Halbzeit 2017 – Ist das Leben nicht wunderbar!

Nun ist das erste Halbjahr gleich herum. Zeit, um nachzudenken, was bisher geschehen ist, wie zufrieden wir damit sind und ob wir im zweiten Halbjahr etwas ändern und verbessern möchten. Ich habe gerade mit Senta noch einen Abendspaziergang gemacht, wollte dabei meine Gedanken frei fließen lassen. Denn ich hatte mir vorgenommen, heute diesen Blogartikel zu schreiben. Wie alle meine Blogartikel ist auch dieser ein ganz persönliches Statement.

Doch es war heute ein langer Regentag, und als wir aus dem Haus kamen, saß da ein Reh, direkt vor unserem Haus auf der Straße. Und im Nu war Senta hinterher, bevor ich ihre Leine packen konnte. Ich holte tief Luft – der Regen hatte zum Glück nachgelassen – ging auf den Weg am Feld und schaute, wo Senta abgeblieben war.

Von „Gedanken-fließen-lassen“ keine Spur – oder doch? Der Abend ist milde, schließlich ist es ja Sommer, auch wenn dicke graue Wolken am Himmel sind. Senta trudelte wieder ein – völlig außer sich, denn das Reh war lange verschwunden. Und wir beide gingen in aller Ruhe zurück nach Hause.

Ist das Leben nicht wunderbar! Das ist richtig so geschrieben – mit einem Ausrufezeichen, nicht mit einem Fragezeichen. Es ist der Titel eines Buches von Louise L. Hay, meinem Vorbild. Die Verlegerin und Autorin wird in diesem Jahr 91 Jahre alt, sie hat mit 58 Jahren ihren Verlag Hay House gegründet. Als die berühmteste Lebenshilfe-Autorin der Welt vermittelt sie in ihren Büchern Lebensweisheiten – auch ich lerne immer wieder von ihr, denn ich möchte glücklich und gesund 100 werden.

Das ist mein Ziel – und außerdem möchte ich anderen Menschen den Mut und den Optimismus weitergeben, den ich im Leben erfahren habe und weiterhin erfahre. Auch dazu studiere ich die Bücher von Louise Hay, und ich integriere Gewohnheiten in mein Leben, die anderen nicht immer gefallen: Ich schlafe viel und lange – zur Zeit sind es meist neun bis zehn Stunden. Ich gehe regelmäßig mit meinem Hund spazieren, und fast jeden Tag gehen wir einmal oder sogar zweimal an den Strand. Das haben wir den ganzen Winter hindurch gemacht, und dabei wunderschöne Sonnenuntergänge erlebt, aber vor allem auch Stunden der Muße und des kreativen Nachdenkens, also des „Gedanken-fließen-lassens“, was mir heute Abend nicht so ganz gelungen ist. Vielleicht war es gut so.

An schönen warmen Tagen setzen wir uns einfach in den Sand, schauen aufs Meer hinaus oder ich lese Bücher, die mir gut tun und für Frieden in mir und um mich herum sorgen. Weiterhin esse und trinke ich gesunde Nahrung, denke positive Gedanken und befolge in meiner Verlagsarbeit einen Spruch von Brian Tracy: „Arbeiten Sie nur an etwas, das Sie genießen, mit Menschen, die Sie mögen, und an Dingen, die etwas in dieser Welt bewirken.“

Außerdem höre ich viel Musik und spiele oft Klavier. Denn das ist etwas Schönes in meinem Leben – nachdem ich im letzten Winter beinahe entnervt damit aufgehört hatte, schrieb mir mein Klavierlehrer: „Spielen Sie bitte unbedingt Klavier. Sie haben die Möglichkeit, so etwas Schönes genießen zu können!“

Im Mai bin ich 65 geworden – das ist das Alter, wo „man“ normalerweise „in Rente“ geht. Ich aber nicht. Ich bin mit unserem japanischen Buchautor aus Texas, dem Herzchirurgen Dr. Yusuke Yahagi und seiner Frau April Yahagi durch Deutschland gefahren, um in sechs Veranstaltungen in Berlin, Fehmarn, Hamburg, Bad Ems, Köln und Bamberg sein Buch „Der Austauschsoldat“ zu präsentieren – nur vordergründig ist es ein spannender Unterhaltungsroman mit historischem Hintergrund. In der Quintessenz aber geht es darum, den Menschen auf der Welt Frieden und Glück zu bringen, ihnen positive Gedanken zu vermitteln. Wir haben viele Menschen bewegen können, teilweise weite Reisen auf sich zu nehmen, nur um dabei zu sein und den Autor persönlich zu erleben.

Denn letztlich geht es um den Mut, wie eine Rezensentin schrieb: „So einen Menschen ‚Shota‘ hätte es damals vielmehr gebraucht und auch heute wäre es ein Reichtum für uns, wenn es solche Menschen in Vielzahl gäbe, mit dem Ziel, Leben zu retten und Menschen Frieden und Glück zu bringen.“

Dr. Yusuke Yahagi hatte den Mut, diesen Roman zu schreiben mit dem Risiko, viel Kritik zu ernten – und genauso hatte mein Verlag den Mut, das Buch zu veröffentlichen und noch dazu eine Lesereise zu unternehmen. Unsere Lesetour mit sechs Buchvorstellungen in Deutschland hat gezeigt, dass das Buch viele Menschen erreicht und begeistert, auch wenn Buchhandlungen oder ein Literaturhaus das nicht für „Literatur“ halten. Unzählige „einfache“ Menschen in Deutschland und in den USA haben das Buch gelesen – zwar schreiben sie keine „literarischen“ Rezensionen. Aber sie haben begriffen, worum es hier geht.

„Habe den Mut, Dein Leben so gut wie möglich zu leben und die Welt mit Deinem Dasein ein wenig besser zu machen.“ Das ist für mich ein Credo aus diesem ersten Halbjahr 2017. Vor einem Jahr hatte ich einen gesundheitlichen „Warnschuss“ erlebt, kurz darauf die Geschichte von der „Kapitänin“ geschrieben, die ihre Kraft und Stärke spürte, um das wundervolle große Schiff ganz alleine zu lenken, durch das große weite Meer des Lebens. Und seitdem habe ich mich einfach darauf besonnen, was ich möchte, was ich mir gewünscht habe, für meinen Beruf und meinen Verlag, und für mich persönlich. Ich habe mich von Menschen und Dingen verabschiedet mit dem Erfolg, dass andere Menschen und andere Dinge, teilweise völlig überraschend, in mein Leben traten.

„Ich freue mich über den Mut, auf diesem Weg des ‚Erfolgs mit Herz’ weiterzugehen“, hatte mir mein 94jähriger ehemaliger Deutschlehrer, Schulleiter und Chef im letzten Jahr geschrieben. Ich hatte ihn im Januar 2017 endlich besucht und einen wundervollen Tag mit ihm verbracht. Leider ist er fünf Tage nach seinem 95. Geburtstag im März verstorben. Ich war bei seiner Beerdigung in Xanten, und ich bin ihm unendlich dankbar für alle Ermutigung, Förderung und Motivation, die ich durch ihn in den letzten 50 Jahren meines Lebens erfahren habe. Und so gehe ich diesen Weg des „Erfolgs mit Herz“ weiter. Ich bin glücklich über jeden Erfolg, schäme mich nicht meiner Fehler, sondern mache beim nächsten Mal einfach bessere.

Für Dr. Yusuke Yahagi und seine Frau April Yahagi hatte ich ein Privatkonzert in meinem Haus veranstaltet und mich darauf besonnen, warum ich eigentlich wieder Klavierunterricht genommen hatte: Ich wollte Stücke von Bach, Schubert, Schumann, Chopin und Brahms wunderschön auf dem Klavier spielen können. In meinem kleinen Hauskonzert ließ ich zwar die Stücke von Schumann und Brahms aus – aber ich hatte gemerkt, wie stark ein solches Ziel mich zum Üben motivieren könnte. Und so nahm ich mir vor, die Arabeske von Schumann bis zur nächsten Klavierstunde zu „können“ – wegen ihr hatte ich noch vor wenigen Monaten das Klavierspielen aufgeben wollen. Und inzwischen kann ich sie fast „perfekt“ – aber es ist nicht mein Ziel, etwas „perfekt“ zu können, sondern einfach schöne Musik zu machen.

Im ersten Halbjahr 2017 habe ich neun Bücher und unseren sechsten Fehmarn-Kalender veröffentlicht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Verlages ist ein englischsprachiges Buch dabei – der Roman „The Exchange Soldier“ von Dr. Yusuke Yahagi erscheint inzwischen weltweit. Ich habe wieder einmal ein Seminar für Erstautoren veranstaltet – der „Traum vom eigenen Buch“ kann bald Wirklichkeit werden. Und ich habe mehrere Buch-Konzept-Wochenenden mit vielversprechenden Erstautoren durchgeführt. Auch habe ich mich von Autoren getrennt, die für meinen Verlag nicht förderlich erschienen. Mein Ziel ist es, dass mein Verlag und mein Leben im Einklang sind, und dass ich mit meinen Autoren ein Erfolgsteam bilde. Dazu gehört es manchmal auch, sich zu trennen.

Und in den letzten zwei Wochen dieses Halbjahres machte ich eine neue, aber für mich sehr wichtige Erfahrung: Während meiner „Auszeit“ von der Verlagsarbeit hatte ich einen Urlaub in Seefeld/Tirol geplant, es war doch seit langem mein Wunsch, mit Senta in die Berge zu fahren. Schon bei unserem Zwischenstopp in Bamberg war es sehr heiß gewesen, und die Tour wurde erst zur „Strapaze“, als wir in Seefeld ankamen. Senta wollte sich nicht vom Hotel wegbewegen, denn eine vielbefahrene Straße, eine Großbaustelle und die Bahnlinie verursachten einen großen Lärm. Da nutzte auch der Spaziergang am Abend nichts, denn der führte uns letztlich über asphaltierte Straßen, an denen jedes Grundstück zugebaut war.

Wir blieben zwei Tage im Hotelgarten, aber Senta hatte Panik oder schlief tief und fest neben meinem Liegestuhl. Der Lärm der Baustelle verhinderte ein echtes Entspannen.Wenigstens begann ich mit dem Schreiben an meinem neuen Buch – gegen Abend ließ der Lärm etwas nach.

Am dritten Tag beschloss ich, den Urlaub vorzeitig zu beenden. Denn sogar beim Spaziergang zum Wildsee war Senta nicht wirklich zu begeistern. Wir mussten die stark frequentierte Fußgängerzone durchqueren, und Senta erschrak vor jedem lauten Geräusch. So viele Menschen und Autos sind wir ja auch nicht gewohnt auf unserer friedlichen Sonneninsel.

Mir wurde klar, als ich Seefeld aus der Perspektive meines Hundes betrachtete: Es ist nicht mehr der Ort, der es mal früher (für mich) gewesen war. Wir hatten Heimweh und sind dann die ganze Strecke von über 1000 km gefahren, um wieder auf unserer Insel zu sein. Dort angekommen, fuhr ich zuerst nach Fehmarnsund, wo Senta sehr glücklich gleich ins Wasser lief – nicht minder glücklich war ich, wieder zu Hause zu sein.

Diese Auszeit mit meinem Hund hatte mir eine wichtige Erkenntnis beschert: Unser Leben ist begrenzt, wir wissen nicht, wie viele solch schöne Sommer wir noch erleben werden. Also genießen wir jeden Tag!

Ich lernte außerdem die Welt aus der Perspektive meines Hundes zu betrachten und sah Orte, die einfach nicht schön zum Leben sind. Nicht nur übervolle Autobahnraststätten, auch ein Urlaubsort wie Seefeld – einst mein Traumort – waren von morgens bis abends voller Trubel und Stress. Dass es zudem noch sehr heiß war und viele Gewitter gab, hatte niemand ahnen können. Oder doch? Hat mir das Universum einen wichtigen Hinweis gegeben?

Jedenfalls sind wir heute froh und glücklich auf unserer Insel, auch wenn es schon seit gestern in Strömen regnet. Aber mein Hund ist glücklich – und ich bin es auch.

Und nun möchte ich mit den Worten meines Blogs vom 30. Juni 2016 enden:

Ich fühle mich stark und weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin – auf meinem ganz persönlichen Weg. Ich danke allen meinen Freunden und den Beratern, die mich auf diesem Wege unterstützen und begleiten. Nach meinem Lebensmotto „Fliegen kannst Du nur gegen den Wind“ sind gerade die Kritiker und Gegner wichtig für mich, damit ich meinen eigenen Standpunkt finde. Aber manchmal ist auch Rückenwind ganz gut – und so danke ich allen Freunden von ganzem Herzen, die mich liebevoll und wohlwollend unterstützen, so verrückt manche Ideen auch für andere sein mögen.

Ich wünsche Euch eine gute Nacht, einen guten Start in die zweite Halbzeit 2017 und ende hier mit dem Motto meines Buches „Neubeginn & Mee(h)r“:

„Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.“ (Meister Eckhart, 1260–1327)

Ich bedanke mich bei Euch, den Lesern meines Blogs für Euer treues Folgen und Eure zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Ihr auch im zweiten Halbjahr 2017 weiter dabei seid.

Herzlichst

Eure Beate Forsbach

 

Vorfreude

Jeder Augenblick im Leben ist ein neuer Aufbruch, ein Ende und ein Anfang,
ein Zusammenlaufen der Fäden und ein Auseinandergehen.

(Yehudi Menuhin, 1916-1999)

Der 65. Geburtstag

In 10 Tagen feiere ich meinen 65. Geburtstag – das ist der Zeitpunkt, an dem man normalerweise in den sogenannten „Ruhestand“ geht. Ich aber bin mit einem Buchautor, dem japanischen Herzchirurgen Yusuke Yahagi aus Texas und seiner Frau April unterwegs auf einer achttägigen Lesetour durch Deutschland, um seinen Debütroman „Der Austauschsoldat“ (The Exchange Soldier) dem deutschen Publikum vorzustellen. Statt in den Ruhestand zu gehen, mache ich einen weiteren großen Schritt in der Erfolgsgeschichte meines Verlages „Edition Forsbach“: Wir werden international!

Edition Forsbach – Bücher & Mee(h)r auf Fehmarn

Schon lange hatte ich mir für meinen Geburtstag etwas ganz Besonderes vorgenommen: ein Shaolin–Coaching–Wochenende in den Bergen, um meine mentale Kraft zu stärken.

Eines Morgens fühlte ich mich sehr gestresst durch die Planung dieser Lesereise mit sechs Buchpräsentationen in Berlin, Fehmarn, Hamburg, Bad Ems, Köln und Bamberg, bei der wir rund 2600 km zurücklegen würden. Es war harte Arbeit, denn es war gar nicht so einfach, passende Veranstalter zu finden, einige große Buchhandlungen sagten ab oder antworteten gar nicht.

