Vorfreude

Jeder Augenblick im Leben ist ein neuer Aufbruch, ein Ende und ein Anfang,
ein Zusammenlaufen der Fäden und ein Auseinandergehen.

(Yehudi Menuhin, 1916-1999)

Der 65. Geburtstag

In 10 Tagen feiere ich meinen 65. Geburtstag – das ist der Zeitpunkt, an dem man normalerweise in den sogenannten „Ruhestand“ geht. Ich aber bin mit einem Buchautor, dem japanischen Herzchirurgen Yusuke Yahagi aus Texas und seiner Frau April unterwegs auf einer achttägigen Lesetour durch Deutschland, um seinen Debütroman „Der Austauschsoldat“ (The Exchange Soldier) dem deutschen Publikum vorzustellen. Statt in den Ruhestand zu gehen, mache ich einen weiteren großen Schritt in der Erfolgsgeschichte meines Verlages „Edition Forsbach“: Wir werden international!

Edition Forsbach – Bücher & Mee(h)r auf Fehmarn

Schon lange hatte ich mir für meinen Geburtstag etwas ganz Besonderes vorgenommen: ein Shaolin–Coaching–Wochenende in den Bergen, um meine mentale Kraft zu stärken.

Eines Morgens fühlte ich mich sehr gestresst durch die Planung dieser Lesereise mit sechs Buchpräsentationen in Berlin, Fehmarn, Hamburg, Bad Ems, Köln und Bamberg, bei der wir rund 2600 km zurücklegen würden. Es war harte Arbeit, denn es war gar nicht so einfach, passende Veranstalter zu finden, einige große Buchhandlungen sagten ab oder antworteten gar nicht.

Ich sagte mein Coaching ab und werde nun meinen Geburtstag ganz geruhsam in Bamberg verbringen und mit einem Konzert der Bamberger Symphoniker ausklingen lassen.

Was könnte es Schöneres geben als ein solche Geburtstagsreise mit einem außergewöhnlichen Menschen und Autor mit großem Charisma! Wichtig war für mich, das zu organisieren und Aspekte der Lebenskunst zu berücksichtigen, denn Yusuke Yahagi und seine Frau sollten doch auch einige schöne Eindrücke von Deutschland bekommen. Und wir wollen diese Reise trotz der Anstrengungen so richtig genießen.

Eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden

Nun wird es eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden – ein ganz neues Marketingmodell!

Bundeshauptstadt Berlin

Der Beginn ist im Literaturhaus Berlin, wo wir Anfang Februar unsere erste Buchvorstellung in der Bundeshauptstadt hatten – und viele Freunde waren gekommen. Denn in Berlin kann man nicht so einfach mal eine Annonce aufgeben, wie auf Fehmarn, wo es dann jeder weiß! Ganz in der Nähe des Literaturhauses bin ich vor 12 Jahren promoviert worden: an der Universität der Künste an der Bundesallee. Auch ein persönlicher Bezug – mein Doktorvater, Prof. Rainer Winkel, ist sehr stolz darauf, dass seine Doktortochter nun als Verlegerin hier Bücher ihres Verlages vorstellt. Vor allem aber spielen große Teile des Romans von Yusuke Yahagi in der deutschen Hauptstadt Berlin!

Literaturhaus Berlin

Verlagssitz Fehmarn

Auf Fehmarn ermöglicht uns Marcus Glagowsky in seinem Café Jedermann eine schöne Buchparty. Hier habe ich im September 2012 meinen Verlag vorgestellt und seitdem viele schöne Veranstaltungen erlebt. Das Fehmarnsche Tageblatt kündigt heute unsere Veranstaltung unter der Überschrift „Eine Botschaft von Frieden und Glück“ an.

