledigen, dazu gab es Erfreuliches zu unserer Neuerscheinung „Mein Weg über die Alpen“ von Barbara Messer. Das Buch war ganz kurz vor Weihnachten erschienen und lag wohl auf vielen Gabentischen. Und dann erreichten uns bereits die ersten sehr schönen Rezensionen. „Für mich ist dieses Buch eines der besten, das ich 2016 lesen durfte“, schreibt die erste Rezensentin und ich ergänze: Für mich ist diese Buch eines der besten, das ich 2016 verlegen durfte. Nun freue ich mich schon auf die Buchvorstellung am 2. Februar 2017 im Literaturhaus Berlin! Wieder eine Premiere für meinen kleinen Verlag.

Gestern war der Tag bestimmt vom Gedenken an meine liebe alte Freundin Tilli, die uns kurz vor Weihnachten verlassen hat und für die ich eine Kerze angezündet habe. Ich habe sie im gestrigen Blogartikel ausführlich gewürdigt – mit ihrem eigenen Text „Ein glücklicher Tag“, denn Ottilie Krafczyk war auch unsere Autorin. Sie hatte zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht: „Starke Frauen und die Liebe“.

Leider wurde diese Gedenkstimmung ein wenig gestört, und ich schrieb etwas, das ich nur ganz selten schreibe: „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich die letzten Tage und Stunden des alten Jahres nunmehr privat verbringen möchte.“

img_1780Und wie immer war der Ausflug zum Strand für mich der Gegenpol zu Trauer und Stress. Wunderbare Stille am Meer, bei strahlendem Sonnenschein – Zeit, alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein, Kraft zu schöpfen und mich mit meinem fröhlichen Hund an dem schönen Tag zu erfreuen!

img_1782Am Nachmittag dann kam der vorläufige Höhepunkt dieser Zeit „zwischen den Jahren“: unser Spaziergang am Südstrand.

img_1814Ihr werdet es kaum glauben, wie glücklich ich bin, dass ich solche herrlichen Strandspaziergänge mit meiner Senta machen kann. Wir waren mehrere Stunden unterwegs und sind mehr als 10 km gelaufen. Am Nachmittag am belebten Südstrand, immer der Sonne entgegen, deren Untergang ich dann beobachten konnte.

img_1821Dass das möglich ist, verdanke ich dem Mensch-Hunde-Therapeuten José Arce, der am 2./3. August hier bei uns war und uns gezeigt hat, wie Senta im Auto mitfahren kann. Na ja, ein bisschen verdanke ich es auch mir selber, weil ich den Entschluss gefasst sowie Geld, Zeit und Mühe investiert habe. So hat sich mein Leben – und auch Sentas Leben – seitdem stark verändert. Nicht nur, dass wir verreisen und jeden Tag zum Strand fahren können, nein, ich weiß auch, dass es möglich ist, seine Träume zu verwirklichen. Wenn man es nur genug will, wenn man konsequent ist und seine eigenen Wünsche ernst nimmt und sich erfüllt. Und noch etwas: manchmal verliert man bei einer solch großen Lebensveränderung auch Wegbegleiter, die da nicht mehr mitkommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist schade, aber man findet auf der nächsten Wegstrecke viele neue Freunde, vor allem mit einem solch süßen Hund als Begleiter. Wie oft strahlen die Leute uns an oder lächeln, wenn sie uns entgegen kommen.

img_1791Heute habe ich bei traumhaftem Winterwetter mit Senta einen langen Spaziergang gemacht – weiter als ich von Fehmarnsund aus jemals gegangen bin, bis nach WULFEN, wo ich noch NIE gewesen bin in den über 39 Jahren, seit ich das erste Mal nach Fehmarn kam. Ein tolles Erlebnis am vorletzten Tag des Jahres.

img_1867Am Nachmittag dann noch ein Spaziergang nach Sonnenuntergang am Südstrand – der rosige Himmel über uns, entlang der blauen Ostsee, die ganz sanft rauschte. Zeit zur Besinnung über dieses Jahr, das schon fast zu Ende ist, und der Gedanken an das nächste Jahr. Zu Hause angekommen dann die Überraschung: Ich freue mich sehr darüber, dass mein Interview zum Jahresrückblick mit Lebe-Liebe-Lache.com gerade heute erschienen ist. Herzlichen Dank an Annette Maria Böhm, die dieses Interview mit mir geführt hat. Hier können Sie das Interview lesen

img_2435Nun bleibt mir noch Zeit, Ihnen/Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.

img_1811-kopieMeinen guten Wünschen zum neuen Jahr möchte ich noch diesen irischen Segenswunsch hinzufügen:

Mögen alle deine Träume wahr werden,
mögen alle deine Himmel blau sein,
mögen alle deine Freunde wahrhaft Freunde sein,
mögen alle deine Freuden vollkommen sein,
mögen Glück und Lachen alle deine Tage ausfüllen.

Auf ein glückliches neues Jahr 2017!

Strandspaziergänge

img_0379Wir gehen fast jeden Tag zum Strand – wir, das sind meine Berner Sennenhündin Senta und ich. Es war nicht immer so: Erst seitdem sie im August gelernt hat, ins Auto einzusteigen, fahren wir zu den schönsten Stränden auf unserer Sonneninsel Fehmarn, um dort lange Spaziergänge zu machen. Sonntags fahre ich gerne zum Südstrand, der ziemlich weit von Neujellingsdorf entfernt ist. Fast täglich fahren wir nach Fehmarnsund, zu meinem Lieblingsstrand unterhalb der Fehmarnsundbrücke, der in gut zehn Minuten mit dem Auto zu erreichen ist.

Heute war das Wetter nach zwei regnerischen, nebligen Tagen voller Dunkelheit plötzlich wunderschön. Senta hatte mich schon vor der üblichen Zeit geweckt, die Sonne strahlte vom wolkenlosen Himmel – und so fuhren wir gegen unsere Gewohnheit schon am späten Vormittag zum Südstrand.

img_0364Es war eine unwirkliche Schönheit, die wir dort erblickten: blauer Himmel, blaues Meer, kilometerlanger weißer Sandstrand und kaum Menschen.

Senta hüpft und springt am Strand vor lauter Vergnügen, und ich wandere am Wasser entlang, komme ganz zu mir, beruhige mich und vergesse, dass ich noch vorgestern gesagt hatte, ich könnte jetzt drei Jahre Urlaub gebrauchen. Die Sonne spiegelt sich gleißend hell im Wasser, das Meer ist ganz ruhig, es ist warm in der Sonne – der dicke Ledermantel, Mütze, Handschuhe und die gefütterten Stiefel sorgen für wärmende Behaglichkeit.

img_0350Wir begegnen nur wenigen Menschen, überholen einige, die skeptisch auf den großen schwarzen Hund schauen – schade, ich hätte gerne ein Foto von uns beiden gehabt an diesem wundervollen Tag. So nehme ich wenigstens ein „Selfie“ auf, denn Senta kann leider noch nicht fotografieren.

img_0369Wenn ich jetzt eine Videobotschaft aufgenommen hätte: was wäre der Inhalt gewesen? An diesem wunderbaren Sonntag, dem ersten Advent, hätte ich vom Frieden gesprochen, der mich erfüllt und den ich um mich herum empfinde. Von der Freude, die ich spüre – Vorfreude auf etwas, von dem ich nicht so genau weiß, was es eigentlich ist. Von der Erwartung eines Wunders, von dem ich nur träume, es mir aber gar nicht so richtig vorstellen kann.

Ich hätte noch mehr erzählen können: Von all den Erinnerungen, die mir hier an diesem Strand kommen – an unzählige Strandspaziergänge, die ich alleine gemacht hatte, als ich noch mit meiner Mutter hier gewesen war, an Strandspaziergänge, die dann immer kürzer wurden, als ich mit meinem Mann hier war. Bis er gar nicht mehr mitgehen konnte. Von der Bank hinter dem Wäldchen, bis zu der ich immer gegangen war, bevor ich ihn kannte – manche Erinnerung wäre auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

img_0376Und dann sah ich ein Paar mit Hund – sie blieben stehen, als ich näher kam. Und der Mann sagte: „Was für ein herrlicher Tag heute – man müsste immer hier auf Fehmarn leben.“ Worauf ich sagte: „Ja, ich lebe hier, und ich finde es wunderschön heute hier am Strand.“ Und ich bat ihn, ein Foto von Senta und mir zu machen.

img_0378Er würde auch gerne mit seiner Frau und dem Hund nach Fehmarn ziehen – schon aus gesundheitlichen Gründen. Und als wir uns noch darüber unterhielten, kam wie zur Bestätigung eine Bekannte vorbei, die vor einigen Jahren nach Fehmarn gezogen war, aus einer fernen Großstadt. Sie strahlte das Glück der zugezogenen Inselbewohner aus.

Gemeinsam gingen wir weiter – meine Gedanken und Erinnerungen, die schon vor drei Tagen beim Strandspaziergang ganz präsent gewesen waren, bekamen nun eine neue Bedeutung: diesen Menschen bei ihrer Entscheidung für die Insel zu helfen. Denn das Leben währt nicht ewig – gerade wenn man mit einer schweren Erkrankung konfrontiert ist, sollte man sich seinen Lebensmittelpunkt sorgfältig auswählen. Und schon waren wir bei dem Thema Gesundheit.

img_0382Das gute Ostseeklima, der blaue Himmel, der Sonnenschein – es gibt kaum einen Tag, an dem die Sonne nicht scheint – das Gefühl der Weite und Unendlichkeit, das man am Meeresrand verspürt, dazu die Bewegung mit dem Hund, der fröhlich am Strand entlang läuft und auch im Winter gerne badet. Die weitgehend stressfreie Lebensweise auf der Insel – na ja, im Sommer herrscht hier schon Stress, aber der wird durch die erholungsbedürftigen Urlauber mitgebracht.

img_0357Im Winter dagegen ist es ruhig, man kann tief durchatmen. Und diesem Paar ging es so, wie es auch meinem Mann und mir immer gegangen war: Wenn man zur Insel hinfuhr, verspürte man eine große Vorfreude und jubelte, sobald die Fehmarnsundbrücke zu sehen war. Wenn man aber wieder zurückfuhr, hatte man schlechte Laune und freute sich so gar nicht auf zu Hause.