Ich sagte mein Coaching ab und werde nun meinen Geburtstag ganz geruhsam in Bamberg verbringen und mit einem Konzert der Bamberger Symphoniker ausklingen lassen.

Was könnte es Schöneres geben als ein solche Geburtstagsreise mit einem außergewöhnlichen Menschen und Autor mit großem Charisma! Wichtig war für mich, das zu organisieren und Aspekte der Lebenskunst zu berücksichtigen, denn Yusuke Yahagi und seine Frau sollten doch auch einige schöne Eindrücke von Deutschland bekommen. Und wir wollen diese Reise trotz der Anstrengungen so richtig genießen.

Eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden

Nun wird es eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden – ein ganz neues Marketingmodell!

Bundeshauptstadt Berlin

Der Beginn ist im Literaturhaus Berlin, wo wir Anfang Februar unsere erste Buchvorstellung in der Bundeshauptstadt hatten – und viele Freunde waren gekommen. Denn in Berlin kann man nicht so einfach mal eine Annonce aufgeben, wie auf Fehmarn, wo es dann jeder weiß! Ganz in der Nähe des Literaturhauses bin ich vor 12 Jahren promoviert worden: an der Universität der Künste an der Bundesallee. Auch ein persönlicher Bezug – mein Doktorvater, Prof. Rainer Winkel, ist sehr stolz darauf, dass seine Doktortochter nun als Verlegerin hier Bücher ihres Verlages vorstellt. Vor allem aber spielen große Teile des Romans von Yusuke Yahagi in der deutschen Hauptstadt Berlin!

Literaturhaus Berlin

Verlagssitz Fehmarn

Auf Fehmarn ermöglicht uns Marcus Glagowsky in seinem Café Jedermann eine schöne Buchparty. Hier habe ich im September 2012 meinen Verlag vorgestellt und seitdem viele schöne Veranstaltungen erlebt. Das Fehmarnsche Tageblatt kündigt heute unsere Veranstaltung unter der Überschrift „Eine Botschaft von Frieden und Glück“ an.

Denn das CREDO von Yusuke Yahagi lautet:

„Shotas Geschichte ist eine voller Nervenkitzel, Spannung und Romantik. Sein Leben ist wie ein Spiegelbild meines eigenen Lebens als Herzchirurg, obwohl wir völlig unterschiedliche Berufe haben und zu ganz verschiedenen Zeiten leben. Dennoch verbindet uns das Ziel, Leben zu retten und Menschen Frieden und Glück zu bringen.“ (Yusuke Yahagi)

Café Jedermann

Hamburg

Auch die nächste Station in Hamburg ist ein Café, auf das ich über Facebook–Freunde aufmerksam wurde: das Café mit dem originellen Namen „Kuchenstund – Glück im Mund“, dessen Besitzerin Katja Waband sofort bereit war, Gastgeberin für unsere Buchvorstellung zu sein.

Café Kuchenstund – Glück im Mund

Bad Ems

Und dann Bad Ems: schon sehr früh wurde ich gefragt, ob wir auch nach Bad Ems kämen. Ich lehnte das erstmal ab, vor allem, weil meine liebe alte Freundin Tilli, die als Autorin Ottilie Krafczyk mit 80 ihr erstes Buch („Starke Frauen und die Liebe“) mit mir veröffentlicht hatte, kurz vor Weihnachten verstorben war und ich nun nicht in den Ort kommen wollte, wo ich sie zuvor nie besucht hatte. Dann las ich in dem Roman, dass eine der Hauptfiguren aus Bad Ems stammte – die deutsche Frau, Julia Schwarz, in die sich der japanische Austauschsoldat verliebt und die er später heiratet. Ich nahm Kontakt auf und erfuhr, dass Yusuke Yahagi in Bad Ems schon mal mit Freunden ein Konzert gegeben hatte und dass es dort ein Beatlesmuseum gibt – die Namen einiger Freunde tauchten auch im Roman auf. Mein erster Kontakt war dann Rüdiger Glodek, der im Gewerbeverein Bad Ems ist und die Veranstaltung im Grandhotel Häcker perfekt organisiert hat – mit Musik der Freunde und der Beteiligung der Buchhandlung Adam, die den Büchertisch organisiert.

Grandhotel Häcker

Köln

Eine Station stand schon ganz früh fest: Köln. Nicht nur, weil Shota Yahagi im Roman seine Frau im Kölner Dom heiratet – nein, aus ganz persönlichen Gründen: mein Mann war Kölner und ich habe zweimal in Köln studiert – an der Musikhochschule und an der Universität, wo ich Germanistik, Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Mathematik studiert habe – was mir heute in meinem zweiten Beruf als Verlegerin sehr zugute kommt. In meinem Promotionsstudium ab 1993 lernte ich Professor Robert Günther kennen, einem bekannten Musikethnologen. Mit ihm und seiner Frau Ellen war ich seitdem gut befreundet. Robert hatte mit über 70 ein Ensemble für japanische Musik gegründet, denn sein Schwerpunkt war die japanische Musik! Ellen vermittelte mir den Kontakt zu Herrn Yoshiro Shimizu, dem Leiter der Tenri Japanisch–Deutschen Kulturwerkstatt in Köln. Und sehr spontan hatten wir unsere Veranstaltung dort organisiert – in Erinnerung an unseren Anfang 2015 verstorbenen Freund Robert, der auch in der Tenri Kulturwerkstatt gewirkt hatte.

Tenri Japanisch-Deutsche Kulturwerkstatt Köln

Bamberg

Und dann schließlich Bamberg: Es war mein größter Wunsch, hier eine Buchvorstellung zu veranstalten, da mein Mann und ich vor Jahren immer gerne hierher kamen, vor allem wegen der drei großen Buchhandlung Hübscher, Görres und Colibri, und wegen der Bamberger Symphoniker. Zum ersten Mal waren wir gemeinsam in einem Konzert der Bamberger Symphoniker am 19. Dezember 2002, das war der 65. Geburtstag meines Mannes. Ein gutes Jahr später zogen wir nach Bamberg und wohnten auf der Franz–Ludwig–Straße, gegenüber vom Gericht, so dass wir die Willy–Lessing–Straße, wo unsere Veranstaltung stattfinden wird, häufig überquert haben.

Auch über die Geschichte der Juden in Bamberg hatten wir einiges erfahren, war doch unser prächtiges Wohnhaus von reichen Juden erbaut worden, bevor es ab 1934 dem späteren Besitzer gehörte. Mein Mann war als Kind mit seiner Mutter aus Köln nach Bamberg evakuiert worden, lebte zwei Jahre hier, u.a. in einem Haus an der Promenade, das wohl von einer Bombe getroffen wurde. Es stand an der Stelle, wo heute die Post ist. Später, als mein Mann krank wurde, weil ihn die Erinnerungen an seine Kindheit in Bamberg einholten, erzählte mir ein Arzt der Pflegeversicherung, dass alle Häuser in diesem Wohnviertel ähnlich waren und offenbar von demselben jüdischen Baumeister geplant wurden, der auch unser Wohnhaus erbaut hatte. So kam ich auf die Spur, warum mein Mann in unserer Wohnung an seine Kindheit erinnert wurde und offenbar an ein altes Trauma, das ihm Albträume und Panikattacken bereitete und ihn später krank und pflegebedürftig werden ließ. So zogen wir dann im Herbst 2009 zunächst in eine Neubauwohnung an der Maria–Ward–Straße um und ein knappes Jahr später ganz nach Fehmarn, wo schon lange unser Zweitwohnsitz gewesen war. Dort kauften wir ein Haus mit Garten auf dem Lande, ich gründete im Februar 2011 meinen Verlag und im Mai 2011 kam dann Senta zu uns, die mein Verlagsmaskottchen wurde und auch auf unserer Lesereise dabei sein wird.

Ich hatte zunächst bei der Buchhandlung Hübscher wegen unserer geplanten Lesung angefragt, aber so richtig klappte das noch nicht. Am Faschingsfreitag suchte ich nach einem Raum, den ich mieten könnte, falls wir keinen Veranstalter fänden. Das war gar nicht so einfach, denn viele der Räume, die ich noch aus unserer Bamberger Zeit kannte, waren schon ausgebucht. Die Buchhandlung Colibri antwortete sofort und wollte sich später nochmal melden. Ich fasste mir ein Herz und schrieb an Martin Rudolph, den Leiter der Israelitischen Kultusgemeinde – die Idee hatte ich schon früher gehabt, als ich noch auf die Antwort der Buchhandlung Hübscher wartete. Denn das Thema unseres Romans „Der Austauschsoldat“ ist ja die Rettung von mehr als 350000 Juden durch den beispiellosen Einsatz der Hauptfigur im Roman. An diesem Abend buchte ich schon mal Hotelzimmer im Bamberger Hof, keine 200 Meter vom Jüdischen Lehrhaus entfernt. Und dann die Überraschung: am Nachmittag des Faschingssonntags antwortete Martin Rudolph und machte uns ein Angebot. Mit unserer Buchpräsentation möchte er die 2. Jüdischen Kulturtage Bamberg eröffnen. Und das Beste: nun sind unsere Bücher schon in der Buchhandlung Hübscher, die auch den Büchertisch bei unserer Veranstaltung organisiert.

Israelitische Kultusgemeinde Bamberg

Buchhandlung Hübscher

Literarischer Abend in Bamberg mit Dr. Yusuke Yahagi und Dr. Beate Forsbach, Verlegerin

Am Tag danach werde ich Yusuke und April Yahagi noch ein wenig von meiner einstigen Traumstadt zeigen und am nächsten Tag in aller Ruhe meinen 65. Geburtstag feiern, mit einer lieben Freundin schöne Plätze besuchen und am Abend dann das Konzert der Bamberger Symphoniker besuchen – so schließt sich für mich persönlich der Kreis zu meinem allerersten Konzertbesuch hier am 65. Geburtstag meines Mannes.

Auf der Website zum Konzert fand ich dann das obige Zitat von Yehudi Menuhin, das nun so gut auch zu dieser außergewöhnlichen Geburtstagsreise passt:
Jeder Augenblick im Leben ist ein neuer Aufbruch, ein Ende und ein Anfang, ein Zusammenlaufen der Fäden und ein Auseinandergehen.

Bamberger Symphoniker

Und hier noch einmal die Termine unserer Lesereise:

Am 11. Mai 2017 um 19.30 Uhr beginnt unsere „Deutschland–Tournee“ mit der Buchvorstellung im Literaturhaus der Bundeshauptstadt Berlin. Dr. Yusuke Yahagi wird auf deutsch selbst aus seinem Buch lesen und in einem Interview mit mir, seiner Verlegerin Dr. Beate Forsbach über die Entstehung des Buches berichten.

Es folgen Veranstaltungen im Café Jedermann in Burg auf Fehmarn (13. Mai 2017, 18 Uhr), im Café Kuchenstund in Hamburg–Niendorf (15. Mai 2017, 18.30 Uhr), in Häckers Grandhotel in Bad Ems (16. Mai 2017, 19 Uhr), in der Japanisch–Deutschen Kulturwerkstatt Tenri in Köln (17. Mai 2017, 19 Uhr). Mit der letzten Buchpräsentation am Donnerstag, 18. Mai 2017 um 19 Uhr wird die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg gleichzeitig ihre 2. Jüdischen Kulturtage Bamberg eröffnen.

Es wird eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden. Heute am Tag vor dem Start bin ich voller Vorfreude und Optimismus, viele Menschen melden sich hier und auf Facebook, ein großes Ereignis steht an!! Ich lade Euch alle herzlich dazu ein. Bitte kommt zu einer unserer Veranstaltungen – so könnt Ihr Dr. Yusuke Yahagi persönlich kennenlernen, aber auch mich und unser Verlagsmaskottchen Senta.

 

Der 96. Geburtstag meiner Mutter

Heute ist der 96. Geburtstag meiner Mutter, Eva Dethlefs. Heute vor 20 Jahren habe  ich zum letzten Mal mit meiner Mutter zusammen Geburtstag gefeiert, ihren 76. Geburtstag.

Heute hat auch das „Lämmerlein“ Geburtstag, es ist 20 Jahre alt geworden (im Bild oben links). Meine Mutter sagte damals, es sei das schönste Geburtstagsgeschenk, das sie je bekommen habe. Mein Mann und ich haben immer eine ganze Schar von „Tieren“ mit auf die Reise genommen: Lämmerlein, Walfisch, Neger und Dr. Kreuel – außerdem gab es noch Bostiche, den Hund. Der hat leider nicht überlebt, als Senta kam. Heute nehme ich nur noch Senta mit auf die Reise.

Den „Walfisch“ und „Dr. Kreuel“ hat auch meine Mutter schon gekannt – der „Neger“ kam erst später dazu. Hans Christian hat ihn für mich auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin gewonnen.

Am 11. November 1997 starb meine geliebte Mutter ganz plötzlich an einem Herzinfarkt. Der Abschied von ihr war das Schlimmste, was ich jemals erlebt hatte. Monatelang war ich in einer Art Trancezustand, stand offenbar unter Schock. Denn meine Mutter war meine allerbeste Freundin gewesen und hatte mich stets begleitet und unterstützt. Sie hatte mich bestärkt, mit 42 Jahren das Promotionsstudium aufzunehmen und durchzuhalten. Aufgrund ihrer Erfahrung als Grundschullehrerin hatte sie nächtelang mit mir diskutiert. Sie hat Korrektur gelesen, mich ermutigt, beraten und immer wieder zur Weiterarbeit motiviert. Und dann starb sie plötzlich und konnte den Abschluss meiner Arbeit nicht mehr erleben. Dabei wäre sie so stolz gewesen.

Meine Dissertation erschien erst acht Jahre später. Ich habe sie meiner Mutter gewidmet:

In liebevoller Erinnerung an meine Mutter Eva Dethlefs (1921 – 1997)
Und in Dankbarkeit
• für eine schöne Kindheit und Jugend voller Musik,
• für eine umfassende Ausbildung und das Studium,
• für viele Gespräche über Schule, Erziehung und Unterricht,
• für die Erziehung zu Selbständigkeit und Kritikfähigkeit,
• dafür, immer wieder bestärkt worden zu sein, den eigenen Weg
zu gehen, auch gegen Widerstände,
• für die Kraft, dies durchzuhalten,
• dafür, gelernt zu haben, Dinge zu ändern, die man ändern kann
und Vorgaben zu hinterfragen,
• dafür, Liebe und Freiheit als höchste Werte erfahren zu haben.

Heute ging mir vieles durch den Kopf, als ich mit Senta an zwei Stränden auf unserer geliebten Insel Fehmarn war: am Südstrand, wo ich vor fast 25 Jahren eine kleine Strandwohnung gekauft, eingerichtet und vermietet hatte – mit Unterstützung meiner Mutter. Und in Fehmarnsund, wo ich in unserem ersten Urlaub auf Fehmarn – in den Herbstferien 1977 – mit meiner Mutter gewesen war.