Denn das CREDO von Yusuke Yahagi lautet:

„Shotas Geschichte ist eine voller Nervenkitzel, Spannung und Romantik. Sein Leben ist wie ein Spiegelbild meines eigenen Lebens als Herzchirurg, obwohl wir völlig unterschiedliche Berufe haben und zu ganz verschiedenen Zeiten leben. Dennoch verbindet uns das Ziel, Leben zu retten und Menschen Frieden und Glück zu bringen.“ (Yusuke Yahagi)

Café Jedermann

Hamburg

Auch die nächste Station in Hamburg ist ein Café, auf das ich über Facebook–Freunde aufmerksam wurde: das Café mit dem originellen Namen „Kuchenstund – Glück im Mund“, dessen Besitzerin Katja Waband sofort bereit war, Gastgeberin für unsere Buchvorstellung zu sein.

Café Kuchenstund – Glück im Mund

Bad Ems

Und dann Bad Ems: schon sehr früh wurde ich gefragt, ob wir auch nach Bad Ems kämen. Ich lehnte das erstmal ab, vor allem, weil meine liebe alte Freundin Tilli, die als Autorin Ottilie Krafczyk mit 80 ihr erstes Buch („Starke Frauen und die Liebe“) mit mir veröffentlicht hatte, kurz vor Weihnachten verstorben war und ich nun nicht in den Ort kommen wollte, wo ich sie zuvor nie besucht hatte. Dann las ich in dem Roman, dass eine der Hauptfiguren aus Bad Ems stammte – die deutsche Frau, Julia Schwarz, in die sich der japanische Austauschsoldat verliebt und die er später heiratet. Ich nahm Kontakt auf und erfuhr, dass Yusuke Yahagi in Bad Ems schon mal mit Freunden ein Konzert gegeben hatte und dass es dort ein Beatlesmuseum gibt – die Namen einiger Freunde tauchten auch im Roman auf. Mein erster Kontakt war dann Rüdiger Glodek, der im Gewerbeverein Bad Ems ist und die Veranstaltung im Grandhotel Häcker perfekt organisiert hat – mit Musik der Freunde und der Beteiligung der Buchhandlung Adam, die den Büchertisch organisiert.

Grandhotel Häcker

Köln

Eine Station stand schon ganz früh fest: Köln. Nicht nur, weil Shota Yahagi im Roman seine Frau im Kölner Dom heiratet – nein, aus ganz persönlichen Gründen: mein Mann war Kölner und ich habe zweimal in Köln studiert – an der Musikhochschule und an der Universität, wo ich Germanistik, Philosophie, Psychologie, Pädagogik und Mathematik studiert habe – was mir heute in meinem zweiten Beruf als Verlegerin sehr zugute kommt. In meinem Promotionsstudium ab 1993 lernte ich Professor Robert Günther kennen, einem bekannten Musikethnologen. Mit ihm und seiner Frau Ellen war ich seitdem gut befreundet. Robert hatte mit über 70 ein Ensemble für japanische Musik gegründet, denn sein Schwerpunkt war die japanische Musik! Ellen vermittelte mir den Kontakt zu Herrn Yoshiro Shimizu, dem Leiter der Tenri Japanisch–Deutschen Kulturwerkstatt in Köln. Und sehr spontan hatten wir unsere Veranstaltung dort organisiert – in Erinnerung an unseren Anfang 2015 verstorbenen Freund Robert, der auch in der Tenri Kulturwerkstatt gewirkt hatte.

Tenri Japanisch-Deutsche Kulturwerkstatt Köln

Bamberg

Und dann schließlich Bamberg: Es war mein größter Wunsch, hier eine Buchvorstellung zu veranstalten, da mein Mann und ich vor Jahren immer gerne hierher kamen, vor allem wegen der drei großen Buchhandlung Hübscher, Görres und Colibri, und wegen der Bamberger Symphoniker. Zum ersten Mal waren wir gemeinsam in einem Konzert der Bamberger Symphoniker am 19. Dezember 2002, das war der 65. Geburtstag meines Mannes. Ein gutes Jahr später zogen wir nach Bamberg und wohnten auf der Franz–Ludwig–Straße, gegenüber vom Gericht, so dass wir die Willy–Lessing–Straße, wo unsere Veranstaltung stattfinden wird, häufig überquert haben.

