Zwischen den Jahren

img_1599Ein wenig „abtauchen“ nach Vorweihnachtsstress und Weihnachtsfeiern – wie schön ist das und wie tut es uns gut! Ich hatte Besuch gehabt zu Weihnachten, hatte mich gefreut, mal wieder so zu feiern, wie ich es mit meinem lieben Mann immer getan hatte. Aber es war natürlich nicht dasselbe, und so war ich froh, als es am Abend des ersten Weihnachtstages ganz still in meinem Haus wurde. Ich freute mich über den schön geschmückten Weihnachtsbaum und die gute alte Krippe, und über meinen Hund, der ganz brav da lag und offenbar auch etwas gestresst war.

img_1681img_1706Und so verbrachten wir den zweiten Weihnachtstag überwiegend im Freien, bei langen Spaziergängen am Strand.

img_1724Während es am Mittag in Fehmarnsund noch sehr sonnig war, wurde es später düsterer, als wir am Südstrand waren. Pechschwarze Wolken zogen heran.

img_1755Schließlich mussten wir vor heftigen Orkanböen mit Hagelschauern Schutz suchen und kamen völlig durchnässt wieder zu Hause an. Nach einem heißen Bad und einem kräftigen Tee wurde es so richtig behaglich zu Hause, ich spielte in Ruhe aus den neuen Klaviernoten. Und am Abend schauten wir uns das „Traumschiff“ an, eine angenehme Entspannung, die für mich irgendwie zum zweiten Weihnachtstag dazu gehört. Das Telefon hatte ich übrigens an diesem Tag stumm geschaltet.

An den Tagen danach gab es viel zu tun, viele Dinge zum Jahresabschluss waren zu erledigen, dazu gab es Erfreuliches zu unserer Neuerscheinung „Mein Weg über die Alpen“ von Barbara Messer. Das Buch war ganz kurz vor Weihnachten erschienen und lag wohl auf vielen Gabentischen. Und dann erreichten uns bereits die ersten sehr schönen Rezensionen. „Für mich ist dieses Buch eines der besten, das ich 2016 lesen durfte“, schreibt die erste Rezensentin und ich ergänze: Für mich ist diese Buch eines der besten, das ich 2016 verlegen durfte. Nun freue ich mich schon auf die Buchvorstellung am 2. Februar 2017 im Literaturhaus Berlin! Wieder eine Premiere für meinen kleinen Verlag.

Gestern war der Tag bestimmt vom Gedenken an meine liebe alte Freundin Tilli, die uns kurz vor Weihnachten verlassen hat und für die ich eine Kerze angezündet habe. Ich habe sie im gestrigen Blogartikel ausführlich gewürdigt – mit ihrem eigenen Text „Ein glücklicher Tag“, denn Ottilie Krafczyk war auch unsere Autorin. Sie hatte zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2014 ihr erstes Buch veröffentlicht: „Starke Frauen und die Liebe“.

Leider wurde diese Gedenkstimmung ein wenig gestört, und ich schrieb etwas, das ich nur ganz selten schreibe: „Ich bitte Sie um Verständnis, dass ich die letzten Tage und Stunden des alten Jahres nunmehr privat verbringen möchte.“

img_1780Und wie immer war der Ausflug zum Strand für mich der Gegenpol zu Trauer und Stress. Wunderbare Stille am Meer, bei strahlendem Sonnenschein – Zeit, alleine mit mir und meinen Gedanken zu sein, Kraft zu schöpfen und mich mit meinem fröhlichen Hund an dem schönen Tag zu erfreuen!

img_1782Am Nachmittag dann kam der vorläufige Höhepunkt dieser Zeit „zwischen den Jahren“: unser Spaziergang am Südstrand.

img_1814Ihr werdet es kaum glauben, wie glücklich ich bin, dass ich solche herrlichen Strandspaziergänge mit meiner Senta machen kann. Wir waren mehrere Stunden unterwegs und sind mehr als 10 km gelaufen. Am Nachmittag am belebten Südstrand, immer der Sonne entgegen, deren Untergang ich dann beobachten konnte.

img_1821Dass das möglich ist, verdanke ich dem Mensch-Hunde-Therapeuten José Arce, der am 2./3. August hier bei uns war und uns gezeigt hat, wie Senta im Auto mitfahren kann. Na ja, ein bisschen verdanke ich es auch mir selber, weil ich den Entschluss gefasst sowie Geld, Zeit und Mühe investiert habe. So hat sich mein Leben – und auch Sentas Leben – seitdem stark verändert. Nicht nur, dass wir verreisen und jeden Tag zum Strand fahren können, nein, ich weiß auch, dass es möglich ist, seine Träume zu verwirklichen. Wenn man es nur genug will, wenn man konsequent ist und seine eigenen Wünsche ernst nimmt und sich erfüllt. Und noch etwas: manchmal verliert man bei einer solch großen Lebensveränderung auch Wegbegleiter, die da nicht mehr mitkommen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist schade, aber man findet auf der nächsten Wegstrecke viele neue Freunde, vor allem mit einem solch süßen Hund als Begleiter. Wie oft strahlen die Leute uns an oder lächeln, wenn sie uns entgegen kommen.

img_1791Heute habe ich bei traumhaftem Winterwetter mit Senta einen langen Spaziergang gemacht – weiter als ich von Fehmarnsund aus jemals gegangen bin, bis nach WULFEN, wo ich noch NIE gewesen bin in den über 39 Jahren, seit ich das erste Mal nach Fehmarn kam. Ein tolles Erlebnis am vorletzten Tag des Jahres.

img_1867Am Nachmittag dann noch ein Spaziergang nach Sonnenuntergang am Südstrand – der rosige Himmel über uns, entlang der blauen Ostsee, die ganz sanft rauschte. Zeit zur Besinnung über dieses Jahr, das schon fast zu Ende ist, und der Gedanken an das nächste Jahr. Zu Hause angekommen dann die Überraschung: Ich freue mich sehr darüber, dass mein Interview zum Jahresrückblick mit Lebe-Liebe-Lache.com gerade heute erschienen ist. Herzlichen Dank an Annette Maria Böhm, die dieses Interview mit mir geführt hat. Hier können Sie das Interview lesen

img_2435Nun bleibt mir noch Zeit, Ihnen/Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen.

img_1811-kopieMeinen guten Wünschen zum neuen Jahr möchte ich noch diesen irischen Segenswunsch hinzufügen:

Mögen alle deine Träume wahr werden,
mögen alle deine Himmel blau sein,
mögen alle deine Freunde wahrhaft Freunde sein,
mögen alle deine Freuden vollkommen sein,
mögen Glück und Lachen alle deine Tage ausfüllen.

Auf ein glückliches neues Jahr 2017!