Fehmarn – ein magischer Ort? Ja, das kann so sein, denn wie viele Menschen habe ich schon hier kennengelernt, die nicht wieder weg wollten von der Insel – so wie mein Mann und ich, als wir vor sechs Jahren beschlossen, einfach hierzubleiben, ein Haus zu kaufen und ein Hündchen anzuschaffen. Natürlich ist das hier nicht so eine Art „Dauerurlaub“, man muss auch dafür sorgen, dass der Lebensunterhalt gewährleistet ist. Der Mann hatte ein wenig Bedenken, denn so ganz ohne Geld … aber er nannte Beispiele von Menschen, die es gewagt hatten, sich eine positive, lebensbejahende Umgebung zu suchen.

Ich fragte, was er tun würde, wenn er nur noch ein Jahr zu leben hätte. Diese Frage hatte ihn wohl auch schon beschäftigt. Mein Mann und ich waren vor sechs Jahren hierher gezogen, eine Bekannte hatte damals gesagt: macht es, wenn ihr erst Hundert seid, bereut Ihr es, dass Ihr es nicht getan habt. Und so hat mein Mann immerhin noch dreieinhalb Jahre in dieser schönen Umgebung gelebt.

img_0386Wir gingen weiter und weiter. Plötzlich fiel mir die Bank wieder ein, bis zu der ich früher immer gegangen war. Zwar war es nicht mehr dieselbe Bank, aber der Mann machte ein Foto von mir und Senta – ohne zu wissen, was mich mit dieser Bank verband.

Ich war heute weiter gegangen, als ich sonst in all den Jahren gegangen war. Als ich sagte, dass ich umkehren wollte, begleitete mich das Paar mit dem Hund, der sich genau wie Senta über meine Leckerli freute. Auf dem Rückweg sprachen wir über Möglichkeiten, auf dieser Insel seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich erfuhr viel von den Leuten und gab ihnen meine Verlags-Visitenkarte – wer weiß, wann man sich einmal wiedersieht. Der Abschied war voller Optimismus und Vorfreude auf die Zukunft – vielleicht, nein, ganz sicher würden wir uns einmal wiedersehen.

Senta wollte gar nicht wieder vom Strand weg, aber ich zog sie in Richtung Auto, denn wir sollten jetzt etwas essen – jedenfalls sagte mir das mein Magen. Das Mittagessen war nur kurz an diesem Sonntag, und schon fuhren wir zu unserem Lieblingsstrand in Fehmarnsund.

img_0417Senta badete und freute sich ihres Lebens. Und dann legte sie sich in den Sand, als wollte sie den ganzen Tag hierbleiben. Zu schön war der Ausblick – und ich dachte wieder darüber nach, dass ich im nächsten Sommer öfter und länger mit Senta an den Strand gehen möchte, um dort nicht nur zu laufen, sondern auch Zeit zu verbringen, um mich zu sammeln und zu erholen, um nicht im Stress des Alltags durchzudrehen, um Ruhe und Frieden zu finden.

img_0422Wem nützt die viele Arbeit, wenn ich diese traumhafte Umgebung am Meer nicht täglich genießen kann? Vor einigen Jahren hatte ich mal Menschen kennengelernt, die jeden Tag an einen Strand hier auf der Insel gingen. Ich hatte davon geträumt, konnte es aber nicht umsetzen, weil Senta ja nicht ins Auto einsteigen wollte. Bis ich einen Mensch-Hund-Therapeuten engagierte, der uns Anfang August an zwei Tagen alles vermittelte, was uns fehlte: Fortan fuhren wir jeden Tag mindestens einmal an einen Strand. Aber ich schaute immer auf die Uhr: Oft waren wir in den letzten Wochen so spät dran, dass wir uns beeilen mussten, nicht ins Dunkel zu geraten. Schließlich wartete ja meine Arbeit!

img_0433Heute aber hatte ich mir Zeit gelassen – schließlich war es der erste Advent. Am Strand von Fehmarnsund gingen wir heute so weit, wie ich noch nie gegangen war. Verirren kann man sich ja nicht, wenn man immer am Wasser entlang geht. Und so gingen wir auch bei unserem zweiten Strandspaziergang an diesem Sonntag weiter, als wir je gegangen sind.

img_0455Und ich fand immer neue, unerwartete Perspektiven – und Senta fand immer neue interessante Eindrücke. Auf dem Rückweg dann erlebten wir das grandiose Schauspiel der untergehenden Sonne – und fuhren müde, aber glücklich, zurück nach Hause.

img_0463img_0487img_0491Am späten Abend dieses wunderschönen Tages machten wir wieder unseren Spaziergang durchs Dorf – und erlebten den schönsten Sternenhimmel, den ich seit Jahren gesehen hatte. Denn vor vier Wochen noch war ich mit Senta nicht mehr nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Haus gegangen.

Fazit: Am Strand finden wir wieder zu uns und unseren geheimen Wünschen. Und: wir sollten einfach das tun, was wir tun möchten. Denn wir wissen nie, ob es nicht eines Tages zu spät dafür ist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns eine wundervolle Adventszeit, in der wir voller Vorfreude sind auf das Wunder, das uns erwartet und von dem wir träumen.

 

 

Willkommen im Leben!

IMG_0305Heute vor drei Wochen hatte ich einen Mensch-Hunde-Therapeuten vom Hamburger Flughafen nach Fehmarn geholt: José Arce aus Mallorca. Ich kann mich noch an den Abend voller Spannung und Vorfreude erinnern. Jeden Tag war ich seitdem mehrfach mit Senta im Auto unterwegs zu den schönsten Stränden unserer Insel und zur Inselhauptstadt. Sogar mit den Hundefreundinnen waren wir schon unterwegs zum Strand von Großenbrode.Und heute vor einer Woche war ich wieder voller Vorfreude: Senta und ich sind nach Bayern gereist, haben Würzburg und Bamberg besucht. Das Leben bietet uns immer wieder neue Möglichkeiten, uns weiterzuentwickeln. Wir können jeden Tag aufs Neue damit beginnen.

IMG_3667„Willkommen im Leben“, sagte José Arce, als ich ihn am zweiten Tag seines persönlichen Workshops hier auf Fehmarn mit Senta in der Stadt abholte. Nicht nur für Senta hat ein ganz neues und aufregendes Leben begonnen, auch für mich. Erst vor ein paar Tagen sprach ich in einem Interview über Neuanfänge im Leben, vor denen sich mancher fürchtet. Auch ich musste während der Arbeit mit José einige Glaubenssätze, Sichtweisen, Vorbehalte, Zweifel und Gewohnheiten erkennen und aufgeben. Auch ich spürte ein leichtes Bauchgrimmen, als ich alleine mit Senta losfahren sollte. Ich sagte mir: „Du schaffst es. Man soll niemals seine Träume aufgeben.“ Und als Senta dann auf der Rückbank lag, spürte ich, wie es mir besser ging, der Mut und die Zuversicht immer stärker wurden und meine Kraft zum Weitermachen zunahm.

IMG_3664 IMG_3654 IMG_3647 IMG_3646Mit diesem Buch hatte ich José Arce vor fast 2 Jahren entdeckt: Eine glückliche Mensch-Hund-Beziehung – das wünschte ich mir.

51b6lApck2L._SX376_BO1,204,203,200_Jeden Tag übe ich mit Senta, nun wartet sie schon immer, dass es endlich losgeht. Wir waren an Stränden, in der Stadt, in Cafés und Restaurants und schließlich auf dem Friedhof, am Grab meines Mannes und Sentas Herrchens. Und alles ging gut und in aller Ruhe.

IMG_6022IMG_6328IMG_5866IMG_5875 IMG_5869IMG_6083IMG_6076Ganz vorsichtig begann ich, meine Reisepläne zu konkretisieren. So viele Unsicherheiten gab es noch für mich, weil ich noch nie mit einem Hund verreist bin. Und so sind wir letzte Woche nach Bamberg gefahren, eine Freundin hatte uns eingeladen, in ihrem Haus zu wohnen. Und dann geht es endlich bald auch nach Armentarola.

IMG_6509IMG_0478Freude und Trauer – so nannte Verena Ullmann ihren Post über meinen Besuch mit Senta. Ja, meine Freude war riesengroß: darüber, dass ich mit meinem Hund eine Reise von fast 700 km mit dem Auto geschafft habe, dass wir zusammen in Bayern waren, über die freundliche Einladung, die Ermutigung und die Unterstützung von Verena Ullmann, aber auch über die schönen Besuche in Würzburg und Bamberg. Dort war ich vor allem wegen meines Zahnarztes.

IMG_0514Wirklich glücklich war ich aber, weil ich nun mit Senta auf den Spuren ging, die ich vor Jahren zusammen mit meinem Mann gelegt hatte. Wir haben ja fast 7 Jahre in Bamberg gewohnt, bis er krank wurde und wir 2010 diesen Wohnsitz aufgaben, um nur noch auf Fehmarn zu wohnen. Schließlich konnten wir auch nicht mehr reisen.

IMG_0526IMG_0542IMG_0549Und so wurde diese Reise auch zu einem Stück Trauerbewältigung für mich, das wurde mir erst klar, als wir von Bamberg wegfuhren. Senta hat sicherlich mein Glück und meine innere Ruhe gespürt, so dass sie überall ohne Bedenken mit mir ging: an Autobahnraststätten inmitten vieler Autos, durch dichtes Menschengewühl in der Innenstadt, durch Parkhäuser, in Aufzüge, in Restaurants und sogar zum Zahnarzt 🙂

IMG_6537IMG_6480„Du kannst einen Hund nicht belügen, er spürt, wer es ehrlich mit ihm meint“, schreibt Verena. Ja, das habe ich auch und vor allem durch den persönlichen Workshop mit José Arce erlebt, der uns als Mensch-Hunde-Therapeut auf den rechten Weg gebracht hat.