Fehmarn hatte meine Mutter an ihre Heimat erinnert – sie war in Danzig geboren und aufgewachsen. Und sie hatte stets die Ostsee geliebt, als junges Mädchen bereits im allerersten Frühling und noch im spätesten Herbst darin gebadet.

Früher dachte ich oft, dass meine Mutter – wenn es tatsächlich eine Wiedergeburt gibt – in Gestalt von Senta zu mir zurück gekommen war. Sentas schöne braune Augen erinnern mich an meine Mutter, aber auch die Art, wie sie mich stupst, wenn ich wieder mal vergessen habe, etwas zu essen, wie sie Unnötiges wegschleppt und Überflüssiges zerreißt, und wie sie mich daran erinnert, dass wir unbedingt spazieren gehen müssen, auch wenn es regnet. Sie sorgt für mich, damit ich genug an die frische Luft komme und mich bewege, regelmäßig esse, viel schlafe und den schönen Strand genieße. Und Senta badet gerne in der Ostsee, sogar jetzt im Winter. Sie ist quietschvergnügt, wenn wir am Strand sind und hüpft vor Freude um mich herum.

Meine Mutter hätte ihre Freude an ihr – sie hat sich doch früher auch immer ein „Hündchen“ gewünscht, so wie mein Mann. Aber in unserem damaligen Wohnhaus durfte man keine Hunde halten, und meine Mutter dachte auch, dass sie nicht mehr mit einem Hund spazierengehen konnte. Denn irgendwann konnte sie nicht mehr gut gehen. Damals gab es noch keinen Rollator – einen Rollstuhl aber oder auch nur einen Gehstock hätte meine Mutter niemals benutzt.

Vielleicht würde meine Mutter sich ein wenig wundern, weil ich nun in einem kleinen Dorf lebe. Ich bin in Weddinghusen/Norderdithmarschen geboren – aber an dieses Haus und die Zeit dort hatte meine Mutter keine guten Erinnerungen.

Als ich in unseren ersten Ferien hier auf Fehmarn den Wunsch äußerte, mich als junge Lehrerin an das neu gegründete Inselgymnasium versetzen zu lassen, warnte mich meine Mutter davor, in eine solch kleine Gemeinde in Norddeutschland zu ziehen. Es sei sehr schwierig, dort akzeptiert und integriert zu werden. Sie selber hatte damals Plattdeutsch gelernt und damit die Hochachtung der Bauern im Umkreis erworben, die ihr und unserer Familie kurz nach dem Krieg sehr geholfen hatten.

Nun – ich war damals Beamtin in Nordrhein-Westfalen und es wäre sowieso schwierig gewesen, eine Versetzung nach Schleswig-Holstein zu erlangen. Als ich dann 2010 mit meinem Mann nach Fehmarn umgezogen bin, hatten sich die Zeiten grundlegend geändert: Fehmarn ist weltoffen, vor allem durch den Tourismus. Das Leben hier ist heute viel einfacher, weil man nicht auf die kleine Dorfgemeinschaft angewiesen ist, sondern durch die rasante Entwicklung des Internets Freunde, Bekannte und Geschäftsbeziehungen auf der ganzen Welt haben kann – auch von Neujellingsdorf aus.

Das war Ende der 1970er Jahre noch nicht abzusehen – auch noch nicht 1993, als ich meinen ersten Computer bekam und mit meinem Promotionsstudium begann: damals erschien es mir sehr reizvoll, dass man bei einem Internetbuchhändler (Amazon hieß damals noch ABC) alle möglichen Bücher recherchieren und erwerben, und dass man Fachartikel und ganze Bücher aus Bibliotheken bestellen konnte.

Heute bin ich sehr glücklich hier auf Fehmarn – und vieles von meinem Lebensglück verdanke ich dem Erbe meiner Mutter:

Meine Mutter war immer Optimistin – sie musste im Krieg ihre Heimat Danzig verlassen. Mit ihrem ersten Baby in der Tragetasche kam sie im kalten Januar 1945 mit dem Schiff über die Ostsee nach Schleswig-Holstein. Sie hatte zugesehen, wie die „Wilhelm Gustloff“ mit Tausenden von Menschen an Bord versank. An Land kämpfte sie sich durch Eis und Schnee und kam wohlbehalten mit ihrem Baby, meinem Bruder Karsten, in Lunden bei ihren Schwiegereltern an.

Zwei Jahre nach dem Krieg, am 10. Juni 1947, starb mein ältester Bruder mit noch nicht ganz drei Jahren an Diphterie, die man nicht erkannt hatte. Mein zweiter Bruder war gerade geboren und wurde am 13. Juni 1947 getauft. Mein Vater war damals auch an Diphterie erkrankt. Die Tragik, dass man sein Baby im Krieg auf der Flucht vor Schlimmem bewahrt hat und es dann sterben muss, als schon wieder bessere Zeiten eingekehrt waren, wurde mir erst später bewusst. Im November 2005 besuchte ich mit meinem Mann den Kirchhof in Weddingstedt. Ich sah die Taufkapelle mitten auf dem dunklen Kirchhof, von der meine Mutter mir nie erzählt hatte. Ich kannte nur mein Taufbild, das vor unserem Haus in Weddinghusen aufgenommen worden war.

All das hat meine Mutter gemeistert. Als verwöhnte Tochter aus der Großstadt lebte sie nun auf dem Lande und baute Gemüse und Obst an, um die Familie durchzubringen. Aber sie ist immer fröhlich und optimistisch geblieben.

Fünf Jahre später wurde ich geboren und habe vieles von meiner Mutter geerbt – vor allem ihren unerschütterlichen Optimismus. Den folgenden Spruch schrieb sie mir 1962 in mein Poesiealbum:

Zum Licht empor mit klarem Blick,
Ein Vorwärts stets, nie ein Zurück,
Ein frohes Schaffen, kühnes Streben
Und schnelles Handeln auch daneben –
Dann hat das Dasein Zweck und Ziel,
Wer Großes will, erreicht auch viel.

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749–1832)

Ich bin meiner Mutter unendlich dankbar für all das, was sie mir gegeben hat: für den Mut und den Optimismus, die Herzlichkeit und den Humor, und für die Liebe und die Kraft, die für mein ganzes Leben reichen.

Was würde sie wohl sagen, wenn sie wüsste, dass ich für sie heute, an ihrem 96. Geburtstag, das schöne Impromptu As-dur von Franz Schubert auf meinem eigenen Flügel gespielt habe, das sie immer so geliebt hat? Und dass ich meine Geige im vorigen Jahr verkauft habe, nachdem ich schon viele jahre nicht mehr darauf gespielt hatte?

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich in meinem eigenen Haus wohne, in dessen Garten zur Zeit die Schneeglöckchen blühen, die ich ihr früher immer zum Geburtstag geschenkt habe?

Was würde sie sagen, wenn sie wüsste, dass ich seit sechs Jahren meinen eigenen Verlag habe und schon weit über 50 Bücher publiziert habe, als wären es meine eigenen Kinder?

Ich glaube, sie wäre sehr stolz auf mich, auf ihre geliebte Tochter. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für alles, was ich von meiner Mutter bekommen habe: die Liebe zur Ostsee, zu den Bergen, zum Skilaufen, zur Musik – ohne meine Mutter hätte ich niemals Musik studieren und niemals promovieren können, nie hätte ich die Freuden des Skilaufens und die Schönheit der Tiroler Berge, vor allem in Seefeld, entdeckt, und vielleicht wäre ich dann auch nie in mein heute so geliebtes Armentarola in den Dolomiten gekommen.

Ganz wichtig aber erscheint mir eins – meine Mutter hat ja mit 56 Jahren etwas angefangen, was sie bisher nicht zu können glaubte: malen. Sie hatte mir zu Weihnachten 1977 einen Kalender mit 12 selbst gemalten Bildern geschenkt – und das war der Start in ihr neues Leben! Eine Galeristin stellte ihre Bilder aus und schickte sie zu einem Sonntagsmaler-Wettbewerb ein – sie gewann sofort einen Preis und nahm danach an etlichen Ausstellungen teil. Sie malte so, wie SIE es für richtig hielt, nicht Lehrer, Lehrbücher oder andere Vorbilder – und gewann viele Fans und auch Käufer ihrer schönen Bilder. Denn meine Mutter hatte die Gabe, ganz einfache, alltägliche Dinge auf solch schöne individuelle Weise zu malen, so dass sie die Herzen der Betrachter erreichte. So widmete ich ihr nach ihrem Tod den Spruch ihrer Lieblingsautorin Pearl S. Buck:

Die wahre Lebenskunst besteht darin,
im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

Heute schrieb mir eine Freundin: „Sie sieht Dir immer zu und ist sehr glücklich über Deinen Weg! Sie liebt Dich sehr!“

Sie schrieb mir auch: „Ich hätte Deine Mutter gerne kennen gelernt!“ – Und ich habe geantwortet: „Du hättest sie sicher gemocht – nun kennst Du sie ein wenig durch mich.“

Ja, das ist meine Aufgabe, all die guten Ideen und Gedanken, die mir meine Mutter vermittelt hat, weiter in die Welt zu tragen. Vor allem: Freiheit und Liebe als höchste Werte erfahren und weitergeben zu dürfen.

Danke, liebe Mutti – ich werde Dich nie vergessen – Du bist immer in meinem Herzen.

Deine Beate mit Senta

Aber die Liebe bleibt

Heute ist der dritte Jahrestag nach Hans Christians Tod. Am Valentinstag, dem Tag der Liebenden, am 14. Februar 2014, wurde er beerdigt. Der Pfarrer hatte den Gottesdienst unter das Motto der Liebe gestellt mit dem Spruch aus dem „Hohelied der Liebe“:

Die Liebe hört niemals auf,
wo doch das prophetische Reden aufhören wird
und das Zungenreden aufhören wird
und die Erkenntnis aufhören wird.
(1. Korinther 13,8)

Auch in diesem dritten Jahr nach seinem Tod habe ich mir viele Gedanken gemacht über die Liebe. Was aber ist das Gegenteil zur Liebe? Hass? Ich glaube eher: es ist die Angst. Im „Hohelied der Liebe“ heißt es  – es sind die wohl berühmtesten Worte aus diesem Text:

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;
aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“
(1. Korinther 13,13)

Was ist, wenn man weder glauben noch hoffen kann, wenn Angst uns lehrt, zu zweifeln, am anderen, an uns selbst, an der Liebe? Und ganz schlimm: was ist, wenn es so gar keine Hoffnung mehr gibt? Hoffnung auf ein Weiterleben, Hoffnung auf eine bessere Zukunft, Hoffnung auf die ewige Liebe.

Heute vor drei Jahren war ich voller Hoffnung: ich hatte gewartet, man wollte mich von der Klinik aus anrufen, ob die Dialyse geglückt war. Am Mittag hatten sie mir gesagt, dass er jeden Moment sterben könnte. Ich war nach Hause gefahren, hatte alle unsere Bücher gezählt, hatte keinen Gedanken außer: ob sie jetzt wohl bald anrufen? Aber sie riefen nicht an, und als ich dann mit der Ärztin telefonierte, erfuhr ich, dass die Dialyse noch nicht geglückt war. Erst am nächsten Morgen, früh im Morgengrauen, klingelte das iPhone und sie riefen mich zu ihm.

In der Nacht war ich noch einmal mit ihm in Armentarola gewesen, wo wir so viele glückliche Tage erlebt hatten. Ich las unserer Senta die schönen Geschichten aus meinem Armentarola-Buch laut vor. Immer wieder schickte ich ihm eine Nachricht durchs Universum, noch ein wenig durchzuhalten.

Ich wollte doch so gerne noch einmal mit ihm und Senta – mit meiner kleinen Familie – nach Armentarola reisen. Ich hatte die Reise schon geplant, von Neujellingsdorf aus, mit zwei Zwischenstopps in Hotels, die behindertengerecht waren und große Hunde akzeptierten. In allen Einzelheiten hatte ich überlegt, wie ich zuerst ihn und dann Senta ins Hotel bringen würde. Ich hatte gehofft, dass wir mit dem Schwenksitz fürs Auto alles bewältigen könnten. Die Hoffnung auf diese Reise musste ich irgendwann aufgeben.

Was blieb – in dieser langen Nacht vom 9. auf den 10. Februar 2014 – das war die Liebe.

Gibt es sie, die ewige Liebe? In welcher Form erlebt man sie?

Im Juli 2014 hatte ich in meinem Blogartikel „Einmal leben“ geschrieben:
Ich rede nicht mehr mit ihm, wir lachen nicht mehr zusammen, wir sitzen nicht mehr gemeinsam beim Essen oder sagen uns, dass wir uns lieb haben. Wir schlafen nicht mehr zusammen ein und wachen nicht zusammen auf. Ich trinke zwar jeden Abend ein Gläschen Sherry »auf diesen schönen Tag« – aber das ist etwas anderes, als es mit Hans Christian war. Trotzdem beginne ich, mein neues Leben zu genießen und wieder glücklich zu sein.“

Hans Christian hatte immer einen Spruch zitiert:
On n’a pas le droit de tout avoir.“ – Man hat nicht das Recht, alles zu haben.
Un bonheur c’est tout le bonheur. Deux, c’est comme s’ils n’existaient plus.“
Ein Glück, das ist das ganze Glück. Zwei, das ist so, als ob sie nicht existierten.

Daraus zog ich die Schlussfolgerung: „Einmal leben – ein Glück – das ist das ganze Glück.“ Und: „Ein zweites derartiges Glück kann es nicht geben.

Heute weiß ich, dass es stimmt: „Einmal leben – ein Glück – das ist das ganze Glück.“ Ein zweites Glück gibt es nicht, denn es ist das eine, das ganze Glück unseres Lebens, das wir erleben – mehr oder weniger intensiv. Ich hatte Annäherungsversuche erlebt, die mir nicht recht gewesen waren. Und andere, die ich zunächst nicht bewusst wahrgenommen hatte. Heute weiß ich es: das war keine Liebe. Wahre Liebe ist immer gepaart mit dem Glauben an den anderen, mit dem Vertrauen in ihn, und mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Wenn die vermeintliche Liebe der Angst weicht, wenn Macht, Abhängigkeit und Manipulation von Gefühlen an die Stelle der Liebe treten, dann ist es keine wahre Liebe.

Hans Christian hatte immer gesagt: „Dreimal ist göttlich.“ Ich war seine dritte Frau. Auf die Frage in einem Interview: „Was war der bisher glücklichste Tag in Ihrem Leben?“ hatte er geantwortet: „Als ich meine jetzige Frau kennenlernte.“ Auf die Frage, welchen Menschen er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, meinte er: „Meine Frau.“ Für ihn war es das größte Glück, dass er mich gefunden hatte nach zwei unglücklichen Ehen. „Dreimal ist göttlich!“ All das wurde mir erst nach seinem Tod klar.

