Zeit für mich

IMG_8262Letzten Sonntag war es zwei Wochen her, dass ich auf die Idee kam, mir mal etwas Zeit für mich zu nehmen: wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal ein warmes Wannenbad genossen? Und siehe da, ich finde ein Fläschchen „Zeit für Dich“ und Meersalz, das ich noch nie benutzt habe. Herrlich entspannt startete ich in den Sonntag …

IMG_7479Nun sollte man doch glauben, dass ich immer nur Zeit für mich hätte, nachdem ich bereits über ein Jahr nach dem Tod meines Mannes alleine mit meiner Berner Sennenhündin Senta lebe. Nein, das ist nicht so. Diese Erkenntnis kam für mich ganz überraschend.

Kurz zuvor hatte ich von einer Autorin meines Verlages gehört, dass sie sich den Freitag zum Schreiben ihres Romans freihält. Diese Idee fand ich so umwerfend, dass ich sie unserer Lektorin erzählte. Sie sprach davon, dass sie nicht wüsste, wann sie schreiben sollte. Aber mir empfahl sie umgehend, mir doch gleich zwei Schreibtage in der Woche zu nehmen. Das fand ich wirklich ungeheuerlich: gleich zwei Tage? nur für mich?

Und so begann ich an diesem Sonntag schon mal mit Zeit nur für mich. Lange überlegte ich, an welchen Tagen ich mir meine zwei Schreibtage einräumen sollte. Ich wählte dann den Dienstag und den Samstag. Unglaublich, wie eifrig ich am Montag all die vielen Verlagsangelegenheiten erledigte. Oft waren es Kleinigkeiten, mit denen ich mich lange, viel zu lange, aufhielt. Nun war ich motiviert, bis Dienstag meinen Tisch leer zu arbeiten, und es klappte. Ich freute mich schon richtig auf den Dienstagmorgen, wo ich ohne zu zögern aufstand und mich fertig machte. Facebook und das Mailprogramm wurden abgestellt, und ich begann mit der Arbeit an meinem Buch. Ich konnte mich voll darauf konzentrieren, weil ich alles andere beiseite geschoben hatte. Es war ein wundervoller und ergiebiger Tag.

Zeit für mich – das bedeutet nicht, dass ich gar nicht für andere da bin. Mein Verlag, das ist ja mein Lebensinhalt. Und so habe ich am nächsten Sonntag Zeit mit zwei meiner Autoren verbracht, aus freien Stücken, ohne äußeren Druck, weil ich das wollte. Und beide Male waren es beglückende virtuelle Begegnungen. Ich lerne allmählich, was es bedeutet, selbst darüber zu entscheiden, womit und mit wem ich meine Zeit verbringe.

Ich genoss dieses Wochenende im Bewusstsein des größten Luxus. Dabei ist es doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Jeder kann doch tun und lassen mit seiner Zeit, was er will. Das ist richtig, aber unser Denken ist einfach anders programmiert, mein Denken jedenfalls. Deswegen kam ich in den letzten Monaten fast nie dazu, meine eigenen Bücher und Texte zu schreiben.

Denn immer wieder gab es Ablenkungen durch Menschen, die etwas von mir wollten: ihr Buch in meinem Verlag veröffentlichen, ihre Manuskripte lesen, ihre Lebensprobleme anhören und dabei helfen, sie zu lösen. Unnütze Diskussionen über unwichtige Dinge raubten mir meine Zeit, die ich gerne für mich genutzt hätte. Und unsinnige Konflikte raubten mir den Schlaf und in Folge davon die Energie, meine Aufgaben in kurzer Zeit zu erledigen – um dann wieder Zeit für mich zu haben.

An diesem Sonntag vor zwei Wochen habe ich endlich erkannt, dass es nur eine Person gibt, die das ändern kann: ich selber! Meine Hündin Senta ist nämlich inzwischen sehr geduldig geworden und wartet stundenlang darauf, dass ich mit ihr zum Meer gehe. Nur wenn ich zu der gewohnten Zeit mal überraschend ein Telefongespräch führe, kommt sie nach oben in meinen Arbeitsbereich und beginnt zu bellen. Früher, als junger Welpe, hat sie unsere Möbel angeknabbert, um auf sich aufmerksam zu machen. Heute wartet sie, bis ich zum Spaziergang aufbreche. Dann aber hüpft sie vor lauter Freude durch die Gegend und kann es kaum erwarten, loszugehen.

Und so liegt es heute ganz alleine an mir, ob ich Zeit für mich habe oder nicht. Plötzlich bekam ich die Idee, neben dem gewohnten Spaziergang zum Meer am frühen Abend auch noch einen Morgenspaziergang ums Feld zu machen. Senta ist darüber ganz begeistert, es tut uns beiden gut. Denn sonst habe ich mich noch ziemlich müde mit einem Tee an den Schreibtisch gesetzt und Senta hielt ein Schläfchen. Nun starten wir beide munter in den Tag.