Was ist eigentlich Weihnachten für mich?

Heute postete ein Facebookfreund seine Meinung zu Weihnachten: das Thema sprach mich sofort an und ließ mich seitdem nicht wieder los.

Gerade nun wurde ich durch eine FB-Freundin erinnert an meinen Newsletter „Leben ist mehr“, dessen Texte ich in meinem inzwischen vergriffenen Buch „Leben allein genügt nicht“ veröffentlicht habe. Dort schrieb ich im Dezember 2009 diesen Weihnachts-Newsletter:

Liebe Leserin, lieber Leser von „Leben ist mehr“,

am Tag vor Heiligabend wachte ich auf und fühlte einen tiefen Frieden in mir. Ich fragte mich: Ist das jetzt schon Weihnachten? Und: Was ist denn eigentlich Weihnachten für mich?

Wir sind erst am Sonntag von einem Urlaub im Hotel Armentarola in den Dolomiten heimgekehrt. Eine Woche lang haben wir die Ruhe in den Bergen genossen, den blauen Himmel und den Sonnenschein, aber auch eine außergewöhnliche Kälte. Wie schön ist es, da ein warmes und gemütliches Zuhause zu haben! Dazu gutes Essen und leckeren Wein.

Außer den Weihnachtsplätzchen und einem dezenten Adventsschmuck erinnerte in Armentarola sonst wenig an Weihnachten, auch waren keine Weihnachtslieder zu hören. Wir genossen die lebensfreudige Atmosphäre des Hotels, all die netten Menschen, und die wunderschöne Geburtstagsfeier für meinen Mann.

Ganz ungeplant kam Frohsinn auf, als eine Runde von lieben Menschen mit uns auf den Geburtstag wartete, als jemand heimlich die Kapelle gebeten hatte, um Mitternacht ein Ständchen zu bringen. Wir lachten, sangen, schunkelten und waren glücklich. Vor allem mein Mann, dem es endlich mal wieder so richtig gut ging, strahlte.

Und dann die guten Wünsche: Viel Gesundheit natürlich, aber auch, dass wir uns im nächsten Jahr dort wiedersehen, dass er dann wieder ohne Rollstuhl käme, selber laufen könnte, wieder mal Schach spielen wollte. Hier gab es eine große Portion Mut und Zuversicht, die kostenlos verschenkt wurde – dazu Optimismus, der feste Glaube, dass alles gut würde. Auch Liebe wurde verschenkt – ein Kuss, ein Lächeln, ein Händedruck, eine herzliche Umarmung, eine hilfreiche Hand beim Aufstehen.

Auf der Heimfahrt nach Bamberg gerieten wir in starkes Schneegestöber, fuhren über 160 km auf einer spiegelglatten Autobahn. Ich dachte an den Rat einer Freundin, nicht schneller zu fahren, als unser Schutzengel fliegen konnte. Wir hatten beide keine Angst, spürten Ruhe und Frieden in uns – und wir kamen gut und sicher nach Hause.

Weihnachten – was ist das? Frieden, eine warme Wohnung, genug zu essen und zu trinken, menschliche Zuwendung, Liebe und Freundschaft, aber auch Frohsinn, Wohlbefinden und die Hoffnung, dass alles besser wird. Dazu das Vertrauen in eine höhere Macht, die uns beschützt und uns zu leben hilft.

Das Kind in der Krippe, der Stern über Bethlehem – sie symbolisieren die Hoffnung der Menschheit auf den Frieden in der Welt und unter den Menschen. Sie geben uns Mut und Zuversicht, trotz mancher Probleme und Einschränkungen gut leben zu können, nicht allein zu sein, wenn das Leben einmal dunkel für uns ist.

Im Dezember, der dunkelsten Zeit des Jahres, findet man überall viele Lichter, die einen Menschen zum Leuchten bringen können, ihm neuen Mut geben zum Weiterleben: Die Kerzen am Adventskranz, ein Lächeln, eine Tüte mit Plätzchen an der Wohnungstür, ein Telefonanruf, ein hübsches Gedicht, ein Wort der Versöhnung, ein schöner Weihnachtsbrief vom Modehaus, oder auch „Besinnliche Gedanken“, wie sie meine Freundin Indeed vom Seniorentreff ins Netz gestellt hat. Sie können uns helfen, das Wesentliche in unserem Leben zu finden, wieder ein Licht zu sehen, auch wenn es manchmal ganz dunkel um uns herum ist.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesen Weihnachtstagen ein Licht finden, das Ihnen leuchtet und Ihnen Mut und Zuversicht gibt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie wenigstens einen lieben Menschen haben, mit dem Sie Weihnachten feiern können.

Mein persönliches Weihnachtswunder geschah in der Nacht vom 23. zum 24. Dezember. Ich sagte zu meinem Mann, der in seinem Rollstuhl vor dem Waschbecken saß: Komm, steh auf, wir gehen jetzt zum Bett. Und siehe da, er stand auf und ging mit mir bis zu seinem Bett. Nach vielen Monaten zum allerersten Mal!

Wir erlebten zusammen einen harmonischen Weihnachtstag mit Musik, Gesprächen und gutem Essen – vor allem waren es Frieden und Harmonie, aber auch Hoffnung und Zuversicht, die bei uns die Weihnachtsstimmung bestimmten.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesen Weihnachtstagen Ihr persönliches Weihnachtswunder erleben und ein wenig von der weihnachtlichen Stimmung in Ihrem Herzen bewahren.

Ihre Beate Forsbach

Ich wurde auch erinnert an alte Zeiten, als ich mich als Musiklehrerin immer mit dem Thema Weihnachten auseinandergesetzt habe – gemeinsam mit meinen Schülern. Mein letztes Schulkonzert an meinem alten Gymnasium war das Weihnachtskonzert 1996 – zum Schluss sangen wir mit dem Publikum das Lied „Marys Boychild – Als aller Hoffnung Ende war“, und ich schrieb im Programmheft:

„Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir mit Hilfe der Musik zu einem friedlichen Zusammenleben finden können, dass die Weihnachtsbotschaft, zumindest in unserem Lebenskreis, wirksam werden kann.“

Und die Presse schrieb: „Etwas mehr Frieden in diese Zeit bringen“, wollte Beate Dethlefs, die Leiterin des Ernst-Barlach-Gymnasium/Gesamtschulchores und Orchesters. Das ist ihr auch gelungen.

In den vergangenen Jahren habe ich dieses Lied immer erst zu Weihnachten gepostet. Heute mache ich es zu Beginn der Weihnachtszeit, weil ich glaube, es ist aktueller denn je.

Ich wünsche Ihnen einen schönen ersten Advent und eine friedvolle Weihnachtszeit.