IMG_6185Die Erfolgserlebnisse der letzten Tage, die spürbare Liebe meines Hundes und der Traum, mit Senta in die Berge zu fahren, geben mir ganz viel Kraft, jeden Tag einen Schritt weiterzugehen.

IMG_6549Mein Tipp für alle, die sich mit dem Gedanken an ein neues Leben tragen, sich aber noch nicht trauen:

Anfangen, durchhalten und niemals aufgeben.
Man sollte niemals seine Träume aufgeben.

Einen Teil dieses Textes habe ich noch in mein neues Buch „Neubeginn & Mee(h)r“ eingefügt, obwohl die Druckfahnen schon fertig waren. Aber dieser Neubeginn – Autofahren und Reisen mit Senta – hat mein Leben von Grund auf verändert.

Edition Forsbach-7Ich spüre eine Kraft in mir,
die mich allem Wandel gelassen begegnen lässt.
Beate Forsbach

(Fotos: José Arce, Verena Ullmann, Ralf Dombrowkski, Beate Forsbach)

Eine Woche voller Glück

Edition Forsbach Facebook-26Im Leben einer Unternehmerin gibt es viele „Aufs und Abs“ – und nur selten kommen Momente, in denen man am liebsten aufgeben möchte. So einen Tag hatte ich neulich erlebt. Es war alles zu viel geworden, der Mut verließ mich, und dann war ich gleich drei Tage unterwegs – nach Lübeck und wieder mal nach Bamberg, wo meine Zahnbehandlung nach dem Sturz vor über fünf Monaten vorerst abgeschlossen wurde. Meine Arbeit blieb liegen und einige Projekte, in die ich viel Zeit investiert hatte, kamen nicht zustande. Ich war unzufrieden mit einem Mitarbeiter und wollte eigentlich nur noch ein Buch pro Jahr produzieren – mein eigenes.

Zum Glück habe ich ein gutes Netzwerk und einige besonders gute Freunde. Durch Gespräche mit ihnen bekam ich wieder Mut, Motivation, Lust und Energie. Das Leben schickt uns wirklich alles, was wir brauchen – so habe ich es wieder einmal erfahren.

Am Sonntag kam dann das Beste des Tages, das Beste dieses Wochenendes – das Allerbeste, was passieren konnte: Senta ist fünfmal (!!!!) durch das Auto über den Rücksitz gekrabbelt – und fand Freude an diesem Spiel – es gab einmal Camenbert, sonst Leckerlis. Ich habe sie über den grünen Klee gelobt – sie war selbst ganz begeistert! Denn Senta ist seit Jahren nie in mein Auto eingestiegen! Nun aber – und das war meine Hoffnung – geht sie mutig in mein neues Auto hinein.

IMG_2703 IMG_2720 IMG_2708 Ich habe bereits ein Ziel formuliert, und arbeite nun daran, es zu erreichen: Ich wünsche mir, nein ich will, dass sie im September mit mir nach Armentarola fährt. Dann können wir nämlich ein paar Tage länger dort bleiben. Und nach Bamberg will ich sie auch mitnehmen, wenn ich wieder zum Zahnarzt muss – ich gehe dann in ein anderes Hotel, weil es fußnah zum Hain ist, wo es eine ganz tolle Hundewiese gibt. Das Hotel habe ich schon ausgesucht, mein jetziges Hotel nimmt keine Hunde.
All das habe ich Senta schon erzählt.

Am Sonntagabend fiel mir plötzlich ein, dass ich vor ein paar Wochen ein Interview mit Katharina Boersch gemacht hatte, und sie schrieb mir, dass es am Montag um 6 Uhr veröffentlicht werden würde. Natürlich war ich dann um diese Zeit auch ohne Wecker wach … und hörte mir das Interview an.

Die Ankündigung:

In der heutigen Episode spricht Katharina Boersch-Stefanic mit Verlegerin und Autorin Dr. Beate Forsbach.

Du erfährst:

  • Warum Frau Dr. Forsbach ein echtes Schriftsteller-Leben führt
  • Wie eine Aussage eines Verlegers zur Gründung ihres eigenen Verlages geführt hat
  • Wie Selfpublishing für Autoren funktionieren kann
  • Wie du den Inhalt für dein Buch konzipierst
  • Warum die Konzeption vor dem Manuskript kommt
  • Warum Heimat und Werte zusammengehören
  • und Social Media neue Kunden bringt

Hier können Sie das gesamte Interview hören:

EW72 Bücher Schreiben Verlegerin Dr. Beate Forsbach im Interview

Dann ging es weiter mit erfreulichen Gesprächen mit jetzigen und zukünftigen Autoren sowie einem Grafiker, der neuerdings in meinem Verlag mitarbeitet. Er hat bereits einige Buchcover optimiert und wird den Buchsatz für unsere Neuerscheinung „Jammerlappen Express“ machen. Die Cover: „Wellenflüstern“ ist die Fortsetzung unseres Erfolgsromans von 2014 – Stella Cornelius-Koch schreibt über drei Freundinnen zwischen Fehmarn und Heiligenhafen.

Cover_Wellenfluestern_080316.inddDer „Jammerlappen Express“ von Dirk-Oliver Lange zeigt Ihnen den Weg von Jammerstadt über Nörgelhausen, Unfreundlichburg und Traurigheim nach Glückstadt.

Cover_Jammerlappen_Express_030316.inddAm Montagabend war dann der fünfte Kalender „Impressionen von der Sonneninsel Fehmarn“ im Druck – der Jubiläumskalender – so früh wie diesmal war ich noch nie damit fertig.

9783959040037Für Donnerstag hatte ich eine Einladung auf der Buchmesse in Leipzig. Ich plante die Fahrt dorthin und daraus ergab sich: Ich muss mal wieder zum Friseur. Der Termin war Mittwoch mittag. Und da die Wettervorhersage gut war, verabredete ich mit Ralf Dombrowski, einem Fotografen, der seit einigen Monaten auf unserer Insel lebt, ein Fotoshooting am Strand von Fehmarnsund.

Dort trafen wir uns um 14.15 Uhr – und bereits um 15 Uhr saßen wir wieder im Auto und fuhren zu mir nach Hause, um noch Fotos von Senta zu machen. Ralf hatte ein Feuerwerk von Ideen parat – ich suchte ein Coverfoto und auch ein Portraitfoto. Nett und sympathisch gab er mir Anweisungen, wo ich sitzen oder stehen sollte, wie ich schauen sollte, welche Jacke und Brille ich anziehen sollte usw. usw. – und schließlich war eine ansehnliche Menge von Fotos zusammen. Er hatte auch die Idee zum Coverfoto für mein neues Buch – das habe es erst Donnerstag morgen auf Facebook gepostet und die zahlreichen Likes zeigten mir, dass es das richtige Foto für mein Jubiläumsbuch „Neubeginn & Mee(h)r“ ist. Einige meinten schon, das könne man gut für ein Buchcover nehmen.

Edition Forsbach Facebook-18Edition Forsbach Facebook-13Bei mir zu Hause hat Ralf dann noch Fotos von Senta und mir gemacht – auch da war ein Foto für ein Buchcover gesucht. Und er hatte eine gute Idee … Dann hat er aus seinen Fotos die besten herausgesucht, direkt bearbeitet und mir da gelassen – zu meiner großen Freude, denn das war das erste professionelle Fotoshooting meines Lebens.

Edition Forsbach Facebook-39Edition Forsbach Facebook-36Edition Forsbach Facebook-32Die Resonanz auf die neuen Fotos war ganz enorm. Und so postete ich am Donnerstag das auserwählte Coverfoto für ein neues Jubiläumsbuch „Neubeginn & Mee(h)r“. Als auch da die Resonanz groß war und sogar in Kommentaren angeregt wurde, dieses Bild als Buchcover zu nehmen, veröffentlichte ich das neue Buchcover.

Cover_Neubeginn_und_Meehr_180316.inddDas Buch wird anlässlich des 5-jährigen Jubiläums meines Verlages erscheinen. Die Beiträge bieten einen repräsentativen Querschnitt durch mein Schaffen in den Bereichen Lebenskunst, Schreiben & Veröffentlichen sowie Musikpädagogik.

Am Donnerstag fuhr ich dann doch nicht nach Leipzig zur Buchmesse – es wäre ziemlich anstrengend gewesen, außerdem war meine Putzhilfe für den ganzen Tag angesagt. Gut so, denn am Vormittag rief Helga König an, die eine wundervolle Rezension über mein neues Buch „Bücher schreiben mit Herz“ verfasst hat. Ein Interview wird noch folgen.

Hier können Sie die Rezension lesen: http://helga-koenig-ratgeber.blogspot.de/2016/03/rezension-bucher-schreiben-mit-herz-der.html

Heute, am Freitagabend, bin ich zwar etwas müde – kein Wunder nach all den Erlebnissen dieser Woche voller Glück. Aber ich bin sehr dankbar für alles, was ich in dieser Woche erlebt habe. Und nun kommt wieder die schönste Stunde des Tages, wenn ich mit Senta auf dem Sofa sitze, ein Glas Rotwein genieße, für Senta ein Stückchen Camembert und dann hören wir Chopin oder Schubert oder Brahms – natürlich Klaviermusik von der CD. Und morgen werde ich wieder selber spielen auf meinem schönen Flügel.

IMG_9335Ich bedanke mich von Herzen bei allen, die zu dieser Woche voller Glück beigetragen haben. Ich wünsche allen meinen Freunden und Lesern dieses Blogs ein wundervolles Wochenende und die Gabe, das Glück zu spüren, auch wenn es nur in ganz kleinen Glücksmomenten zu erkennen ist.

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Senta & ich

SentawebSchon fast fünf Jahre lebt Senta jetzt bei mir auf Fehmarn, bereits zwei Jahre lebe ich mit ihr allein – wir sind ein starkes Team geworden.