Aber wie ist es, wenn man einmal ein großes Glück erlebt hat? Kann man es ein zweites Mal erleben? Heute glaube ich, dass es der Weg war, die Liebe zu mir selbst, zu meinem Umfeld und zu meinem Leben zu finden.

Louise Hay sagt dazu:
„Das Leben ist ganz einfach. Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Die Liebe hört niemals auf. Was ist das, die ewige Liebe?

Schon vor über einem Jahr schrieb ich:
Er ist  nicht mehr da. Ich kann nicht mehr mit ihm reden.
Ich spüre keine Gefühle mehr – seine nicht, aber auch meine nicht.
Ich kann ihn auch körperlich nicht mehr spüren.

Schon lange ist er nicht mehr hier, in dem Haus, das mittlerweile mein Haus geworden ist. Und das von Senta, meiner Berner Sennenhündin. Sie prüft jeden Besucher – und zeigt mir sehr schnell, ob jemand wirklich Liebe meint, wenn er dieses Haus betritt. Denn in diesem unserem Haus herrscht die Liebe. Auch wenn ich mich manchmal getäuscht habe, wenn ein vermeintlicher Freund, eine vermeintliche Freundin in unser Haus kamen. Was bleibt, ist die Liebe. Auch den Menschen gegenüber, die uns ent-täuscht und ge-täuscht haben.

Aber die Liebe bleibt …“ heißt es in dem Lied von Nana Mouskouri, das auch im Beerdigungsgottesdienst erklang. Sie bleibt für immer, aber sie verändert sich.

Die ewige Liebe ist im Reich der Ewigkeit: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Schon als meine Mutter 1997 starb, schrieb ich in der Danksagung: „Meine Mutter hat mit Optimismus, Herzlichkeit und Humor das Leben gemeistert. Sie hat mir durch ihr Vorbild Liebe und Kraft für ein ganzes Leben gegeben.“

Und in der Danksagung nach Hans Christians Tod schrieb ich: „Schließlich danke ich meinem Hans Christian für die Liebe, die er mir geschenkt hat, für die Geduld, die ich durch ihn gelernt und die Kraft, die ich durch ihn gewonnen habe. Die Erinnerungen an die glücklichste Zeit meines Lebens mit meiner großen Liebe werde ich nie verlieren.“

Am Ende des Jahres 2016 lernte ich noch einmal einige wichtige Lektionen über die Liebe. Ich war mit Senta in Armentarola, dem Ort, wo ich mit Hans Christian so oft gewesen war und wo wir glückliche Tage erlebt hatten. Nach vielen Jahren hatte ich im September endlich die Reise dorthin geschafft – aber Senta war sehr krank, und beinahe wäre sie dort geblieben, wo ich meinem Hans Christian so nahe war. Armentarola ist zwar nicht der „Himmel“, aber doch auf 1630 Meter Höhe dem Himmel sehr nahe.

Senta aber wurde wieder gesund – hier erlebte ich die Magie von Armentarola, und so fuhren wir Anfang Dezember wieder dorthin. Und in diesen wenigen, sonnendurchfluteten Tage erlebte ich die Liebe wieder, in Form von großer Dankbarkeit – meinem geliebten Hans Christian gegenüber, der mich an diesen wundervollen Ort geführt hatte, und auch meiner geliebten Mutter gegenüber, durch die ich das Skifahren und die Liebe zu den Bergen gelernt hatte, wodurch ich schließlich nach Armentarola gekommen war. Von beiden hatte ich den unerschütterlichen Optimismus, den Mut und die Zuversicht gelernt, dass das Leben uns immer das beschert, was für uns wichtig ist. Aber ich hatte auch von beiden gelernt, konsequent loszulassen, was nicht wichtig ist, egal ob Menschen, Dinge oder Orte. Ich wurde mir über den Sinn und das Ziel meines Lebens klar. Auf den langen Spaziergängen im sonnendurchfluteten Armentarola spürte ich es ganz intensiv:

Ich bin dankbar, denn das Leben liebt mich, und ich liebe das Leben.

Ich trage die Macht in mir, eine neue positivere Wirklichkeit zu erschaffen. Ich habe mein Denken bezüglich Schmerz und Verlust geändert. Das bedeutet nicht, dass ich keinen Schmerz, keine Trauer mehr empfinde. Es bedeutet einfach, dass ich nicht in diesen Gefühlen steckenbleibe. Ich hatte mir Zeit genommen, das Ende dieses Zusammenlebens mit Hans Christian zu betrauern, vielleicht nicht genug Zeit. Das Leben half noch ein wenig nach, ich stürzte und landete mit einem vierfachen Unterkieferbruch für 12 Tage in der Klinik. Die Folgen zu heilen dauerte dann fast ein Jahr. Es war ein deutliches Signal, und ich habe wieder zum Leben gefunden, denn jedem Abschied folgt ein Neubeginn. Ich zitiere immer gerne aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse:

„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Es hat lange gedauert, bis ich erkannte: Das Leben kann nicht sterben. Seelen sterben nicht. Das Leben hat seinen eigenen Sinn, seinen eigenen Rhythmus. Es verläuft meist nicht so, wie wir es erwarten. Oft bringt es Veränderungen, die uns aus dem eigenen inneren Frieden herausreißen. Wir würden es lieber vermeiden, weil auch die Veränderung Schmerz mit sich bringt. Und wir brauchen viel Geduld, viel Zeit, bis die Seele sich wieder öffnen kann nach dem Schmerz von Verlust und Trauer. Und eines Tages entdecken wir die Wahrheit über das Leben. Egal was geschieht: Ich kann mein Herz heilen. Ich kann wieder lieben. Oder immer noch. Denn die Liebe hört niemals auf. Die Liebe bleibt.

Ich habe es erfahren, durch Schmerz zum Glück zu kommen, mit Hilfe der Musik. Und ich schrieb in meinem Blogartikel vom 8. August 2015: „Ich glaube allerdings, dass Glück ohne Trauer gar nicht sein kann – nur wer auch die Schattenseiten erlebt hat, kann wirkliches Glück empfinden. Ja, es ist wohl so: Glück wird erst durch Leid zum Glück – und es ist notwendig, dass wir durch den Schmerz gehen, weil wir dann das Leben viel besser annehmen und uns gelassener auf den Moment einlassen können.

Seitdem suche ich immer wieder Orte auf, an denen ich mit meinem Mann glücklich gewesen bin. Ich bin sehr dankbar, dass ich mit ihm eine solch erfüllte Zeit und all das Schöne erleben durfte. Ich erfahre vieles auf eine neue, aber auch sehr schöne Art und Weise. Das zeigt, dass man selbst nach Leid, Schmerz und Trauer eine neue gute und glückliche Zeit erleben kann.“

Und diese glückliche Zeit erlebe ich auch heute immer noch. Denn ich habe zu mir selbst gefunden, die Liebe zu mir entdeckt, zu meinem neuen Leben, und auch zu meinem Hund. Denn Senta zeigt mir jeden Tag aufs Neue, worauf es ankommt im Leben: Beisammen sein, zueinander stehen, aufrichtig sein in den Gefühlen, den anderen trösten und ihm Mut geben, wenn es notwendig ist, Freude und Trauer miteinander teilen, fröhlich sein, gemeinsam am Strand spazierengehen und auf Reisen sein, aufs weite Meer schauen und an die Lieben denken, die schon jenseits des Horizonts, jenseits der Regenbogenbrücke leben und auf uns warten, bis wir uns eines Tages wiedersehen.

Denn die Liebe bleibt. Und hier noch die Musik: Aber die Liebe bleibt

 

Senta & ich

SentawebSchon fast fünf Jahre lebt Senta jetzt bei mir auf Fehmarn, bereits zwei Jahre lebe ich mit ihr allein – wir sind ein starkes Team geworden.

Mir gefiel Senta als vier Wochen alter Welpe, weil sie sich nicht auf meinen Schoß begab und an meinem Finger nuckelte, wie ihr Schwesterchen. Ich sehe mich noch dort auf dem Fußboden sitzen, neben der Wurfkiste – Senta saß stolz da, drehte mir den Rücken zu und tat so, als würde sie sich gar nicht für mich interessieren. Es gab ja dann auch bald was zu fressen …

IMG_9346Ihren Namen bekam Senta übrigens von uns – mein Mann und ich haben einen ganzen Abend überlegt. Möchten Sie vielleicht, dass Ihr Hund so heißt wie Ihre Tante oder Mutter? Einen amerikanischen Namen mochten wir nicht. Senta wurde von uns nach unserer Lieblingsschauspielerin Senta Berger benannt.

IMG_2076„Warum haben Sie sich eigentlich keinen kleineren Hund angeschafft,“ fragte mich mal jemand. Ja, warum eigentlich? Warum habe ich Senta?

IMG_2191 - Arbeitskopie 2Mein Mann wollte immer ein „Hündchen“, wie er sagte. Und als wir einige Bilder anschauten, wollte er einen noch größeren Hund – denn er saß im Rollstuhl und er hatte immer viel Angst. Über eine Anzeige im Internet kamen wir auf die Rasse der Berner Sennenhunde, die perfekt zu uns zu passen schien. Wir hatten noch nie einen Hund gehabt, und es war nicht immer ganz einfach, diesem Welpen mit den spitzen Zähnchen wirklich gerecht zu werden. Einige Möbel haben noch Spuren aus dieser Zeit …IMG_2124Senta fühlte sich von Anfang an pudelwohl bei uns – sie hatte sogar zur Begrüßung eine eigene Decke von einer Freundin aus Amerika bekommen. Ich schrieb einen Blog „Senta ist da – Ein Berner Sennen Baby auf der Sonneninsel Fehmarn“ und viele Freundinnen schrieben Briefe an Senta. Die aber interessierte sich mehr für die zahlreichen Stofftiere in unserem Haus – nur Leo, der Löwe, hat bis heute überlebt.

IMG_2323Sehr früh interessierte sie sich schon für den Computer und den Verlag, zerknabberte das eine oder andere Buch – eine Frau, der ich ein Buch verkaufen wollte, das nun angeknabbert war, schrieb: „Ist Ihr Welpe intellektuell interessiert?“

IMG_2170Auf jeden Fall wurde Senta mein Verlagsmaskottchen – sie weiß inzwischen, wann es besser ist, Frauchen nicht beim Schreiben und Telefonieren zu stören. Sie erkennt aber auch die richtigen Momente, wenn dringend ein Spaziergang zum Meer angebracht ist.

VerlagsmaskottchenSie sorgt für meine Gesundheit, schon morgens muss ich lachen, wenn ich aus dem Bett komme und sie liegt da und will gekrault werden. Wenn es mir mal nicht so gut geht, dann schläft sie im Schlafzimmer, als wolle sie mich beschützen. Die täglichen Spaziergänge zum Meer tun mir gut, es ist schön, ihr wippendes Schwänzchen zu beobachten, ihre Freude, wenn sie mal wieder ein Kaninchen riecht, es tut gut, wenn sie ganz nah neben mir geht – ohne Leine – weil sie von irgendwoher ein Geräusch gehört hat, das sie meinen Schutz suchen lässt. Oder – es ist ihre neueste Gewohnheit – wenn sie sich hinsetzt und mich ganz lieb anschaut, um ein Leckerli zu bekommne.

IMG_0820Senta ist auch eine Seelengefährtin – sie spürt meine innersten Regungen. Sie trauerte mit mir um ihr verstorbenes Herrchen, kennt heute noch den Weg zu seinem Grab. Sie freut sich mit mir, wenn etwas besonders Schönes passiert. Sie begrüßt Gäste in meinem Haus freudig, wenn ich sie gerne mag, dann mag sie sie auch, und sie hat mich auch schon vor unliebsamen Besuchern beschützt. Sie versteht jedes Wort, einige Worte aber besonders gut: „spazieren“, „lecker“, „zum Meer“ sind ihre Favoriten. Das Meer liebt sie ganz besonders, auch die Enten und Schwäne, die dort schwimmen. So läuft sie auch im Winter gerne ins Wasser, kommt aber bald wieder heraus, wenn es zu kalt ist.

IMG_2380Leider mag sie nicht Autofahren, und so bleibt sie daheim und bewacht Haus und Garten, wenn ich nicht da bin. Senta ist meine allerbeste Freundin, sie ist treu und geduldig, sie weiß, ob ich am Abend am Schreibtisch sitzen werde oder lieber auf dem Sofa, um mit ihr zusammen einen Film anzuschauen oder Musik zu hören.

IMG_0077Neulich schrieb ich bei Facebook eine kleine „Liebeserklärung“ an diesen Hund:

So ein Hund sitzt einfach da und schaut Dich an, manchmal kommt er und stupst Dich mit seiner Nase, wenn Du wieder zu lange am Computer sitzt und ihn nicht beachtest. Er spricht nicht, er schreibt keine Emails, er chattet nicht, er liket nicht – er schaut einfach mit seinen großen braunen Augen. Er wartet auf Dich, er macht sehr deutlich, wenn er etwas will, etwas anderes, als Du willst. Er ist da, wenn Du nicht schlafen kannst, er hört mit Dir Musik, er spürt, was Deine Seele bewegt, er sitzt beim Essen neben Dir. Er wartet geduldig, wenn Du wieder mal ein paar Stunden weggefahren bist, auch nach mehreren Tagen Abwesenheit wirst Du stürmisch begrüßt. Er ist nie verletzt von dem, was Du sagst oder tust, er ist nicht nachtragend, wenn Du mal mit ihm geschimpft hast. Am Morgen wartet er geduldig, bis Du endlich aufgestanden bist, aber dann möchte er Zärtlichkeit nach der langen Nacht. Er feiert jeden Tag aufs Neue den allergrößten Moment: wenn Du die Leine nimmst und mit ihm hinaus gehst zum Meer. Und am Abend wartet er so lange, bis Du endlich vom Schreibtisch kommst und Dich aufs Sofa setzt, er ist gleich neben Dir, denn nun beginnt die gemütlichste Stunde des Tages.

IMG_9335Ja, Senta mag es gerne gemütlich am Abend – wir teilen uns das große Ledersofa, manchmal legt sie ihren Kopf in meinen Schoß. Sie hört gerne Chopin und mag Camembert – Rotwein trinkt sie noch nicht – und wenn ich eine kleine Feier veranstalte, ist sie begeistert dabei. Schließlich gibt es für sie dann auch einige Leckerbissen. Sie liebt es, wenn ich auf meinem schönen Flügel spiele – sie legt sich dann direkt davor und hört zu.

IMG_8470Nie hatte ich mir einen Hund gewünscht in meinem früheren Leben – als mein Mann starb, war ich plötzlich alleine mit dem Hund und: wieder abhängig. Und nicht besonders glücklich darüber. Ich konnte nie wegfahren, wie ich wollte, also blieb ich zu Hause. Alle meine Versuche, Senta ins Auto zu locken, waren gescheitert und ich sah mich schon die nächsten zehn Jahre zu Hause angebunden.