Ihre Beate Forsbach

Das Lied vom Frieden in der Welt: Marys Boy Child

Als aller Hoffnung Ende war in dem dunklen Weltenlauf,
da ging im Stall von Bethlehem der Stern der Liebe auf.

Hört, es klingt vom Himmelszelt 
das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Die Hirten sah’n am Himmelszelt den hohen, hellen Stern.
Da war der Tag der Herrlichkeit auf Erden nicht mehr fern.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Das Kind, das in der Krippe schlief, das lag in hellem Schein.
Und leise rief der Engelschor die Hirten all herein.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Frohe Weihnachten

Weihnachten_Vorderseite.inddIch wünsche allen Freunden und Bekannten ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Heiligabend ist diesmal anders für mich – zum ersten Mal in meinem Leben bin ich heute allein, natürlich ist Senta dabei, und mein Mann, zumindest im Geiste. Denn wir werden Weihnachten genauso feiern, wie wir es immer getan haben.

Heute nachmittag schreibe ich noch den Blogartikel fertig, den ich im September begonnen habe: Weihnachten 2013 mit Hans Christian und Senta. Denn ich habe immer wieder davon erzählt, vor allem auch in den letzten Tagen. Und die Erinnerung kann einem niemand nehmen, auch wenn der geliebte Mensch nicht mehr da ist. Dieses letzte Weihnachten war ein besonderes Fest, wir hatten den schönsten Weihnachtsbaum, den wir in unserer gemeinsamen Zeit gehabt hatten. Wir wussten nicht, dass es unser letztes gemeinsames Weihnachten sein würde – wir haben es genossen wie jedes Jahr.

Heute bekam ich schon ganz früh einen lieben Anruf und hatte ein schönes weihnachtliches Gespräch. Als ich dann vom Markt zurück kam, sah ich, dass die Telefonleitung nicht funktionierte. Ich habe die Störung gemeldet, aber ehrlich gesagt, finde ich es nicht so schlimm. Zum einen, weil meine Anrufe einfach auf das Handy weitergeleitet werden. Zum anderen aber, weil ich mich freue, diesen Tag in Ruhe und Frieden verbringen zu können.

Ich schrieb es neulich schon auf eine Weihnachtskarte: Dieses Mal wird Weihnachten ein wirkliches Fest der Besinnung und inneren Einkehr für mich. Ich werde etwas Gutes kochen und essen, schöne Musik hören, mit Senta die Kerzen am Weihnachtsbaum anschauen, die vielen Päckchen auspacken, und vielleicht um 23 Uhr in die Christmette gehen – das ist etwas, was ich in den letzten Jahren niemals getan habe.

Ich bin sehr dankbar für alles, was ich in diesem Jahr erlebt habe. Und nicht erst seit dem plötzlichen Tod von Udo Jürgens am letzten Sonntag weiß ich, wie wichtig es ist, jeden Moment des Lebens zu genießen. Vor allem die Begegnungen mit den Menschen sind es, die dem Leben Sinn geben. Und das Glück, so viele schöne Bücher machen zu dürfen, ist etwas ganz Unbeschreibliches. Gerade kamen die letzten sieben (!!) großen Pakete für dieses Jahr mit der Post. Dabei ist die letzte Neuerscheinung in 2014: Die Neuausgabe meiner Dissertation, die nach 9 Jahren nunmehr vergriffen ist – ein Weihnachtsgeschenk für mich, dass mein erstes eigenes Buch nun in meinem Verlag erscheint.

In den letzten Tagen habe ich davon geträumt, Weihnachten wieder mal wegzufahren – vielleicht sogar nach Armentarola, oder nach Seefeld, so wie früher. Wie auf Wunsch kommt nun gerade nach vielen Regentagen die Sonne heraus, und vielleicht kann ich dann doch mit Senta einen schönen Spaziergang ans Meer machen. Dann werde ich den Weihnachtsbaum schmücken.

Wie im vorigen Jahr schicke ich für alle, die heute alleine sind – und auch für die anderen – das Weihnachtslied „Als aller Hoffnung Ende war“. Sie können es hier anhören bzw. herunter laden.

Ich wünsche Ihnen besinnliche und friedliche Weihnachten!

Herzliche Grüße von der Sonneninsel Fehmarn
Ihre Beate Forsbach

Das Lied vom Frieden in der Welt: Marys Boy Child

Als aller Hoffnung Ende war in dem dunklen Weltenlauf,
da ging im Stall von Bethlehem der Stern der Liebe auf.

Hört, es klingt vom Himmelszelt 
das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Die Hirten sah’n am Himmelszelt den hohen, hellen Stern.
Da war der Tag der Herrlichkeit auf Erden nicht mehr fern.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Das Kind, das in der Krippe schlief, das lag in hellem Schein.
Und leise rief der Engelschor die Hirten all herein.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Vierter Advent

IMG_5795Vor zwei Tagen, Freitag: Die letzte Weihnachtspost ist verschickt, der letzte Verlagsvertrag für nächstes Jahr abgeschlossen. Am Nachmittag war ich mit Birgit Wohler im Café Jedermann zum Klönschnack „In Memoriam“- das war sehr wohltuend nach dem Stress der letzten Tage und Wochen. An Hans Christians Geburtstag habe ich immer zum Kaffeetrinken bei uns zu Hause eingeladen, vor allem die, die uns beigestanden haben. Birgit war stets dabei gewesen. Und so genossen wir beide die schönen Stunden im Café – natürlich mit Stachelbeer-Baiser-Torte und einem Prosecco.

Am Vorabend hatte ich nochmal meinen Blogbeitrag zu Hans Christians letztem Geburtstag gelesen, die Fotos vom letzten Jahr angeschaut – dann war es doch Mitternacht geworden und ich stellte den Link zu dem Blog bei Facebook ein:
„In Memoriam Hans Christian 19.12.1937 – 10.2.2014“.

Liebe Freunde hatten angerufen, andere geschrieben, und eine Freundin hatte mir eine wunderschöne Rose gebracht. Denn dieser Tag, der 19. Dezember, Hans Christians 77. Geburtstag, war wirklich der bisher schwierigste Tag von all den „besonderen Tagen“ ohne Hans Christian. Es schien, als hätte Senta das Besondere dieses Tages gespürt, sie knabberte mit Freude die Weihnachtsleckerli aus dem 19. Tütchen von unserem Adventskalender.

Ich ließ Hans Christians Geburtstag ausklingen mit dem Abendessen, dem „Kleinen Lord“ und dann der NDR Talkshow. Auch wenn ich den „Kleinen Lord“ schon fast mein ganzes Leben lang immer wieder gesehen hatte kurz vor Weihnachten, so bot er mir doch diesmal die Gelegenheit, Tränen zu vergießen. Nicht nur über den Film und darüber, dass das Kinderbuch dazu eines der wenigen war, die Hans Christian und ich beide besaßen und liebten.