Auch über die Geschichte der Juden in Bamberg hatten wir einiges erfahren, war doch unser prächtiges Wohnhaus von reichen Juden erbaut worden, bevor es ab 1934 dem späteren Besitzer gehörte. Mein Mann war als Kind mit seiner Mutter aus Köln nach Bamberg evakuiert worden, lebte zwei Jahre hier, u.a. in einem Haus an der Promenade, das wohl von einer Bombe getroffen wurde. Es stand an der Stelle, wo heute die Post ist. Später, als mein Mann krank wurde, weil ihn die Erinnerungen an seine Kindheit in Bamberg einholten, erzählte mir ein Arzt der Pflegeversicherung, dass alle Häuser in diesem Wohnviertel ähnlich waren und offenbar von demselben jüdischen Baumeister geplant wurden, der auch unser Wohnhaus erbaut hatte. So kam ich auf die Spur, warum mein Mann in unserer Wohnung an seine Kindheit erinnert wurde und offenbar an ein altes Trauma, das ihm Albträume und Panikattacken bereitete und ihn später krank und pflegebedürftig werden ließ. So zogen wir dann im Herbst 2009 zunächst in eine Neubauwohnung an der Maria–Ward–Straße um und ein knappes Jahr später ganz nach Fehmarn, wo schon lange unser Zweitwohnsitz gewesen war. Dort kauften wir ein Haus mit Garten auf dem Lande, ich gründete im Februar 2011 meinen Verlag und im Mai 2011 kam dann Senta zu uns, die mein Verlagsmaskottchen wurde und auch auf unserer Lesereise dabei sein wird.

Ich hatte zunächst bei der Buchhandlung Hübscher wegen unserer geplanten Lesung angefragt, aber so richtig klappte das noch nicht. Am Faschingsfreitag suchte ich nach einem Raum, den ich mieten könnte, falls wir keinen Veranstalter fänden. Das war gar nicht so einfach, denn viele der Räume, die ich noch aus unserer Bamberger Zeit kannte, waren schon ausgebucht. Die Buchhandlung Colibri antwortete sofort und wollte sich später nochmal melden. Ich fasste mir ein Herz und schrieb an Martin Rudolph, den Leiter der Israelitischen Kultusgemeinde – die Idee hatte ich schon früher gehabt, als ich noch auf die Antwort der Buchhandlung Hübscher wartete. Denn das Thema unseres Romans „Der Austauschsoldat“ ist ja die Rettung von mehr als 350000 Juden durch den beispiellosen Einsatz der Hauptfigur im Roman. An diesem Abend buchte ich schon mal Hotelzimmer im Bamberger Hof, keine 200 Meter vom Jüdischen Lehrhaus entfernt. Und dann die Überraschung: am Nachmittag des Faschingssonntags antwortete Martin Rudolph und machte uns ein Angebot. Mit unserer Buchpräsentation möchte er die 2. Jüdischen Kulturtage Bamberg eröffnen. Und das Beste: nun sind unsere Bücher schon in der Buchhandlung Hübscher, die auch den Büchertisch bei unserer Veranstaltung organisiert.

Israelitische Kultusgemeinde Bamberg

Buchhandlung Hübscher

Literarischer Abend in Bamberg mit Dr. Yusuke Yahagi und Dr. Beate Forsbach, Verlegerin

Am Tag danach werde ich Yusuke und April Yahagi noch ein wenig von meiner einstigen Traumstadt zeigen und am nächsten Tag in aller Ruhe meinen 65. Geburtstag feiern, mit einer lieben Freundin schöne Plätze besuchen und am Abend dann das Konzert der Bamberger Symphoniker besuchen – so schließt sich für mich persönlich der Kreis zu meinem allerersten Konzertbesuch hier am 65. Geburtstag meines Mannes.