Aber dann wagte ich es, sie alleine zu lassen, zuerst bei einer Freundin im Nachbardorf, dann ganz einfach zu Hause – mit Versorgung durch den Tierservice. Dadurch wurde unsere Verbindung immer stärker – und ich glaube daran, dass wir eines Tages gemeinsam in die Berge fahren, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Heute möchte ich Senta nicht mehr missen, wir sind unzertrennlich geworden. Ich bin sehr dankbar, dass ich sie habe – durch den Wunsch meines verstorbenen Mannes bin ich heute nicht allein. Und wenn ich mal wegfahre, weiß sie das, legt sich in ihre Lieblingsecke und wartet, bis ich wieder nach Hause komme – egal ob nach einer Stunde, einem Tag oder einer Woche. Und dann ist ihre Freude groß – und ich freue mich jedes Mal darauf, wieder nach Hause zu kommen und sie zu knuddeln.

Neubeginn & Mee(h)r

IMG_9154Neubeginn

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“
(Hermann Hesse, 1877-1962)

Gestern wurde eine Dame im Radio zu ihrem 100. Geburtstag geehrt. Auf die Anmerkung der Moderatorin, sie sei doch schon seit 35 Jahren „in Rente“, antwortet sie: „Ich bin noch nicht in Rente, ich liebe meine Arbeit.“

Ich habe etwas Ähnliches erlebt in den letzten Tagen, obwohl ich das so genannte „Rentenalter“ noch gar nicht erreicht habe: „Sie können doch gut von der Pension Ihres Mannes leben, Sie brauchen doch keinen Verlag. Der ist sowieso unnötig, es ist ein Verlustgeschäft. Die Bücher von einem Coach braucht keiner, nur er und seine Anhänger. Es ist sinnlos, so viele Bücher drucken zu lassen, die kauft sowieso niemand.“

Das hat meine Lebensgeister geweckt und ich sagte, dass ich diesen Verlag nun nicht so einfach schließen würde. Büchermachen ist meine Berufung, der Verlag ist mein Lebenswerk. Wenn ich nicht so überzeugt wäre von meinem Unternehmen, hätte ich an diesem Tag damit aufgehört. Es war eher demotivierend, was ich da zu hören bekam. Aber ich lasse mich nicht entmutigen. Und wenn der Verlag noch größer wird, kann ich mit solchen „Bremsern“ auf die Dauer nicht auskommen.

Im Übrigen sehe ich mich nicht als gut versorgte Beamtenwitwe – ich kann durchaus selber für mich sorgen. Hätte ich die Pension von meinem verstorbenen Mann nicht, würde meine eigene nicht gekürzt. Ich hatte in meinem Leben die Selbstverwirklichung an die erste Stelle gesetzt, war erfolgreich im Beruf und persönlich selbstständig, als ich mit Mitte Vierzig meiner großen Liebe begegnete und mit 48 heiratete. Zuvor hatte ich mit 34 Jahren schon das zweithöchste Amt der Lehrerlaufbahn erreicht – das Leben spielte dann ein anderes Lied, das mir viel besser entsprach: ich wurde Unternehmerin, zunächst „nur“ Lebensunternehmerin, später auch Unternehmerin im geschäftlichen Sinne.

Zwei Jahre ist es nun her, dass mein Mann verstorben ist. In dieser Zeit habe ich fast rund um die Uhr gearbeitet, denn wir hatten erst vor wenigen Jahren ein Haus gekauft, das ich nun alleine finanziere – mit Erfolg. Ich habe meinen Verlag weiter aufgebaut, der in diesen Tagen, am 11. Februar 2016, sein fünfjähriges Jubiläum feiern konnte. Ich habe wieder zu leben begonnen, habe zum ersten Mal seit Jahren zweimal ein paar Tage in Urlaub in Seefeld/Tirol gemacht, war mehrfach in Bamberg, am Niederrhein und zu Konzertbesuchen in Berlin.

Und dann ging vor drei Wochen mein Auto kaputt und ich überlegte, ein neues zu kaufen. Ich beriet mich mit verschiedenen Freunden und Beratern, und traf schließlich meine eigene Entscheidung: Für mein neues schickes Auto, das ich am Tag des Verlagsjubiläums bekam. Es ist nur ein kleines Modell einer großen Automarke, mit der ich seit vielen Jahren immer gut gefahren bin, auch wenn sie etwas teurer ist. Es gibt eine gute Werkstatt am Festland und drei Meister hier auf der Insel, die mein Auto abholen und bringen, wenn etwas daran zu tun ist. Und sie halten mich nicht für eine ahnungslose Frau, der es nur auf die schöne Farbe des Autos ankommt.

IMG_2129Leben ist mehr – als nur Erträge und Verluste gegeneinander abzuwägen. Ich denke einfach anders als manche Berater. Das entscheidende Argument für den Autokauf hatte mir eine Freundin gesagt: „Du hast jetzt einen neuen Lebensabschnitt, Du wirst jeden Tag jünger und schlanker – da würde ein neues flottes Auto gut zu Dir passen.“

IMG_2144Ich bin voller Pläne für dieses Jahr: Gestern ist mein neues Buch „Bücher schreiben mit Herz“ erschienen – ein Ratgeber für Coaches, Trainer und Therapeuten zum Schreiben eines eigenen Sachbuches. Es ist mein fünfter Ratgeber zum Schreiben und Publizieren innerhalb von knapp drei Jahren, und mein sechzehntes Buch. Es ist das 45. Buch in meinem Verlag, daneben habe ich 16 E-Books, 16 Kalender und 5 CDs/DVDs produziert. Auch wenn nicht alles ein großer Erfolg war – einige Projekte erwiesen sich sogar als „Flops“, wie in jedem Verlag – so waren doch auch große Erfolge dabei. Es ist noch keines meiner Bücher in die Spiegel-Bestsellerliste gekommen, aber das ist auch nicht mein Maßstab für meinen persönlichen Erfolg.

IMG_9274Ich habe mit den Büchern schon viele Menschen glücklich gemacht: vor allem die Autoren, denen ich geholfen habe, ihren Traum vom eigenen Buch zu verwirklichen, aber auch viele, viele Leser. Ich trage dazu bei, dass positive Gedanken für ein positives Leben in die Welt getragen werden. Ich kann Menschen begeistern und sie ermutigen, ihre persönlichen Stärken zu entwickeln und das Beste aus ihrem Leben zu machen.

IMG_9275Geld ist zwar wichtig für mich, aber ich sage immer: ich lebe in Reichtum und Fülle. Und damit meine ich mehr als Geld. Für mich gibt es neben dem Geld eine zweite Währung, die mindestens genauso wichtig ist: ein glückliches Leben. Geld macht mich nicht glücklich und auch nicht unglücklich. Ich kann auch ohne Geld glücklich sein. Allerdings ist Geld auch eine Erfolgsbestätigung für gute Arbeit und die Voraussetzung für ein gutes Leben. Geld verändert den Charakter nur dann, wenn es ausschließlich um Geld geht, wenn man gar nicht mehr anders denken kann. Das musste ich leider in den letzten Tagen mehrmals erfahren. Und auch, dass es Menschen gibt, die so überzeugt sind von ihrem Lebens- und Finanzkonzept, dass sie es anderen aufdrängen möchten.

Ich treffe meine Entscheidungen selber – denn nur ich alleine bin für mich und mein Leben verantwortlich.

Neulich schrieb jemand auf Facebook: „Eine Frau sollte sich niemals von einem Mann finanziell abhängig machen. (Und umgekehrt ebenso.)“ Ich antwortete: Das hat mir meine Mutter beigebracht – in der erweiterten Version: Eine Frau sollte sich niemals von einem Mann abhängig machen. Sie (Jg. 1921) gehörte zu der Generation, in der die Frau den Mann noch fragen musste, ob sie berufstätig sein durfte. Ich habe es bis heute geschafft, als Frau souverän zu leben.

Für mich ist wichtig in meinem Leben:
Leben, lieben und arbeiten an den für mich schönsten Plätzen der Welt,
in Reichtum und Fülle, Gesundheit und Vitalität,
umgeben von meinen Freunden.

Aus diesem Gedanken heraus habe ich ein ganz besonderes Seminar im September in Armentarola geplant: Buch schreiben & Urlaub. Armentarola ist einer meiner Traumorte – eines der schönsten Hotels in den Dolomiten. Und wer meint, ich sei verrückt: es gibt sogar bereits mehrere Anmeldungen für diese Seminartage.

Titelbild_Armentarola2016webDer Erfolg gibt mir Recht: Neben dem traditionellen Buchseminar auf Fehmarn habe ich eins in Berlin angeboten: es ist jetzt bereits ausgebucht. Und so habe ich letzte Woche noch ein Hotel in der Nähe von München gefunden, wo das Seminar im November ein weiteres Mal stattfindet. Die Seminare haben das Motto „Bücher schreiben mit Herz“ – es ist mein ganz persönliches Motto, seit ich 2007 nach einer Begegnung mit Sabine Asgodom und einem Besuch ihres Buchseminars in München beschlossen hatte, keine wissenschaftlichen Bücher mehr zu schreiben, sondern Bücher „mit Herz und Seele“.

Cover_Bücher_schreiben_mit_Herz_neu.inddEs ist für mich wohltuend, dass ich jetzt überwiegend mit jüngeren Menschen zu tun habe, die nicht andauernd das baldige Rentenalter vor Augen haben, sondern mitten im Leben stehen. Ich denke, auch mit 63 steht man mitten im Leben – wenn ich das „Traumalter“ 100 betrachte, bleibt mir davon noch mehr als ein Drittel.

Ich habe mir allerdings auch ältere Vorbilder gesucht. Irgendwann hatte ich entdeckt, dass Louise Hay auch erst mit 58 Jahren ihren Verlag gegründet hat und nun mittlerweile 30 Jahre lang führt, natürlich mit der Unterstützung jüngerer Mitarbeiter und Co-Autoren. Ihr Verlag ist heute, wo sie 89 ist, einer der größten Selbsthilfeverlage in den USA. Dadurch hat sich meine Perspektive auf die Zukunft verändert: nicht bis zum „offiziellen“ Rentenalter mit 65 als Autorin und Verlegerin zu arbeiten, sondern wenigstens 25 weitere Jahre.

Die Pianistin Livia Rev, die mit 93 Jahren in Lausanne ein Konzert gegeben hat und in diesem Jahr 100 wird, hat noch mit 97 eine wundervolle Aufnahme des „Liebestraums“ von Franz Liszt eingespielt – das gab für mich den Ausschlag, wieder Klavierunterricht zu nehmen.

Mein alter Deutsch-, Englisch- und Philosophielehrer und ehemaliger Schulleiter wird in diesem Jahr 94, er rief mich letztes Jahr zum Geburtstag an, weil er im Moment nicht so gut schreiben konnte. Als ich ihn fragte, ob er schon einen Gehstock oder einen Rollator hätte, sagte er: nein, dann wäre man ja alt. Und zu Weihnachten schrieb er mir wieder einen langen Brief mit der Hand.

Auch in meinem Verlag gibt es bewundernswerte ältere Menschen, wie Ottilie Krafczyk, die mit 80 Jahren ihr erstes Buch schrieb, oder Gunda Dinklage, deren Buch über ihre erste Weltreise mit 70 demnächst erscheinen wird. Mein ältester Autor ist Silvio Vogel, der kurz vor seinem 90. Geburtstag den Wunsch hatte, all seine Träume von einem langen Leben in einem Buch aufzuschreiben.

IMG_9139An- und aufregend für mich ist es, was mir jüngere und ältere Leute schreiben:

  • „Ich bewundere Dich und Deine Produktivität!!! Ich nehme Dich zum Vorbild!“ (Jeanette Mensing)
  • „Prima, Dein unternehmerischer Dickkopf!“ (Elisabeth Mardorf)
  • „Ein Schiff geht nicht unter, solange der Kapitän sein Steuer in der Hand hält“ (Birgit Wohler)
  • „Herzlichen Dank, Beate Forsbach! ‚Vollblutunternehmerin’, so ist es! Frauen, die sich für das, was sie wollen einsetzen. Empathie, Durchsetzungskraft, Willen und Herzblut. Sie vereinen diese Eigenschaften und sind vielen Unternehmerinnen ein Vorbild!“ (Katharina Boersch)
  • „Herzlichen Dank, liebe Beate Forsbach. Für mich sind Sie ein Vorbild in vielerlei Hinsicht! Bleiben Sie so klug und wild und wunderbar!“ (Verena Ullmann)
  • „All Deine Zeilen haben mich tief berührt und mit Deiner Stärke und dem Optimismus … bist Du für mich ein großes Vorbild.“ (Monika Bidler)
  • „Es freut mich, zu lesen, dass Sie nun, nach all dem Schweren und Belastenden wieder glücklich sein und Ihr Leben genießen können. Dabei hilft Ihnen die Glücksformel, die ich gerne für mich übernehme.“ (Gunda Dinklage)

Neulich wurde ich in einem Interview gefragt: Wie triffst Du Entscheidungen? Wie gehst Du an scheinbar unlösbare Aufgaben heran?

Nun, ich treffe Entscheidungen oft sehr spontan und ohne lange über die Folgen nachzudenken. Es ist besser, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, als nie eine zu treffen oder gar andere entscheiden zu lassen. Auf diese Weise habe ich viele Erfolge und Veränderungen erlebt, und damit auch viele Neuanfänge in meinem Leben.

Ich glaube nicht daran, dass es unlösbare Aufgaben gibt. Ich vertraue darauf, dass es immer eine Lösung gibt. Ich habe eine innere Kraft entwickelt, auch mit Hilfe der positiven Affirmationen von Louise Hay, meinem großen Vorbild.

Immer wenn es ein Problem gibt, sage ich:
Alles ist gut.
Alles entwickelt sich zu meinem Besten.
Nur Gutes resultiert aus dieser Situation.
Ich bin beschützt.

Wenn ich genau weiß, was ich will, wenn ich mich also für etwas eindeutig entschieden habe, dann glaube ich daran, dass ich alle daraus resultierenden Fragen lösen kann. Ich glaube an mich und an meine innere Stärke, und ich vertraue dem Leben. Das ist die Grundlage dafür, das Unmögliche möglich zu machen.

Schon als junge Musiklehrerin habe ich Dinge getan, die noch keiner getan hatte. In meinen ersten Dienstjahren habe ich mit meinem Schulorchester eine Reise nach Südfrankreich gemacht – der Titel meines damaligen Berichtes lautete: „Eine Reise nach Agen. Wie das Unmögliche möglich wurde.“ Bei dieser Reise habe ich etwas Wichtiges von einem französischen Pater gelernt, der sagte: „Man muss das Glück nur genügend herausfordern, dann hat man es auch auf seiner Seite.“

Heute, zum Zeitpunkt meines Neubeginns nach 5 Jahren Verlagsgeschichte, danke ich allen meinen Freunden und den Beratern, die mich auf diesem Wege unterstützen und begleiten. Nach meinem Lebensmotto „Fliegen kannst Du nur gegen den Wind“ sind gerade die Kritiker und Gegner wichtig für mich, damit ich meinen eigenen Standpunkt finde. Aber manchmal ist auch Rückenwind ganz gut – und so danke ich allen Freunden von ganzem Herzen, die mich liebevoll und wohlwollend unterstützen, so verrückt manche Ideen auch für andere sein mögen.