Mir gefiel Senta als vier Wochen alter Welpe, weil sie sich nicht auf meinen Schoß begab und an meinem Finger nuckelte, wie ihr Schwesterchen. Ich sehe mich noch dort auf dem Fußboden sitzen, neben der Wurfkiste – Senta saß stolz da, drehte mir den Rücken zu und tat so, als würde sie sich gar nicht für mich interessieren. Es gab ja dann auch bald was zu fressen …

IMG_9346Ihren Namen bekam Senta übrigens von uns – mein Mann und ich haben einen ganzen Abend überlegt. Möchten Sie vielleicht, dass Ihr Hund so heißt wie Ihre Tante oder Mutter? Einen amerikanischen Namen mochten wir nicht. Senta wurde von uns nach unserer Lieblingsschauspielerin Senta Berger benannt.

IMG_2076„Warum haben Sie sich eigentlich keinen kleineren Hund angeschafft,“ fragte mich mal jemand. Ja, warum eigentlich? Warum habe ich Senta?

IMG_2191 - Arbeitskopie 2Mein Mann wollte immer ein „Hündchen“, wie er sagte. Und als wir einige Bilder anschauten, wollte er einen noch größeren Hund – denn er saß im Rollstuhl und er hatte immer viel Angst. Über eine Anzeige im Internet kamen wir auf die Rasse der Berner Sennenhunde, die perfekt zu uns zu passen schien. Wir hatten noch nie einen Hund gehabt, und es war nicht immer ganz einfach, diesem Welpen mit den spitzen Zähnchen wirklich gerecht zu werden. Einige Möbel haben noch Spuren aus dieser Zeit …IMG_2124Senta fühlte sich von Anfang an pudelwohl bei uns – sie hatte sogar zur Begrüßung eine eigene Decke von einer Freundin aus Amerika bekommen. Ich schrieb einen Blog „Senta ist da – Ein Berner Sennen Baby auf der Sonneninsel Fehmarn“ und viele Freundinnen schrieben Briefe an Senta. Die aber interessierte sich mehr für die zahlreichen Stofftiere in unserem Haus – nur Leo, der Löwe, hat bis heute überlebt.

IMG_2323Sehr früh interessierte sie sich schon für den Computer und den Verlag, zerknabberte das eine oder andere Buch – eine Frau, der ich ein Buch verkaufen wollte, das nun angeknabbert war, schrieb: „Ist Ihr Welpe intellektuell interessiert?“

IMG_2170Auf jeden Fall wurde Senta mein Verlagsmaskottchen – sie weiß inzwischen, wann es besser ist, Frauchen nicht beim Schreiben und Telefonieren zu stören. Sie erkennt aber auch die richtigen Momente, wenn dringend ein Spaziergang zum Meer angebracht ist.

VerlagsmaskottchenSie sorgt für meine Gesundheit, schon morgens muss ich lachen, wenn ich aus dem Bett komme und sie liegt da und will gekrault werden. Wenn es mir mal nicht so gut geht, dann schläft sie im Schlafzimmer, als wolle sie mich beschützen. Die täglichen Spaziergänge zum Meer tun mir gut, es ist schön, ihr wippendes Schwänzchen zu beobachten, ihre Freude, wenn sie mal wieder ein Kaninchen riecht, es tut gut, wenn sie ganz nah neben mir geht – ohne Leine – weil sie von irgendwoher ein Geräusch gehört hat, das sie meinen Schutz suchen lässt. Oder – es ist ihre neueste Gewohnheit – wenn sie sich hinsetzt und mich ganz lieb anschaut, um ein Leckerli zu bekommne.

IMG_0820Senta ist auch eine Seelengefährtin – sie spürt meine innersten Regungen. Sie trauerte mit mir um ihr verstorbenes Herrchen, kennt heute noch den Weg zu seinem Grab. Sie freut sich mit mir, wenn etwas besonders Schönes passiert. Sie begrüßt Gäste in meinem Haus freudig, wenn ich sie gerne mag, dann mag sie sie auch, und sie hat mich auch schon vor unliebsamen Besuchern beschützt. Sie versteht jedes Wort, einige Worte aber besonders gut: „spazieren“, „lecker“, „zum Meer“ sind ihre Favoriten. Das Meer liebt sie ganz besonders, auch die Enten und Schwäne, die dort schwimmen. So läuft sie auch im Winter gerne ins Wasser, kommt aber bald wieder heraus, wenn es zu kalt ist.

IMG_2380Leider mag sie nicht Autofahren, und so bleibt sie daheim und bewacht Haus und Garten, wenn ich nicht da bin. Senta ist meine allerbeste Freundin, sie ist treu und geduldig, sie weiß, ob ich am Abend am Schreibtisch sitzen werde oder lieber auf dem Sofa, um mit ihr zusammen einen Film anzuschauen oder Musik zu hören.

IMG_0077Neulich schrieb ich bei Facebook eine kleine „Liebeserklärung“ an diesen Hund:

So ein Hund sitzt einfach da und schaut Dich an, manchmal kommt er und stupst Dich mit seiner Nase, wenn Du wieder zu lange am Computer sitzt und ihn nicht beachtest. Er spricht nicht, er schreibt keine Emails, er chattet nicht, er liket nicht – er schaut einfach mit seinen großen braunen Augen. Er wartet auf Dich, er macht sehr deutlich, wenn er etwas will, etwas anderes, als Du willst. Er ist da, wenn Du nicht schlafen kannst, er hört mit Dir Musik, er spürt, was Deine Seele bewegt, er sitzt beim Essen neben Dir. Er wartet geduldig, wenn Du wieder mal ein paar Stunden weggefahren bist, auch nach mehreren Tagen Abwesenheit wirst Du stürmisch begrüßt. Er ist nie verletzt von dem, was Du sagst oder tust, er ist nicht nachtragend, wenn Du mal mit ihm geschimpft hast. Am Morgen wartet er geduldig, bis Du endlich aufgestanden bist, aber dann möchte er Zärtlichkeit nach der langen Nacht. Er feiert jeden Tag aufs Neue den allergrößten Moment: wenn Du die Leine nimmst und mit ihm hinaus gehst zum Meer. Und am Abend wartet er so lange, bis Du endlich vom Schreibtisch kommst und Dich aufs Sofa setzt, er ist gleich neben Dir, denn nun beginnt die gemütlichste Stunde des Tages.

IMG_9335Ja, Senta mag es gerne gemütlich am Abend – wir teilen uns das große Ledersofa, manchmal legt sie ihren Kopf in meinen Schoß. Sie hört gerne Chopin und mag Camembert – Rotwein trinkt sie noch nicht – und wenn ich eine kleine Feier veranstalte, ist sie begeistert dabei. Schließlich gibt es für sie dann auch einige Leckerbissen. Sie liebt es, wenn ich auf meinem schönen Flügel spiele – sie legt sich dann direkt davor und hört zu.

IMG_8470Nie hatte ich mir einen Hund gewünscht in meinem früheren Leben – als mein Mann starb, war ich plötzlich alleine mit dem Hund und: wieder abhängig. Und nicht besonders glücklich darüber. Ich konnte nie wegfahren, wie ich wollte, also blieb ich zu Hause. Alle meine Versuche, Senta ins Auto zu locken, waren gescheitert und ich sah mich schon die nächsten zehn Jahre zu Hause angebunden.

Aber dann wagte ich es, sie alleine zu lassen, zuerst bei einer Freundin im Nachbardorf, dann ganz einfach zu Hause – mit Versorgung durch den Tierservice. Dadurch wurde unsere Verbindung immer stärker – und ich glaube daran, dass wir eines Tages gemeinsam in die Berge fahren, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Heute möchte ich Senta nicht mehr missen, wir sind unzertrennlich geworden. Ich bin sehr dankbar, dass ich sie habe – durch den Wunsch meines verstorbenen Mannes bin ich heute nicht allein. Und wenn ich mal wegfahre, weiß sie das, legt sich in ihre Lieblingsecke und wartet, bis ich wieder nach Hause komme – egal ob nach einer Stunde, einem Tag oder einer Woche. Und dann ist ihre Freude groß – und ich freue mich jedes Mal darauf, wieder nach Hause zu kommen und sie zu knuddeln.

Dankbarkeit – mein Jahr 2015

IMG_0817Wirklich – ich kann mich nicht mehr erinnern, mit welchen Gefühlen ich in das Jahr 2015 gestartet bin. Ich erinnere mich nur an den Silvestertag 2014, als nach 8 Tagen das Telefon wieder ging, ich am Nachmittag Besuch von einer neuen Lektorin bekam, um 21 Uhr den Anruf einer neuen Autorin, bis kurz vor Mitternacht mit einer anderen Autorin über den Sinn einer gemeinsamen Besprechung mit der Lektorin gechattet hatte, um Mitternacht eigentlich ziemlich unglücklich war, das neue Jahr mit einer Diskrepanz begonnen, am zweiten Tag eine mehrstündige, letztlich erfolglose Besprechung mit Lektorin und Autorin durchgeführt hatte, ein paar Tage später das intensive Gefühl hatte, ohne ein professionelles Coaching all das nicht mehr bewältigen zu können. Es gab Buchpläne, aufgrund deren ich eine Lektorenstelle ausgeschrieben, drei Kandidaten probeweise eingestellt sowie einen Vertrag mit einer großen Verlagsauslieferung abgeschlossen hatte. Denn ich hatte das Gefühl, die anstehenden Veröffentlichungen nicht mehr mit den bisherigen Mitteln und Mitarbeitern bewältigen zu können. Und manches davon stellte sich später als Fehlentscheidung unter dem Druck der aktuellen Situation heraus.

Wie meine persönliche Lage am Neujahrstag 2015 war, weiß ich nur noch ungefähr: mein Mann war noch kein Jahr tot, ich war noch voller Trauer, hatte Silvester letztlich alleine verbracht, wurde am Neujahrstag vom Anruf einer mitfühlenden Bekannten geweckt und rief daraufhin eine alleinstehende Bekannte an, weil ich mir erwiesene Wohltaten immer gerne weitergab, telefonierte einige Stunden mit anderen Bekannten, bis ich am Abend ermattet ins Bett fiel – ohne zu mir selber gekommen zu sein. Beim obligatorischen „Traumschiff“ war ich sicherlich eingeschlafen, wie auch heute – nur dass ich am Neujahrstag 2016 den deutlichen Impuls verspürte, noch einen Rückblick auf mein Jahr 2015 zu verfassen, nachdem ich den heutigen Tag ganz nach meinen Wünschen verbracht hatte. Und ich habe heute das Gefühl, zu mir selber gefunden zu haben, seit einigen Monaten wieder glücklich leben zu können.