Auf der Website zum Konzert fand ich dann das obige Zitat von Yehudi Menuhin, das nun so gut auch zu dieser außergewöhnlichen Geburtstagsreise passt:
Jeder Augenblick im Leben ist ein neuer Aufbruch, ein Ende und ein Anfang, ein Zusammenlaufen der Fäden und ein Auseinandergehen.

Bamberger Symphoniker

Und hier noch einmal die Termine unserer Lesereise:

Am 11. Mai 2017 um 19.30 Uhr beginnt unsere „Deutschland–Tournee“ mit der Buchvorstellung im Literaturhaus der Bundeshauptstadt Berlin. Dr. Yusuke Yahagi wird auf deutsch selbst aus seinem Buch lesen und in einem Interview mit mir, seiner Verlegerin Dr. Beate Forsbach über die Entstehung des Buches berichten.

Es folgen Veranstaltungen im Café Jedermann in Burg auf Fehmarn (13. Mai 2017, 18 Uhr), im Café Kuchenstund in Hamburg–Niendorf (15. Mai 2017, 18.30 Uhr), in Häckers Grandhotel in Bad Ems (16. Mai 2017, 19 Uhr), in der Japanisch–Deutschen Kulturwerkstatt Tenri in Köln (17. Mai 2017, 19 Uhr). Mit der letzten Buchpräsentation am Donnerstag, 18. Mai 2017 um 19 Uhr wird die Israelitische Kultusgemeinde Bamberg gleichzeitig ihre 2. Jüdischen Kulturtage Bamberg eröffnen.

Es wird eine Reise mit Freunden zu lauter Freunden. Heute am Tag vor dem Start bin ich voller Vorfreude und Optimismus, viele Menschen melden sich hier und auf Facebook, ein großes Ereignis steht an!! Ich lade Euch alle herzlich dazu ein. Bitte kommt zu einer unserer Veranstaltungen – so könnt Ihr Dr. Yusuke Yahagi persönlich kennenlernen, aber auch mich und unser Verlagsmaskottchen Senta.

 

Ein glücklicher Tag – In Memoriam Ottilie Krafczyk

img_0955Ein Licht leuchtet für meine liebe Freundin und Autorin unseres Verlages, Ottilie Krafczyk. Sie ist am 19. Dezember 2016 gestorben, nur wenige Stunden, nachdem sie den letzten Kommentar zu meinem Blogartikel „Eine Reise im Advent“ geschrieben hatte. Heute vormittag fand die Trauerfeier in Bad Ems statt. Tilli, wie ihre Freunde sie liebevoll nannten, hat mit 80 Jahren ihr erstes Buch geschrieben und damit mir und vielen Menschen eine große Freude gemacht.

151221_1_tilliOttilie Krafczyk, geborene Kregiel, wurde am 1. Juni 1934 in Königshütte/Oberschlesien geboren und lebte in Bad Ems. Sie ist am 19. Dezember 2016 verstorben.

Im Jahre 1955 heiratete sie ihren Mann Josef, mit dem sie 2005 die Goldene Hochzeit feierte. Als er im Jahre 2008 starb, begann für sie eine schwere Zeit. Aber die Liebe und Fürsorge ihrer Kinder und Enkelkinder halfen, ihren Schmerz zu lindern.

Eines Tages wurde Ottilie Krafczyk von ihrer Tochter auf das „Forum Seniorentreff“ im Internet aufmerksam gemacht. 2009 begann sie, dort ihre kleinen Erzählungen zu veröffentlichen, die viele begeisterte Leser fanden. 2010 erschienen einige ihrer Geschichten in zwei Sammelbänden.