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Dankbarkeit – mein Jahr 2015

IMG_0817Wirklich – ich kann mich nicht mehr erinnern, mit welchen Gefühlen ich in das Jahr 2015 gestartet bin. Ich erinnere mich nur an den Silvestertag 2014, als nach 8 Tagen das Telefon wieder ging, ich am Nachmittag Besuch von einer neuen Lektorin bekam, um 21 Uhr den Anruf einer neuen Autorin, bis kurz vor Mitternacht mit einer anderen Autorin über den Sinn einer gemeinsamen Besprechung mit der Lektorin gechattet hatte, um Mitternacht eigentlich ziemlich unglücklich war, das neue Jahr mit einer Diskrepanz begonnen, am zweiten Tag eine mehrstündige, letztlich erfolglose Besprechung mit Lektorin und Autorin durchgeführt hatte, ein paar Tage später das intensive Gefühl hatte, ohne ein professionelles Coaching all das nicht mehr bewältigen zu können. Es gab Buchpläne, aufgrund deren ich eine Lektorenstelle ausgeschrieben, drei Kandidaten probeweise eingestellt sowie einen Vertrag mit einer großen Verlagsauslieferung abgeschlossen hatte. Denn ich hatte das Gefühl, die anstehenden Veröffentlichungen nicht mehr mit den bisherigen Mitteln und Mitarbeitern bewältigen zu können. Und manches davon stellte sich später als Fehlentscheidung unter dem Druck der aktuellen Situation heraus.

Wie meine persönliche Lage am Neujahrstag 2015 war, weiß ich nur noch ungefähr: mein Mann war noch kein Jahr tot, ich war noch voller Trauer, hatte Silvester letztlich alleine verbracht, wurde am Neujahrstag vom Anruf einer mitfühlenden Bekannten geweckt und rief daraufhin eine alleinstehende Bekannte an, weil ich mir erwiesene Wohltaten immer gerne weitergab, telefonierte einige Stunden mit anderen Bekannten, bis ich am Abend ermattet ins Bett fiel – ohne zu mir selber gekommen zu sein. Beim obligatorischen „Traumschiff“ war ich sicherlich eingeschlafen, wie auch heute – nur dass ich am Neujahrstag 2016 den deutlichen Impuls verspürte, noch einen Rückblick auf mein Jahr 2015 zu verfassen, nachdem ich den heutigen Tag ganz nach meinen Wünschen verbracht hatte. Und ich habe heute das Gefühl, zu mir selber gefunden zu haben, seit einigen Monaten wieder glücklich leben zu können.

Anfang Januar sprach ich mit einem Coach über ein Buchprojekt. Am nächsten Tag schrieb ich ihm: „Mein Leben hat sich ja im Laufe des vergangenen Jahres stark verändert, dazu ist mein Verlag, den ich Anfang 2011 gegründet habe, in einer aufregenden Entwicklungsphase. Auch wenn ich schon 62 bin, denke ich, dass ich mit Ihrer Unterstützung und Inspiration noch viel mehr erreichen kann – denn ich liebe den Erfolg!“ Ich lernte, die „Glücksformel“ für mein Leben anzuwenden: „Tue immer mehr von dem, was Dir gut tut. Tue immer weniger von dem, was Dir nicht gut tut.“ Mir ging es darum, wie ich mein Leben mit meinem Verlag (und meinem Hund) so schön gestalte, dass ich möglichst viel Spaß an allem habe: An der Arbeit, den Autoren und Lektoren, den Büchern, meinem eigenen Schreiben – und dem sonstigen Leben.

In den nächsten Monaten folgten Niederlagen und Höhepunkte in meinem Leben als Verlegerin: Schöne Erfolge mit einigen Büchern, finanzielle Misserfolge, das Gefühl, ausgenutzt worden zu sein, ein Buchprojekt, das mich emotional sehr viel Kraft kostete, Vertragsauflösungen, die für mich oft einen Tiefpunkt bedeuteten – und schließlich das Gefühl, eigentlich nie die eigenen Wünsche und Bedürfnisse erfüllen zu können, weder in Bezug auf Buchprojekte noch in Bezug auf das private Leben.

Nur ganz wenige Wegbegleiter waren immer für mich da: Meine „Hundefreundin“ mit ihrer Jenny begleitete mich auf vielen Spaziergängen und nahm meine Senta bei sich auf, als ich ab Ende April mehrfach nach Bamberg zu meinem früheren Zahnarzt fuhr und im September in der Uniklinik war. Mein ältester Freund half mir in vielen juristischen Fragen, meine erst 2013 gefundene Familie aus Hamburg machte sogar Urlaub in Neujellingsdorf und war eigentlich immer für mich da. Und meine Berner Sennenhündin Senta wurde zu meiner geliebten Seelengefährtin – sie half mir in den Tagen der Trauer und machte mir insgesamt viel Freude, allerdings zeigte sie mir auch, dass sich das Leben nicht so schnell weiter entwickelte, wie ich es mir oft wünschte. Ich hatte Geduld zu lernen.

Ich trennte mich im vergangenen Jahr von einigen Menschen. Es gab heftige Erschütterungen, krisenhafte Zeiten und viele schlaflose Nächte. Ich lernte, mich für bestimmte Wege zu entscheiden, auch wenn es nicht immer besonders angenehm war. Heute, am Neujahrstag 2016, spüre ich viele Veränderungen, die ich nie durchlebt hätte, wenn ich nicht so viele positive und negative Erfahrungen gemacht hätte. Gewiss hätte ich mir einige Erlebnisse ersparen können, aber erst durch die Schwierigkeiten, die ich überwunden habe, bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin.

Insofern bin ich allen Menschen dankbar, denen ich im letzten Jahr begegnet bin – egal ob es beglückende und erfüllende Erfahrungen waren oder Konflikte, die letztlich zur Trennung geführt haben.

Ich habe gelernt, dass die schlimmste Enttäuschung über einen Menschen niemals so schlimm ist, dass ich nicht mehr an mich selber glauben kann. Finanzielle Einbußen, die aufgrund falscher Einschätzung von Menschen und Situationen entstanden sind, beeinträchtigen mein Leben kaum, denn sie stellen für mich eine Herausforderung dar, es nunmehr besser zu machen. Und so kann mich ein finanzieller Rückschlag nicht mehr erschüttern – habe ich doch die Gewissheit, aus jeder Situation wieder herauszufinden und meinen Zielen näherzukommen.

„Wenn sich eine Tür schließt, so öffnet sich eine andere“, diese Erfahrung habe ich mehrfach im vergangenen Jahr gemacht. Nicht nur in Bezug auf Mitarbeiter in meinem Verlag, sogar im ganz persönlichen Bereich von Familie und Freunden habe ich das erlebt: Ich habe nach ca. 60 Jahren eine Cousine wiedergefunden, die wie eine Schwester für mich ist. „Du bist ein Glücksfall für mich“, sagte sie mir erst kürzlich. Was kann es Schöneres geben, als ein „Glücksfall“ für einen anderen Menschen zu sein. Ich habe neue Freunde gefunden, die mich unterstützen und begleiten – das ist etwas, was ich in den letzten Jahren selten erlebt habe. Zwar war die Liebe zu meinem verstorbenen Mann groß gewesen, doch ich hatte in den letzten Jahren die ganze Verantwortung für ihn und unser Leben übernommen.

Seit Ende 2008 hatte ich Schweres zu tragen und war stark geworden – nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so habe ich seit September 2014 insgesamt ca. 20 Kilo abgenommen, ohne Diät und bei einem Leben mit Genuss. Ich fühle heute eine große Leichtigkeit, in Bezug auf mein Gewicht und mein Leben. Ende 2015 bekam ich die Anregung, noch einmal Klavierunterricht zu nehmen. Schon seit einigen Monaten hatte die Musik wieder einen großen Stellenwert in meinem Leben bekommen – daraus hat sich eine ganz neue, ungewohnte Lebensqualität entwickelt. Ich laufe täglich mit Senta, meiner Berner Sennenhündin, meist 8-10 km, fast jeden Tag zum Meer, und diese täglichen Impressionen von Sonnenuntergängen, frischer Luft und dem Blick aufs Meer wirken sich positiv auf meine Gesundheit aus.

Im Sommer fuhr ich das erste Mal in die Berge, nach Seefeld/Tirol, wo ich auch über Weihnachten einige Tage verbracht habe. Mehrfach war ich in Bamberg, wo ich früher einige Jahre gewohnt habe und nun noch meinen damaligen Zahnarzt besuche. Die Behandlung wäre längst abgeschlossen, wenn ich nicht im September gestürzt wäre und mir einen vierfachen Unterkieferbruch zugezogen hätte. Die damit verbundenen 12 Tage in der Uniklinik hatten die Konsequenz, dass ich mir meiner positiven Einstellung und meines unbedingten Willens zum Gesundwerden bewusst wurde. Ich lief auf dem Klinikgelände jeden Tag ca. 8 km und war – trotz heftiger Blutergüsse im Gesicht – kurz nach der Entlassung in der Lage, zu einem Konzertbesuch nach Berlin zu fahren.

Außerdem machte ich die Erfahrung, dass Senta ein paar Tage alleine zu Hause bleiben konnte, versorgt vom Tierservice, und ich fortan auch mal kleinere Reisen planen konnte. So fuhr ich im November nach Düsseldorf, um Sonja Volk, eine Autorin meines Verlages bei ihrer Vorstellung ihres Buches Gedankenpower in einer großen Buchhandlung zu erleben. Danach konnte ich meine Freunde in meinem ehemaligen Wohnort am Niederrhein besuchen – erstmals nach mehr als vier Jahren. Nach der Rückkehr plante ich dann meinen Weihnachtsurlaub in Seefeld.

Mehr und mehr lernte ich auch, mich von Menschen zu verabschieden, die mir nicht gut taten. Ich lasse mich von niemandem mehr unterkriegen und bin nicht mehr bereit, etwas für Menschen zu tun, die das nicht würdigen. Einige Male habe ich die Zusammenarbeit aufgekündigt, ohne Angst vor den Konsequenzen. Ich kann gut loslassen, es bereitet mir keinen Schmerz mehr, denn die entstandenen Spuren sind jedes Mal Wege in eine bessere Zukunft. Mein unerschütterlicher Optimismus, mein positives Denken, meine grundsätzliche Überzeugung vom Guten im Menschen und mein Vertrauen in jeden Menschen, mit dem ich zu tun habe, helfen mir dabei. Und so habe ich im vergangenen Jahr trotz einiger Rückschläge auch große Erfolge erlebt.

Mein Autorenseminar auf Fehmarn war ein solcher Erfolg, dem in diesem Jahr mehrere weitere Seminare folgen werden. Ich erlebe einen stetigen Zuwachs an Bekanntheit in den sozialen Netzwerken, viele schöne Kontakte sind entstanden, viele Buchprojekte geplant worden. Und so finden auch meine eigenen Texte mehr und mehr Anklang bei immer mehr Menschen. Darüber bin ich besonders glücklich, war es doch von Anfang an mein Ziel, durch meinen eigenen Verlag positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen und (angehende) Autoren anregen und inspirieren zu einem guten Leben und guten Büchern. Mein Buch „Der Traum vom eigenen Buch“ hat sich zu einem heimlichen Bestseller meines Verlages entwickelt und bringt mir auch im Buch-Coaching-Bereich immer wieder neue Kunden.

Und schließlich entwickelt sich mein ursprünglich geplanter Schwerpunkt „Musik“ in meinem Verlag: Nachdem ich zu Weihnachten 2014 meine Dissertation neu publiziert hatte, kam im Herbst 2015 mein erstes Fachbuch neu heraus, und im nächsten Jahr sind gleich mehrere Veröffentlichungen im Musikbereich geplant. Ich habe meine Websites neu gestaltet und von einem professionellen Webmaster einrichten lassen. Seit Februar werden die Bücher von einer Verlagsauslieferung verschickt, die alle Bestellungen abwickelt. So bin ich weitgehend vom Paketepacken und Schreiben von Rechnungen befreit. Ich arbeite mit mehreren großen Druckereien zusammen und lasse zunehmend größere Auflagen unserer Bücher herstellen. Diese Investitionen werden sich hoffentlich in 2016 auszahlen.

In diesen Tagen ziehe ich mit fast 5000 Büchern meines Verlages um zu einer neuen, kleineren Verlagsauslieferung – ich habe mich dafür entschieden, um für die Zukunft bessere Möglichkeiten zu haben, auch wenn es dadurch im Vorweihnachtsgeschäft einige Einbußen gegeben hat. Aber ich habe gelernt, dass finanzielle Einbußen durchaus positive Nebenwirkungen haben können. In der neuen Verlagsauslieferung erfahre ich bereits jetzt eine individuelle Betreuung durch den Chef und die Mitarbeiter. Ich habe gelernt, mich zu entscheiden, für oder gegen Dinge und Menschen, auch wenn es unangenehm ist. Und so sehe ich voller Zuversicht dem fünfjährigen Verlagsjubiläum am 11. Februar 2016 entgegen.

In den letzten Tagen des alten Jahres habe ich mir darüber Gedanken gemacht, worauf es in meinem Leben wirklich ankommt, was ich noch erreichen möchte, was und wer mir wirklich wichtig ist, was und wer nicht mehr zu mir gehört. Dieser letzte Punkt war am schwierigsten für mich, erfordert er doch einige Konsequenzen. Die Überlegung aber, was für mich wirklich Sinn ergibt, klärt vieles, was ansteht. Mir geht es darum, meinen Verlag weiter zu entwickeln und positive Gedanken für ein positives Leben zu verbreiten. Ich möchte Menschen helfen, besser zu leben, auch durch mein Vorbild.

Meine Wünsche für 2016 im persönlichen Bereich sind: Gesund und fit zu bleiben, Musik zu machen und zu hören, richtig gut Klavier spielen zu lernen, Zeit für mich und für mein Leben zu haben, meine eigenen Bücher endlich schreiben zu können, Urlaub zu machen an den für mich schönsten Orten der Welt, die Beziehungen zu den Menschen zu pflegen, die mir am nächsten sind. Ich halte es mit Louise Hay, die gesagt hat:

„Das Leben ist ganz einfach.
Was ich gebe, kommt zu mir zurück.
Heute entscheide ich mich dafür, Liebe zu geben.“

Nun ist das neue Jahr inzwischen schon mehr als 24 Stunden alt – es war mir ein Bedürfnis, meinen ganz persönlichen Jahresrückblick aufzuschreiben. Vor allem aber auch, meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, den Menschen gegenüber, die mich im vergangenen Jahr 2015 begleitet, ermutigt und immer wieder zum Weitermachen motiviert haben, denn Aufgeben war niemals eine Option für mich.