Gestern dann haben wir erst einmal ausgeschlafen, spät gefrühstückt und blieben wegen des Sturms und der Gewitter in unserem gemütlichen Haus. Ich hatte wundervolle Anrufe von lieben Freunden und wurde mir immer mehr bewusst, wie dankbar ich für all das bin, das ich durch Hans Christian erfahren habe. Und auch, dass mir die schönen Erinnerungen über viele traurige Momente hinweg helfen.

Heute aber, am vierten Advent, kehrt nun endgültig Ruhe ein. Heute habe ich die Papierrolle geöffnet, die ich zu Beginn der Adventszeit in unserer Poststelle in Landkirchen bekommen habe. Dort steht eine schöne Weihnachtsgeschichte. Hier könnt Ihr sie nachlesen:
https://wintergeschichten.wordpress.com/…/die-trotzige-ker…/
Wie einfach ist es doch, anderen Menschen ein Freude zu machen –
Nur mit einer Geschichte und einer Kerze!

In einem schönen Telefongespräch konnte ich meine Wünsche und Träume für das nächste Jahr erzählen: Ich möchte doch so gerne mit Senta nach Armentarola fahren – das ist mittlerweile schon ganz konkret geworden! Vielleicht feiern wir auch bald einmal Weihnachten dort!

Nun habe ich die letzten Bestellungen erledigt, um sie morgen zur Post zu bringen. Die Geschenke sind alle eingepackt, und ich beginne, den Schreibtisch aufzuräumen. Aber das hat Zeit bis morgen, genau wie die Buchhaltung. Heute höre ich schöne Weihnachtsmusik von Rolf Zuckowski, der mir mit seinem Lied vom „kleinen Frieden“ aus dem Herzen spricht: das ist es, was wir brauchen, um glücklich zu leben – in unserem engsten Umkreis und vor allem in uns selbst.

Morgen werde ich dann mit Senta losgehen in unsere Gärtnerei hier im Dorf und einen Weihnachtsbaum kaufen. Denn wir werden Weihnachten genauso feiern wie all die Jahre mit Hans Christian – und er wird mit seinem Geiste dabei sein.

Ich wünsche Euch einen schönen Ausklang dieses vierten Advents und eine geruhsame Zeit bis Heiligabend.

PS: Der Blog war bereits fertig geschrieben, als ich erfuhr, dass Udo Jürgens heute bei einem Spaziergang verstorben ist. Ich bin traurig, aber er hat ein schönes Ende gehabt, und das so kurz vor Weihnachten. Er war nicht dement, nicht krank – mitten im Leben kam der Tod. Nur schade, dass ich neulich nicht beim Konzert in Hamburg dabei war – aber Hans Christian und ich haben ihn live erlebt in Bamberg, im Juni 2004 auf der Domplatte.

Erster Advent – ohne Dich

IMG_5671Wie würde es sein, dieses erste Adventswochenende ohne Dich? Am Samstag war allerhand los, gegen Abend riefen noch gute Freunde an, und dann hatte ich Hunger. Zunächst aber beantwortete ich eine Mail meines Doktorvaters, der um eine Spende für die Comenius-Stiftung bat – fünf Jahre lang jeweils 1 Euro pro Woche. Ich überwies ihm gleich eine größere Summe und bot an, kleine Fehmarnkalender zu spenden für die Spender. Dieses Gefühl des Gebens tat richtig gut – ich hatte gerade eine Mail erhalten, in der der Satz „Geben kommt vor dem Nehmen“ als Erfolgsgeheimnis bezeichnet wurde.

Immerzu hatte ich an diesem Nachmittag daran gedacht, dass ich den Adventsschmuck noch vom Dachboden holen wollte – wie in den vergangenen Jahren. Aber es war mir wichtiger, mit Senta zum Meer zu gehen, das neue Buch zur Druckerei hochzuladen, mit den Freunden zu telefonieren und dann etwas zu essen. Schließlich war Heiligabend noch 24 Tage weit weg. Danach war ich müde und schaute mir eine Sendung mit Weihnachtsliedern im Fernsehen an. Mir kam der Gedanke, wie perfekt und gleichzeitig aufgesetzt das alles wirkte – die künstliche Schneelandschaft, die fröhlichen Kinder, die Weihnachtsbäckerei und all die Lieder.

Dabei war es erst gestern richtig kalt bei uns geworden, ein scharfer Ostwind hatte geweht, als ich mit Senta am Meer war. An Schnee war aber noch nicht zu denken, und auch die Umstellung meiner Gedanken auf Weihnachtliches war nicht selbstverständlich. Ich bestellte mir eine schöne Dose mit Lebkuchen über das Internet – mittags war bereits ein Paket mit Büchern angekommen, die ich mir selber zu Weihnachten schenken werde. Ich habe mir ausgedacht, dass ich alles, was in diesen Tagen ankommt, schon mal in Weihnachtspapier verpacke. Dann weiß ich am Heiligabend gar nicht mehr, was alles in den Päckchen ist.

IMG_5520Heute nun ließ ich es ganz ruhig angehen: Das Wichtigste vor dem Frühstück war das Adventsgesteck, das war schnell gemacht: Ich legte frische Tannenzweige in den schmiedeeisernen Ständer und steckte vier rote Kerzen darauf. Nun konnte ich schon beim Frühstück die erste Kerze anzünden. Ich legte eine CD mit entspannender klassischer Musik auf, denn der Stress der letzten Tage war noch spürbar. Erst danach war ich empfangsbereit für die erste CD mit Weihnachtsmusik.

IMG_5677Nun verteilte ich die frischen Tannenzweige im Haus und zündete eine Kerze vor Hans Christians Bild an. Der Flügel und mein Saxophon standen stumm, aber ich holte schon mal die Weihnachtsnoten aus dem Schrank. Und das Buch mit den Weihnachtsgeschichten, aus dem ich am letzten Heiligabend das Märchen vom Tannenbäumchen für Hans Christian und Senta vorgelesen hatte.

Oben auf dem Dachboden fand ich in der Adventskiste allerhand Schmuck und schöne Dinge, aber wichtig war mir erst einmal der Adventskalender – eine Schnur mit 24 kleinen Säckchen. Die befüllte ich, mit Süßigkeiten für mich, in den Säckchen mit gerader Nummer, und mit Weihnachtsleckerli für Senta, in den Säckchen mit ungerader Nummer – die bekam früher immer Hans Christian, weil er ja am 19. Dezember Geburtstag hatte. Senta lag derweil auf der Terrasse auf dem Bauch und schaute durch die Küchentür herein, neugierig, was ich da wohl machte.