Damals entstand ihr Wunsch nach einem eigenen Buch, den sie sich anlässlich ihres achtzigsten Geburtstages erfüllt hat. Das Buch ist ihren Kindern und Enkelkindern gewidmet.

FCover_Starke_Frauen3.inddür Tilli war Liebe ein Geschenk – ohne Liebe wäre das Leben wie ohne Sonne, das war ihre Überzeugung. Sie hat viele wundervolle Frauen getroffen, die ihr Leben mit Kraft und Liebe gemeistert haben.

Mit Herz und Seele schreibt sie über diese starken Frauen. Ihre Geschichten sind mitreißend erzählt – und voller Emotionen. Immer ist es die Liebe, die den Frauen Kraft gibt, ihr schweres Schicksal zu meistern.

Die Autorin schreibt für Menschen, die das Leben so annehmen, wie es ist. Gerade in der zweiten Hälfte des Lebens ist es gut zu erkennen, dass das Leben jeden Menschen reich beschenkt. Denn Liebe und Leiden sind zwei Seiten einer Medaille. Wer nie weint und trauert, kann Glück nicht erfahren.

Als letztes Kapitel hat Ottilie Krafczyk die Geschichte der Feier ihres 80. Geburtstages geschrieben, die wir hier im Andenken an die liebe Tilli noch einmal veröffentlichen.