Anfang Januar sprach ich mit einem Coach über ein Buchprojekt. Am nächsten Tag schrieb ich ihm: „Mein Leben hat sich ja im Laufe des vergangenen Jahres stark verändert, dazu ist mein Verlag, den ich Anfang 2011 gegründet habe, in einer aufregenden Entwicklungsphase. Auch wenn ich schon 62 bin, denke ich, dass ich mit Ihrer Unterstützung und Inspiration noch viel mehr erreichen kann – denn ich liebe den Erfolg!“ Ich lernte, die „Glücksformel“ für mein Leben anzuwenden: „Tue immer mehr von dem, was Dir gut tut. Tue immer weniger von dem, was Dir nicht gut tut.“ Mir ging es darum, wie ich mein Leben mit meinem Verlag (und meinem Hund) so schön gestalte, dass ich möglichst viel Spaß an allem habe: An der Arbeit, den Autoren und Lektoren, den Büchern, meinem eigenen Schreiben – und dem sonstigen Leben.

In den nächsten Monaten folgten Niederlagen und Höhepunkte in meinem Leben als Verlegerin: Schöne Erfolge mit einigen Büchern, finanzielle Misserfolge, das Gefühl, ausgenutzt worden zu sein, ein Buchprojekt, das mich emotional sehr viel Kraft kostete, Vertragsauflösungen, die für mich oft einen Tiefpunkt bedeuteten – und schließlich das Gefühl, eigentlich nie die eigenen Wünsche und Bedürfnisse erfüllen zu können, weder in Bezug auf Buchprojekte noch in Bezug auf das private Leben.

Nur ganz wenige Wegbegleiter waren immer für mich da: Meine „Hundefreundin“ mit ihrer Jenny begleitete mich auf vielen Spaziergängen und nahm meine Senta bei sich auf, als ich ab Ende April mehrfach nach Bamberg zu meinem früheren Zahnarzt fuhr und im September in der Uniklinik war. Mein ältester Freund half mir in vielen juristischen Fragen, meine erst 2013 gefundene Familie aus Hamburg machte sogar Urlaub in Neujellingsdorf und war eigentlich immer für mich da. Und meine Berner Sennenhündin Senta wurde zu meiner geliebten Seelengefährtin – sie half mir in den Tagen der Trauer und machte mir insgesamt viel Freude, allerdings zeigte sie mir auch, dass sich das Leben nicht so schnell weiter entwickelte, wie ich es mir oft wünschte. Ich hatte Geduld zu lernen.

Ich trennte mich im vergangenen Jahr von einigen Menschen. Es gab heftige Erschütterungen, krisenhafte Zeiten und viele schlaflose Nächte. Ich lernte, mich für bestimmte Wege zu entscheiden, auch wenn es nicht immer besonders angenehm war. Heute, am Neujahrstag 2016, spüre ich viele Veränderungen, die ich nie durchlebt hätte, wenn ich nicht so viele positive und negative Erfahrungen gemacht hätte. Gewiss hätte ich mir einige Erlebnisse ersparen können, aber erst durch die Schwierigkeiten, die ich überwunden habe, bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

Insofern bin ich allen Menschen dankbar, denen ich im letzten Jahr begegnet bin – egal ob es beglückende und erfüllende Erfahrungen waren oder Konflikte, die letztlich zur Trennung geführt haben.

Ich habe gelernt, dass die schlimmste Enttäuschung über einen Menschen niemals so schlimm ist, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann. Finanzielle Einbußen, die aufgrund falscher Einschätzung von Menschen und Situationen entstanden sind, beeinträchtigen mein Leben kaum, denn sie stellen für mich eine Herausforderung dar, es nunmehr besser zu machen. Und so kann mich ein finanzieller Rückschlag nicht mehr erschüttern – habe ich doch die Gewissheit, aus jeder Situation wieder herauszufinden und meinen Zielen näherzukommen.

„Wenn sich eine Tür schließt, so öffnet sich eine andere“, diese Erfahrung habe ich mehrfach im vergangenen Jahr gemacht. Nicht nur in Bezug auf Mitarbeiter in meinem Verlag, sogar im ganz persönlichen Bereich von Familie und Freunden habe ich das erlebt: Ich habe nach ca. 60 Jahren eine Cousine wiedergefunden, die wie eine Schwester für mich ist. „Du bist ein Glücksfall für mich“, sagte sie mir erst kürzlich. Was kann es Schöneres geben, als ein „Glücksfall“ für einen anderen Menschen zu sein. Ich habe neue Freunde gefunden, die mich unterstützen und begleiten – das ist etwas, was ich in den letzten Jahren selten erlebt habe. Zwar war die Liebe zu meinem verstorbenen Mann groß gewesen, doch ich hatte in den letzten Jahren die ganze Verantwortung für ihn und unser Leben übernommen.

Seit Ende 2008 hatte ich Schweres zu tragen und war stark geworden – nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so habe ich seit September 2014 insgesamt ca. 20 Kilo abgenommen, ohne Diät und bei einem Leben mit Genuss. Ich fühle heute eine große Leichtigkeit, in Bezug auf mein Gewicht und mein Leben. Ende 2015 bekam ich die Anregung, noch einmal Klavierunterricht zu nehmen. Schon seit einigen Monaten hatte die Musik wieder einen großen Stellenwert in meinem Leben bekommen – daraus hat sich eine ganz neue, ungewohnte Lebensqualität entwickelt. Ich laufe täglich mit Senta, meiner Berner Sennenhündin, meist 8-10 km, fast jeden Tag zum Meer, und diese täglichen Impressionen von Sonnenuntergängen, frischer Luft und dem Blick aufs Meer wirken sich positiv auf meine Gesundheit aus.

Im Sommer fuhr ich das erste Mal in die Berge, nach Seefeld/Tirol, wo ich auch über Weihnachten einige Tage verbracht habe. Mehrfach war ich in Bamberg, wo ich früher einige Jahre gewohnt habe und nun noch meinen damaligen Zahnarzt besuche. Die Behandlung wäre längst abgeschlossen, wenn ich nicht im September gestürzt wäre und mir einen vierfachen Unterkieferbruch zugezogen hätte. Die damit verbundenen 12 Tage in der Uniklinik hatten die Konsequenz, dass ich mir meiner positiven Einstellung und meines unbedingten Willens zum Gesundwerden bewusst wurde. Ich lief auf dem Klinikgelände jeden Tag ca. 8 km und war – trotz heftiger Blutergüsse im Gesicht – kurz nach der Entlassung in der Lage, zu einem Konzertbesuch nach Berlin zu fahren.

Außerdem machte ich die Erfahrung, dass Senta ein paar Tage alleine zu Hause bleiben konnte, versorgt vom Tierservice, und ich fortan auch mal kleinere Reisen planen konnte. So fuhr ich im November nach Düsseldorf, um Sonja Volk, eine Autorin meines Verlages bei ihrer Vorstellung ihres Buches Gedankenpower in einer großen Buchhandlung zu erleben. Danach konnte ich meine Freunde in meinem ehemaligen Wohnort am Niederrhein besuchen – erstmals nach mehr als vier Jahren. Nach der Rückkehr plante ich dann meinen Weihnachtsurlaub in Seefeld.

Mehr und mehr lernte ich auch, mich von Menschen zu verabschieden, die mir nicht gut taten. Ich lasse mich von niemandem mehr unterkriegen und bin nicht mehr bereit, etwas für Menschen zu tun, die das nicht würdigen. Einige Male habe ich die Zusammenarbeit aufgekündigt, ohne Angst vor den Konsequenzen. Ich kann gut loslassen, es bereitet mir keinen Schmerz mehr, denn die entstandenen Spuren sind jedes Mal Wege in eine bessere Zukunft. Mein unerschütterlicher Optimismus, mein positives Denken, meine grundsätzliche Überzeugung vom Guten im Menschen und mein Vertrauen in jeden Menschen, mit dem ich zu tun habe, helfen mir dabei. Und so habe ich im vergangenen Jahr trotz einiger Rückschläge auch große Erfolge erlebt.

Mein Autorenseminar auf Fehmarn war ein solcher Erfolg, dem in diesem Jahr mehrere weitere Seminare folgen werden. Ich erlebe einen stetigen Zuwachs an Bekanntheit in den sozialen Netzwerken, viele schöne Kontakte sind entstanden, viele Buchprojekte geplant worden. Und so finden auch meine eigenen Texte mehr und mehr Anklang bei immer mehr Menschen. Darüber bin ich besonders glücklich, war es doch von Anfang an mein Ziel, durch meinen eigenen Verlag positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen und (angehende) Autoren anregen und inspirieren zu einem guten Leben und guten Büchern. Mein Buch „Der Traum vom eigenen Buch“ hat sich zu einem heimlichen Bestseller meines Verlages entwickelt und bringt mir auch im Buch-Coaching-Bereich immer wieder neue Kunden.

Und schließlich entwickelt sich mein ursprünglich geplanter Schwerpunkt „Musik“ in meinem Verlag: Nachdem ich zu Weihnachten 2014 meine Dissertation neu publiziert hatte, kam im Herbst 2015 mein erstes Fachbuch neu heraus, und im nächsten Jahr sind gleich mehrere Veröffentlichungen im Musikbereich geplant. Ich habe meine Websites neu gestaltet und von einem professionellen Webmaster einrichten lassen. Seit Februar werden die Bücher von einer Verlagsauslieferung verschickt, die alle Bestellungen abwickelt. So bin ich weitgehend vom Paketepacken und Schreiben von Rechnungen befreit. Ich arbeite mit mehreren großen Druckereien zusammen und lasse zunehmend größere Auflagen unserer Bücher herstellen. Diese Investitionen werden sich hoffentlich in 2016 auszahlen.