IMG_8160Eines aber findet immer statt, egal ob es mein Schreibtag oder ein Tag für die Verlagsarbeit ist: Wenn unsere Hundefreundinnen Karin und Jenny Zeit für uns haben, dann machen wir einen gemeinsamen Ausflug ans Meer. IMG_0102IMG_0078IMG_0086Ganz entspannt laufen wir durch die schöne Natur, freuen uns an unseren beiden Hündinnen, machen Fotos, erzählen, setzen uns auch mal irgendwo hin – und schauen einfach mal nicht auf die Uhr. Solche Tage sind wundervoll und machen glücklich.

IMG_0184Und das ist doch eigentlich der Sinn des Lebens, oder?

IMG_8280Gestern ging ich alleine mit Senta zum Meer, setzte mich ans Wasser und fühlte plötzlich Ruhe und Frieden – nur das Plätschern der Wellen und das Kreischen der Wasservögel waren zu hören. Die eigene innere Stimme wurde auch ganz ruhig. Die Seele baumeln lassen, so nennt man das wohl, diesen Zustand völligen Entspanntseins, in dem man ohne jegliche Gedanken einfach nur da ist. Na ja, ganz alleine bin ich ja nie. Denn plötzlich saß jemand neben mir – Senta aber versteht es, sich auch ohne Worte zu verständigen.

IMG_8283Zeit für mich – wann haben Sie das zum letzten Male genossen? Machen Sie es einfach mal, ich kann das empfehlen! Die Bank am Meer, die oben im Blogartikel abgebildet ist, lädt mich jeden Tag immer wieder dazu ein. Selbst Senta legt sich jetzt manchmal daneben und wartet, bis ich endlich aufstehe, um mit ihr weiter am Meer entlang zu laufen.

Es ist interessant, wie viele Gedanken mir kommen, seit ich mir regelmäßig Zeit für mich nehme. So fiel mir ein, dass heute vor fünf Jahren, am 1. Juli 2010, für meinen Mann und mich ein neuer Lebensabschnitt begann. Damals waren wir das erste Mal bei der Therapeutin in Westermarkelsdorf auf Fehmarn, gewesen, die meinen Mann so wirksam behandelte, dass wir uns im Laufe der nächsten Wochen entschlossen, ganz auf die Insel zu ziehen.

Und wir waren so voller Hoffnung! Es war eine wunderschöne Zeit, und heute denke ich daran. Ich habe damals davon geträumt, dass mein Mann auf einer Liege auf der Wiese liegt, unter einem Apfelbäumchen, und ich daneben sitze und schreibe. Und ein Hündchen liegt unter dem Tisch.

Unser Apfelbäumchen, das wir vor zwei Jahren gepflanzt haben, hat dieses Jahr tatsächlich die ersten winzig kleinen Früchte – der Hund liegt brav neben mir, nur mein Mann ist leider nicht mehr da.

Aber ich merke und bin glücklich, dass meine Träume in Erfüllung gehen, auch wenn immer wieder Verluste zu bewältigen sind. An diesem Tisch unter dem Apfelbäumchen arbeite ich jetzt an meinen Projekten – umgeben von blühenden Büschen und herrlichen Rosen. IMG_7550Ich wünsche Ihnen schöne Sommertage, an denen Sie Zeit für sich haben!

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12 Comments

  1. Monika Bidler 2. Juli 2015 at 01:30 - Reply

    Liebe Beate, wie immer war es ein Genuß Deinen Blog
    zu lesen und danke auch für die schönen Fotos.
    Einfach toll – Zeit für mich… ich möchte es auch einmal
    erleben, aber kaum machbar bei mir.
    Dir wünsche ich ebenfalls einen schönen Sommer und
    viel Zeit für Dich unter dem Apfelbaum.

    Liebgruß Deine Monika!

    • Dr. Beate Forsbach
      Dr. Beate Forsbach 2. Juli 2015 at 08:21 - Reply

      Liebe Monika,
      danke für Deinen lieben Kommentar.

      Es ist gar nicht so schwierig, versuch es einfach mal.
      Zeit für mich – das kannst Du auch erleben.

      Liebe Grüße
      Deine Beate

  2. Steffenhagen 2. Juli 2015 at 06:38 - Reply

    Liebe Frau Forsbach ein wunderschöner Blog mit Anregungen zum Nachdenken und sehr schöne Bilder von der Sonneninsel Fehmarn seien Sie gegrüßt von Kurt Steffenhagen

    • Dr. Beate Forsbach
      Dr. Beate Forsbach 2. Juli 2015 at 08:22 - Reply

      Lieber Herr Steffenhagen,
      danke für Ihren lieben Kommentar!
      Herzliche Grüße von der Ostsee ans Mittelmeer
      Beate Forsbach

  3. Gunda Dinklage 2. Juli 2015 at 09:00 - Reply

    Liebe Frau Dr. Forsbach,
    habe gerade Ihren wunderbar inspirierenden Blog gelesen. Die wunderschönen Fotos haben mich wieder sehr erfreut. Vor allem freue ich mich darüber, dass es Ihnen einfach gut geht.
    Ich nehme mir auch gerade in diesen Tagen, nach meinem doch anstrengenden Umzug, viel Zeit für mich. Ich lasse einfach meine Seele baumeln, fahre mit dem Fahrrad um das Zwischenahner Meer und genieße die Natur. –
    Die Idee eines festen Schreibtages wöchentlich hat mir sehr gefallen, werde ich versuchen umzusetzen. Herzlichst Ihre Gunda Dinklage.