Ich bedanke mich bei Ihnen, den Lesern meines Blogs für Ihr treues Folgen und Ihre zahlreichen Kommentare und Mails. Ich freue mich, wenn Sie auch im Jahr 2016 weiter dabei sind.

Für das neue Jahr 2016 wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute, vor allem Glück und Gesundheit.

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Klavierspielen

IMG_8907In den letzten Jahren habe ich immer in der Adventszeit auf dem Flügel gespielt – meistens war es Weihnachtsmusik, aber immer auch gerne meine Lieblingsstücke von Brahms, Schubert und Schumann. Das Schöne ist ja, dass ich hier in meinem Haus auf dem Lande zu jeder Tages- und Nachtzeit klavierspielen kann – ganz anders als in den vorherigen Wohnungen, wo ich immer Rücksicht auf Mittags- und Nachtruhe nehmen musste, wo die Nachbarn teilweise alles mithören konnten und ich entsprechend eingeschränkt war – Üben ist nicht so toll anzuhören, also spielte ich immer wieder die Stücke, die ich (noch) ganz gut konnte aus meinem Klavierunterricht, der mittlerweile über 40 Jahre zurück liegt.

IMG_8906In den letzten Monaten hörte ich immer mehr Klaviermusik, oft über das Internet. Denn ein Facebookfreund schickte immer wieder interessante Aufnahmen von bekannten und (mir) unbekannten Pianisten und Pianistinnen. Besonders die Nocturnes von Chopin hatten es uns angetan, ich bekam eine wundervolle CD von der ungarischen Pianistin Livia Rev, die seit Jahren in Frankreich lebt und noch mit über 94 Jahren grandiose Konzerte und Masterclasses gegeben hat – alles heute noch hörbar über Youtube.

Das Impromptu As-Dur op. posth. 142,2 von Franz Schubert war seit vielen Jahren mein Lieblingsstück – ich hatte es zur Begrüßung unseres neuen Flügels am 19.12.2004 in unserer Bamberger Wohnung gespielt, und zuvor auch zum Abschied von meinem schönen Klavier.

FlugelDer Flügel war der Mittelpunkt unseres Bibliothekszimmers in der großen Bamberger Jugendstilwohnung. Mein Mann sagte immer, ich hätte ihm den Flügel zum Geburtstag geschenkt. Er wurde an seinem Geburtstag geliefert – aber gekauft hatten wir ihn gemeinsam. IMG_7447Am 12. November 2010 habe ich das Impromptu von Schubert zur Einweihung des Flügels in unserem Haus in Neujellingsdorf auf Fehmarn gespielt – die Umzugsleute waren ganz fasziniert. Es ist ja ein großes Abenteuer, ein solch kostbares Instrument im Umzugswagen zu transportieren, von Bamberg auf die Insel Fehmarn. Der größte Moment war für mich, als unser neues Haus zum ersten Male mit Musik erfüllt war, Musik von dem Flügel.

Doch zurück in die nähere Gegenwart: Im Februar 2014, kurz nach dem Tod meines Mannes, wollte ich den Flügel verkaufen. Zu groß war der Schmerz, dass mein Mann dieses wundervolle Instrument nicht mehr nutzen konnte, und dass ich nicht darauf gespielt hatte, als wir auf den Krankenwagen warteten, der meinen Mann in die Klinik brachte, wo er zwei Tage später verstarb. In einer Nacht führte ich ein „virtuelles Gespräch“ mit einem Facebookfreund. Er überzeugte mich damals, dass ich unseren schönen Flügel behalten und ihn fortan mehr und mehr zum Klingen bringen sollte!

Irgendwann begann ich wieder, Klavier zu spielen, all die schönen Stücke von Brahms, Schubert, Schumann, Chopin, die ich früher mal gut gekonnt hatte. Dazu viel Jazz und leichtere moderne Stücke. Und ich hörte immer mehr Klaviermusik, vor allem solche, die ich niemals spielen könnte, wie ich dachte. Ich merkte, wie meine Begeisterung wuchs. Über Facebook bekam ich auch Kontakt mit einigen Pianisten, und so allmählich kristallisierte sich bei mir ein ganz bestimmtes Klangideal heraus, nicht nur, aber auch durch den Besuch eines Konzertes mit dem fantastischen Pianisten Amir Katz.

IMG_8936Senta mag übrigens auch gerne zuhören – am liebsten Chopin. Ich stellte fest, wie schön die Musik in meinem Hause klingt – und bedauerte es, dass ich nicht mehr Musik gespielt hatte, als mein Mann noch lebte. Denn er war ein ganz großer Liebhaber und Kenner von Klaviermusik, hatte alle großen Pianisten seiner Zeit im Konzert gehört und es immer bedauert, dass er als Kind und Jugendlicher nicht genug Geld gehabt hatte, um Klavier zu lernen.

IMG_8917Am ersten Adventssonntag meinte ein Bekannter, ich könnte doch mal meinen Flügel stimmen lassen und wieder Klavierunterricht nehmen. Das erste war klar, ich hatte es im vorigen Jahr ausgelassen – aber ich wäre im Leben nie auf die Idee gekommen, wieder Klavierunterricht zu nehmen. Am Abend dann hörte ich eine Aufnahme von dem berühmten Liebestraum von Liszt – mit der großartigen Pianistin Livia Rev, die das Stück im Alter von 97 Jahren spielte. Im ersten Moment sagte ich, dass ist für mich nur ein Stück zum Zuhören, aber dann lud ich mir die Noten aus dem Internet herunter und stellte fest, dass es durchaus „machbar“ wäre.

Am nächsten Morgen telefonierte ich mit der Klavierstimmerin und sie empfahl mir einen Klavierlehrer in Lübeck. Ich hatte noch andere Empfehlungen, aber meine Intuition sagte mir, dass dies vielleicht der Richtige wäre. Ich rief ihn an und vereinbarte den ersten Termin am 11. Dezember 2015. Am Abend davor kopierte ich aus meinem alten Studienbuch die Protokolle der Prüfungen an der Musikhochschule Köln aus den Jahren 1973-1975. Violine war mein Hauptinstrument gewesen, und Klavier mein Nebeninstrument. Das war damals so im Schulmusikstudium, schließlich hatte ich Geige ja schon viel länger gespielt. Ich bekam Unterricht bei den Zwillingen Werner und Wilhelm Neuhaus und wurde auch als „Nebenfach Klavier“-Pianistin ziemlich gut. Die Violine wollte ich schon vor einigen Monaten loslassen, ich könnte das Niveau aus dem Studium niemals mehr erreichen, befand ich. Und ich hatte keine Lust, in irgendwelchen Liebhaberorchestern oder Feierabend-Streichquartetten zu spielen.

Aber Klavierspielen, das reizte mich ganz stark, denn damit kann ich selber Musik machen, ganz allein, und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vom „Liebestraum“ habe ich mir die Noten bestellt, und auch von den Chopin Nocturnes, die ich inzwischen ganz besonders liebe. Außerdem habe ich die „Etüden im ungarischen Stil“ von Michel Sogny entdeckt, die mir auf Anhieb sehr gut gefielen. In ein Stück hatte ich mich verliebt, als ich es eines Morgens im Bademantel spielte. Eine kleine Melodie, die sich nach und nach herauskristallisierte und mein Herz erfüllte.

Ich packte also am Vorabend der ersten Klavierstunde alle Noten in meinen Aktenkoffer, die ich schon gespielt hatte oder noch spielen wollte. Dazu ein Notizbuch, um alles Wichtige darin zu vermerken.

IMG_0647Der erste Gang zum Klavierlehrer war insofern recht erfreulich, weil der Weg vom Parkhaus am Café Niederegger vorbeiführte, und an einem Musikgeschäft, das ich nach der Klavierstunde gleich besuchte. Denn eine kleine Reise von Fehmarn nach Lübeck ist schon etwas Besonderes für mich, und ich freute mich, dass ich daraus ein richtiges „Event“ machen konnte.

Beim Klavierlehrer war es erfreulich. Ich erzählte, warum ich nun nach über 40 Jahren seit meinem Studium wieder Klavierunterricht nehmen wollte – und er konnte es nachvollziehen. Ziemlich bald kamen wir auf das Thema, was mich am meisten interessierte: Die Klangbildung am Klavier, also wie ich meine altbekannten und auch neue Stücke einfach schöner spielen könnte. Auch die mentale Kraft beim Klavierspielen finde ich wichtig und interessant, und auch dafür war der Klavierlehrer aufgeschlossen.

Die Stücke von Michel Sogny sagten ihm sehr zu, er war erstaunt, dass ich die erste Etüde nach wenigen Tagen schon so gut spielen konnte. Auch an meinem Lieblingsstück, dem Impromptu von Schubert, haben wir kurz gearbeitet, uns aber dann einfach der Klangbildung gewidmet. Die Stunde war im Nu herum und wir haben uns für die nächste Woche wieder verabredet.

Erstaunlich war für mich eine Erkenntnis, die ich beim Erzählen gewonnen hatte: Ich habe als Kind immer Klavier spielen wollen, aber es war nicht genug Geld für ein Klavier da. Somit habe ich bei Freundinnen, die Klavierunterricht hatten, immer geübt und mir vieles selber beigebracht. Mit 14 bekam ich das erste Klavier, erst mit 16 dann Klavierunterricht, weil ich ja das Ziel hatte, Schulmusik zu studieren.

Da mein Vater eine Geige hatte, musste ich mit 10 Jahren Geige lernen. Bei einem wirklich schlechten Lehrer, der mir im Laufe der Jahre alle Motivation austrieb. Kurz bevor ich das Geigespielen ganz aufgeben wollte, wechselte ich zum Konservatorium, bekam eine neue Geige und lernte neue Stücke zu spielen. Viel zu schwere Stücke, der Lehrer war ein Musikant, kein Pädagoge, und menschlich leider auf tiefstem Niveau, was mir erst heute wirklich bewusst geworden ist.

All das hat möglicherweise dazu geführt, dass ich die Geige loslassen will. Meine Klavierlehrerin am Konservatorium hatte mich gut auf die Aufnahmeprüfung zur Musikhochschule vorbereitet. Sie hatte immer interessante Stücke mit mir gespielt, oft auch vierhändig, denn mein musikalischer Anspruch lag damals weit über meinem technischen Können.

IMG_0641 Meine erste Klavierstunde nach über 40 Jahren habe ich im Café Niederegger gefeiert. Ich schrieb alles Wichtige in mein neues Notizbuch und genoss die Köstlichkeiten des Cafés.

Auch meine musikalischen Ziele habe ich in mein Notizbuch geschrieben:

IMG_8953Ich möchte die alten Stücke von Brahms, Schubert, Schumann und Chopin wieder wunderschön spielen können. Die ungarischen Etüden von Michel Sogny möchte ich nach und nach erarbeiten. Ich möchte mindestens drei Nocturnes von Chopin spielen können und eines Tages auch den Liebestraum von Liszt. Und dann noch: die Mondscheinsonate von Beethoven, und die Rhapsodie G-moll von Brahms – das sind ganz alte Träume.

Und überhaupt, so erscheint es mir heute, ist das Klavierspielen ein ganz alter Traum von mir. Ich bin sehr dankbar für die Anregung, Klavierunterricht zu nehmen. Denn es war ein Traum, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn hatte.

Gestern abend hörte ich in einem Konzert den folgenden Spruch:

„Folge immer der Melodie deines Herzens,
denn sie weiß, was das Richtige für dich ist.“

Er erinnerte mich an einen meiner eigenen Aussprüche:

„Durch das Schreiben kommen wir der Melodie des eigenen Lebens auf die Spur, beim Schreiben hören wir die Stimme unseres Herzens und entwickeln Wegweiser, um unser Leben so zu leben, wie wir es haben möchten.“

Dieses Zitat stammt aus meinem Blog „Lebe die Melodie deines Lebens“ vom 7. April 2012, den ich im September 2015 noch einmal gepostet habe.

Es ist für mich wie ein Weihnachtswunder, dass ich das Klavierspielen wieder für mich entdeckt habe.

Rose

 

 

Mutprobe – Brüche im Leben

Leben_ist_Mee(h)r_2015(2).indd Ende August hatte ich einen Spruch gepostet: „Ich wage immer wieder Neues und habe den Mut, etwas zu tun, was ‚man‘ im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt tut.“ Das hatte Folgen: Ich hatte zwei Freundinnen zum Ausritt auf dem Ponyhof Wallnau angemeldet – ich wollte das nur fotografieren. Nun wurde ich „bearbeitet“ und habe mich auch angemeldet.

Alle Argumente nutzten nichts: „Aber ich bin doch seit meiner Kindheit nicht mehr geritten – und da vor allem auf der Kirmes“ – „Ganz ehrlich, ich bin da ein wenig skeptisch, das zu machen. Ich müsste ja im Grunde erstmal eine ganz normale Reitstunde nehmen.“
Die Reitlehrerin meinte, die Ponys seien ganz lieb. Und mir fiel ein: Ich bin in der 1980er Jahren mal auf Santorini mit einem Maulesel den Berg hochgeritten.

So kann es einem ergehen, wenn man seine Freunde dazu motivieren will, etwas zu tun, was man im „fortgeschrittenen Alter“ nicht unbedingt tut.

Am 1. September war es dann soweit: ich saß auf einem Riesen-Pony und es ging los zum Ausritt. Was macht man, wenn man auf einem Pony sitzt und keine Ahnung hat, wie man das lenken soll? Leider zeigte es mir niemand – ich fühlte mich höchst unwohl, als ich zentimeternah an einem Straßenschild vorbei ritt. Wir ritten an der Straße entlang und ich dachte, was mache ich jetzt, wenn das Pony auf die Felder ausbricht? Irgendwann rief mir jemand zu, wie ich die Zügel halten sollte, und wie ich das Pony dazu bringen könnte, nach links oder rechts zu gehen. Am Strand fand ich das dann noch schlimmer. Und wenn man jetzt denkt, ein solches Pony ist ganz brav in der Gruppe: das Pony der Anführerin brach aus, und sie bekam es kaum noch wieder in den Griff – als sicherlich erfahrene Reiterin. Mir wurde noch unwohler, kalte Angst packte mich.