In diesen Tagen ziehe ich mit fast 5000 Büchern meines Verlages um zu einer neuen, kleineren Verlagsauslieferung – ich habe mich dafür entschieden, um für die Zukunft bessere Möglichkeiten zu haben, auch wenn es dadurch im Vorweihnachtsgeschäft einige Einbußen gegeben hat. Aber ich habe gelernt, dass finanzielle Einbußen durchaus positive Nebenwirkungen haben können. In der neuen Verlagsauslieferung erfahre ich bereits jetzt eine individuelle Betreuung durch den Chef und die Mitarbeiter. Ich habe gelernt, mich zu entscheiden, für oder gegen Dinge und Menschen, auch wenn es unangenehm ist. Und so sehe ich voller Zuversicht dem fünfjährigen Verlagsjubiläum am 11. Februar 2016 entgegen.

In den letzten Tagen des alten Jahres habe ich mir darüber Gedanken gemacht, worauf es in meinem Leben wirklich ankommt, was ich noch erreichen möchte, was und wer mir wirklich wichtig ist, was und wer nicht mehr zu mir gehört. Dieser letzte Punkt war am schwierigsten für mich, erfordert er doch einige Konsequenzen. Die Überlegung aber, was für mich wirklich Sinn ergibt, klärt vieles, was ansteht. Mir geht es darum, meinen Verlag weiter zu entwickeln und positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen helfen, besser zu leben, auch durch mein Vorbild.

Meine Wünsche für 2016 im persönlichen Bereich sind: Gesund und fit zu bleiben, Musik zu machen und zu hören, richtig gut Klavier spielen zu lernen, Zeit für mich und für mein Leben zu haben, meine eigenen Bücher endlich schreiben zu können, Urlaub zu machen an den für mich schönsten Orten der Welt, die Beziehungen zu den Menschen zu pflegen, die mir am nächsten sind. Ich halte es mit Louise Hay, die gesagt hat:

„Das Leben ist ganz einfach.
Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Nun ist das neue Jahr inzwischen schon mehr als 24 Stunden alt – es war mir ein Bedürfnis, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick aufzuschreiben. Vor allem aber auch, meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, den Menschen gegenüber, die mich im vergangenen Jahr 2015 begleitet, ermutigt und immer wieder zum Weitermachen motiviert haben, denn Aufgeben war niemals eine Option für mich.

Ich bedanke mich bei Ihnen, den Lesern meines Blogs für Ihr treues Folgen und Ihre zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Sie auch im Jahr 2016 weiter dabei sind.

Für das neue Jahr 2016 wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

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Perspektivenwechsel

IMG_7834Schon lange wollte ich in die Berge – zunächst vor allem nach Armentarola in den Dolomiten, aber das ging ja nicht, weil Senta nicht Auto fahren wollte.

Kurz nach Ostern bekam ich Zahnprobleme – eine ehemalige Klassenkameradin hatte noch am Osternsonntag geschrieben: „Vielleicht, Beate, musst auch Du einfach mal raus und andere Menschen hören und sehen?“ Denn ich war schon wochenlang krank. Ich fuhr Ende April zum ersten Male wieder nach Bamberg, um mich bei meinem früheren Zahnarzt behandeln zu lassen. Senta blieb in der Zeit bei meiner Hundefreundin Karin und war dort sehr gut aufgehoben und behütet.

Im Juli sollte der dritte Zahnarztbesuch stattfinden, ohne größere Behandlung – und ich wusste, dass Karin Urlaub hatte. Ich dachte immer wieder über meinen Traum nach, in die Berge zu fahren. Ich wollte einfach mal die Welt aus einer anderen Perspektive sehen … und so bat ich Karin, Senta ein paar Tage länger zu betreuen und buchte einige wenige Tage in dem Hotel in Seefeld, wo ich so oft mit Hans Christian gewesen war. Das war von Bamberg nur drei Stunden entfernt, aber auf der Rückreise würde ich 1040 km bis Fehmarn fahren müssen – mehr als ich je zuvor an einem Tag mit dem Auto gefahren war.

Vom Mut her wäre ich auch nach Armentarola gefahren – aber da wäre die Rückfahrt noch länger geworden. Also verwirklichte ich erst einmal den ersten Schritt von meinem Traum, in die Berge zu fahren. Ich überlegte mir einfach, dass ich die Rückfahrt in vier Etappen zu je 260 km machen könnte und stellt mir die Strecke genau vor. Das müsste doch möglich sein.

Und so war ich dann am 23. Juli schon vor 9 Uhr morgens unterwegs von Bamberg in Richtung München. Mir wurde bewusst, dass eine solch frühe Abfahrt bei den letzten Reisen mit meinem Mann gar nicht möglich gewesen wäre – und ich genoss zum ersten Mal die Leichtigkeit meines neuen Lebens und dass ich alleine und unabhängig war. Wir waren oft von Bamberg nach Seefeld gefahren, und so erinnerte ich mich während meiner Autofahrt an jedes Hotel und jede Raststätte an der Strecke, wo wir mal gewesen waren, an alle glücklichen und vor allem an die eher unangenehmen Erlebnisse. Teilweise hatte ich reale Bilder im Kopf und auch die Gedanken von damals.

Bald war ich in Seefeld angekommen, checkte im Hotel ein und ging los, einfach so, quer durch den Ort zum Gschwandtkopf, meinem früheren Lieblingsberg, wo ich immer zum Skifahren gewesen war. Wann hatte ich das zum letzten Mal machen können! Als erstes traf ich mitten in Seefeld einen Berner Sennenhund, und dann noch einen am Gschwandtkopf. Ich wanderte über die Hügel zum Pfarrhügel, wo mächtige Felsen einen Kreuzweg markierten. Ich genoss die Aussicht auf die Berge und mein unbeschwertes Herumschlendern – das war in unseren letzten Aufenthalten hier nicht mehr möglich gewesen.

IMG_7797Am nächsten Tag war herrliches Wetter und ich beschloss, mit der Standseilbahn zur Rosshütte hinaufzufahren. Das hatte ich zum letzten Mal lange vor den Urlauben mit Hans Christian gemacht, als ich noch zum Skilaufen in Seefeld war, denn er hätte Angst gehabt, mit einer Seilbahn zu fahren. Die Bergstation liegt etwa 1800 m hoch über Seefeld, das eine Höhe von 1200 m hat. An diesem Tag war es sehr heiß und so kaufte ich gleich auch eine Fahrkarte für die Talfahrt.IMG_7867Von der Seilbahn aus sah ich einen wunderschönen See, den ich nicht kannte, da ich im Sommer noch nicht dort oben gewesen war. An der Bergstation genoss ich die Aussicht auf Seefeld, die umliegenden Berge, das Zugspitzmasiv und den Karwendel, hinunter ins Inntal und in die anderen Täler. Es war grandios. Etwas unterhalb waren Kühe auf der Alm und noch weiter unten sah ich den See und eine hübsche Almhütte. Und so beschloss ich, zu Fuß hinunter zu wandern.

IMG_7813IMG_7843Die wechselnden Ausblicke waren einfach grandios – wie lange hatte ich es vermisst, so von oben herab auf die Erde zu schauen. Das Leben erschien plötzlich in einer ganz anderen Perspektive – vieles wurde unwichtig und klein, anderes dafür umso bedeutsamer. Ganz leicht fiel mir der Abstieg – obwohl ich überhaupt keine Bergerfahrung habe. Nur eine Stunde bis Seefeld, so stand es auf dem Wegweiser. IMG_7835Und schon war ich an dem wundervollen See, in dessen stillem Wasser sich die mächtigen Berge spiegelten. Langsam umrundete ich den See, bewunderte die Natur, die Blumen, die Insekten und die Schmetterlinge. Und immer wieder die Spiegelbilder der Berge. Mir kam der Gedanke an die höhere Macht, die unser Leben leitet. In der Stille dieser grandiosen Umgebung entstanden keine neuen Gedanken und kamen keine alten Gedanken hervor, ich war einfach da, alleine mit mir und der Natur.

IMG_7876IMG_7874Bis ich am Ausgang wieder einen Berner Sennenhund traf und den zugehörigen Leuten erzählte, dass ich auch einen hätte – zu Hause.

IMG_7924IMG_7856Frohen Mutes wanderte ich zu der nahen Almhütte, wo ich eine herrliche Rast mit grandiosem Ausblick einlegte – mit Käsespätzle und einem guten Weißwein. IMG_7954Der weitere Abstieg war ganz leicht, und als ich schließlich wieder in meinem Hotel angekommen war, hatte ich über 12 km zurück gelegt – mehr, als ich jemals in den vergangenen Monaten oder sogar Jahren an einem Tag gelaufen war. Ich war stolz auf mich und meine Kraft und Ausdauer – nur ein wenig traurig, weil Senta nicht dabei gewesen war.

Am nächsten Tag, meinem letzten Urlaubstag, wollte ich mich etwas schonen und plante, den Wildsee zu besuchen. Gabi, die Seniorchefin des Hotels, gab mir den Hinweis, über den Pfarrhügel zu gehen – dort, am Ende des Kreuzweges, sei einer der stärksten Kraftorte Tirols. Ich war schon am ersten Tag dort gewesen, ohne das zu wissen. Also ging ich nochmals den Pfarrhügel hinauf, vom Dorfplatz neben der Kirche nach oben und kam zu dem Platz mit den 12 Stelen, in deren Mitte ein riesiger Felsbrocken das Grab Christi symbolisierte.

IMG_7991An dieser Stelle – eigentlich mitten im Ort – kann man so stehen, dass man nur die Berge, aber kein einziges Haus sieht. Ich schloss die Augen und stellte mir vor, wie nahe ich hier dem Himmel war – aber ich spürte nur eine enorme Kraft in mir, spürte eine feste Verbindung zur Erde, sah die seit vielen Jahren vertrauten Berge ringsum, den Wildsee ganz unten und fühlte das Glück dieses Aufenthaltes in dieser wundervollen Umgebung.