IMG_5681 IMG_5682Nun dachte ich wieder an das Motto „Geben kommt vor dem Nehmen“ und überlegte, dass ich in der Adventszeit jeden Tag jemandem etwas schenken könnte. Eine kleine Rezension zu einem kleinen Buch war schnell geschrieben und bereitete der Autorin große Freude. Dann rief mein Doktorvater an und erzählte mir, er sei gestern gerührt gewesen, als er meine Mail gelesen hatte.

Ich dachte, wie einfach es doch ist, anderen Menschen eine Freude zu machen und packte das Paket mit den 50 kleinen Fehmarnkalendern, die ich meinem Doktorvater für seine Arbeit in der Comenius-Stiftung gespendet hatte. Ein Wohlgefühl, ein solches Paket zu packen, das mich nichts weiter kostete als ein wenig Mühe und Zeit. Ich überlegte, wie schön es doch wäre, wenn jeder in der Adventszeit jeden Tag einem anderen Menschen eine kleine Freude bereiten würde.

Und dann rief noch eine liebe Autorin bei mir an und erkundigte sich nach meinem ersten Advent. Eine andere Autorin mailte mir sogar von ihrem Urlaubsort im sonnigen Süden. Und ein wenig gearbeitet habe ich auch noch, mit einem anderen Autor zusammen.

Ich war schon glücklich über die Reaktionen der anderen. Nun wünschten sich meine Freunde auf Facebook noch, dass ich ein Weihnachtslied für sie auf dem Flügel spielen würde. Ich bereitete mir ein leckeres Abendessen und schaute dann – gemütlich mit Senta auf dem Sofa – einen Film an. Ja, und dann klappte ich den Flügel auf und probierte ein paar Stücke aus den Weihnachtsliederheften. Mir fiel ein, dass ich mir schon vor drei Wochen ein Aufnahmegerät kaufen wollte und bestellte das.

Und dann schrieb ich diesen Blog. Darin habe ich nun gar nicht erzählt, dass ich gestern mit mir gekämpft hatte, die Adventsvorbereitungen zu treffen. Ich hätte auch alles weglassen können, jedenfalls nach meiner Stimmung. Der erste Advent ohne Dich, mein lieber Hans Christian. Aber dann war es gut, und die Reaktionen der anderen zeigten mir, dass es richtig war. Nicht nur ich bin allein gewesen an diesem ersten Advent, viele andere auch. Aber ich war ja gar nicht wirklich allein – Senta war bei mir, und Hans Christians Geist auch. Und der hat sich heute Abend über mein Klavierspiel gefreut. Ich sehe ihn immer noch in seinem Rollstuhl in der Küche sitzen. In ein paar Tagen werde ich meine Musik mal aufnehmen und für Euch bereitstellen.

Ich wünsche Euch allen eine schöne, besinnliche, ruhige Adventszeit voller Dankbarkeit und Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Und ich wünsche Euch, dass auch Ihr das Motto „Geben kommt vor dem Nehmen“ als sinngebend erleben könnt!

PS: Falls auch Ihr etwas für die Comenius-Stiftung zur Unterstützung Not leidender Kinder und Jugendlicher spenden möchtet, hier der Link auf die Website:

http://www.comenius-stiftung.de/

Ewigkeitssonntag

RoseHeute war der Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt – in der evangelischen Kirche der Tag des Gedenkens an die Verstorbenen. Der Pfarrer unserer St. Petri Gemeinde in Landkirchen hatte mir einen netten Brief geschickt und mich zum Gottesdienst eingeladen. Denn am Ewigkeitssonntag werden alle Menschen aus der Gemeinde, die im vergangenen Kirchenjahr verstorben sind, noch einmal mit Namen genannt. Für jeden wird dann eine Kerze angezündet.

Ich habe mich über die freundliche Einladung gefreut, wäre aber sowieso heute zur Kirche gegangen. „Sie brachten im zurückliegenden Jahr einen Menschen zu Grabe, der zu Ihnen gehörte und Sie zu ihm“, so heißt es in dem Schreiben. „Die Erinnerung an das gemeinsame Leben ist noch nicht verblasst. Die Zeit heilt wohl Wunden, aber vergessen lässt sie nicht, Was geschieht wirklich mit uns, wenn wir sterben? Ist alle Vergangenheit ohne Hoffnung auf einen neuen Anfang?“

Der Gottesdienst war sehr schön, ich höre unseren Pfarrer immer gerne reden, und ich mag die Musik. Viel Musik gab es heute, Orgelmusik, Gemeindegesang und Gesänge des Kirchenchors. Mein Ort der Trauer jedoch liegt nicht in diesem Gottesdienst, sondern im täglichen Leben.

Ich habe meinen Hans Christian in mein Leben integriert, in unser Leben, denn Senta, meine Berner Sennenhündin, gehört dazu. Auch sie hat ihr Herrchen schmerzlich vermisst, und noch heute kommt sie manchmal in der Nacht in mein Schlafzimmer und sucht dort, wo er immer lag. Ich aber gehe fast jeden Tag zu seinem Grab, das gehört zum alltäglichen Ablauf dazu. Genau wie die dreizehn Rosen, die immer auf seinem Grab stehen.

Dreizehn Rosen für fast dreizehn Ehejahre. Nicht viel? Doch! Unendlich viel! So viel Glück, wie wir zusammen erlebt haben, seit wir uns vor 18 Jahren kennenlernten, erlebt kaum jemand in dieser Intensität. Ich erzähle ihm jeden Tag, was wichtig ist für mich. Und manchmal höre ich seine Antwort: „Ja, geh jetzt mal nach Hause und iss etwas! Pass auf Dich und das Hündchen auf!“ Und: „Mach Dir ein schönes Leben! Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Ich sage ihm immer, wie froh ich bin, dass es ihm gut geht, da wo er jetzt ist. Und dass ich ihn liebe – auf immer und ewig. Die Predigt heute hat mir bestätigt, dass dort in der Ewigkeit, bei Gott, Frieden ist und es unseren lieben Verstorbenen dort gut geht. Und ich habe mir gedacht, wie wichtig es doch ist, schon im Leben hier diesen Frieden zu spüren. Keine Last, keine Konflikte, kein Zank und Streit, einfach nur Harmonie und Frieden – in mir und um mich herum.

Wir leben heute doch in einer glücklichen Zeit, haben keine Kriegserlebnisse, die uns bedrücken, so wie es bei meinem Mann (Jg. 1937) war. Ein Trauma aus seiner Kindheit hatte ihn gequält, ihm Ängste und Albträume bereitet. Eine Zeitlang wollte er nicht mehr leben, er hatte wohl früh gemerkt, dass seine Kräfte – die körperlichen wie die geistigen – ihn verließen. Später aber wollte er 100 Jahre alt werden – denn er wurde gut versorgt, war nie mehr alleine, bekam Pflege und Betreuung durch viele liebe Menschen. Er hatte endlich die Liebe gefunden, die ihm als Kind im Krieg gefehlt hatte. Und die ihn zwei gescheiterte Ehen gekostet hatte. „Die dritte Ehe aber ist göttlich“, sagte er immer, und auch, wie glücklich er war, endlich die Liebe gefunden zu haben. Die wahre Liebe.