DSC_1966 DSC_1968 DSC_1972Aber Angst haben bringt nichts. Also habe ich mich darauf besonnen, was ich kann. Es war ja ein Tier, kein Auto. Erfahrungen habe ich nur im Umgang mit Senta, meiner Bernersennen Hündin. Also habe ich versucht, mit Snoopy Kontakt aufzunehmen, Energien zu senden und habe einfach mit ihm gesprochen. Danach konnte ich den Rückritt ein wenig genießen. DSC_198911943348_850975288343230_1939596312_nIch kam heil wieder nach Hause und schwor mir, niemals mehr eine solche „Mutprobe“ zu absolvieren. Auf dem Pony merkte ich deutlich, dass ich hier die Situation nicht mehr selbst beherrschen konnte – das muss nicht mehr sein in meinem Alter. In meinem ganzen Leben bin ich bisher nie solche Risiken eingegangen. Ich liebe es, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben – so wie im Sommer bei meiner Bergtour in Seefeld. Als ich früher noch Ski fuhr, bin ich zwar schnell und auf steilen Abfahrten gefahren, wählte aber immer den sicheren Weg, und ging vor allem den unberechenbaren Anfängern aus dem Weg. Noch nie hatte ich mir etwas gebrochen, nur im vorigen Jahr mal den kleinen Finger. Der war aber schnell wieder geheilt, nachdem ich den Gips aus dem Krankhaus abgelegt hatte und mit einer einfachen Lösung meines Hausarztes auskam.

Ich erklärte meinen Freundinnen, dass ich eine solche Mutprobe nie mehr machen würde – zu wertvoll ist mir meine Gesundheit. Und als selbstständige Unternehmerin kann ich auch nicht einfach „krank feiern“.

IMG_8507Es war nur drei Wochen später, als ich beim Einkaufen einfach hinfiel. Geradeaus nach vorne – über einen Bordstein gestolpert – einfach der Länge nach hingeschlagen. Ohne jegliche Vorwarnung. Ich war nicht bewusstlos, sah den Erdboden auf mich zukommen beim Sturz. Es floss viel Blut, und ich merkte, dass etwas zerbrochen war in meinem Mund. Sonst spürte ich nichts Schlimmes, die Brille war heil geblieben, die Knie taten nicht weh. Offenbar war ich einfach auf das Kinn gefallen – und auf die rechte Schulter. Das tat weh. Der Rettungswagen brachte mich ins Krankenhaus – ich hatte höllische Schmerzen.  Meine größte Sorge war mein Handy, das unaufhaltsam auf den Zustand eines leeren Akkus zusteuerte – gerade am Tag zuvor hatte ich das neue Betriebssystem installiert. Ich rief meine Nachbarn an, die den Autoschlüssel abholten und mein Auto nach Hause brachten. Denn der Arzt hatte verfügt, ich müsse in die Uniklinik Lübeck.

Aber meine Senta saß zu Hause und wartete auf mich – ich war doch nur eben zum Einkaufen auf dem Markt gefahren. Der Computer war noch an – es war an diesem Morgen eine riesige Freude für mich gewesen, dass unsere Neuerscheinung „Gedankenpower – Gesund durch mentales Selbstmanagement“ angeliefert wurde. Ich hatte es noch schnell bei Facebook gepostet, eine Widmung für die Autorin Sonja Volk ins erste Buch geschrieben und das Päckchen zur Post gebracht, bevor ich zum Markt fuhr. Zum Glück erreichte ich Marlene, meine Therapeutin, die zu meinem Haus fuhr, das Ladekabel, einen Schlafanzug und einen Bademantel holte. Dann ging es im Krankenwagen nach Lübeck.

IMG_9455 Dort wurde ein vierfacher Unterkieferbruch diagnostiziert und am nächsten Tag operiert. Ich wurde für 10 Tage „ruhig gestellt“ – konnte Nahrung nur mit dem Strohhalm zu mir nehmen und kaum sprechen – das war das Schlimmste für mich. Mein iPhone war meine einzige Verbindung zur Außenwelt. Senta wurde vom Tierservice zu Hause versorgt – meine „Hundefreundin“ war noch ein paar Tage im Urlaub. Als sie zurück war, brachte sie mir mit ihrem Mann einige meiner Bücher und notwendige Sachen – und nahm Senta zu sich.

IMG_9528Die Bücher und die Musik aus dem Internet waren für mich die Quelle für mein positives Denken und die schnelle Genesung – und der wunderschöne Blumenstrauß, den mir ein Freund geschickt hatte. Ich sagte von Anfang an: das ist jetzt die praktische Prüfung zu „Gedankenpower“ und ging alles positiv an – bis in den OP-Saal, wo ich noch kurz vor dem Einschlafen Witze machte. Sonst ist das gar nicht so meine Art.

Natürlich fragten einige eher esoterisch ausgerichtete Freunde nach den Ursachen des Sturzes. Jemand meinte einfach: „Shit happens“ – und dabei blieb es erst einmal. Obwohl ich mir gesagt hatte, ich bin gestürzt, weil ich so glücklich war an diesem Vormittag. Kann das sein? Ich habe mir noch nie etwas gebrochen – und nun gleich ein vierfacher Unterkieferbruch mit schwerwiegenden Folgen – ich sah tagelang aus wie richtig verprügelt. War ich aber nicht – ganz im Gegenteil. Selbst die Deutungen von meiner sehr geschätzten Louise Hay trafen diesmal nicht zu.

Trotzdem waren es Brüche in meinem Leben – im Bewusstsein großen Glücks hatte ich auch Stress empfunden, wegen einer anstehenden Arbeit und den möglichen Folgen daraus, die ich erst viele Wochen später wirklich einschätzen konnte. Ich hatte noch zwei Stunden daran gearbeitet, war dann erst ganz spät – oder besser gesagt früh – im Bett gewesen, hatte am Morgen nicht ausgeschlafen, als der Paketbote klingelte. Dann die riesige Freude über das schöne neue Buch. Ich hatte nichts gegessen und war so zum Einkaufen gefahren.

Das Leben hat mich auf die Probe gestellt – das denke ich heute darüber. Und ich habe bewiesen, dass ich auch plötzlich auftretende Hindernisse überwinden kann. In der Klinik waren alle überrascht über meine positive Haltung – ich habe am Tag nach der OP Schmerzmittel abgelehnt und dann begonnen mit dem täglichen Lauftraining.

IMG_9543„Du kannst es!“ – sagt Lousie Hay. Und ich konnte es tatsächlich: ich bin fast jeden Tag acht Kilometer gelaufen, um wieder fit zu werden. Ich habe tapfer die Suppen – Fruchtsuppe, Tomaten-, Spargel-, Champignonsuppe – gegessen, dazu Trinkyoghurt und Sahnequark, um wieder zu Kräften zu kommen. Und tatsächlich schaffte ich es, wenige Tage nach der Entlassung aus der Klinik, zu einem wunderschönen Konzert nach Berlin zu fahren.

IMG_8583Zwei Wochen später habe ich mein Autorenseminar auf Fehmarn geleitet – ohne dass man noch einen Flecken im Gesicht entdecken konnte. Inzwischen kann ich schon wieder besser essen, und ich habe weitere 5 kg abgenommen, was ich auch wollte. Bald ist alles ausgeheilt und dann können meine demolierten Zähne gerichtet werden.

Mein Spruch „Ich wage immer wieder Neues und habe den Mut, etwas zu tun, was ‚man‘ im fortgeschrittenen Alter nicht unbedingt tut.“ passt auch – aber ich denke, dass man es mir nicht unbedingt nachmachen muss – weder in Bezug auf die Mutprobe beim Reiten noch in Bezug auf den Sturz und den Unterkieferbruch, wodurch ich mein Ziel beim Abnehmen erreicht habe.

Ob Sie es glauben oder nicht – in der Klinik habe ich viele glückliche Stunden erlebt, die die Schmerzen erträglich machten und die Heilung förderten. Sei es ein wunderschöner Blumenstrauß, liebevolle Karten, Grüße von Facebookfreunden oder Besuche von Freunden und Verwandten. Ärzte und Pflegepersonal waren ausgesprochen freundlich – vielleicht auch, weil ich immer freundlich und positiv war?

Einige Bücher aus meinem Verlag, insbesondere unsere Neuerscheinung „Gedankenpower – Gesund durch mentales Selbstmanagement“ von Sonja Volk haben mir Mut gemacht und das positive Denken gefördert.

Diese „Brüche im Leben“ bedeuteten für mich einen Wechsel der Lebenssituation, über den ich noch heute sehr froh bin.

 

Was ist eigentlich Weihnachten für mich?

Heute postete ein Facebookfreund seine Meinung zu Weihnachten: das Thema sprach mich sofort an und ließ mich seitdem nicht wieder los.

Gerade nun wurde ich durch eine FB-Freundin erinnert an meinen Newsletter „Leben ist mehr“, dessen Texte ich in meinem inzwischen vergriffenen Buch „Leben allein genügt nicht“ veröffentlicht habe. Dort schrieb ich im Dezember 2009 diesen Weihnachts-Newsletter:

Liebe Leserin, lieber Leser von „Leben ist mehr“,

am Tag vor Heiligabend wachte ich auf und fühlte einen tiefen Frieden in mir. Ich fragte mich: Ist das jetzt schon Weihnachten? Und: Was ist denn eigentlich Weihnachten für mich?

Wir sind erst am Sonntag von einem Urlaub im Hotel Armentarola in den Dolomiten heimgekehrt. Eine Woche lang haben wir die Ruhe in den Bergen genossen, den blauen Himmel und den Sonnenschein, aber auch eine außergewöhnliche Kälte. Wie schön ist es, da ein warmes und gemütliches Zuhause zu haben! Dazu gutes Essen und leckeren Wein.

Außer den Weihnachtsplätzchen und einem dezenten Adventsschmuck erinnerte in Armentarola sonst wenig an Weihnachten, auch waren keine Weihnachtslieder zu hören. Wir genossen die lebensfreudige Atmosphäre des Hotels, all die netten Menschen, und die wunderschöne Geburtstagsfeier für meinen Mann.

Ganz ungeplant kam Frohsinn auf, als eine Runde von lieben Menschen mit uns auf den Geburtstag wartete, als jemand heimlich die Kapelle gebeten hatte, um Mitternacht ein Ständchen zu bringen. Wir lachten, sangen, schunkelten und waren glücklich. Vor allem mein Mann, dem es endlich mal wieder so richtig gut ging, strahlte.

Und dann die guten Wünsche: Viel Gesundheit natürlich, aber auch, dass wir uns im nächsten Jahr dort wiedersehen, dass er dann wieder ohne Rollstuhl käme, selber laufen könnte, wieder mal Schach spielen wollte. Hier gab es eine große Portion Mut und Zuversicht, die kostenlos verschenkt wurde – dazu Optimismus, der feste Glaube, dass alles gut würde. Auch Liebe wurde verschenkt – ein Kuss, ein Lächeln, ein Händedruck, eine herzliche Umarmung, eine hilfreiche Hand beim Aufstehen.

Auf der Heimfahrt nach Bamberg gerieten wir in starkes Schneegestöber, fuhren über 160 km auf einer spiegelglatten Autobahn. Ich dachte an den Rat einer Freundin, nicht schneller zu fahren, als unser Schutzengel fliegen konnte. Wir hatten beide keine Angst, spürten Ruhe und Frieden in uns – und wir kamen gut und sicher nach Hause.

Weihnachten – was ist das? Frieden, eine warme Wohnung, genug zu essen und zu trinken, menschliche Zuwendung, Liebe und Freundschaft, aber auch Frohsinn, Wohlbefinden und die Hoffnung, dass alles besser wird. Dazu das Vertrauen in eine höhere Macht, die uns beschützt und uns zu leben hilft.

Das Kind in der Krippe, der Stern über Bethlehem – sie symbolisieren die Hoffnung der Menschheit auf den Frieden in der Welt und unter den Menschen. Sie geben uns Mut und Zuversicht, trotz mancher Probleme und Einschränkungen gut leben zu können, nicht allein zu sein, wenn das Leben einmal dunkel für uns ist.

Im Dezember, der dunkelsten Zeit des Jahres, findet man überall viele Lichter, die einen Menschen zum Leuchten bringen können, ihm neuen Mut geben zum Weiterleben: Die Kerzen am Adventskranz, ein Lächeln, eine Tüte mit Plätzchen an der Wohnungstür, ein Telefonanruf, ein hübsches Gedicht, ein Wort der Versöhnung, ein schöner Weihnachtsbrief vom Modehaus, oder auch „Besinnliche Gedanken“, wie sie meine Freundin Indeed vom Seniorentreff ins Netz gestellt hat. Sie können uns helfen, das Wesentliche in unserem Leben zu finden, wieder ein Licht zu sehen, auch wenn es manchmal ganz dunkel um uns herum ist.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesen Weihnachtstagen ein Licht finden, das Ihnen leuchtet und Ihnen Mut und Zuversicht gibt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie wenigstens einen lieben Menschen haben, mit dem Sie Weihnachten feiern können.

Mein persönliches Weihnachtswunder geschah in der Nacht vom 23. zum 24. Dezember. Ich sagte zu meinem Mann, der in seinem Rollstuhl vor dem Waschbecken saß: Komm, steh auf, wir gehen jetzt zum Bett. Und siehe da, er stand auf und ging mit mir bis zu seinem Bett. Nach vielen Monaten zum allerersten Mal!

Wir erlebten zusammen einen harmonischen Weihnachtstag mit Musik, Gesprächen und gutem Essen – vor allem waren es Frieden und Harmonie, aber auch Hoffnung und Zuversicht, die bei uns die Weihnachtsstimmung bestimmten.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Weihnachtstagen Ihr persönliches Weihnachtswunder erleben und ein wenig von der weihnachtlichen Stimmung in Ihrem Herzen bewahren.

Ihre Beate Forsbach

Ich wurde auch erinnert an alte Zeiten, als ich mich als Musiklehrerin immer mit dem Thema Weihnachten auseinandergesetzt habe – gemeinsam mit meinen Schülern. Mein letztes Schulkonzert an meinem alten Gymnasium war das Weihnachtskonzert 1996 – zum Schluss sangen wir mit dem Publikum das Lied „Marys Boychild – Als aller Hoffnung Ende war“, und ich schrieb im Programmheft:

„Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir mit Hilfe der Musik zu einem friedlichen Zusammenleben finden können, dass die Weihnachtsbotschaft, zumindest in unserem Lebenskreis, wirksam werden kann.“

Und die Presse schrieb: „Etwas mehr Frieden in diese Zeit bringen“, wollte Beate Dethlefs, die Leiterin des Ernst-Barlach-Gymnasium/Gesamtschulchores und Orchesters. Das ist ihr auch gelungen.

In den vergangenen Jahren habe ich dieses Lied immer erst zu Weihnachten gepostet. Heute mache ich es zu Beginn der Weihnachtszeit, weil ich glaube, es ist aktueller denn je.

Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Advent und eine friedvolle Weihnachtszeit.

Ihre Beate Forsbach

Das Lied vom Frieden in der Welt: Marys Boy Child

Als aller Hoffnung Ende war in dem dunklen Weltenlauf,
da ging im Stall von Bethlehem der Stern der Liebe auf.

Hört, es klingt vom Himmelszelt 
das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Die Hirten sah’n am Himmelszelt den hohen, hellen Stern.
Da war der Tag der Herrlichkeit auf Erden nicht mehr fern.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Das Kind, das in der Krippe schlief, das lag in hellem Schein.
Und leise rief der Engelschor die Hirten all herein.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.