IMG_7985 Ich blickte Richtung Italien – dort, wo die ganz hohen Bergketten zwischen den Wolken zu sehen waren, wo es nicht weit zum Brenner und zum Übergang in die Dolomiten war.  Ich dachte an meinen Wunschtraum, eines Tages nach Armentarola zu fahren, um dort, ganz oben in den Bergen, meinem verstorbenen Mann ganz nahe zu sein. IMG_7987Ich wanderte hinunter zum See, machte dort eine Rast und schaute hinauf zur Roßhütte, wo ich gestern noch gewesen war. Dann wanderte ich rund um den See, erinnerte mich, wie ich vor vielen Jahren im Winter hier mal Eichhörnchen gefüttert hatte, und auch, wie ich mit meinem Mann einmal um den See gelaufen war.

IMG_8028IMG_8055Am Abend hatte ich einen ausgiebigen Klönabend mit Gabi, der Seniorchefin des Hotels, mit der ich mich vor 12 Jahren angefreundet hatte. Wir sprachen über das Leben, über unsere Erinnerungen, über die Liebe und über das, was uns heute bewegt. Und mit einem Mal merkte ich, dass ich durch die drei Tage in Seefeld so viel Kraft, so viel Zuversicht und neuen Mut gewonnen hatte. Ich spürte keine Trauer mehr um das, was nicht mehr war, sondern war glücklich über mein neues Leben, das hier begonnen hatte.

Am nächsten Morgen brach ich fröhlich auf zu meiner 1040 km langen Rückfahrt, fuhr über die vertrauten Autobahnen – und begann eine Übung, die mir das neue Leben erleichtern sollte: Ich versuchte, alle negativen Bilder in meinem Kopf, alle trüben Gedanken an die Vergangenheit durch neue, positive Bilder und optimistische Gedanken zu ersetzen. Ganz bewusst holte ich schöne Erinnerungen hervor, ersetzte Bilder von unangenehmen Erlebnissen durch Glückmomente, freute mich an der wunderschönen Sommerlandschaft und dachte an jedem Erinnungsort nur noch an gute Momente. Ich machte meine geplanten Pausen, hatte Glück, in keinen Stau zu geraten und kam nach gut neun Stunden Autofahrt guter Dinge zurück auf meine geliebte Insel Fehmarn, wo mich Senta zu Hause schon freudig erwartete.

Nun bin ich frei für die nächste Lebensphase, für mein eigenes Leben, in dem ich wieder glücklich sein kann. Es ist gut, mal die Perspektive zu wechseln, mal auf die Berge hinauf zu fahren und auf die Welt dort unten zu blicken. In den nächsten Wochen spüre ich mich selber wieder, fühle die Kraft und die Liebe in mir, die mir schon meine Mutter, und später Hans Christian geschenkt hatten. Ich lebe nicht mehr mit einem Verlust, sondern genieße die Fülle meines eigenen Lebens – auch wenn es immer wieder Momente der Trauer gibt.

Ich kann mich wieder an wundervoller Musik erfreuen, spüre die Zuneigung meiner Freunde, bin wieder empfänglich für all die Zeichen der Liebe, die ich bekomme. Senta wird immer mehr zu meiner Seelengefährtin und wir beide gehen jeden Tag zum Meer, um die Stimmungen dort zu genießen, die Sonnenuntergänge und Lichtwirkungen am Wasser. Und ich erzähle ihr immer wieder von den Bergen, in denen ich beim nächsten Mal mit ihr zusammen wandern möchte.

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Brahms – Endlich loslassen

Brahms-SonatenEin Freund hatte mich eingeladen zu diesem Konzert: Die drei Sonaten für Violine und Klavier von Johannes Brahms, gespielt von dem spanischen Geiger Abel Tomàs und dem israelischen Pianisten Amir Katz.

Schon lange hatte ich tief in mir gespürt, dass sich vieles änderte in meinem Leben. Ich wollte sie loslassen – meine Geige, die ich seit nunmehr 40 Jahren besitze. Eine wunderschöne französische Violine des Geigenbauers Georges Apparut aus dem Jahr 1944 – 71 Jahre alt ist sie inzwischen. Ich hatte lange gespart, neben dem Studium gejobbt und sie mir dann gekauft, um mein Examensprogramm im November 1975 auf einer wirklich schönen Violine spielen zu können: Die erste Solosonate in G-moll von Johann Sebastian Bach, die Romanze F-dur von Ludwig van Beethoven – und die Sonate G-dur von Johannes Brahms.

Schon im Januar 2007 hatte ich während der Mozartwoche in Salzburg einen ganz jungen Geiger erlebt, der das Violinkonzert G-dur von Wolfgang Amadeus Mozart so schön spielte, dass mir die Tränen vor Rührung kamen – und vor Wehmut, denn dieses Konzert hatte ich auch in meinem Studium an der Kölner Musikhochschule gespielt. Damals wusste ich noch nicht, dass schwere Jahre auf mich zukommen würden, in denen ich meine schöne Violine kaum noch in die Hand nehmen würde.

Irgendwann in diesem Sommer sah ich Anne-Sophie Mutter im Fernsehen – begleitet von ihren jugendlichen Musikern – und ich entschloss mich, meine Geige loszulassen, damit künftig jüngere Musiker darauf spielen könnten. Die Stiftung von Anne-Sophie Mutter hatte gerade ein Instrument erworben und verwies mich an die Deutsche Stiftung Musikleben in Hamburg. Irgendwann im August hörte ich Anne-Sophie Mutter mit der Violinromanze F-dur von Beethoven im Radio – und wollte diesen Blog schreiben. Aber so einfach ist das nicht mit dem Loslassen.

IMG_8173Warum eigentlich? Warum möchte ich meine schöne alte Geige verkaufen? Ich habe sehr schöne und auch schwere Stücke gespielt – vor 40 Jahren. Heute könnte ich, wenn überhaupt, nur noch ganz einfache Stücke spielen, aber mit wem? Ein Geiger braucht (fast) immer andere Musiker, um Musik zu machen: einen Pianisten, Quartettpartner oder ein Orchester.

Die Romanze habe ich vor vielen Jahren öffentlich mit einem Kammerorchester aufgeführt – heute wäre das undenkbar für mich, nicht nur wegen meines aktuellen Wohnortes auf der Insel Fehmarn. In Liebhaberorchestern und mit Feierabend-Streichquartetten möchte ich nicht (mehr) spielen. Zu engagiert war ich während der Studienzeit in ambitionierten Jugendorchestern und ehrgeizigen jungen Streichquartetten, in denen ich gerne die Bratsche spielte. Meine Bratsche aber habe ich bereits vor über zehn Jahren verkauft, an eine begabte junge Musikerin, die sehr glücklich über das schöne Instrument war.

Ja und außerdem habe ich in den letzten Jahren meine Berufung gefunden: das Glück des Büchermachens. Die Musik war ganz in den Hintergrund getreten, auch wegen der Krankheit meines inzwischen verstorbenen Mannes. Am Himmelfahrtstag 2014 hatte ich sie für mich wiederentdeckt, als die Frage gestellt wurde: „Was ist der Himmel für dich?“ Ich habe damals geantwortet: „Für mich bedeutet er Freiheit, Liebe, Grenzenlosigkeit – und Musik.“

Seite18 aus Leben_ist_Mee(h)r_2015Nun also bekam ich die Einladung zu diesem Konzert, in dem die drei Brahms-Sonaten gespielt werden sollten. Brahms ist seit eh und je mein Lieblingskomponist, und die Sonate G-dur, die sogenannte „Regenlied-Sonate“, liebe ich seit Jahrzehnten, nicht nur, aber auch, weil ich sie selber gespielt hatte.

Bei jedem Glück gibt es einen Wermutstropfen – mir wurde klar, dass der Konzerttermin, der 10. Oktober, mit dem „Kennenlerntag“ zusammenfiel, den ich immer mit meinem verstorbenen Mann gefeiert hatte. Anscheinend muss das Leben uns erst immer Schmerzen bereiten, bevor wir wirkliches Glück empfinden können. So hatte ich in einem Blogartikel geschrieben:

„Ich glaube allerdings, dass Glück ohne Trauer gar nicht sein kann –
nur wer auch die Schattenseiten erlebt hat, kann wirkliches Glück empfinden.“

Nach einem Sturz und längerem Klinikaufenthalt mit schmerzhaftem Unterkieferbruch gab es für mich nur ein Ziel: dieses wundervolle Konzert am 10. Oktober mit den Brahms-Sonaten zu erleben. Vielleicht wäre das Glück ohne diesen Unfall zu selbstverständlich geworden? In der Klinik hatte ich viel Zeit zum Nachdenken – über das Loslassen. „Indem ich die Vergangenheit loslasse, können Neues, Frisches und Vitales eintreten“, las ich in einer Affirmation von Louise Hay – wodurch ich erst einmal aufmerksam wurde, dass es etwas zum Loslassen gab. „Liebevoll lasse ich die Vergangenheit los. Die anderen sind frei und ich bin frei. Alles ist gut in meinem Herzen“, hieß es in einer Affirmation gegen Schmerzen.

Nicht nur meine Geige würde ich loslassen an diesem Tag – auch die Ehe mit meinem verstorbenen Mann: „Bis dass der Tod uns scheidet“ – hatten wir uns bei der Trauung versprochen, als wir uns die Ringe aufsetzten. Auch wenn ich es noch so sehr gewollt hätte, es hätte nichts genützt. Diese Ehe ist vorbei. Was geschehen ist, ist vorbei und lässt sich nicht mehr ändern. Nach Hans Christians Tod hatte ich seinen Ring an mich genommen und meinen weiterhin getragen. Trauer, Ängste, Schuldgefühle hielten mich immer noch ein wenig in der Vergangenheit fest. Nunmehr haben beide Ringe einen sehr schönen Platz bekommen.

Loslassen hat immer auch mit Abschied zu tun: Abschied von der Jugend- und Studienzeit, Abschied von Sachen, Abschied von Überzeugungen und Ideen, Abschied von einer Ehe, von einer glücklichen Lebensphase, Abschied von einer schlimmen Zeit, Abschied von einem geliebten Menschen.