Und diese Liebe trägt mich weiter in der Zeit der Trauer. Sie lässt mich die Erinnerungen an unser schönes gemeinsames Leben bewahren, denn diese Erinnerungen sind kostbar. Die eher unschönen Erinnerungen verblassen so allmählich, wie es doch zum Glück immer ist im Leben. Man behält das Gute und vergisst das weniger Gute. Ich bin so dankbar für unsere gemeinsamen Jahre, für die wahrhaft lange Zeit unseres Glücks.

Man sagt immer: Du musst loslassen – so wurde es mir auch am Sterbetag meines Mannes gesagt. Die physische Existenz musste ich loslassen, aber Geist und Seele sind immer noch präsent. Ich achte auf Zeichen – ein funkelnder Stern am Nachthimmel, eine Rose, die noch im November wunderschön blüht, ein Schmetterling, der tagelang in unserem Wohnzimmer auf der Gardine saß.

Und wenn ich morgens wach werde, dann denke ich nicht: „Ich bin jetzt allein, er fehlt mir.“ Sondern ich freue mich darüber, dass ich diesen schönen Tag erleben darf, bin dankbar dafür, dass ich in der Nacht gut und friedlich geschlafen habe. Und manchmal höre ich ihn, wie er beim Wecken immer antwortete, wenn ich fragte, ob er gut geschlafen hätte: „Ich schlafe doch immer noch!“ Und ich erinnere mich an all die fröhlichen Morgenstunden, wenn die Pflegerin und ich meinen Mann aus dem Bett holten.

In der Zeitung las ich heute: „Wir haben nie mehr einen Weihnachtsbaum, weil er ihn so geliebt hat.“ Ich mache es anders: Ich werde wieder einen schönen Weihnachtsbaum haben, weil Hans Christian den immer so liebte. Und ich werde Weihnachten feiern, wie wir es immer getan haben. Und er wird dabei sein – in meiner Erinnerung.

Es ist schön, wenn ich Gewohnheiten aus unserem gemeinsamen Leben bewahren kann. Auch wenn ich jetzt manches anders mache, und wenn ich mich inzwischen auch an der neu gewonnenen Freiheit freue. Aber ich mache das im Sinne unserer Liebe, es ist wie ein Vermächtnis meines Mannes. Und das ist gut so.

Ein guter Freund hatte mich kurz nach dem Tod meines Mannes davor bewahrt, den schönen Flügel zu verkaufen, den ich meinem Mann zehn Jahre zuvor geschenkt hatte. Es schmerzte mich damals so sehr, dass er ihn nicht mehr genießen konnte, und auch, dass ich nicht noch einmal darauf gespielt hatte, als wir damals auf den Krankenwagen warteten. Daher wollte ich ihn nicht mehr sehen, auch ihn loslassen.

Heute weiß ich, wie kostbar dieser Flügel für mich ist – und wenn ich in der kommenden Adventszeit spät am Abend Weihnachtslieder darauf spiele, und Brahms, Schumann und Schubert, dann werde ich spüren, dass mein Mann dabei ist und zuhört. Ich werde ihn wieder in der angrenzenden Küche in seinem Rollstuhl sitzen sehen. Und ich werde vielleicht vor Glück und vor Trauer weinen. Aber das ist nicht schlimm. Und meine Senta wird mich wieder trösten.

Nächste Woche beginnt die Adventszeit – ich habe nachgedacht, wie ich die gestalte: Mit viel Stille und Musik. Und den Adventskalender mit den 24 Säckchen werde ich auch aufhängen – die geraden waren immer für mich, die ungeraden für Hans Christian, weil er am 19. Dezember Geburtstag hat. Ich habe mir ausgedacht, dass Senta in diesem Jahr die ungeraden Säckchen bekommt – werde also Leckerli hineinlegen statt Schokolade.

Zum Schluss denke ich an die Menschen, die heute im Gottesdienst ihre Tränen nicht zurückhalten konnten. Ihnen wünsche ich, dass sie irgendwann ihre Trauer bewältigen und zum wichtigen Teil ihres Lebens machen können.

Im Seniorenforum Feierabend.de ist mein Blog als Beispiel veröffentlicht worden, wie man den Verlust des Partners bewältigen kann. Dort kann noch mehr Geschichten von anderen Menschen lesen: http://www.feierabend.de/Trauer-und-Vorsorge/Trauerbewaeltigung-vom-Umgang-mit-Verlust-55531.htm

Ich wünsche Ihnen allen einen ruhigen und friedlichen Ausklang des Ewigkeitssonntages.

Beethoven – weißt du noch?

IMG_5661Heute Vormittag erklang im Radio die Violinromanze F-dur von Ludwig van Beethoven. Meine Gedanken gingen ganz weit zurück in meine Studienzeit. Damals, vor fast 40 Jahren, spielte ich dieses herrliche Stück in meinem Examensprogramm an der Kölner Musikhochschule. Und ich führte es mit dem Dinslakener Kammerorchester in einem Freiluftkonzert im dortigen Burgtheater auf. Wie lange ist das her!

Nach meinem Examen entschied ich mich dann gegen den Beruf der Geigerin und für die Musikpädagogik. Ich wollte unbedingt Musiklehrerin werden – sonst hätte ich Dich sicherlich gut 20 Jahre später nicht kennengelernt. Dabei war meine Examensnote in Musikpädagogik die schlechteste von allen meinen Noten – damals in den 1970er Jahren gab es einen großen Umbruch in der Musikpädagogik, und meine Prüfer gehörten eher zur „alten“ Generation. Die „Neuen“ der 1970er Jahre waren alle nicht lange an der Kölner Hochschule geblieben.

Nun spielen sie in NDR Kultur das 5. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven. Und ich bin in Gedanken ganz bei Dir. In einem Buch habe ich neulich gelesen, dass man die Seele des Verstorbenen dort findet, wo er sich zu Hause fühlte. Und das war für Dich Beethoven – zumindest zum Teil.

Ich lauschte der Musik – und unsere Berner Sennenhündin Senta schien zu verstehen, was los war. Sie sitzt ja sonst immer beim Frühstück auf dem Platz, wo Dein Rollstuhl immer gestanden hat. Heute liegt da ihre Hundedecke. Als die Musik erklang, stand sie auf und legte sich ins Wohnzimmer, mit Blick in die Küche. Dort, wo sie uns beide immer gut im Blick gehabt hatte! Fühlte sie, dass Deine Seele anwesend war?