Ein glücklicher Tag

Es sind solche Momente im Leben, die für immer in unserem Gedächtnis verbleiben werden.
Acht Jahrzehnte, das ist für ein Menschenleben schon ein Alter, in dem man sagen kann, schön ist es, so einen Tag zu erleben. Ich hätte in meinen kühnsten Träumen nie geglaubt, ein so hohes Alter zu erreichen und es mit vollem Verstand so genießen zu können, wie ich es tue.
Mein Leben ist wie das Leben vieler älterer Menschen, die in einer Zeit geboren wurden, in der es nicht immer gute und herrliche Tage waren. Es gab Krieg, Hunger, Angst um die Nächsten, die an der Front waren. Unruhen in der Politik, die den einfachen Menschen das Leben nicht leicht gemacht haben.
Aber wie es auch gewesen war und noch sein wird: Das Leben ist das schönste Geschenk für jeden von uns.
Ich hatte Glück, denn ich habe in den Jahren alles erlebt, was mich glücklich machte. Ich hatte eine glückliche Ehe, in der ich die Goldene Hochzeit gefeiert habe. Ich habe zwei wundervolle Kinder, den besten Schwiegersohn, den es geben kann, vier Enkelkinder und einen Urenkelsohn. Es lohnte sich zu leben, denn durch sie habe ich mein Leben in den schönsten Farben erleben dürfen.
Am 1. Juni 2014 hatten mir meine Kinder und Enkelkinder einen Geburtstag gestaltet, der für mich bis zum letzten Tag meines Lebens tief in meinem Herzen verbleiben wird.
Schon am Heiligen Abend 2013 wurde ich mit einem Geschenk überrascht: Es war ein Gutschein für das Ereignis des Jahres 2014. „Der 80. Geburtstag unserer Mutter, Groß- und Urgroßmutter“ – das stand in großen Buchstaben auf diesem schönen Gutschein.
Ein Programm mit allem Drum und Dran von Einladungen bis zur Unterhaltung. Kein Wort wurde verraten, was es sein sollte. Bis zum Geburtstag wusste ich nicht, was für eine Überraschung meine Familie mir bereiten wollte. Es war die Rede von einem Zelt, dann von einer Hütte im Wald mit Grillen. Na, ja lass dich doch mal im Leben überraschen, sagten alle, die ich gefragt habe.
So kam mit vielen Sonnenstrahlen der erste Sonntag im Juni 2014. Es war ein Tag, wie er nicht schöner sein könnte. Schon am Morgen sollten wir ohne Frühstück nach Koblenz kommen. Also sind wir mit dem Sohn und der Schwiegertochter von Bruno losgefahren. Noch immer wusste ich nicht, wo und warum schon so früh. Erst am Ufer des Rheins am Deutschen Eck, als ich meine ganze Familie sah, hatte ich die Ahnung, dass mir mein Traum in Erfüllung gehen würde.
Ich wollte schon immer meine Familie zum Familientreffen auf einem Schiff einladen. Die Kosten aber waren für mich zu hoch und im Lotto habe ich in den 60 Jahren meiner Teilnahme an dem Spiel noch nicht gewonnen. Also war es immer nur ein Traum geblieben …
Alle Gäste, die sich am Ufer des Rheins befanden, umarmten mich, und ich wurde mit einem Ständchen zu meinem 80. Geburtstag geehrt.
Es war einfach zu schön und ich traute meinen Augen nicht, als das schöne, moderne Schiff „La Paloma“ um 10.00 Uhr anlegte und meine Familie mit mir das Schiff betrat. Das Ambiente auf dem Deck, das sich Wintergarten nannte, war schön in weiß dekoriert. Schön und elegant empfing uns das Personal mit Sekt, und meine Tochter begrüßte alle Gäste und lud zum Frühstück ein. Ich war wie in Trance. Ich konnte nicht essen, so ergriffen war ich über diese wunderschöne Überraschung. Es war alles sehr schön organisiert.
Um 13.00 Uhr gab es Mittagessen, danach Kaffee, Kuchen und andere Leckereien. Ich sah bloß frohe und zufriedene Gesichter meiner ganzen Familie. Meine Kinder, Enkelkinder mit ihren Familien. Meine Schwestern mit ihren Familien. Meine Nichten, nicht zu vergessen mein Freund Bruno mit seiner Familie haben an diesem Tag mit mir diesen schönen Geburtstag gefeiert.
Dazu die schöne Fahrt auf dem Rhein von Koblenz nach Lahnstein, die Burgen Lahneck und Stolzenfels, Braubach mit seiner Burg und zurück. Wir waren von 10.00 Uhr bis 15.30 Uhr unterwegs.
Ein Musiker spielte auf seiner Orgel wunderschöne Musik. Wir wagten sogar ein Tänzchen, und meine Tochter mit meinen Enkelkindern hatte vieles vorbereitet. Es gab Wortspiele, an denen alle mitgewirkt haben. Bruno deklamierte sein neuestes Gedicht, auch seine Tochter hatte für mich ein schönes Gedicht geschrieben.
Mein Enkelsohn machte eine Ansprache, die mein Leben in so schöner Form zeigte, dass ich meine Tränen nicht mehr halten konnte. Es war einfach ergreifend, wie schön sie mir für meine Fürsorge dankten, als sie noch im Kindergarten waren, für all die Jahre in Schule und Studium. Alles wurde humorvoll erzählt.
„Ja, Oma“, sagte mein Enkelsohn, „80 Jahre, das ist schon eine Leistung, und wir danken dir, dass du immer für uns da warst.“
In diesem Moment wurde mir bewusst, dass jedes Leid, jede Träne sich in all den schweren Zeiten gelohnt haben, wenn man so einen Tag wie diesen erleben durfte.
Warum erzähle ich meinen Freunden und Lesern von diesem Tag? Weil ich so viele wunderbare Menschen getroffen habe, die mit ihren Geschichten Freude und Leid ihres Lebens mit uns geteilt haben.
Freundschaft ist das Zauberwort, das jedem Menschen die Kraft verleiht, alles zu ertragen.
Dafür möchte ich mich bei euch bedanken.
Ich wünsche allen Müttern, Groß- und Urgroßmüttern, dass sie so einen 80. Geburtstag erleben dürfen.

Gute Reise, liebe Tilli, heute Abend werde ich wieder den Sternen zuwinken und wissen, dass Du auf einem von ihnen bist und mir zulächelst.