Aber jedem Abschied folgt am Neubeginn. So zitierte ich wieder einmal aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

IMG_8168Am Abend dann endlich das Konzert – in der zweiten Reihe war ich den beiden großartigen Musikern Abel Tomàs und Amir Katz ganz nah. Sie begannen mit der Sonate G-dur von Johannes Brahms, der Regenlied-Sonate. Unglaublich – ich konnte mich an jeden einzelnen Ton, an jeden Zusammenklang, an jede winzige Emotion in diesem Stück erinnern. 40 Jahre war es her, dass ich dieses Stück mit einem begnadeten Pianisten in der Kölner Musikhochschule gespielt hatte – aber statt Wehmut und Trauer erfüllte mich ein unglaubliches Glücksgefühl, ein inneres Strahlen über die Schönheit dieser Musik und die so lebensvolle und emotionale Interpretation durch die beiden jungen Musiker.

IMG_8171Es folgten die Sonate A-dur und nach der Pause dann die Sonate D-moll – die beiden Musiker steigerten sich nochmals – es war ein absoluter Höhepunkt dieses wunderschönen Abends. Der Applaus wollte gar kein Ende nehmen, und so gab es als Zugabe noch ein Scherzo von Brahms und ein ruhiges, besinnliches Abendlied.

IMG_8172Am Ende dieses Konzertes hatte ich losgelassen – es war überhaupt nicht schwer. In der Konzertpause formulierte ich meinen Wunsch ans Universum, ans Leben, das einem doch immer alle Wünsche erfüllt:

Ich möchte einen jungen Musiker finden, der auf meiner schönen Geige wundervolle Musik spielt. Vielleicht kann er sich die Geige selber kaufen, oder es findet sich ein Musikliebhaber, der ihm diese Geige zur Verfügung stellt. Ich weiß schon jetzt, dass nicht der Geldbetrag den Ausschlag geben wird, wem ich meine Geige verkaufe, sondern eine andere Währung: die des Herzens – und die der Musik.

IMG_8170 IMG_8169Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Loslassen an sich gar nicht schmerzhaft ist. Wirklich schmerzhaft ist die lange Zeit davor, in der man zögert, die Entscheidung darüber zu treffen.

Wenn wir dann endlich losgelassen haben, bekommen wir wieder Energie für Neues. Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass sich alles, was uns umgibt, ständig verändert, können wir den Wandel begrüßen! In jedem Moment ändert sich unser Leben, ohne dass wir Einfluss darauf haben. Ständig bekommen wir neue Ideen, lernen neue Menschen kennen, erleben neue Situationen, von denen wir uns bereichern lassen können.

IMG_9741Ich habe heute Abend eine wunderbare Abendstimmung am Meer erlebt, die zu meiner heutigen Stimmung passte. Eine Facebook-Freundin schrieb dazu:

„Abendfrieden. Nur dasitzen und warten, bis die Sonne untergeht.
Da hat kein störender Gedanke mehr Platz.“
(Helga Mildenberger)

Ja, so ist es auch nach dem Loslassen.
Und dann kann man Brahms wieder mit ganz anderen Ohren hören.

IMG_9743„Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser;
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Lebe die Melodie deines Lebens

IMG_9385Ein herrlich stürmischer Tag ist das heute auf unserer Sonneninsel.
Der Wind hat mich gerade auf dem Spaziergang so richtig durchgepustet und mich an mein Lebensmotto erinnert:

„Fliegen kannst Du nur gegen den Wind“

Leider kann ich das Lied „Gegen den Wind“ von Reinhard Mey, das mich vor einigen Jahren vor meinem 60. Geburtstag inspiriert hat, nicht im Internet finden. Hier ist der Text: http://www.songtexte.com/…/rei…/gegen-den-wind-7bef5224.html

Beim Stöbern auf meinem Computer finde ich dazu einen Text, den ich Ostern 2012 geschrieben habe. Den möchte ich Euch heute zum Lesen geben:

Lebe die Melodie deines Lebens

Habe den Mut,
der Stimme deines Herzens zu folgen,
und lebe dein Leben so, wie du es haben willst.
(Dr. Doris Wolf: Lebensfreude-Kalender, Blatt 9/2012)

Neben unserem Badezimmerspiegel hängt der Lebensfreude-Kalender, und da lese ich zur Zeit jeden Morgen und jeden Abend: „Folge der Stimme deines Herzens.“ Aber wie klingt sie denn eigentlich, die Stimme meines Herzens? Und welches Lied singt sie, was für eine Melodie kann ich da hören? Das sind Fragen, die mich seit geraumer Zeit bewegen – vielleicht im Hinblick auf meinen baldigen „runden“ Geburtstag. Im Mai werde ich 60, und dieses „magische Datum“ lässt mich über mein Leben nachdenken.

Welche Ziel habe ich eigentlich, was ist der Sinn meines Lebens, was will ich im Leben noch erreichen, habe ich meine Berufung gefunden? Das sind Fragen, die mir immer wieder durch den Kopf gehen. Und immer wieder denke ich darüber nach, was mich auf meinem bisherigen Lebensweg dahin geführt hat, wo ich heute bin. In mir entstand der Wunsch, meine Lebenserinnerungen zu schreiben, um die Melodie meines Lebens zu finden.

Vor vier Jahren beschrieb ich in meinem Buch „Leben ist mehr – Lebenskunst lernen beim Älterwerden“ meine Gefühle und Gedanken an meinem 55. Geburtstag. Seit meinem 50. Geburtstag hatte sich viel verändert, wir waren vom Niederrhein nach Bamberg gezogen. Wir hatten Pläne und Wünsche für unseren Alterswohnsitz, wollten die Kultur genießen, die schöne Umgebung, und die Nähe zu den Bergen. Ein Hotel in Tirol und eines in den Dolomiten wurden unsere Stammquartiere.

Aber immer war da auch Fehmarn mit unserer kleinen Wohnung am Meer – wie ein Kontrapunkt zu unserer Lebensmelodie. Oder ein Leit-Motiv, ein Thema der Melodie unseres Lebens? Irgendwann begann ich zu spüren, wie wichtig das Meer für mich ist. Und ganz allmählich wurde aus dem Motto „Leben ist mehr“ die Melodie „Leben ist Mee(h)r“.

Unser Leben hatte sich stark verändert, die Krankheit meines Mannes hatte unsere Pläne für das Älterwerden über den Haufen geworfen. Und ohne lange nachzudenken ergab sich im Sommer 2010 eine erneute große Veränderung, der Umzug an die Ostsee. So werde ich meinen 60. Geburtstag im eigenen Garten unseres Hauses in Neujellingsdorf auf Fehmarn feiern – einem Dörfchen mit nur wenigen Einwohnern. Dabei hätte ich mir niemals träumen lassen, eines Tages auf dem Lande zu leben, ganz in der Nähe der Ostsee. Ich hätte niemals daran gedacht, meinen Mann einmal pflegen zu müssen und außerdem einen Berner Sennenhund großzuziehen.

Immer wieder frage ich mich nach der Stimme meines Herzens, versuche die Melodie meines Lebens zu hören und mitzusummen. Was leitet uns eigentlich, wenn heftige Stürme in unserem Leben aufkommen, wenn Veränderungen nicht nur gewünscht, sondern notwendig werden? Ich bin in jenem Sommer vor zwei Jahren durch das Schreiben darauf gekommen, was die Melodie meines Lebens ausmacht. Die Blogs „Strandallee – Ein Weg zum Glück“ fanden viele Hundert Leser, die mich mit ihren Zuschriften und Kommentaren unterstützten, meine eigene Melodie zu finden.

Manchmal meinen wir, ein Ton störe in der Melodie unseres Lebens. Wir verändern die Melodie, lassen den störenden Ton einfach aus und suchen neue Motive. Doch irgendwie ist die Melodie nicht unsere, und in unserem Leben gibt es Probleme. Die Arbeit geht nicht von der Hand, die Beziehungen verändern sich, wir werden krank.

Wenn wir den Mut haben, der Stimme unseres Herzens zu folgen, können wir die Melodie unseres Lebens finden. Der vermeintlich störende Ton ist gerade das Besondere in dieser Melodie. Mit einem Male spüren wir Harmonie und einen Rhythmus, in dem wir uns glücklich fühlen. Wir summen die Melodie, als hätten wir nie etwas anderes getan. Unser Leben verläuft ohne Probleme, wir meistern alle Schwierigkeiten, unsere Beziehungen verbessern sich, wir bleiben gesund.

Für mich wurde aus der Melodie „Leben ist Mee(h)r“ das Lied „Bücher & Mee(h)r auf Fehmarn“, das nun zum Motto meines Verlages „Edition Forsbach“ geworden ist. Durch das Schreiben kommen wir der Melodie des eigenen Lebens auf die Spur, beim Schreiben hören wir die Stimme unseres Herzens und entwickeln Wegweiser, um unser Leben so zu leben, wie wir es haben möchten.

Letztes Wochenende ist eine Buch-Coaching-Kundin angekommen, die nun ein paar Wochen hier am Meer wohnt, ein Buch schreibt, sich beim Schreiben ihres Buches im Buch-Coaching beraten lässt und an meinem nächsten Seminar „So schreiben Sie Ihr Buch“ teilnehmen wird. Sie liebt das Meer und die Insel Fehmarn, die sie „Sonnenglücksgefühlinsel“ nennt. Sie ist dabei, die Melodie ihres Lebens zu finden, und es kann sein, dass sie hier auf Fehmarn leben möchte.

Vielleicht bekommst Du Lust, die „ Sonnenglücksgefühlinsel“ ebenfalls kennenzulernen – in einem Urlaub oder in einer mehrwöchigen Auszeit, um die Melodie Deines Lebens zu finden und vielleicht darüber ein Buch zu schreiben.

Ich bedanke mich für die vielen lieben Ostergrüße und wünsche Euch ein schönes Osterfest.

Herzliche Grüße von der Sonneninsel Fehmarn
Eure Beate Forsbach

PS: Diesen Text schrieb ich für meinen letzten Newsletter „Leben ist mehr“. Er fand sehr großen Anklang, und so möchte ich ihn hier anstelle von individuellen Ostergrüßen einstellen.  (Dr. Beate Forsbach – 7. April 2012)