    • Dr. Beate Forsbach
      Dr. Beate Forsbach 3. Juli 2015 at 10:01 - Reply

      Liebe Frau Dinklage,
      danke für Ihren Kommentar.
      Ja, hier auf der Insel geht es uns ganz gut, alleine die Möglichkeit, jederzeit zum Meer gehen zu können, ist wundervoll.
      Trotzdem müssen wir auch hier arbeiten, aber in angenehmer Umgebung.
      Liebe Grüße
      Beate Forsbach

  4. Roswitha Huber 2. Juli 2015 at 15:01 - Reply

    Liebe Beate,

    für mich – außer ehrenamtlicher Arbeit eigentlich Zeit ohne Ende – kommen Deine Impulse genau richtig! Zum Basteln z.B. muss ich mir wirklich Zeit nehmen, weil mein Tisch dann als Basteltisch benutzt wird und alles auch etwas länger liegen bleiben muss. Oder auch zum Schreiben (Deine Bücher zum Schreibenlernen sind immer noch nicht umgesetzt!) brauche ich auch ‚Zeit am Stück’….vielen Dank also für die Anregungen!

    Ich wünsche Dir Gesundheit und einen kreativen Sommer mit lieben Grüßen
    Roswitha

    • Dr. Beate Forsbach
      Dr. Beate Forsbach 3. Juli 2015 at 10:03 - Reply

      Liebe Roswitha,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Es ist erstaunlich, dass selbst Leute, die eigentlich Zeit ohne Ende haben, keine Zeit zum Schreiben finden. Vielleicht hat mein Blog Dir einen kleinen Anstoß gegeben.

      Auch Dir wünsche ich einen glücklichen und gesunden Sommer!
      Liebe Grüße
      Beate

  5. Ottilie Krafczyk 3. Juli 2015 at 10:29 - Reply

    Liebe Beate
    So langsam komme ich aus meine Krankheit heraus. Bin noch schwach. Aber ich bin da.
    Dein Blog, hat mich wieder so erfreut. Du kannst so wunderschön deine Erlebnisse schildern. Deine Gefühle und deine Gedanken, kommen so gut bei deinen Fans an.
    Schreib doch so wie du versprochen hast und dein Roman über das Leben deiner Mutter wird zum Besteller im deinem Verlag werden.

    Ich grüße dich herzlich und hoffe sehr, dass du deine Tage
    „für dich „nutzen wirst.

    Tilli

  6. Dr. Beate Forsbach
    Dr. Beate Forsbach 3. Juli 2015 at 10:33 - Reply

    Liebe Tilli,

    danke für Deinen Kommentar. Ich freue mich, gute Nachrichten von Dir zu bekommen und hoffe, dass mein Blog Dir ein wenig Motivation gibt, wieder an Deinem nächsten Buch zu schreiben.

    Gerne möchte ich einen Roman schreiben, ich habe auch schon begonnen – aber zur Zeit habe ich noch ein dickes Pensum an Sachbüchern zu erledigen.

    Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute!
    Herzliche Grüße
    Beate

  7. Margret Tekolf 4. Juli 2015 at 19:44 - Reply

    Liebe Beate wieder einmal ein Blog mitten aus dem Leben, es freut mich dass es dir gut geht und du nicht bereust auf die Insel gezogen zu sein.
    Den Bademantelltag kenne ich den gönne ich mir hin und wieder mal, ein herrliches Gefühl.
    Heute hatten wir einen Ausflug mit dem Blindenverein bei dieser grossengroßen Hitze kein reines Vergnügen, wäre lieber irgendwo am Wasser gewesen.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende bis bald

    Deine Margret

    • Dr. Beate Forsbach
      Dr. Beate Forsbach 5. Juli 2015 at 11:10 - Reply

      Danke, liebe Margret,

      für Deinen lieben Kommentar!
      Heute braucht man hier keinen Bademantel – es ist schön warm.
      Zum Wassser gehen wir erst gegen Abend, mein Hund mag in der Hitze auch nicht so gerne laufen, hat ja einen dicken Pelz an.

      Bereut habe ich nie etwas, auch nicht den Umzug nach Bamberg. Wir haben dort schöne Zeiten erlebt. Aber hier bin ich jetzt richtig angekommen – und hier wollte ich schon immer hin, seit ich vor fast vierzig Jahren das erste Mal hier war.

      Liebe Grüße
      Deine Beate

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