Ich erinnerte mich an das Konzert, das wir beide zum Abschluss der Mozartwoche im Festspielhaus in Salzburg erlebt hatten – es war im Januar 2006, und Du konntest noch gut mit mir zu all den Konzerten laufen, die wir in dieser Woche gebucht hatten. Nur zum Festspielhaus nahmen wir uns ein Taxi, denn es hatte an diesem Abend zu schneien begonnen. Auch für den Rückweg fanden wir einen Wagen, der uns zum Hotel brachte.

In diesem Konzert hörten wir die Wiener Philharmoniker unter dem jungen Dirigenten Christian Thielemann. Im ersten Teil wurde ein Klavierkonzert von Beethoven aufgeführt, mit einem jungen Pianisten. Ich weiß nicht mehr genau, welches Konzert das war und wie der Pianist hieß – ich war eben immer eher interessiert an Geigern – und ich hatte Zahnschmerzen.

Aber nur bis zur Pause. Denn die Zahnschmerzen verschwanden, als die Wiener Philharmoniker Beethovens siebte Sinfonie spielten. Es war großartig, und beim Schlussbeifall merkte ich plötzlich, dass mein Zahn nicht mehr wehtat (übrigens bis heute nicht). Meine Zahnärztin hat es später nicht geglaubt, sie meinte, der Zahn sei abgestorben. Aber ich sagte ihr: „Bei Beethoven stirbt man nicht so leicht.“

Das ist das Geheimnis der Musik, dass sie Unruhe, Schmerzen, Trauer und Melancholie vergessen macht. Seit diesem Erlebnis ist die heilsame Wirkung der Musik auf die Gesundheit ein Thema, das mich sehr interessiert.

All das fiel mir heute Vormittag ein, als ich das Sonntagskonzert auf NDR Kultur hörte. Ich dachte daran, dass Du vor einem Jahr irgendwann nicht mehr erkannt hattest, von wem die wundervolle Musik aus unserem kleinen Küchenradio stammte – nachträglich weiß ich, dass Deine Seele nicht mehr zu Hause war, wenn Du Beethovens Musik nicht mehr erkennen konntest. Du warst früher immer zu Tränen gerührt, wenn wir eins der Klavierkonzerte Beethovens hörten – im Radio oder von der CD – oder aber im Konzert.

Beethoven, das war Deine Welt – auch wenn ich eher zu Brahms tendierte, so war ich doch immer gerne mit Dir zusammen in Deiner Musikwelt. Immerhin hast Du in der Anfangszeit unserer Freundschaft den Vorsitz in einer Abiturprüfung gehabt, als einer meiner besten Schüler aus dem Musik-Grundkurs über Beethovens achte Sinfonie sprach. Die Prüfung haben wir beide mit „sehr gut“ bewertet, und der junge Mann ist heute Jazz-Trompeter in der WDR-Big Band!

Beethoven – weißt Du noch?

Wie oft haben wir beide das fünfte Klavierkonzert gehört – ich müsste eigentlich jede Note kennen. Den damals „jungen Dirigenten“ Christian Thielemann haben wir übrigens noch im letzten Silvesterkonzert aus Dresden, wo er inzwischen Generalmusikdirektor ist, gehört. Das Konzert wurde im Fernsehen übertragen – Du hast in Deinem Rollstuhl gesessen, ich in Deinem Sessel, und Senta auf dem kleinen Sofa hinter Dir.

IMG_1423Ich habe Dir erzählt, dass wir den jungen Dirigenten vor fast sieben Jahren in Salzburg erlebt hatten, aber Du konntest Dich nicht mehr daran erinnern. Du hast Dich nur über die wunderschöne Musik gefreut. Ich glaube, Beethoven haben sie gar nicht gespielt – aber das war für Dich ohnehin nicht mehr wichtig.

Diese Silvesternacht werde ich nie vergessen – es war unsere letzte gemeinsame Silvesternacht. Nicht nur, dass Senta mit uns zusammen dem Konzert gelauscht hat – sie ist eben ein musikalischer Hund, bei dem Herrchen und Frauchen!

IMG_1427Wir beide haben dann unser Fondue genossen – und später wieder vor dem Fernseher gesessen. Um Mitternacht haben wir wie jedes Jahr das Feuerwerk am Kölner Dom angesehen – natürlich über WDR 3 –  ein Glas Sekt getrunken und Berliner gegessen. IMG_1439

Später rief dann unsere Freundin Birgit aus Amerika an, die aufgrund der Zeitverschiebung noch nicht im neuen Jahr 2014 angekommen war. Und dann habe ich kurz vor zwei Uhr morgens die Kerzen an unserem Weihnachtsbaum angezündet – an dem schönsten Weihnachtsbaum, den wir beide in unseren gemeinsamen Jahren gehabt hatten.

IMG_1497Irgendwann habe ich die Kerzen – wie immer echte Kerzen und erst halb abgebrannt – ausgeblasen. So werden Senta und ich in diesem Jahr diese Kerzen erst abbrennen, bevor ich neue aufstecke. Denn wir werden wieder einen schönen Weihnachtsbaum haben, so wie in jedem Jahr, in dem ich mit Dir Weihnachten gefeiert habe.

Beethoven – weißt Du noch?

Ist das nicht wunderschön, dass man bei einer bestimmten Musik so viele schöne Erinnerungen hat? Es ist wohl wahr, dass ich Deine Seele bei Beethovens Musik wiederfinde, weil Du bei Beethoven immer zu Hause warst!

Beethovens Musik – das war ein Teil unseres gemeinsamen Lebens. Ein wichtiger Teil.

Weißt Du noch?

Heiligabend

Weihnachten_Vorderseite_webKennen Sie das auch? Endlich ist es Heiligabend, es wird still, man freut sich darauf, den Weihnachtsbaum zu schmücken und die letzten Geschenke einzupacken – da kommt der Postbote und füllt den Briefkasten mit einem großen Berg Weihnachtspost. Noch mehr – denn in den letzten Tagen ist schon viel gekommen. Und in die eigene Freude über so viele liebe Wünsche mischt sich ein Unbehagen: Habe ich wirklich allen geschrieben, die mir wichtig sind? Habe ich nicht einige vergessen? Obwohl ich in den letzten Tagen bergeweise Post verschickt habe, bleibt dieses Unbehagen.

So schreibe ich wenigstens einen Newsletter und einen Blog an alle lieben Leserinnen und Leser, die es gewohnt sind, zu Weihnachten Post zu bekommen. Das Internet macht es möglich, dass meine Grüße noch vor der Bescherung ankommen. Oder erst dann gelesen werden, wenn irgendwann an den Feiertagen oder auch hinterher ein wenig Zeit dafür ist.

Ich denke zurück an das vergangene Jahr und die Menschen, denen ich begegnet bin. Es sind einige Menschen aus der näheren Umgebung gestorben, die Lücken hinterlassen haben. Aber manchmal sind dadurch auch Menschen hinzu gekommen – so habe ich einen Teil meiner Familie wieder gefunden. Menschen sind in unser Leben getreten, einige haben unseren Lebenskreis wieder verlassen. Andere sind uns wichtig und nah geworden, wir können uns gar nicht vorstellen, dass wir voriges Jahr noch ohne sie gelebt haben.

Heute am Heiligabend bin ich dankbar für alles, was uns in diesem Jahr geschenkt worden ist. Nicht nur für die schönen Begegnungen, nein, auch und gerade für die vermeintlichen Ärgernisse und Konflikte. Durch sie konnten wir uns weiter entwickeln, Neues lernen, unser Leben reicher machen. Wir haben dafür gesorgt, dass in unserem Haus und unserem Lebenskreis möglichst nur positive Gedanken und Worte vorherrschen. Dazu gehört auch, Frieden zu schließen mit Vergangenem, vergeben und vergessen zu können.

Ich bin zuversichtlich, dass diese weihnachtlichen Gedanken meine Leser in Newsletter und Blog erreichen, und darüber hinaus alle, die sie erreichen sollen – selbst wenn ich ihnen diesmal keine Weihnachtskarte geschrieben habe.

So, und nun mache ich einen Spaziergang mit Senta und dann schmücke ich unseren Weihnachtsbaum.

Für alle, die heute alleine sind – und auch für die anderen – schicke ich das Weihnachtslied „Als aller Hoffnung Ende war“. Sie können es hier anhören bzw. herunter laden.

Ich wünsche Ihnen besinnliche und friedliche Weihnachten!

Herzliche Grüße von der Sonneninsel Fehmarn
Ihre Beate Forsbach

Das Lied vom Frieden in der Welt

Liebe Freunde,

bei dem ersten Schulkonzert, das unter meiner Leitung am 13. Dezember 1979 stattfand, sangen wir gemeinsam mit dem Publikum das Lied „Mary’s Boy Child“.

Damals beeindruckte mich besonders die frohe, friedliche Stimmung der vielen Menschen beim gemeinsamen Singen.

Seitdem wurde das Lied bei jeder weihnachtlichen Veranstaltung an unserer Schule gesungen, es wurde so zu einer Tradition. So möchte ich Sie einladen, dieses Lied auch heute, hier bei der ersten offenen Adventslesung der Edition Forsbach, gemeinsam zu singen.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir mit Hilfe der Musik zu einem friedlichen Zusammenleben finden können, dass die Weihnachtsbotschaft, zumindest in unserem Lebenskreis, wirksam werden kann.

Beate Forsbach

Marys Boy Child
Als aller Hoffnung Ende war in dem dunklen Weltenlauf,
da ging im Stall von Bethlehem der Stern der Liebe auf.

Hört, es klingt vom Himmelszelt 
das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Die Hirten sah’n am Himmelszelt den hohen, hellen Stern.
Da war der Tag der Herrlichkeit auf Erden nicht mehr fern.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Das Kind, das in der Krippe schlief, das lag in hellem Schein.
Und leise rief der Engelschor die Hirten all herein.

Hört, es klingt vom Himmelszelt
 das Lied der Christenheit,
das Lied vom Frieden auf der Welt, 
denn es ist Weihnachtszeit.
Hört das Lied, das nie verklingt in einer Welt voll Leid,
das allen Herzen Liebe bringt, denn es ist Weihnachtszeit.

Weihnachten mit Senta, Larissa & Laura

Wir hatten wie immer einen großen Weihnachtsbaum mit echten Kerzen. Larissa saß dreimal in der Spitze, dann habe ich sie kurz ins Gäste-WC eingesperrt. Sie wusste danach, dass „nein“ tatsächlich „nein“ bedeutet.

Beim Schmücken waren beide Kätzchen dabei, sie holten sich eine kleine rote Kugel und spielten damit. Senta zerbiss einige kleine Kugeln. Aber sie holten nichts vom geschmückten Baum.

Senta guckte gespannt zu, als ich den Baum schmückte. Der Plätzchenteller war hinterher leer … Und dann hat sie ein Päckchen ausgepackt – dabei war es gar nicht für sie. Aber es roch wohl lecker.

Nach dem Essen half ich Hans Christian aufs Sofa, jetzt kam der schönste Teil vom Heiligabend. Im Nu saß Senta neben ihm, und schließlich setzte ich mich auch noch daneben. Die Kätzchen schliefen inzwischen im Gäste-WC (das ist ihr Domizil, seit sie bei uns sind).

Die Kerzen brannten wunderschön und ich spielte die alte Schallplatte aus meiner Kinderzeit. „Stille Nacht“, „Ihr Kinderlein kommet“, „Oh du fröhliche“ erklang – wie jedes Jahr. Dann hörten wir eine moderne Weihnachts-CD und genossen die Ruhe und Stille.

Als ich die vielen Päckchen auspackte – auch für Hans Christian – freute sich Senta über ds schöne bunte Papier, das bald den gesamten Fußboden bedeckte.

Als dann die Kerzen abgebrannt waren, durften auch Larissa und Laura dazu kommen. Sie hatten auch schöne Geschenke bekommen, mit denen sie gleich spielten.

Unsere bunten Teller entdeckten sie erst am ersten Weihnachtstag. Wie herrlich konnte man mit den Schokoladenkügelchen Ball spielen! Senta entwickelte eine große Geschicklichkeit, Schokolade und Marzipan auszuwickeln. Einiges hat sie auch mit dem Staniolpapier gefressen, wie die Häufchen im Garten später zeigten.

Auch den Kätzchen hat es geschmeckt, nur einmal war ihnen übel geworden, nachdem sie Hans Christians Geburtstagsblumen abgeleckt hatten. Jetzt wissen sie, was sie besser lassen.

Den Glücksklee aber, der seit zwei Tagen auf dem Tisch steht, den mögen sie ganz besonders. Larissa – die Dreifarbige – ist ja schließlich auch ein Glückskätzchen!

Gestern stand der Baum bedenklich schief, als ich nach Hause kam. Die Kätzchen spielten mit zwei Kugeln, die sie wohl aus dem Baum „gepflückt“ hatten. Da waren sie also doch drin gewesen, als ich nicht da war.

Ich wollte den Baum gerade rücken und merkte, dass er ganz lose im Ständer stand. Nun ist wieder alles in Ordnung und der Baum kann noch ein wenig stehen bleiben.